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Hochsensibilität: 10 belastende Kindheitserfahrungen


von Monika Richrath

 
Ich bin schon ziemlich lange davon überzeugt, dass Trauma, bzw. Entwicklungstrauma sich sehr massiv auf die Persönlichkeitsentwicklung und vor allen Dingen auch auf die Gesundheit auswirkt.

Unter einem Entwicklungstrauma versteht man sich wiederholende Erlebnisse als Kind, die in uns sehr viel Stress ausgelöst haben und uns quasi auf eine innere Alarmbereitschaft geprägt haben.  Häufig ist dies auch mit vielen Ängsten verbunden (die einen dann auch im Erwachsenenleben nicht wirklich loslassen). Es ist davon auszugehen, dass diese Ereignisse in uns eine innere Landschaft anlegen, die wir dann als „Hochsensibilität“ empfinden. (Also eher eigentlich Vulnerabilität und natürlich ist auch klar, dass es an der jeweiligen persönlichen Resilienz und den Umständen liegt, wie intensiv die Ausprägung dann ist.)

Im Rahmen meiner Beschäftigung mit dem Thema Trauma bin ich immer wieder auf den Begriff ACE (Adverse Childhood Event: Belastende Kindheitserfahrung) gestoßen. Natürlich beschäftigen sich auch Wissenschaftler mit der Frage, ob die belastenden Kindheitserfahrungen sich auf das spätere Leben auswirken. Dabei sticht besonders die CDC-Kaiser-ACE Studie vor, die 1998 im Journal of Predictive Medicine veröffentlicht wurde. Diese Studie wurde gemeinsam mit dem Center for Disease Control and Prevention und der privaten Krankenversicherung Kaiser Permanente durchgeführt. Die Studie enthält Daten von 17.421 Menschen, die in der Mehrheit weiß waren und eine akdemische Bildung erhalten hatten und über eine gute Gesundheitsversorgung verfügten. Mehr Einzelheiten über diese Studie finden Sie hier.

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Hochsensibilität: 10 belastende Kindheitserfahrungen
© Matheus Bertelli/pexels.de


Diese Studie hat übrigens dazu geführt, dass viele Länder ebenfalls Studien über belastende Kindheitserfahrungen durchgeführt haben.

Graph showing how adverse childhood experiences are related to risk factors for disease, health, and social well-being. The lifespan is represented as an arrow ascending past the layers of a pyramid, beginning at Adverse Childhood Experiences and moving through Social, Emotional, and Cognitive Impairment; Adoption of Health-risk Behaviors; Disease, Disability, and Social Problems; and finally Early Death. Smaller arrows depict gaps in scientific knowledge about the links between Adverse Childhood Experiences and later risk factors. Charles Whitfield, M.D., Centers for Disease Control and Prevention

Nur kurz zu den Ergebnissen (denn eigentlich finde ich vor allem die Liste der Erfahrungen für uns interessant): mehr als zwei Drittel Studienteilnehmer*innen erlebten mindestens eine belastende Erfahrung in der Kindheit, eineR von 5  Teilnehmer*innen mindestens 3 . Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass belastende Kindheitsereignisse chronische Krankheiten begünstigen, wie schweres Übergewicht, Krebs, Herzkrankheiten, Lungenkranktheiten, Schlaganfall, Diabetes, Depression, usw.) Dazu kamen noch Verhaltensweisen, die der Gesundheit nicht zuträglich waren wie Rauchen, Alkoholmissbrauch, Substanzmittelmissbrauch usw.) Es gilt als belegt, dass ein Dosis-Wirkungs-Verhältnis zwischen den ACEs und negativen Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden besteht und dass dieses Risiko mit der Anzahl der ACEs steigt.

Wenn Sie sich weiter unten die Liste ansehen, dann werden Sie merken, dass es sich hierbei nicht um einmalige Vorkommen handelt, sondern eher um Zustände, die nicht punktuell, sondern vermutlich andauernd – wenn nicht sogar anhaltend über einen sehr langen Zeitraum – waren.

Ich möchte mich mit meine Liste nicht ganz sklavisch an die offizielle ACE-Liste halten, auch wenn sie im Wesentlichen übereinstimmt:

 

1. Ein oder beide Elternteile sind süchtig
Dabei muss es sich durchaus nicht nur um Alkohol handeln, es kann sich auch um Sex, Spiele, Drogen, Arbeit, Essen, Fremdgehen, Fernsehen, Putzen usw. handeln. Was man dabei im Blick haben sollte: die Sucht geht immer, immer vor. Und der nichtsüchtige Elternteil ist dabei sehr häufig vor allem auf den süchtigen Elternteil bezogen, d. h., die Kinder bleiben eher außen vor und erhalten sehr viel weniger Aufmerksamkeit, abgesehen von allen anderen Schwierigkeiten, die die Sucht eines oder mehrerer Elternteile mit sich bringt. Ich stamme selbst aus einem Alkoholikerhaushalt und werde demnächst dazu noch mehr schreiben. Auf jeden Fall gehört zur Liste der Konsequenzen das  (unangebrachte) Übernehmen von Verantwortung für die Familie, weil die Eltern selbst dazu häufig nicht in der Lage sind. Auch das Verleugnen und Verdrängen sowohl nach innen (was eigene Gefühle angeht) als auch nach außen (was die Zustände in der Familie angeht) sind ebenfalls sehr wichtige Auswirkungen auf Kinder, deren Eltern süchtig sind.


2. Verbale Angriffe

In Ihrem Zuhause gibt es keine Ruhe, die Eltern streiten sich häufig untereinander. Auch für Sie gibt es keine Liebesbeweise, nie bekommen Sie zu hören, dass Sie etwas gut gemacht haben, dass Sie geliebt werden o. ä. Statt dessen werden Sie dauernd heruntergeputzt und man lässt keine Gelegenheit aus, Ihnen zu vermitteln, dass Sie einfach nicht wichtig sind. Häufig machen Sie die Erfahrung, dass ein Geschwisterkind durchaus geliebt oder bevorzugt wird, oder dass die Eltern oder ein Elternteil sich mit Geschwisterkindern gegen Sie verbünden.


3. Emotionaler Missbrauch

Sie müssen häufig als Partnerersatz für einen Elternteil herhalten, entweder, weil der Elternteil tatsächlich nicht mehr da ist, oder weil er sich abgewandt hat und emotional überhaupt nicht mehr verfügbar ist. Sie werden als Vertraute der Mutter benutzt und in Ehegeheimnisse eingeweiht, die sie nicht wissen wollen oder auf die Seite des Vaters gezogen und dienen als Verbündete. Sie dürfen kein Kind sein.


Emotionaler Missbrauch
© Pixabay/pexels.de


4. Vernachlässigung

Sie haben einfach das Gefühl, nicht zu zählen, bedeutungslos zu sein.  Und das ist das schlimmste von allem. Vielleicht haben Sie schon einmal von den Experimenten mit gegorenem Reis gehört, der jeweils unterschiedlichen Behandlungen unterzogen wurde (liebevoller Zuspruch, verbale Attacken und völliges Linksliegenlassen). Die Reisproben, die einfach nicht beachtet wurden, zweigten die schlimmsten Auswirkungen. Jemand der so aufwächst, wird Schwierigkeiten haben, sich selbst wichtig zu nehmen, Selbstliebe zu entwickeln und ein erfülltes Leben zu führen. Hier gibt es durchaus Überschneidungen mit anderen Punkten, zum Beispiel mit Punkt 2.


5. Gewalt

Dies kann sowohl sexuellen Missbrauch beinhalten, als auch tatsächlich köperliche Züchtigung und Schläge. Hier geht es um Grenzverletzungen, Vertrauensverlust, körperliche Unversehrtheit, aber es spielen auch noch andere Faktoren mit hinein. Vielleicht haben wir Verantwortung dafür übernommen, für die Sicherheit andere Familienmitglieder zu sorgen (manchmal zu Lasten unserer eigenen).


6. Verlassenwerden

Dies kann alles mögliche beinhalten. Vielleicht stirbt jemand, der für Sie eine wichtige Bezugsperson war. Vielleicht verlässt ein Elternteil tatsächlich die Familie, und der andere Elternteil ist mit der Sicherung des Lebensunterhaltes beschäftigt, so dass niemand sich mehr mit Ihnen beschäftigen kann. Es kann aber auch bedeuten, dass niemand jemals Zeit für Sie hat. Viele von uns hatten Eltern, die nach dem Krieg damit beschäftigt waren, sich eine neue Existenz aufzubauen. Die Kinder liefen einfach nur so mit.


7. Frühe Bindungsabbrüche

Vielleicht wurden Sie zur Adoption freigegeben oder wuchsen als Pflegekind bei anderen als den ursprünglichen Eltern auf, vielleicht sogar in einem Heim. Aber vielleicht war es nicht einmal so etwas Dramatisches, sondern viel Alltäglicheres. Vielleicht hat Ihre Mutter unter einer Postnatalen Depression gelitten, konnte sich nicht mit Ihnen anfreunden, sich nicht auf Sie freuen, musste (vielleicht sogar wiederholt) ins Krankenhaus oder war sonstwie abwesend.


8. Geschwistertrauma

Dies kann ebenfalls viele verschiedene Dinge beinhalten. Vielleicht war ein Geschwister krank und Sie standen daher immer im Schatten dieses Geschwisterkindes.  Vielleicht haben die Eltern auch ein Kind vor Ihrer Geburt verloren und Sie haben den (niemals ausgesprochenen Auftrag) diesen Verlust wieder gut zu machen. Vielleicht wurden Sie Zeuge eines traumatischen Erlebnisses eines Geschwisterkindes, dem Sie nicht helfen konnten. Vielleicht haben Ihre Geschwister Sie gequält. Vielleicht wurde ein Geschwisterkind wie das „goldene Kind“ behandelt (hier kann es durchaus Überschneidungen mit Punkt 2 geben) und Sie wie „Aschenputtel“ behandelt, das kommt gar nicht so selten vor.


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9. Armut

In Armut aufzuwachsen ist eine Erfahrung, die sehr, sehr tief prägt, vor allen Dingen unsere Glaubenssätze über uns selbst und die Welt. Meistens haben unsere Eltern ein entsprechend geprägtes Weltbild, das wir als Kinder übernehmen, weil wir es nicht besser wissen. Dies beinhaltet zum Beispiel, dass wir nicht daran glauben, dass wir alles Gute dieser Welt verdienen und es auch in der Hand haben, etwas dafür zu tun, wir haben kein Bewusstsein für das Potential, das in uns schlummert und möglicherweise fehlt uns eine Art natürlicher Mut …


10. Ein oder beide Elternteile sind psychisch krank

Das ist ebenfalls ein sehr schwieriger Punkt. Psychisch kranke Elternteile sorgen dafür, dass man die Familie nicht als sicheren Ort empfinden kann, da sich die kranke Person immer wieder auf unvorhersehbare Weise verhält, und vielleicht auch dafür sorgt, dass die eigene Wahrnehmung in Frage gestellt wird. Als Kind hat man relativ wenig Möglichkeiten, den Wahrheitsgehalt von Behauptungen Erwachsener zu prüfen, sondern übernimmt deren Ansichten ungefiltert. Das ist sowieso schon schwierig genug, wenn ein Elternteil psychisch krank ist, kann dies bedeuten, dass man selbst in seinem Ausdruck und Verhalten vollkommen gehemmt wird, weil man zur Zielscheibe der Unsicherheiten, des Spotts oder Zorns usw. des entsprechenden Elternteils wird. Auf jeden Fall

Und natürlich können auch hier wieder Verschränkungen mit anderen Punkten entstehen.

Das war ziemlich harter Tobak. Falls Sie jetzt aufgebracht sind, klopfen Sie bitte wie oben gezeigt. Ich selbst bin übrigens mit mindestens 5 der oben genannten Erfahrungen aufgewachsen.

Ich bin natürlich jetzt sehr neugierig, wie es mit Ihnen ist. Darum habe ich mal wieder eine Umfrage erstellt und bin meganeugierig, wie sie sich über die Zeit entwickeln wird.



Von Herzen, Ihre

Monika Richrath


Monika Richrath
© Monika Richrath
Monika Richrath ist Coach und Trainerin für Klopfakupressur. Ihr Anliegen ist es, hochsensible Menschen mit der Klopfakupressur darin zu unterstützen, besser mit der eigenen Hochsensibilität umzugehen.

Sie ist Autorin des Buches „EFT Klopftechnik für Hochsensible“

Auf ihrem Blog www.eft-fuer-hochsensible-menschen.de beschäftigt sie sich mit den Themen Hochsensibilität, Gesundheit, Klopfakupressur, erfülltes Leben und alles, was für hochsensible Menschen noch interessant sein könnte.



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