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Trauerbegleitung - was ist das ?


„Gehst Du mit mir dann auf den Friedhof?“ „Ich brauche doch niemanden, der mir beim Trauern hilft!“


von Eva Terhorst

In der Tat kommt die Mehrzahl der Bevölkerung mit ihrer Trauer mehr oder weniger allein zu Recht. Das hat verschiedene Gründe und einer davon ist, dass Trauer ein Tabu-Thema ist und somit alle versuchen, ihre Gefühle für sich zu behalten. So entsteht der Eindruck, alles verläuft normal und wie gewohnt reibungslos.


Eva Terhorst - Grabstein-Engelsstatue


Es gibt auch die schwierigeren Trauerprozesse, wenn beispielsweise ein Partner lange vor der Zeit oder sehr plötzlich durch einen Unfall oder Suizid verstirbt. Unsäglich schwer ist es, ein Kind zu verlieren.

Manche möchten die Krise, einen geliebten Menschen verloren zu haben, nutzen, um nicht in Trauer oder im Verdrängen zu verharren sondern suchen professionelle Begleitung.








Sie befinden sich in einer der schwersten Phasen ihres Lebens und lassen sich von Menschen an die Hand nehmen, die keine Angst vor dem Thema haben und die sich oft durch persönliche Erfahrung und Verarbeitung mit der Trauer schon weiter sind.

Natürlich ist es bei Trauer wie mit allen anderen Zuständen und Befindlichkeiten – sie ist individuell. Einen Überblick über Modelle, zu möglichen Phasen, in welchen Trauer verlaufen kann ist unter: http://www.trauerbegleiter.org/inhalt/trauer zu finden. Diese dienen nur zur Orientierung, denn bei jedem verläuft die Trauer anders auch wenn es Ähnlichkeiten und Überschneidungen gibt.

Ich selbst bin zum Beruf der Trauerbegleiterin durch den Tod meines Lebenspartners gekommen. Ich habe erfahren müssen, dass sich beinahe mein gesamter Freundes- und Bekanntenkreis schlagartig – gefolgt von meiner Arbeit - in Luft aufgelöst hat. Es war als glaubte meine Umwelt, ich wäre mitgestorben.

Trauerschwan | Tiere » Vögel | intothec / pixelio
© intothec/PIXELIO
Doch trotz meiner großen Trauer über den Verlust, fühlte ich mich gerade durch die Nähe zum Tod auch sehr lebendig und dankbar darüber am Leben und gesund zu sein. Ich wollte Leben und mit meinem Schicksal dazu gehören dürfen.

Dass dies nicht mehr wie gewohnt funktionierte, verschlug mir den Atem. Ein wenig relativierte sich der Schock, als ich in Foren und Büchern las, dass es vielen so ergeht.


Doch gleichzeitig fand ich diese Erkenntnis auch sehr erschreckend. So entschied ich mich, für Menschen da zu sein, die Ähnliches durchleben und eine Krise auch als Chance sehen.

Denn so ein Einschnitt verändert einen nachhaltig, ob man es möchte oder nicht. Die Frage ist, wie gehe ich damit um und wie lange versuche ich noch Anschluss an mein altes Leben zu finden, das es so nicht mehr gibt.



Eva Terhorst

Eva Terhorst:
Da kann ich mich schwer auf nur eines einigen. Dafür ist das Leben zu vielfältig! - Schön ist es auf der Welt zu sein .... - Hinfallen, Aufstehen, Krone richten, Weitergehen - Probleme sind schlimmstenfalls Herauforderungen um zu wachsen - Ein wenig mehr Mut für alle wäre schön

Eva Terhorst:
An mir zu arbeiten, damit ich meinen Liebsten besser verstehe.

Eva Terhorst:
Eine Klientin erzählte mir, wie merkwürdig ihr Umfeld reagierte, als ihr Vater starb. Wir tauschten die gedankenlosen Kommentare und Verhaltensweisen der Verwandten und Bekannten aus, die wir aus dieser ersten Zeit nach dem Tod unserer Verstorbenen noch in Erinnerung hatten und konnten dann irgendwann einfach nur noch Tränen lachen, als wir merkten, wie grotesk das alles war. Ich kann mir gut vorstellen, das viele Trauernde solche unglaublichen Erlebnisse haben.
Eva Terhorst


Sicherlich, wenn man einen geliebten Menschen verliert, wird man gezwungen, loszulassen. Doch wie soll man das bewerkstelligen?

Wie loslassen aber nicht vergessen und auch nicht aufhören zu lieben? Wie eine neue Beziehung zum Verstorbenen aufbauen, einen inneren Platz für ihn suchen und finden, an dem man ihn in Sicherheit weiß?

Alte Konflikte sind möglicherweise noch nicht aufgearbeitet und das Gegenüber ist nicht mehr da, um das Eine oder Andere noch zu klären oder auszusprechen.

Die Nähe fehlt, das Gewohnte, die Sicherheit, nichts ist mehr so wie zuvor. Und überall das möchte kaum jemand, genau zu dem Zeitpunkt wo sie es man nötigsten braucht, mit der trauernden Person sprechen.



Teilansicht eines Friedhoftores | Details » Tore & Türen | Carsten Grunwald / pixelio
© Carsten Grunwald/PIXELIO

Vieles bricht weg: Partner, Arbeit, finanzielle Unabhängigkeit, Freundeskreis – ein radikaler Einschnitt, der in keiner Weise selbst gewählt wurde.

 Gewaltvoll bricht der Tod und alles was dazu gehört, in das Leben ein und viele finden sich damit alleine wieder und kommen damit kaum zurecht.




In der Trauerbegleitung gibt es erstaunlich viele Möglichkeiten das Thema Tod und Trauer anzugehen. Oft ist der Fokus darauf einfach nur zuzuhören, da zu sein und Erfahrungen zu teilen. Doch in der nächsten Stufe ist es wichtig für mich die Menschen durch Kreativität an ihren Themen zu arbeiten.

Dafür habe ich beispielsweise auf meiner Website ein spezielles Trauertagebuch entwickelt.

Hier gibt es Vorschläge und Platz für Gefühle, Struktur um den Tag zu gestalten und Ideen, wie in der Trauerzeit auf sich geachtet werden kann. Ende Dezember gibt ist es auch als Printversion verfügbar.
Mit meinen Klienten gehe ich die schwersten Themen oft mit kreativen Ideen an, die ungeahnt gut wirken können. Dabei habe ich natürlich einige Möglichkeiten entwickelt und zur Verfügung aber meist verändern diese sich ganz individuell je nach Klient und Situation.

Ein Licht in der Dunkelheit | Kunst & Kultur » Fotokunst | Maren Beßler / pixelio
© Maren Beßler/PIXELIO
Es ist ein großer Wunsch von mir, dass wir mutiger auf diese trauernden Personen zugehen und ihnen die Hand reichen, auch wenn wir nicht wissen, was wir sagen, wie wir uns verhalten sollen.

Anregungen finden Sie auf meiner Internetseite unter:

http://www.trauerbegleiter.org/


Ich wünsche mir, das wir einfühlsam und geduldig sein können, wenn wir durch einen Schicksalsschlag im Umfeld dazu aufgefordert sind, mitzuwachsen und zu lernen.






Das Gefühl dafür entwickeln, dass wir, wenn wir uns dem Tod und der Trauer zuwenden, dem Leben begegnen und bereichert werden, sobald Angst und Hilflosigkeit sich in Wertschätzung und Dankbarkeit verwandeln.



Ein Buch, dass bei der Annäherung an das Thema Tod sehr hilft ist „Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben“



Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben: Ein Schlüssel zum tieferen Verständnis von Leben und Tod

Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben: Ein Schlüssel zum tieferen Verständnis von Leben und Tod


Preis: EUR 14,99

  • Taschenbuch: 512 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (10. September 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426875284
  •  Größe: 21 x 13,4 x 3,8 cm

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