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Toxische Beziehungen


von Chris Gust

Da hast du entweder noch nie etwas von gehört, oder es wirbeln möglicherweise gleich Wörter wie Narzissmus, Unterdrückung oder Ähnliches durch deinen Kopf. Toxisch bedeutet giftig. Wenn eine Beziehung also toxisch ist, bedeutet das, dass ein Teil der Beziehung immer mehr vergiftet wird, dass diese Beziehung nicht gut tut.

Auf meinem langen Weg aus der Angst zu mir selbst, der mich hoffentlich durch Reife, Veränderung und verschiedenste Prozesse immer weiterführen wird, erlebte ich einen Moment, an dem meine Seele so laut schrie, dass ich sie fortan nicht mehr ignorieren konnte.

So viel hatte ich schon gelernt und erkannt, was meine Prägungen und roten Fäden anging und dennoch war konstant ein beklemmendes Gefühl geblieben und ich hatte bis zu diesem Moment keine Ahnung, warum.

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Chris Gust: Toxische Beziehungen
© cottonbro/pexels.com


Ich hatte probiert, dieses Gefühl von allen Seiten zu beleuchten, mich selbst immer wieder in Frage gestellt, Verhaltensmuster überprüft. Wie eine Detektivin versuchte ich, dem auf die Spur zu kommen, was sich da so hartnäckig hielt, viele Tränen hat mich das gekostet- erfolglos.

Bis zu eben diesem Moment.
Der Schmerz war schier unerträglich. Ich schluckte und rang nach Luft. Die langsam sickernde Erkenntnis nahm mir die Luft zum Atmen und sprengte gleichzeitig dieses einengende Gefühl um mein Herz kurzerhand weg.

Das war der Zeitpunkt, als ich ganz bei mir angekommen war und endlich auch den letzten schmerzhaften Blick hatte erlauben können: ich erkannte, dass ich wieder toxische Beziehungen zugelassen hatte.

Ja, du liest richtig. Ich hatte das zugelassen. 

Mir selbst einzugestehen, dass ich vieles einfach nicht hatte sehen wollen, dass ich aus Angst bei vielen Dingen geschwiegen hatte, dass ich Gesagtes nicht hören wollte, weil ich durch meine Unsicherheit glaubte, es sei mein Fehler (ein ganz typischer Fehler), erfordert viel Kraft, denn an dem Punkt kann sich auch zeigen, dass man etwas beenden muss, um sich zu schützen. In der Vergangenheit hatte ich auch genau das getan. Ich hatte Beziehungen und Freundschaften, die für mich giftig wurden, beendet, war geflüchtet. Nicht wissend warum und dass das auch ganz viel mit mir selbst zu tun hatte.

Chris Gust: Ich hatte probiert, dieses Gefühl von allen Seiten zu beleuchten
© cottonbro/pexels.com


Nun war ich offensichtlich war bis zu diesem Punkt gewachsen, an dem ich in der Lage war, stark genug war.

Toxische Beziehungen, da denken viele sofort an einen „Bösen“ oder „Schuldigen“, aber das Thema beinhaltet viel mehr, denn es gibt sie in unterschiedlichen Ausprägungen und Konstellationen. 
Es gibt sie in Beruf, Freundschaft, Partnerschaft.

Wir alle, so auch beide Parts in toxischen Beziehungen, haben unsere Päckchen mit Prägungen, die wir mit uns herumschleppen. Bis wir sie uns genauer ansehen und dann entscheiden, ob wir sie weiter mit- bzw. hinnehmen, oder lieber bewusst an einer Lösung arbeiten wollen.

Kurz flammte in diesem Moment die Frage in mir auf: „Warum jetzt erst?“ aber sie flaute sofort wieder ab, denn die Antwort trug ich, wie alles, in mir: weil ich nun stark genug dafür war. 

Es senkt sich seitdem eine unendliche Stille über mich und ich entschied in diesem Moment, dass ich nie wieder etwas in meinem Leben dulden werde, was mich meinen Frieden kostet.

Chris Gust: Es war mir klar, dass nichts mehr sein würde, wie es war
© cottonbro/pexels.com
Es war mir klar, dass nichts mehr sein würde, wie es war.
Es war (einer) dieser besonderen Momente, der mein Leben änderte.
Kein Kampf mehr um Dinge, die ich nicht ändern kann und die es nicht wert sind.
Keine Menschen mehr in meinem Umfeld, die mich klein machen, anstatt mich wertzuschätzen.
Keine falschen Kompromisse mehr auf meine Kosten.
Keine oberflächlichen Freundschaften, die nur solange halten, wie man die Bedürfnisse der anderen stillt.
Keine falsche Bescheidenheit oder Scham mehr.

Die Enge, die ich nicht erklären konnte, wurde weit - voller Möglichkeiten - und so begann mein Leben ein weiteres Mal. Als eben die Person, die ich wirklich bin, wenn ich bis ins letzte Detail konsequent zu mir selbst stehe. Es fügt sich alles und mein Vertrauen in mich und das Leben ist mittlerweile tief. 

Im ersten Schritt werden solche Beziehungen zu Energieräubern, das bedeutet, das Zusammensein mit Menschen, die dir nicht gut tun, füllt nicht mehr deine Akkus auf.

Eine gesunde Beziehung wird auf Augenhöhe und respektvoll gelebt. Nicht eine*r gewinnt oder bestimmt immer und nicht eine*r steckt grundsätzlich (um des lieben Friedens Willen) zurück.

Menschen wie ich, die sich erst ein eigenes Selbstbewusstsein in Freundschaften und Beziehungen erarbeiten mussten, weil sie von zu Hause und durch Erlebtes anderes gelernt hatten, machen oft die gleichen Fehler immer wieder und bis zu einem gewissen Punkt merken wir es gar nicht. Anderen Menschen fällt im besten Fall diese Veränderung auf, wenn jemand gar nicht mehr sie*er selbst ist, stiller ist. Im allerbesten Fall sind das Freunde, die dir das auch sagen. Das Glück hat nicht jeder, und da es in toxischen Beziehungen eben immer zwei Seiten gibt, wird für die*den eine*n die Unsicherheit, die Zweifel und das Gefühl der Abhängigkeit immer größer, während die*der andere immer bekommt, was sie*er will. Je länger so etwas andauert, umso schwerer wird es zu erkennen, dass es keine gesunde Beziehung mehr ist.

Betroffene haben oft das Gefühl, sie wären ja selbst Schuld, der Partner würde ja alles für sie tun, sie wären also wohl nur undankbar. Je kleiner man ist, umso leichter treffen Aussagen wie: „Nun sei doch nicht so empfindlich.“ oder „Das habe ich so doch gar nicht gesagt.“ lässt die Betroffene*n immer mehr an sich selbst, ja am eigenen Verstand zweifeln.

Tatsächlich kenne ich auch die Form toxische Beziehung, bei der wirklich ein*e die*den andere*n immer kleiner macht, mit Berechnung. Narzisstische Menschen suchen sich oft gezielt ihre „Opfer“ und dann muss man zu seinem eigenen Schutz wirklich da raus! So ein Mensch wird nicht bereit sein (langfristig) Fehler einzugestehen.

Oft erleben Betroffene in solchen Beziehungen eine Achterbahnfahrt der Gefühle.

Lies dir die folgenden Punkte mal durch, wenn mehrere davon zutreffen, bist du vermutlich in einer toxischen Beziehung und die schürt zum Beispiel Ängste enorm. 
Du bist wertvoll, du kannst so etwas beenden. 
Mache dich schlau, wenn du bereits jetzt einen Knoten in deinem Magen verspürst. 

•Wenn du in deiner Beziehung sehr oft das Gefühl hast, dass du nie gut genug bist, dich immer noch mehr anstrengen musst, um den Ansprüchen gerecht zu werden.
•Bei Verletzungen, die dir zugefügt werden, wartest du vergebens auf eine Entschuldigung?
•Durchlebst du eine Achterbahnfahrt der Gefühle im unsicheren Sinn?
•Hast du immer das Gefühl, an allem schuld zu sein?
•Bekommst du immer das Gefühl vermittelt, du müsstest zustimmen, weil du ihm*ihr mehr glaubst, als dir selbst, nur um den Frieden wieder herzustellen?•Hast du dich sehr verändert in der Beziehung?
•Bist du anders, wenn du dich frei von der Beziehung mit jemandem unterhältst?

•Entschuldigst du dich für Sachen, die eigentlich gar nicht deine Schuld waren?

•Bist du der Meinung, du müsstest ihm*ihr alles erzählen und hast selbst schon bei Nicht-Erwähnen von etwas Harmlosen ein schlechtes Gewissen?
•Schafft es dein*e Partner*in, dir jedes Wort im Mund umzudrehen?
•Lügt er*sie dich an und verdreht die Wahrheit dennoch, wenn du ihn*sie damit konfrontierst und du zweifelst manches Mal fast schon an deinem Verstand?
•Fühlst du dich trotz allem abhängig? Unter anderem, weil Du immer wieder zweifelst, ob nicht doch alles an dir liegt?

Wenn davon etwas für dich zutrifft, hast du vielleicht gerade den allerwichtigsten Schritt getan: das ist es, zu erkennen und sich das einzugestehen.

Nun kannst du entscheiden, wie es weitergehen soll. Nicht immer muss das das Ende einer Freundschaft oder Beziehung sein.

Chris Gust: Nun kannst du entscheiden, wie es weitergehen soll
© cottonbro/pexels.com


Liebevoll und wohlwollend gemeinsam aus so etwas herauszuwachsen ist eine sehr große Herausforderung, und eine großartige Chance. Das schreibt sich leichter, als es ist, es bedarf viel Arbeit, Ehrlichkeit und die gnadenlose Bereitschaft - von beiden - auch bei sich selbst Unangenehmes zu betrachten. Aber es geht, wenn Liebe die Basis ist.

Lass dir bitte von niemandem das Gefühl geben, du seist nicht gut genug, oder du müsstest dir Liebe erst verdienen.

Jemand, der dich liebt, tut das mit allem, was du bist.

Jemand, der dich liebt, unterstützt dich in deiner Entwicklung.

Jemand der dich liebt, gibt dir ein sicheres Gefühl und lässt dich dennoch frei.

Ich werde mit allem, was mich das Leben gelehrt hat, was ich bin, meiner Berufung folgen und mich für die Dinge einsetzen, hinter denen ich mit jeder Faser stehe. 

Dabei möchte ich mitreißen, aufklären, begeistern, Mut machen, Spaß haben, lachen, lieben, genießen, immer wieder Neues entdecken und für die laut werden, die selbst noch zu leise sind.

♡ with love. always. ♡

C H R I S

Noch mehr Informationen und Anregungen kannst Du übrigens in meinem Buch „Du bist so viel mehr als Deine Angst“ (ISBN 978-3-95949-317-8 , MAIN-Verlag Edition Antheum spirit) nachlesen.

Chris Gust - Was werden wir in die Zeit nach big C mitnehmen?
© Chris Gust


Mein zweites Buch, das „Panikler ABC“ (Arbeitstitel) wird planmäßig Anfang 2021 erscheinen.

Außerdem kannst du auf meinen Seiten (www.chris-heart.de) und der Seite von „Mutruf“ – einander Halt geben e.V., dem Telefondienst für Panikler, noch weitere Infos und Verlinkungen finden.( www.mutruf.de)



Chris Gust

Chris Gust
© Chris Gust
Aufgewachsen in einer niedersächsischen Kleinstadt zog es CHRIS GUST schon immer nach Hamburg, der Heimatstadt ihrer Eltern. Sie sieht Hamburg mit allen kulturellen Möglichkeiten und dem ganz besonderen hanseatischen Charme, der meist alles andere als "steif" ist, als "ihre" Stadt an und lebte einige Jahre mittendrin.

Mittlerweile lebt und arbeitet sie im nördlichen Speckmantel von Hamburg, weil sie die Natur und Ruhe zum Atmen und Arbeiten ebenso braucht, wie die Möglichkeiten in und die Nähe zur Stadt. Inzwischen mit tiefem Vertrauen darauf, dass sich im Leben alles fügt, plant und organisiert sie hier alles rund um ihr großes Ziel: Niemand soll sich mehr schämen müssen, wenn er an einer Angststörung leidet. meinen Seiten (www.chris-heart.de) und der Seite von „Mutruf“ – einander Halt geben e.V., dem Telefondienst für Panikler, noch weitere Infos und Verlinkungen finden. (www.mutruf.de)

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