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Angststörung? Ist das ansteckend?


von Chris Gust

Natürlich nicht! Aber viele Menschen verhalten sich aus Unsicherheit oder überholtem Psycho-Halbwissen so. Wie soll man auch etwas verstehen, was auch für die Betroffenen selbst zunächst nicht zu erklären ist und die verzweifelt auf der Suche nach Lösungen sind?

Deshalb wende ich mich in diesem Artikel ganz bewusst, an die „Nicht-Panikler“, also Menschen, die nicht selbst von einer Angststörung betroffen sind, denn ich möchte aufklären, Barrieren abbauen, Offenheit schaffen.

Menschen, die von einer Angststörung betroffen sind, haben in den banalsten und ungefährlichsten Situationen teilweise Todesangst.

Sehr häufig treten diese Angstzustände, bis hin zu Panikattacken, in Situationen auf, in denen wir das Gefühl haben, „nicht weg zu können“, wie im Supermarkt an der Kasse; im Kino oder Restaurant; wenn wir von vielen Menschen umgeben sind, z.B. im Theater oder bei einem Konzert; im Stau oder beispielsweise im Wartezimmer eines Arztes. Für die meisten Menschen wäre es absolut peinlich, sich an diesen Orten nicht so zu verhalten, wie es für alle anderen „normal“ ist, das setzt Betroffene zusätzlich unter Druck.

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Angststörung? Ist das ansteckend?
© wadeaustinellis/unsplash

Die erste Panikattacke kommt bei vielen scheinbar „aus heiterem Himmel“, (das tut sie nicht wirklich, aber wenn man noch nicht persönlich miteinander bekannt gemacht wurde, hatte man ja auch noch keinen Grund, sich miteinander zu beschäftigen!) von da an gibt es meiner Meinung nach zwei Wege, wie Menschen damit umgehen:

Nach Abklingen der Symptome sind die Menschen der ersten Fraktion einfach nur erleichtert, dass der Spuk vorbei ist, haken das Ereignis ab und gut ist.


Das ist P E R F E K T ! Aber leider nicht allen vergönnt:

Denn die zweite Fraktion zermartert sich von dem Moment an das Hirn: „Was war das denn? Ich bin bestimmt schwer krank. Ich muss zu einem Arzt. Wieso ist mir das passiert? Hoffentlich kommt das nicht nochmal.“ Und so weiter. Diese Menschen sind ab sofort ständig gewappnet, dass ihnen das erneut passiert, et voilà: der schlimmste Feind und härtester Widersacher, die Angst vor der Angst, wird geboren.

Wer unter Angst & Panik leidet, lebt in seinem eigenen Gedankengefängnis und rechnet jeden Moment mit der nächsten „Attacke“. Das bedeutet 24/7 Dauerspannung und Lauerhaltung.

Das ist unheimlich kräftezehrend und anstrengend ist, vor allem, wenn weiter alles daran gesetzt wird, ja zu funktionieren und sich nichts anmerken zu lassen.

Chris Gust - Was werden wir in die Zeit nach big C mitnehmen?
© Chris Gust

„Dann denk´ halt an etwas anderes!“ ist ein Satz, den man nicht zu jemandem mit einer Angststörung sagen sollte, denn nichts wünschen sich Panikler mehr als das. „Es ist doch gar nicht gefährlich.“ hilft ebenso wenig, das wissen wir nämlich selbst und schämen uns in Grund und Boden, warum uns etwas so schwer fällt, was für andere vollkommen normal ist.

Zu wissen, dass du NICHT in einer lebensbedrohlichen Situation bist, bringt dir aber rein gar nichts, wenn dein Körper dir täuschend echt ein Horrorszenario inklusive der körperlichen Symptome vorspielt.

Zu wissen, dass du auch diese Attacke wieder überleben wirst und dich hinterher über dich selber ärgerst, mildert die unangenehmen Gefühle trotzdem nicht ab.


Wer kennt es nicht: „Denk´ jetzt nicht an ein blaues Fahrrad!“ …

Vielleicht kennst du irgendeine Angst (Höhenangst, Flugangst oder Ähnliches, was gesellschaftlich akzeptiert ist) von dir selbst oder hast dafür ein gewisses Verständnis? Auch diese Ängste sind nicht rational zu begründen und fühlen sich dennoch furchtbar an, nicht wahr?

Wenn wir Angst haben, spielt unser Körper ein vollautomatisches Programm zu unserem Schutz ab, denn grundsätzlich soll uns in einer bedrohlichen Situation z.B. eine Flucht ermöglicht werden. Um die entsprechenden körperlichen Voraussetzungen zu schaffen, verändert sich unser Puls, wir haben eine andere körperliche Anspannung, unser Blick fokussiert sich anders usw.

Menschen, die an einer Angststörung leiden, befürchten ständig den gesundheitlichen Super-Gau und interpretieren dadurch in Sekundenschnelle, das oben beschriebene (grundsätzlich vollkommen normale) Körperverhalten bei Angst, schlichtweg absolut falsch.


Laut einer internationalen Studie sind Angststörungen, noch vor den Depressionen, die häufigsten psychischen Erkrankungen überhaupt
© dariusbashar/unsplash
Aber wer weiß das?

Das gehört eben nicht zu den Themen, zu denen uns in der Schule etwas gesagt wird, oder wo man irgendwann mal von jemandem beiseite genommen wird und gesagt bekommt: „Ach und übrigens, solltest du irgendwann in deinem Leben mal einfach so Panik bekommen, denk´ dir nichts dabei, das passiert vielen im Laufe ihres Lebens, wenn sie Stress haben und gibt sich wieder, wenn du besser auf dich achtest.“


Fakten:

Laut einer internationalen Studie sind Angststörungen, noch vor den Depressionen, die häufigsten psychischen Erkrankungen überhaupt. Allein in Europa leiden rund 60 Millionen Menschen daran, ungefähr zwölf Millionen sind es in Deutschland, Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Rund die Hälfte aller Angststörungen wird nicht erkannt und deshalb nicht richtig behandelt. (Quelle: DGPPN, Pressemitteilung 2017) 

Umso wichtiger ist, dass sich für Betroffene etwas ändert. Durch entsprechendes Hintergrundwissen, Offenheit und Aufklärung wird schnell klar, dass jeder betroffen sein könnte. Für mich ist es daher meine Berufung geworden, mit allem, was ich bin und kann für andere Betroffene in der Gesellschaft etwas an der Tabuisierung von Angststörungen zu ändern.


Du kannst helfen!

Sei offen. Informiere dich. Grenze nicht aus.

Es gibt ganz viele verschiedene Hilfsangebote. Wenn jemand aus deinem Umkreis betroffen sein sollte, erzähle von diesem Artikel, dass es ganz viele Möglichkeiten gibt, einen anderen Umgang mit dem Thema zu erlangen und dass es sehr wohl Wege aus dem Teufelskreis Angst & Panik gibt!

Noch mehr Informationen und Anregungen kannst Du übrigens in meinem Buch „Du bist so viel mehr als Deine Angst“ (ISBN 978-3-95949-317-8 , MAIN-Verlag Edition Antheum spirit) nachlesen.

Außerdem kannst du auf der Seite von „Mutruf“ – einander Halt geben e.V., dem Telefondienst für Panikler, noch weitere Infos und Verlinkungen finden. www.mutruf.de

 
Love & light, Chris


künstlerin   |   autorin   |   mutmacherin   |   vollherzmama   |   querdenkerin   |   mensch


Chris Gust
© Sebastian Fuchs
Aufgewachsen in einer niedersächsischen Kleinstadt zog es CHRIS GUST schon immer nach Hamburg, der Heimatstadt ihrer Eltern. Sie sieht Hamburg mit allen kulturellen Möglichkeiten und dem ganz besonderen hanseatischen Charme, der meist alles andere als "steif" ist, als "ihre" Stadt an und lebte einige Jahre mittendrin.

Mittlerweile lebt und arbeitet sie im nördlichen Speckmantel von Hamburg, weil sie die Natur und Ruhe zum Atmen und Arbeiten ebenso braucht, wie die Möglichkeiten in und die Nähe zur Stadt. Inzwischen mit tiefem Vertrauen darauf, dass sich im Leben alles fügt, plant und organisiert sie hier alles rund um ihr großes Ziel: Niemand soll sich mehr schämen müssen, wenn er an einer Angststörung leidet.

Websites von Chris Gust:
www.chris-heart.de  |  www.mutruf.de


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