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Eine Walderfahrung mit Folgen


von Monika Richrath

Ende 2012 hatte ich eine fast mystische Walderfahrung - allerdings nicht im Wald selbst, sondern in einem Museum: in der Ausstellung „A bigger picture“ von David Hockney und freute mir ein Loch in den Bauch, dass ich die Gelegenheit hatte, diese Ausstellung überhaupt überhaupt zu sehen, da sie nur an drei Standorten weltweit zu sehen war.

David Hockney war nach Großbritannien gereist, um einen kranken Freund zu unterstützen. Die ausgestellten Bilder hatte Hockney während dieser Reise gemalt. Hier erhalten Sie einen Eindruck von der Ausstellung. Im Film befindet sich die Kamera in der 2. Minute in einem eher dunklen Raum, in dem an allen vier Wänden Filme laufen. Hockney hatte die Kamera auf den Fahrten zu seinem Freund laufen lassen, während er im Schritttempo durch den Wald fuhr.

Als ich diesen Raum betrat, hatte ich schon einige Zeit in den Museumsräumen verbracht. Ich war schon ein wenig erschöpft, wegen der schlechten Luft, den vielen Menschen und Eindrücken — obwohl Kunst eigentlich immer eine belebende Wirkung auf mich hat. So kam ich in diesen Raum. Ich merkte sofort, dass etwas mit mir geschah. Ich veränderte mich, ohne dass ich hätte sagen können, warum und in welcher Form. Nur, dass ich mich nun anders fühlte - und besser!

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Forest woman PhotoGranary/pixabay 72
© PhotoGranary/pixabay


Was war passiert?

Natürlich habe ich mich sofort gefragt, warum. Ich war in dem Raum ja nicht in einer grundsätzlich anderen Umgebung gewesen (außerdem war es nicht so dunkel wie in dem Video), sondern befand mich nach wie vor in dem nüchternen, modernen Ambiente des Museum Ludwigs in Köln. Nur die Bildschirme gab es in den anderen Räumen nicht und auch nicht, was darauf zu sehen war. Konnte es sein, dass Natur so eine Wirkung auf mich ausübte?

Dem wollte ich gründlicher nachgehen. Als ich das nächste Mal in den Wald ging, beobachtete ich mich aufmerksam. Dabei machte ich eine erstaunliche Entdeckung: Wenn ich den Wald betrete, ist es, als würde ein über mir hängender Schleier fortgezogen, alle Sinne öffnen sich und stehen auf Empfang.


Leider geht es auch andersrum

Habe ich beim nächsten Mal erfahren. Das Waldstück, in das ich zu gehen pflegte, war nicht allzu groß, wenn ich nur lang genug ging, kam ich in einem Gewerbegebiet heraus, wo es u. a. einen riesigen Supermarkt gab. Eines Tages hatte bekam ich im Wald die Idee, mir in dem Supermarkt etwas zu kaufen und entschied, in den Supermarkt zu gehen, direkt vom Wald aus. Das war richtig krass, in dem Augenblick, in dem ich die Eingangshalle des Supermarkts betrat, in dem schon die üblichen Stände wie Schlüsseldienste, Zeitungskiosk und Imbisse aufgebaut waren, wurde wieder der Schleier über mich geworfen. Zack Bumm! Aus und vorbei.

Die entspannungsfördernden Aspekte des Waldes für Menschen sind durch zahlreiche Studien belegt. Dies hat sehr viel mit Evolution zu tun, in deren Lauf Menschen gelernt haben, den Nutzen der Natur für sich zu schätzen. Bäume bieten z. B. Schutz, Früchte Nahrung. Viele Pflanzenteile sind essbar oder anderweitig verwendbar. Gewässer bieten Trinkwasser und Fische. Es gibt sogar Studien, die belegen, dass der Aufenthalt in der Natur hilft, uns zu regenerieren, uns von sog. „gerichteter Aufmerksamkeit“, die wir im Alltag, in der Schule und im Beruf, aufbringen müssen, zu erholen.

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© lucabravo/unsplash


Die Natur fordert unsere Sinne

Die Natur ist noch aus einem anderen Grunde sehr gut geeignet zur Entspannung und Erholung. Alle Sinne werden dort gefordert, es gibt viel zu sehen, fühlen, hören … Zwangsläufig hören wir auf uns mit uns selbst zu beschäftigen, unsere Aufmerksamkeit wird von selbst nach außen gelenkt. In der Natur können wir immer wieder das Wunder der Welt, das Wunder des Lebens bestaunen, die Perfektion der Schöpfung. Unsere Gedanken verbinden sich mit dem, was wir in der Natur vorfinden, Dinge, die wir sehen helfen dabei, unser Leben zu versinnbildlichen und darüber nachzudenken. In der Natur erfahren wir den Artenreichtum und die Vielfalt als Gewinn, im Gegensatz zu unserem technisierten Alltagsleben.


In der Natur gibt es keine Bewertung

Ebenfalls sehr wichtig für die Entspannung in der Natur: hier sind wir nicht in unserer gewohnten Alltagsumgebung, mit seinen üblichen Anforderungen, hier können uns verbinden mit dem Großen Ganzen, müssen keine Rolle spielen, sondern dürfen einfach sein. Denn in der Natur entfällt jede Form von Bewertung, denn die vorhandenen Lebensformen bewerten uns nicht. Darum dürfen wir einfach so sein, wie wir sind. Hier sind wir einfach eine Kreatur unter Kreaturen.

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Being away

Auch das sollte ein Grund sein für hochsensible Menschen, möglichst häufig Auszeiten in der Natur zu nehmen. Ich habe in dem Buch „der Biophilia-Effekt“ den Begriff „Being away“ gefunden, der mir unglaublich gut gefallen hat. Da viele hochsensible Menschen, oft von Kindesbeinen an, die Erfahrung machen, dass sie irgendwie anders sind als die anderen, glauben oder glaubten wir häufig, nicht in Ordnung zu sein oder nicht liebenswert. Ein Aufenthalt in der Natur kann auf jeden Fall dazu beitragen, dass wir uns besser fühlen. Es gibt übrigens hierzu eine äußerst interessante Studie von Angela Meyer von der Universität Montana, die gerade diesen besonderen Naturaspekt mit einer Gruppe lesbischer, bisexueller oder transsexueller Frauen testete, die im Alltag vielfach unter Bewertungen ihrer sexuellen Orientierung zu leiden hatten und den Aufenthalt in der Natur sehr heilsam und wohltuend erlebten.

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© jeonsango/pixabay


Ich habe mittlerweile übrigens auch herausgefunden, warum ich mich im Museum so anders fühlte - der Wissenschaft sei dank.

„Baum-Patienten“ und „Hausmauer-Patienten“

Schon 1972 begann Professor Roger Ulrich eine Studie, die sich über neun Jahre erstreckte. In dieser Studie untersuchte er die Genesung von Patienten im Krankenhaus, die entweder aus dem Fenster des Krankenhauszimmers einen Baum oder eine Hauswand sehen konnten.

Dabei stellte sich heraus, dass die „Baum-Patienten“ schneller genasen, weniger Schmerzmittel benötigten und weniger mit postoperativen Komplikationen zu tun hatten als die „Hausmauer-Patienten.“ Ulrich führte noch andere Studien durch, in denen er beweisen konnte: Selbst eine Naturerfahrung die mittelbar erfolgte über Filme, Fotos oder Tonband wirkt sich heilend aus und kann z. B. Schmerzen verringern. Selbst eine Pflanze im Krankenzimmer kann bereits etwas bewirken.

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© Free-Photos/pixabay


Waldmedizin

Auch japanischen Wissenschaftlern, die die Wirkung der Waldatmosphäre auf gestresste Menschen untersucht haben, verdanken wir interessante Einsichten. Dabei kam heraus, dass bei Männern der Adrenalingehalt im Urin nach einem eintägigen Aufenthalt im Wald um 30 % sank, bei Frauen sogar um mehr als die Hälfte. Nach einem zweiten Tag im Wald sank er bei den Männern um 35 % und bei Frauen betrug er nur noch ein Viertel des Originalgehalts. Seit 2012 gibt es sogar einen eigenen Forschungszweig an Universitäten: die Waldmedizin odersog. „Forest Medicine“.


Der Biophilia-Effekt Heilung aus dem Wald
Clemens G. Arvay (Autor)
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Die bioaktiven Stoffe des Waldes

Der beste Waldeffekt: Im Wald atmen wir bioaktive Stoffe ein, die von den Pflanzen abgegeben werden. Dazu gehören auch sog. Terpene, die von uns hauptsächlich über die Haut und die Lungen aufgenommen werden. Einige dieser Terpene reagieren mit unserem Immunsystem, für sie wurde eine anti-kanzerogene und stärkende Wirkung auf unser Immunsystem nachgewiesen. Alleine ein ausgedehnter Spaziergang durch den Wald sorgt dafür, dass die Aktivität Ihrer Killerzellen für ca. 7 Tage erhöht wird. „Shinrinyoku“ bzw. „Waldbaden“ ist in Japan heute eine anerkannte Stressbewältigungsmethode, die dazu noch öffentlich gefördert wird. Dabei ist es gar nicht notwendig, sich besonders anzustrengen. Es geht einzig und allein darum, sich in der Natur aufzuhalten, die gesundheitsfördernde Wirkung mit allen Sinnen zu genießen.

Da kann man natürlich noch eins draufsetzen, z. B. indem wir Verbindung aufnehmen mit den Tieren in der Natur. Die Autorin Ulrike Fokken schlägt vor, sich einfach eine Viertelstunde ganz still irgendwo hinzusetzen und nichts zu tun. Dann beginnen die Tiere sehr schnell, uns als Teil der Natur zu sehen und verlieren ihre Scheu näher. Damit habe ich schon schöne Erfahrungen gemacht. Probieren Sie es einfach einmal aus.

Ein interessantes Update: mein Wunsch nach Wald wuchs immer weiter und weiter. Ich brauchte noch mehr Wald. In mir keimte der Wunsch auf, den Wald künftig auch direkt von meiner Wohnung oder meinem Haus aus zu sehen … und wissen Sie was? Mittlerweile lebe ich in einer Wohnung direkt am Waldrand, so dass der Wald immer sehr präsent ist.


Monika Richrath
© Monika Richrath
Monika Richrath über Monika Richrath

Richrath EFT Lösung

Nach dem dritten Burnout und drei Autoimmunkrankheiten (Fibromayalgie, Hashimoto, Nebennierenschwäche) ist mir endlich klar geworden, dass ich nicht funktionieren kann in den üblichen Strukturen der Arbeitswelt und ich habe den Mut gefunden, mich selbständig zu machen. Seit 2011 arbeite ich als Coach und Trainerin für Klopfakupressur und bin die Autorin eines Blogs.

Direkt zur Homepage von Monika Richrath:
www.eft-fuer-hochsensible-menschen.de
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