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Die vergessene Nachhaltigkeit der Worte



von René Hug

Die Worte, die wir sprechen, können sowohl eine "goldene" wie auch eine weniger glänzende Wirkung auf unseren Gesprächspartner haben. So kann es sein, dass man redet, und dennoch nichts aussagt – oder unser Gegenüber begreift schlichtweg nicht, was wir aussagen möchten. Da man Worte auf verschiedene Weise verstehen und deuten kann, ist dadurch auch das Empfinden über das Gehörte von Mensch zu Mensch anders.


„Wörter können verletzen, beleidigen, verlegen machen erdrücken,
erschlagen, die Luft nehmen, in Atem halten oder Freude,
Hoffnung, Glück und Euphorie verbreiten.“


Horst Bulla


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Es ist doch erstaunlich, wie uns Worte einerseits manchmal den Atem rauben können, aber andererseits auch Freude bereiten, oder Hoffnung geben können, wie Horst Bulla schreibt. Ich habe mich schon öfter gefragt, wie das sein kann und warum das so ist. Und auch, warum so wenige Menschen diese Wirkung und die Macht der Worte auf das Leben der Anderen bewusst ist?!

René Hug
© René Hug

Die Wirkung, die Sprache auf uns Menschen haben kann ist schon wirklich erstaunlich. Wir haben enorm viele verschiedene Worte zur Verfügung, um all unsere Facetten der Gefühle und unsere Gedanken zum Ausdruck bringen zu können, so dass wir oft vergessen, welche Reaktionen und Gefühle sie beim Hörer auslösen, wenn wir nicht behutsam mit unserer Sprache umgehen. Dabei sollte auch die Frage eine Rolle spielen, ob es wirklich nur die Aussage ist, die dies bei unseren Mitmenschen hervorruft – sind es wirklich nur die Worte?

Die Deutsche Sprache ist ja bekanntermassen die Sprache der Dichter und Denker und so manche Zitate im Deutschen sind ja oft präziser und unmissverständlicher als in einer anderen Sprache.

Und obwohl das nun so ist – hast du dich nicht auch schon oft gefragt, warum wir uns dann trotzdem so oft missverstehen? Da liest du z.B. eine Email – und das auch noch mehrmals – und denkst, dass du den Inhalt genau so verstanden hast, wie der Absender es gemeint hat, nur um dann später herauszufinden, dass er/sie es eigentlich ganz anders gedacht hatte. Oder das klassische Missverständnis, das aufkommt, wenn man anfängt während eines Gespräches von Angesicht zu Angesicht Dinge in die Kommunikation hinein zu interpretieren, die so nie ausgesprochen geschweige denn gemeint waren.

Aber warum braucht es eigentlich immer Erklärungen und Worte? Warum fällt es vielen Menschen so schwer, ihrer inneren Stimme zu vertrauen und einfach einmal abzuwarten und sich in die Situation und Gefühlswelt des Anderen zu versetzen – zu spüren, was er/sie ausdrücken möchte?

„Botschaften werden vom Auge
weitergegeben, manchmal ganz ohne Worte.“

Anais Nin


Versteht man wirklich die Worte nicht – Oder versteht man sie nur nicht, weil man sie so nicht verstehen möchte und sie anders hören will?


Yin Restorative Yogatherapie Quelle des Daseins
René Hug (Autor)
Yin Restorative Yogatherapie
Quelle des Daseins


Täglich kann ich beobachten, wie Menschen sich gar nicht mehr richtig zu hören oder gar nicht mehr zu hören wollen – und ich nehme mich selbst da nicht aus. Sei dies nun hervorgerufen durch äußere Ablenkung, oder weil sie einfach zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind und dadurch nicht mehr aufnehmen können, was der Mensch der vor ihnen steht sagen möchte. Worte können in diesem Moment nichts dafür, wenn in das gesagte Wort etwas hinein interpretiert wird und dann hinterher das Gesagte gar "persönlich genommen" wird. Manche Menschen scheinen so verunsichert und in ihrer eigenen kleinen Welt "gefangen" zu sein, dass sie aus Schutz gar nicht mehr richtig zu hören, oder das Gespräch genau so verstehen wollen, wie es zu ihrem eigenen Weltbild gerade passt.

Ab diesem Moment wird es für den Anderen schwierig, die richtigen Worte zu finden. Die Wirkung der Worte des Sprechenden verfliegt, weil sie vom Hörenden aus vermeintlichem Selbstschutz heraus verwandelt werden in etwas, das nicht so gemeint war, aber vielleicht nicht so weh tut. Das geflügelte Wort "Die Wahrheit tut manchmal weh" hat nicht umsonst seine Daseinsberechtigung. In dieser Situation die Worte einfach einmal "ruhen zu lassen" und gar nichts mehr zu sagen, sich in Geduld zu üben und den Hörenden positiv und vielleicht auch voller Hoffnung in Gedanken zu haben, ist oft die weiseste Entscheidung, die der Sprechende treffen kann.


Wird zu viel gesprochen – wird zu viel gedeutet?

Viele Menschen tun sich damit schwer, einmal nichts zu sagen und einfach zu beobachten und dann zu handeln. Alleine jemanden nur zu berühren ohne ein Wort zu sagen, ist so eine bereichernde und wirkungsvolle Geste – viel wirkungsvoller als alle gesprochenen Worte! Leider wird das immer wieder vergessen. Ein unausgesprochenes Wort durch eine Berührung zu ersetzen hat eine MAGISCHE Wirkung – nicht nur auf denjenigen, der sie empfängt! Alleine schon eine Umarmung kann oft viel mehr bewirken, als alles andere! Welche Wirkung dies haben kann solltest du einmal selber ausprobieren. Mit so einer Geste gibst du viel mehr von dir und deinen eigenen Gefühlen für die Situation Preis, als du es mit Worten ausdrücken könntest. Und der "Empfänger" der Geste wird es umso deutlicher spüren. Wird mit Hingabe gegeben, dann kommt diese Hingabe zurück.

Wenn du jemand bist, der sich nicht gerne berühren lässt, dann kannst du auch mal nur die Augen schliessen und beobachten, welche Wirkung eine Stimme oder eine Aussage auf dich hat. Ohne Blickkontakt und ohne Berührung zu kommunizieren kann auch zu einer sehr interessanten und lehrreichen Erfahrung führen.

Aus der Erfahrung des Unterrichtens und im Austausch mit anderen Dozenten heraus, ist für mich häufig zu beobachten, dass die Menschen besonders während des Yoga immer wieder reden, sich rechtfertigen oder nachfragen, ob es so richtig ist, ob es recht ist...

In der Yogapraxis steht nicht nur der Körper, sondern vor allem auch die feinstoffliche Welt im Vordergrund. Um wahr zu nehmen braucht es keine Worte oder Erklärungen, da steht das "hinein fühlen und sich spüren" im Vordergrund. Jedoch steht bei den meisten Schülern zu 80% der Kopf im Weg und es steht primär das "Denken und Interpretieren" im Raum, anstatt das "Fühlen und Spüren" – so wie im Alltagsleben. Dabei braucht es im Yoga ganz wenige Worte ... oft nur ein Gefühl des DANKES!

Worte haben eine lange Nachhaltigkeit und können den Empfänger noch lange verfolgen und die verschiedensten Emotionen hervorrufen – auch und besonders die negativen. Jedoch eine unausgesprochene liebenswürdige Berührung bleibt lange in dankbarer positiver Erinnerung. Viele Menschen haben dies leider bis heute noch nicht entdeckt.



René Hug - Geschenk
© www.reneyoga.ch

Englisch oder Deutsch – Deutsch oder Englisch?

In der deutschen Sprache kann man schon seit vielen Jahren eine starke Entwicklung beobachten, die mich besonders irritiert, nämlich dass so vieles für das es auch ein deutsches Wort geben würde trotzdem lieber Anglizismen benutzt werden, d.h. alles "ver-englischt" wird, und das dann auch noch für besonders "cool" oder weltgewandt hält. Wenn man nun weiss, dass Englisch eigentlich momentan noch die weltweite 'Business Sprache' ist und Deutsch die Sprache der Dichter und Philosophen, dann verwundert es mich doch schon sehr, dass wir im deutschsprachigen Raum dazu tendieren, so vieles wie möglich zu ver-englischen und es als total cool empfinden, sich mit diesem „Slang“ zu verständigen. Dabei fällt mir auf, dass wir dadurch noch mehr Missverständnisse in unserer Kommunikation erzeugen, da man sich im Englischen nicht so präzise ausdrücken kann, wie im Deutschen. Anglizismen und Abkürzungen zu verwenden und dabei zu behaupten, dass es einem so einfacher fällt sich auszudrücken ist schon eine ziemlich lahme Ausrede dafür, dass manche sprachfaul sind und nicht mehr richtig Deutsch sprechen können. Viele vergessen leider, dass dies auch hier auf die ganze Kommunikation und das Verständnis des Mitmenschen wirkt und so seine Konsequenz hervorruft.


Wie wichtig sollte man ein Wort nehmen?

In meinem Buch „Quelle des Daseins“ habe ich geschrieben:

„Ich hoffe, wir mögen in Zukunft vielleicht ein wenig mehr auf unsere Worte achten und realisieren, dass die Möglichkeit besteht, dass bei gesagten Worten eine bestimmte Schwingungsfrequenz erzeugt wird, die einen unmittelbaren Einfluss auf die Lebensenergie und das Wohlbefinden unserer Mitmenschen haben kann“.

Heute würde ich das immer noch so schreiben, mit einer Ergänzung:

„Ich hoffe, wir mögen in Zukunft mehr auf positive Worte achten und realisieren, dass die Möglichkeit besteht, dass bei gesagten Worte eine bestimmte positive Schwingungsfrequenz erzeugt wird, die einen unmittelbaren Einfluss auf die Lebensenergie und das Wohlbefinden unserer Mitmenschen haben“.


Yin Restorative Yogatherapie Quelle des Daseins
René Hug (Autor)
Yin Restorative Yogatherapie
Quelle des Daseins


Oder wie es auch Robert Waldman in seinem Buch schreibt:

"Wörter können deine Gedanken ändern. Ein einziges Wort hat die Macht, die Auswirkung jener Gene zu beeinflussen, die körperlichen und emotionalen Stress regulieren.“

Jedoch sollten wir hinter dieser Aussage nicht vergessen, dass zu jedem gesprochenen Wort bei jedem Menschen noch seine eigene Geschichte hinzu kommt: sein Verhalten, sein Problem, sein Zorn, sein Misstrauen, seine Ignoranz, sein enges Herz, sein enger Verstand und die dazu gehörigen Emotionen spiegeln sich in den gesprochenen Worten wider. Es liegt an uns, bei unseren Gesprächspartnern dies zu erkennen und das Gesagte für uns so "umzuprogrammieren", so zu verstehen, dass es uns in keiner Weise negativ beeinflussen kann. Für mich persönlich ist da die Worte des Dalai Lama ein ganz wichtiger Hinweis: „In der Wut verliert der Mensch seine Intelligenz. Und dazu reichen eben schon einzelne Wörter.“

Die Forschung hat gezeigt, je mehr wir positive Wörter benutzen, desto mehr aktivieren wir die Teile des Gehirns, die zuständig für unsere Motivation und für die motorischen Abläufe sprich für die Bewegung sind.

Wenn wir uns selber positiver sehen, wirkt der Blick auf andere freundlicher – also sollten wir mit einem negativen Selbstbild kritischer und selbstzweifelnder umgehen und es in ein positiveres Umwandeln. Der negativ Denkende produziert nur unnötigen Stress. Er wirkt erschöpft, unruhig und schränkt sich im logischen Denken ein – und ist Energie raubend für andere.


Alle die mich kennen, kennen meine Worte und meine Lebensphilosophie:

Auf die Gefahr hin,
mich unbeliebt zu machen,
spreche ich in liebevollen Worten Klartext,
mit der Bitte, das Gesagte mit mir zu teilen und zu leben,
in einer gegenseitigen Resonanz.


René Hug - Lotus
© www.reneyoga.ch
René Hug
unterrichtet seit über 15 Jahren Yin-, Restorative- und Yogatherapie nicht nur in der Schweiz, sondern auch im europäischen Ausland und ist zertifizierter Yin Yoga- und Yin & Yang-Yogalehrer. Er ist der Gründer des „suburb yoga – Studio für Yoga, Klang & Meditation“ in Oerlikon, einem Vorort von Zürich, und Autor des Buches „Yin  Restorative  Yogatherapie – Die Quelle des Daseins“.

Die Begeisterung und Hingabe für diese Yogastile inspirierten ihn dazu Yin Yoga & Stones zu entwickeln, eine Yin Restorative Yogapraxis, bei deren Praxis er warme Lavasteine benutzt. Yin Yoga & Stones wurde von ihm stetig weiterentwickelt und stellt einen absolut einzigartigen Unterrichtsstil dar, dessen Stunden von Klarheit, Aufmerksamkeit und Präzision geprägt sind. Seine Yoga-Workshops, -Wochenenden und -Retreats sind für alle Stufen, einschließlich Anfänger, sofern nicht anders angegeben.

Website von René: www.reneyoga.ch

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