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Sauna-Glück



von Katri Dietz

Gestern hatte ich Spaß mit zwei Männern in der Sauna.

Oder nein, ich fang nochmal anders an: Gestern konnte ich wieder eindrucksvoll erleben, was passiert, wenn ich offen werde für Neues und mich auf Vertrauen statt auf Angst ausrichte. Das hört sich doch irgendwie seriöser an.

Sauna ist nicht nur gesund und macht Spaß, sondern hat durchaus auch einen spirituellen Hintergrund. In der Sauna sind alle gleich, man entledigt sich seiner Kleidung und seines Status. Wir sehen und fühlen uns, wie Gott uns schuf und verbinden uns in der Stille mit unserer Seele.

Gerade im Herbst, wenn es draußen regnet und stürmt, ist ein Saunagang eine erfrischende Möglichkeit, Körper, Geist und Seele zu wärmen und zu reinigen.


Katri Dietz: Sauna-Glück
© huumsauna/unsplash.com


Wie wohl die meisten Menschen bin ich leider nicht im Besitz einer eigenen privaten Sauna, sondern muss mich überwinden, eine öffentliche oder zumindest halb-öffentliche Schwitzkammer aufzusuchen. Ich entschließe mich also, um mir etwas Gutes zu tun, meine Mitgliedschaft im Fitnessstudio wieder zu nutzen und dort die Wellnessanlagen aufzusuchen. In der Hoffnung, an einem Sonntagabend nicht in eine Massenveranstaltung mit Ballermann-Niveau zu geraten, werfe ich einen vorsichtigen Blick in den Ruhebereich. Meine Befürchtungen erweisen sich als unnötig:

indirektes Licht, Grünpflanzen, Panflötengedudel, die obligatorische Fototapete „Fichtenwald im Nebel“, hölzerne Sauna-Liegen und ein blubbernder Zimmerbrunnen in der Ecke verheißen pure Entspannung – denn, oh Wunder – ich bin die einzige Beteiligte in diesem Szenario. Ich danke Gott für dieses kleine Wunder und hüpfe noch schnell unter die Dusche.

Seufzend breite ich schließlich in der Sauna erst mein Handtuch und dann mich auf einer der unteren Bänke aus. Herrlich! Ich strecke mich lang aus und genieße die Wärme und Ruhe. Meine Haut beginnt angenehm zu kribbeln und ich fühle schon einen Hauch von Entspannung. So könnte es für immer bleiben!

Prompt dringen laute Stimmen in fremder Sprache durch die Panflötenmelodie an mein Ohr. Vielmehr höre ich nun gar nichts mehr von der Entspannungsmusik, und meine innere Ruhe ist auch flöten gegangen. Die Stimmen und schlurfende Schritte nähern sich. Ich hieve mich aus der Rückenlage in einen aufrechten Sitz, bedecke mich mit meinem großen Handtuch und versuche mich so weit es geht, unsichtbar zu machen.

Zwei kräftige, sehr große, sehr laut lachende Männer reißen die Sauna-Tür auf, krabbeln in ihren Badehosen auf die oberen Bänke, nicken mir kurz zu und unterhalten sich dann ungeniert weiter. Ich bin empört! Die Sauna ist doch ein Ort der Stille und Erholung! Flüsterzone! Aber ich traue mich auch nicht, etwas zu sagen. So ist es mit den Bedürfnissen und ihrer Umsetzung.

Sicher wäre es leicht zu sagen, „Könnten Sie bitte leise sein?“



Es könnte aber auch zu einem Konflikt führen. Und vor dem habe ich Angst


Fakt ist: ich fühle mich unterlegen. Ich bin eine Frau. In diesem Moment bin ich sogar eine nackte Frau, in ein Handtuch gewickelt wie ein Döner in Alufolie – die Sorte, wo alles an den Seiten rausquillt - und die anderen sind zu zweit, männlich und stark.

Da sitze ich nun in meinem selbstgekochten Sud aus Schweiß und Selbstmitleid und schmolle vor mich hin.

Ich verkrampfe. Ich dampfe. Ich denke nach. Und dann gebe ich auf. Nach fünf Minuten Gelächter und bis auf 90 Grad steigende Temperaturen verknote ich mein Handtuch noch einmal fest um mich und verlasse mit hochrotem, aber hoch erhobenem Kopf die Sauna.

Natürlich haben die Männer keine Schuld. Niemand hat Schuld. Ich setze mich in die Umkleidekabine und denke weiter nach.

Ich könnte mich anziehen und nach Hause fahren und es leichter finden, in eine Vermeidungshaltung zu gehen, aber dann verzichte ich auf den erfrischenden Saunagang, obwohl es mir für meine Muskeln helfen würde.

Ich bin entblößt, überfordert, und weiß nicht, was ich tun soll. In solchen Momenten bete ich zu Gott, mir eine Lösung zu schicken.



Noch bevor ich zu Ende beten kann, spricht mich eine Frau an


„Entschuldigung, ich habe meine Brille vergessen, und bekomme mein Schloss nicht auf, könnten Sie mal schauen?“

Das lenkt mich von meinem Dilemma ab und fokussiert mich darauf, hilfreich und nützlich zu sein.


Ich fasse neuen Mut und gehe zurück zur Sauna
© KSchlott/pixabay.com


Ich gestehe der Dame, dass ich meine eigene Lesebrille auch erstmal suchen muss. Unter viel Gekicher über unser fortgeschrittenes Alter und unsere Weitsichtigkeit, die sich aber anscheinend nur auf die Augen bezieht, kann ich ihr die Zahlen für ihr Spindschloss eingeben: 777. Engelszahlen. Ich bekomme Gänsehaut.



Durch diesen Einsatz meiner Höheren Macht finde ich wieder auf den richtigen Weg. Ich fasse neuen Mut und gehe zurück zur Sauna


Schwarzer Rauch schlägt mir entgegen, als ich die Tür öffne. Hustend will ich mich auf meinem vorherigen Platz auf der unteren Bank niederlassen, auf dem aber nun einer der beiden Männer sitzt. Mir kommt es so vor, als hätten sie den ganzen Eimer Aufgusswassers auf die heißen Steine geschüttet, und wer weiß, was sonst noch. Es stinkt ganz grauenhaft. Aber ich gewöhne mich auch daran.

Der Ältere der beiden Männer erhebt sich von „meinem“ Platz und entschuldigt sich auf Englisch für den Qualm und die Hitze, („It is Russian Sauna“) bevor er wieder auf „seine“ Bank klettert.

Ich nicke ihm zu, knülle mich in mein Handtuch und ziehe die Füße soweit es geht an den Körper.


Katri Dietz: Härtetest
Katri Dietz (Autor)

Härtetest
Leben mit Kind – es wird nicht besser, nur anders!

Das Leben kann manchmal besonders gemein sein. Eigentlich ist Sophie glücklich, wären da nicht: die Praktikantin ihres Mannes Jonas, die ihn sich unter ihre manikürten Fingernägel reißen will. Die reizende vierjährige Tochter Maja, die ihre Mutter aber auch mal bis aufs Blut reizen kann. Die überstrenge Erzieherin im Kindergarten, vor der alle kuschen. Und der Zickenkrieg bei der Zeitschrift „Mütter“, für die Sophie arbeitet. Ist das Leben zu hart oder bist du zu schwach?


Da ich inzwischen verstanden habe, dass die beiden Russisch sprechen, sage ich eins der wenigen Wörter, die mir in dieser Sprache vertraut sind: „Spasiba!“

Beide Männer freuen sich offensichtlich über meinen Dank in ihrer Heimatsprache und wollen wissen, ob ich noch mehr russisch oder ukrainisch verstünde. Ich erzähle, dass ich ein Jahr Russisch in der Schule hatte, und alles, was mir einfällt, zähle ich auf: „Die Suppe schmeckt lecker. Danke, Bitte. Ich heiße Katri.“ - Bei Ich liebe dich - Ja ljubliju tjebja“ gibt es Gelächter und Applaus. Liebe wohnt in allen Ländern, jeder kennt sie. Liebe verbindet, und sogar das schlichte Erwähnen von Liebe verbindet.

Ich frage, wo die beiden herkommen. Sie erzählen, dass sie aus Kiew stammen, dass sie das Glück hatten, mit ihren Familien nach Deutschland kommen zu können und dass die Gastfreundschaft in Deutschland groß ist. „Many people are friendly, but some are not.“

Ich möchte gerne, dass diese Ukrainer mich als Teil der friendly people erleben. Ich kann nicht ansatzweise erahnen, wie es ihnen gehen muss, was sie erlebt haben. Ich kann nur versuchen, nicht abweisend zu sein.


Ich möchte gerne, dass diese Ukrainer mich als Teil der friendly people erleben
© Mohamed_hassan/pixabay.com


Wir plaudern noch ein bisschen, doch da das Sauna-Thermometer inzwischen fast 100 Grad anzeigt und ich kurz vor einer Rauchvergiftung stehe, heißt es für mich nun „Poka – Tschüß“ und ich schwinge die Tür nach außen auf.

„I like to say skones wokenende“ rufen sie mir noch hinterher, bevor sie hinter der Glasscheibe wieder im schwarzen Rauch des überhitzten Saunaofens verschwinden.

Ich möchte dazu beitragen, dass ukrainische und andere Geflüchtete, die ihre Heimatländer verlassen mussten, sich hier in Deutschland willkommen fühlen. Meine Angst vor Konflikt kann ich überwinden, wenn ich das große Ganze sehe. Gott schenkt mir Demut, und die Gewissheit, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Wir können nicht viel ausrichten gegen Krieg auf der Welt - aber im Kleinen können wir viel bewirken, wenn wir nicht in die Angst gehen, sondern in die Liebe – sogar in ganz alltäglichen, scheinbar banalen Begegnungen.

Wenn es draußen stürmt und regnet, dann können wir selbst kleine Lichter sein für andere.




Katri Dietz


Katri Dietz
© Katri Dietz
ist staatlich geprüfte Rundfunkjournalistin, Autorin und zertifizierte Psychologische Beraterin/ Personal Coach für chronisch kranke Frauen mit dem Schwerpunkt Positive Psychologie.

Bis zu ihrer schweren Erkrankung 2017 mit Polymyositis hat die gebürtige Hannoveranerin als Freie Redakteurin und Presenterin für verschiedene Radiosender Norddeutschlands gearbeitet (z.B. radio ffn, NDR, R.SH)

Katri Dietz nutzt heute die Natur, Reiki, ihre eigenen Erfahrungen mit Traumaheilung sowie ihre fundierte Ausbildung, um anderen chronisch kranken Frauen Mut zu machen und neue Lebensfreude zu vermitteln. Voraussichtlich im September 2024 wird sie auch die Weiterbildung zur Resilienztrainerin erfolgreich abgeschlossen haben.

Im Heyne Verlag hat sie bereits zwei Romane veröffentlicht, Wickelkontakt (2011) und Härtetest (2012). Weitere Romane sind in Planung.

Die 47-jährige ist seit 2005 verheiratet und hat zwei jugendliche Kinder. Zur Familie gehören auch eine Hündin und zwei Katzen aus dem Tierschutz. Die Natur-Coachin lebt und arbeitet in ihrer Wahlheimat Schleswig-Holstein.



Unheilbar und unsichtbar


Polymyositis ist eine seltene rheumatische Autoimmunkrankheit der Muskeln. Katri Dietz möchte mehr Aufmerksamkeit und Verständnis für Menschen mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen schaffen.

Allein zum rheumatischen Formenkreis gehören über 400 Erkrankungen. Rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew, Lupus, Gicht und Vaskulitis sind die bekanntesten.

Direkt zu Homepage von Katri Dietz: www.katri-dietz.de



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