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Von Mücken, Magie und Mitternachtssonne - Roadtrip zum Nordkap



von Katri Dietz

Von Hamburg bis zum Nordkap sind es genau 2859 km – und eigentlich noch 7 km mehr, denn der nördlichste Punkt des Festlands befindet sich nicht, wie allgemein vermutet, am Touristenaussichtspunkt „Nordkap“ auf der norwegischen Insel Mageröy, sondern noch einige Meter weiter nördlich auf einem Felsen namens Knivskjellodden (den Namen muss sich aber niemand merken).

Vom wohnmobilbesetzten Parkplateau des Touristenzentrums führt ein Wanderweg rund sieben Kilometer über felsiges Gestein und trockenes Weißmoos zu diesem allernördlichsten Punkt. Dem Pfad folgen nur wenige, denn der Weg schlängelt sich auf einer Höhe von 307 m die Klippen entlang am Europäischen Nordmeer– nichts für Kinder oder zumindest nichts für Eltern mit schwachen Nerven. Zum Glück – oder leider – sind unsere Kinder schon zwölf und sechzehn, aber hangeln genauso am Geländer herum, wie sie es vor zehn Jahren getan haben. Aus Zeitgründen wandern wir dieses Mal nicht den Weg, sondern bestaunen die Landschaft.

Zwischen uns und dem tausend Kilometer entfernten Nordpol liegen jetzt nur noch das Meer und die norwegische Inselgruppe Spitzbergen. Die Weite und Helligkeit hier sind atemberaubend. Sonnenstrahlen verwandeln aufspritzende Gischt am Fuß der Klippen in Regenbögen. Eine Rentierherde um uns herum sucht die Felsen nach Essbarem ab. Dabei ist es so still, dass wir sie kauen und schnauben hören. Aufmerksam blickt mich eine Rentierkuh an, bevor sie sich wieder ihrem Kälbchen zuwendet. Es ist magisch.


Von Mücken, Magie und Mitternachtssonne - Roadtrip zum Nordkap
© Katri Dietz


Aber all das wissen wir noch nicht, als wir eines schönen Julitages im Jahr 2022 unsere Sachen packen und mit dem Auto Richtung Lübecker Hafen aufbrechen. Die ersten 150 km fahren wir entspannt im Sonnenuntergang zum Skandinavien-Kai - die nächsten 1132 km lassen wir uns von einer hotelähnlichen Fähre der Finnlines wie jedes Jahr bis zur finnischen Hauptstadt Helsinki fahren.

Geplant haben wir eine Woche für die Tour zum Nordkap, von Helsinki am Bottnischen Meerbusen entlang, durch Lappland, Norwegen und wieder zurück. Anschließend wollen wir uns davon zwei Wochen in einem roten Häuschen am See in Ostfinnland erholen. Heute würden wir es anders machen, zwei Wochen reisen und eine Woche erholen.

Die Route dafür habe ich schon ein Jahr zuvor zusammengestellt und Mini-Blockhütten auf Campingplätzen gebucht. Privater Zugang zum See und Sauna sind überall inklusive und selbstverständlich. Hunde sind meistens gern gesehene Gäste. In ganz Skandinavien ist auch Wildcampen erlaubt. Wildcamper sind ebenfalls gern gesehene Gäste - zumindest, solange sie alles in der unberührten Natur auch unberührt hinterlassen.


Unser erstes Ziel ist Marjoniemi Camping in Pyhäjärvi


Nach zwei Nächten in unserem Schwimmpalast erreichen wir Vuosaari, den Hafen von Helsinki, pünktlich um 9 Uhr morgens und bei finnischem Sommer: es regnet in Strömen. Müde aber voller Vorfreude verlassen wir die Fähre und folgen dem Navi sechs Stunden lang der Autobahn in Richtung Nordwesten. Am frühen Nachmittag rollen wir auf ein wunderschönes Wald-Areal am See. Natur pur! Herrlich! Aussteigen, einatmen, auf der Stelle einschlafen – so tun es mein lieber Mann und ich, und unsere Kinder nehmen die Natur näher in Augenschein. Warum sind Erwachsene eigentlich immer so müde?

Wir lassen uns auf unseren hingeworfenen Schlafsäcken auf eins der beiden Doppelbetten unserer Hütte fallen und schlafen sofort ein. Als wir aufwachen, ist es 20 Uhr und die Sonne strahlt vom Himmel. Hier wird im wahrsten Sinne des Wortes die Nacht zum Tag gemacht.

Auf dem Campingplatz geht es lebhaft zu. Wir vier - oder fünf mit Sissi, unserer Hündin - sitzen auf der Veranda der Hütte, blicken auf das glitzernde Wasser, staunen über den wolkenlosen, blauen Himmel, die freundlichen Menschen um uns herum, und darüber, dass sich der Tag gar nicht verabschieden will.

Als der Himmelsplanet sich dann später wie eine Diva gemächlich Richtung Horizont verneigt, und dabei ein spektakuläres Farbspektakel von Orange, Rot, Lila, Pink und Gold auf dem See hervorzaubert, entspannen mein Mann und ich in der Sauna. Der Blick aus dem kleinen Fenster ist viel aufregender als jede Netflix-Serie. Ich bin in einem Land des nie-enden-wollenden Sonnenuntergangs und kann mein Glück kaum glauben.


Unser erstes Ziel ist Marjoniemi Camping in Pyhäjärvi
© Katri Dietz


Nach dem ersten Streckenabschnitt von Helsinki bis Pyhäjärvi war ich erschöpft, jetzt kommt die Energie zurück – ich bin wieder frisch und fit. Zwischen den Saunagängen rennen wir in den kalten See, quietschen dabei – also ich quietsche, mein Mann brummelt – und die Kinder finden uns „cringe“. Alles richtig gemacht, denke ich. Nach der Sauna liege ich eingemummelt in meinem Schlafsack und könnte direkt die ganze Nacht wachbleiben – darin unterstützen mich sehr gerne Tausende von Mücken. Als ein ganz kleines bisschen störend erweist sich auch die grelle Sonne, die ab drei Uhr morgens zwischen den hauchdünnen Vorhängen hindurchstrahlt. Dabei sind wir noch nicht mal am Polarkreis! Am späteren Morgen muss ich wohl eingenickt sein. Ich erwache zu Kaffeeduft und Vogelgezwitscher, wir frühstücken, duschen in den sehr sauberen Anlagen und dann geht es auch schon los zur nächsten Station: auf zum Polarkreis, nach Rovaniemi, der Heimatstadt des Weihnachtsmannes. Ich habe nur einen Wunsch: ich möchte unbedingt Rentiere sehen!

Mittags erreichen wir bei immer noch strahlendem Sonnenschein das Weihnachtsdorf in Rovaniemi, was auch bedeutet, dass wir nun den Polarkreis betreten. Es ist beeindruckend leer. Mit unseren Smartphones schießen wir an den entsprechenden Schildern fröhliche Beweisfotos und schlendern dann in unseren kurzen Hosen und T-Shirts durchs Hüttendorf, das aus Souvenirshops und Restaurants besteht. Kinder können sich hier mit dem „echten Weihnachtsmann“ fotografieren lassen, aber unsere Kids mit ihren zwölf und sechzehn Jahren brauchen wir gar erst nicht zu fragen. Auch das Füttern der Rentiere, das hier zu den absoluten Empfehlungen gehört, lehnen sie rigoros ab.


Mittags erreichen wir bei immer noch strahlendem Sonnenschein das Weihnachtsdorf in Rovaniemi
© Katri Dietz


Ich lasse mir das Highlight dieser Tagestour aber nicht nehmen, bezahle fünf Euro und darf frei im weitläufigen Gehege mit den Rentieren spazieren gehen. Die Tiere sind entspannt, es sind nur wenige Besucher anwesend. Ein Guide beantwortet auf Englisch und Finnisch unsere Fragen und reicht uns Zweige mit Blättern, die uns die Tiere gierig aus den Händen rupfen.

Auf die Frage „Hast du schonmal ein Rentier gestreichelt?“ kann ich jetzt definitiv stolz mit JA antworten! (Und nicht nur eins, sondern ein paar mehr, und sie haben ganz entzückend weiche Nasen. Ich bin extrem verliebt, und für ein paar Stunden ist mein Mann nicht mehr meine Nummer Eins, sondern ein Rentier namens Kalli.)

Wieder zurück im Auto verläuft die Weiterfahrt still: unsere Kinder sind nun doch sauer, dass ihnen die Fütterung der Paarhufer entgangen ist. Wir fahren weiter, bis meine Tochter überrascht ruft „Guck mal!“ Und da sind sie: freie Rentiere, in Scharen. Oder eher in Herden. Am Straßenrand stehen sie und futtern, hüpf-laufen über die Straße, Autos bremsen. Es gibt einen kleinen Stau, bis alle Tiere sicher die Autobahn überquert haben. Wir hören ein lautes Muhen, das mit nichts vergleichbar ist, das wir kennen. Alle Autofahrer warten gelassen, bis die Fahrt weitergeht. Ich hätte mir um die Anzahl der Rentiere, die wir sehen würden, keine Sorgen zu machen brauchen. Sie begleiten unsere Fahrt ab jetzt ohne Unterbrechung bis zur Rückfahrt. Das ist übrigens kein Wunder, denn in Lappland leben mehr Rentiere als Menschen (200.000 auf 185.000). Wer aber unbedingt Rentiere streicheln und füttern möchte, sollte dies nicht in freier Wildbahn tun: die Herdentiere können auch durchaus störrisch und angriffslustig werden, so niedlich sie auch aussehen.

Der Campingplatz Kemi-Joki liegt mit seinen roten Hütten direkt am Kemi-Fluss, dem größten Fluss Finnlands. Dessen Mündung in die Ostsee durften wir während unserer Mittagspause bestaunen. Über den „bottnischen Meerbusen“, der blau-glitzernd vor uns wogte, kichert inzwischen nicht mal mehr unser zwölfjähriger Sohn.



Stefanie Holtkamp & Andrea Bergmann: Naturzeit Vanlife: Nordwärts: Roadtrip zum Nordkap und rund um die Ostsee
Stefanie Holtkamp & Andrea Bergmann (Autor)

Nordwärts

Naturzeit Vanlife: Roadtrip zum Nordkap und rund um die Ostsee
Ihr träumt von einer Reise mit Campervan oder Wohnmobil durch die weiten Landschaften des Nordens? Von einem abenteuer­­­­li­chen Roadtrip zum Nordkap? Dann reist mit uns zu stillen Seen, zu Schären und Fjorden, malerischen Fischerdörfern, Burgruinen und alten Städten. Kommt mit in die Region nördlich des Polarkreises, wo Rentiere frei durch die Berge streifen und die Sonne im Sommer nicht untergeht. Wir zeigen euch faszinierende Spots, an denen ihr nicht vorbeifahren solltet. › 116 spannende Spots und kleine Abenteuer mit passenden Stellplatz-Tipps in Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Estland, Lettland, Litauen und Polen. › Coole Auszeitplätze für entspannte Ruhetage. › Infos und Tipps zur Region, zur Reiseplanung, zum Campen und Freistehen und ein paar gut erprobte Vanlife-Hacks. › Ergänzende Online-Infos mit kostenlosem Download der GPS-Daten von Spots, Übernachtungsplätzen und Tracks für Wanderungen.


Die Landschaft hat sich inzwischen verändert, es ist hügelig. Nadelwälder werden von weiten Heideflächen abgelöst. Unsere Hündin braucht Auslauf, deshalb gehen wir abends noch am Fluss spazieren. Wieder hängt die goldene Sonnenscheibe hoch am Himmel. Bei klarem Wetter wirft sie die ganze Nacht wieder ihre Farben durch die Welt, dazu leuchten die Sterne. Ich möchte nicht schlafen, sondern den Anblick einfach nur aufsaugen, aber in den Armen meines Mannes fühle ich mich glücklich und geborgen, mir fallen die Augen zu.

Unser nächstes Ziel ist Inari, die Hauptstadt der Sami, der samischen Bevölkerung Finnisch-Lapplands. Straßenschilder lesen wir hier auf Finnisch, Schwedisch und Sami. Die Samen (früher Lappen genannt), bilden eine Minderheit der finnischen, norwegischen, schwedischen und russischen Bevölkerung. 7500 Samen leben im finnischen Teil Lapplands. Nach eigenen Angaben* sind sie stolz, dass sie als Nomaden jahrhundertelang in Tundra und Taiga überlebt haben, ohne Spuren in der Umwelt zu hinterlassen. Rentiere waren ihre Lebensgrundlage. Sie boten Nahrung, Fell für Kleidung und Zelte sowie Knochen für Werkzeuge. Heute sind sie sesshaft. An den hiesigen Schulen werden die alte Sprache und die Gebräuche unterrichtet.

Nach vielen Begegnungen auf der Fähre und den anderen Campingplätzen sind wir bei Camping Valkoporo (Weisses Rentier) die einzigen. Die Stille fühlt sich beinahe erdrückend an. Der Himmel zieht zu, es fängt an zu regnen, und Mücken breiten sich aus. Wir sind zwar gut vorbereitet mit Autan, Off und anderen Mückenabwehrsprays, langer Kleidung, Mützen und Kapuzen, aber die Blutsauger schwirren uns im Gesicht herum, bis sie einen Fleck finden, an dem sie sich bedienen können. Wir verbringen den Abend mit Spielen in der Hütte und anschließend in der Sauna. Langsam steigt die Aufregung – morgen sind wir schon in Norwegen und übermorgen am Nordkap!

Nachts folge ich dem Ruf der Natur und werde mit einem unvergesslichen Anblick überrascht: dunkelrot steht die allgegenwärtige Sonne knapp über dem See und spiegelt sich darin, Nebelschwaden hängen über dem Wasser, es sieht aus wie eine Märchenwelt. Ein tiefer Frieden erfüllt mich. Nicht eine Mücke surrt. Es herrscht eine so tiefe, satte Stille, wie ich sie noch nie erlebt habe. Wie ein Vakuum, als würde die Zeit stillstehen. Als wäre ich gleichzeitig der einzige Mensch auf der Welt und verbunden mit allen anderen. Es ist ein Schlüsselmoment meines Erwachsenenlebens. Ich behalte ihn tief in meinem Herzen.


Nachts folge ich dem Ruf der Natur und werde mit einem unvergesslichen Anblick überrascht
© Katri Dietz


Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von dem kleinen, stillen Campingplatz und decken uns in Inari mit Proviant ein. Dies ist dringend zu empfehlen, da die weitere Strecke über einige hunderte Kilometer keinerlei Einkaufs- oder Tankmöglichkeiten mehr aufweist.

Die Stadt am Inari-See hat rund 7000 Einwohner und bildet im Winter ein Mekka für Polarlicht-Fans, Skifahrer, Husky-Rennen und Rentierschlitten. Rund um die Stadt reiht sich ein Ferienpark an den anderen. Jetzt, im Hochsommer, ist es dort menschenleer. Ein Rentier steht auf dem Zebrastreifen und sieht verwirrt aus, als hätte es vergessen, wo es hingehört. Wir verlassen das Zentrum und folgen der Route weiter in Richtung Norwegen. Die Straße wird schmaler, das Wetter schlechter, die Vegetation spärlicher. Von Stunde zu Stunde verlieren die Kiefern am Straßenrand an Höhe. Der Boden wechselt von sattem Humus zu Sand. Weite hügelige Landschaften liegen vor und hinter uns. Rentiere sind unsere einzigen Begleiter. Wir machen immer wieder Pausen, um ein Stück zu laufen. Manchmal bereue ich es, dass wir nicht zum Nordkap wandern, aber als es anfängt zu regnen, bin ich wieder dankbar für unser Auto.

Kurz nachdem wir die Grenze zu Norwegen überquert haben, wird sehr offensichtlich, dass es sich hier um ein gut strukturiertes, reiches Land handelt. Tatsächlich gehört es zu den größten Öl- und Gasproduzenten der Welt und ist das zweit-reichste Nicht-EU-Land in Europa nach der Schweiz. Die Häuser und Gemeinden, auch die Straßen, die wir benutzen, sind heile und gepflegt. Lappland glänzt dagegen eher durch Shabby Charme, romantische Feldwege und streunende Katzen in verlassenen Dörfern. Wir passieren glamouröse Anwesen und majestätische Flüsse mit weißen Stränden. Die typischen Fischerhütten am Fuße der Fjorde sehen wir genauso wie lange weiße Küstenstreifen voller Algen. Statt Rentieren begleiten uns Regenbögen. Es regnet oft und gleichzeitig scheint die Sonne.

Toilettenbesuche kosten zwei norwegische Kronen (rund 2 Euro), in Finnland waren sie kostenlos. Am frühen Abend erreichen wir unser Domizil in Nordnorwegen. Der Campingplatz ist voll, wir treffen Reisende aller Nationalitäten und kommen ins Gespräch. Um uns herum ragen hohe Fjorde auf, der Blick trifft auf moosige Weiten und felsige Küsten. Es ist nun auch in der Nacht durchdringend hell, aber auch kalt. 25 Kilometer vom Nordkap entfernt herrschen im Juli tagsüber um die 13 Grad, nachts ca. 5 Grad.



Morgen geht es zum Nordkap


Bevor es losgeht, meditiere ich in aller Frühe am Fjord und verbinde mich mit dem Land unter mir und dem Himmel über mir und lasse Reiki fließen. Eine ungeheure Kraft durchströmt mich. Ich fühle mich energetisch aufgeladen wie selten. Reiki hilft mir täglich gegen meine Schmerzen. Gerade jetzt während der Reise achte ich sehr darauf, genügend Pausen zu bekommen, zu meditieren, mich mit Reiki und viel Wasser zu versorgen. Das hält mich fit und stabil. Nur so kann ich alles genießen.

Das Wetter ist unser Freund, und auch der Klimawandel sorgt dafür, dass die Nordkapbesucher sich heute im T-Shirt vor dem stahlblauen Himmel am Stahlglobus fotografieren lassen können. Der Trubel auf dieser Partymeile wird uns aber bald zu viel und wir verziehen uns ins Innere des Kaps, besichtigen das Museum und die wunderschöne, unterirdische Kapelle St. Giovanni.

Die Aussicht auf der Plattform und die Informationen über das Nordkap sind beeindruckend. Die Preise im Restaurant ebenso. Unser Sohn isst hier den wohl teuersten Burger seines Lebens und wir anderen genießen die Aussicht. Unter uns liegt eine Wolkendecke, über uns der blaue Himmel, vor uns Klippen, die ins Nichts führen. Das Licht ist unbeschreiblich. Klar, kalt und weich gleichzeitig.


Die Aussicht auf der Plattform und die Informationen über das Nordkap sind beeindruckend
© Katri Dietz


Bei aller Größe und Weite der Landschaft, ist es aber doch die Begegnung mit den Rentieren, die mir am nachhaltigsten im Gedächtnis bleibt.

Nachdem wir das Kap verlassen haben, durchqueren wir auf einer schmalen Straße die anliegenden weiten Felder. Nebel zieht heran, wir fahren sehr langsam. Ich bitte meinen Mann, anzuhalten und steige aus. Ein paar Meter neben uns verstreut sich eine große Herde Rentiere auf den Wiesen an den Klippen. Im Nebel sind sie kaum zu sehen. Ich gehe langsam ein paar Schritte auf sie zu, keines reagiert. Dann entdecke ich auch andere Besucher, unter anderen eine junge Mutter mit zwei Kindern. Sie sitzt im Schneidersitz mit einem Kleinkind auf dem Schoß, und einem neben sich und lässt sich lächelnd von einem Rentier die Knödelfrisur beschnuppern. Es ist eine Begegnung der besonderen Art. Meine Familie steht inzwischen ein paar Meter hinter mir, ebenfalls andächtig und staunend. Ich blicke zurück, sehe meinen Mann, meine Tochter, meinen Sohn, und bin von Liebe erfüllt.



Bei aller Größe und Weite der Landschaft, ist es aber doch die Begegnung mit den Rentieren, die mir am nachhaltigsten im Gedächtnis bleibt
© Katri Dietz

Die Tiere heben und senken die Köpfe, grasen friedlich weiter. Als gäbe es kein Leid auf der Welt, keinen Krieg, keine Massentierhaltung.

Rentiere nehmen sich hier den Raum, den sie brauchen. Sie hüpfen tollpatschig über Autobahnen, aber galoppieren anmutig durch die Wildnis, wohin es sie gerade treibt. Alle Menschen begegnen ihnen rücksichtsvoll. Auch hier auf der einzigen Straße zum Nordkap halten sie immer wieder den Verkehr auf. Niemand hupt, niemand beschwert sich. Es ist unglaublich still. Es gibt nicht einmal Zäune. Diese wunderbaren Geschöpfe dürfen hier einfach sein, wie sie sind und werden von allen akzeptiert. Sie sind gar nicht besonders schön, aber wirken so einzigartig und lieb mit ihren großen Augen, runden Nasen und langen Wimpern. Mit ihren Geweihen können sie sich aber auch verteidigen und erbitterte Revierkämpfe austragen. Im nächsten Leben möchte ich bitte ein Rentier sein.

Nach unserem vormittäglichen Besuch des Nordkaps verbringen wir den Rest des Tages noch mit einer Wanderung auf einen Berg in der Nähe und schließen den Tag mit einem Saunabesuch ab. Auf unserer Rückfahrt Richtung Südfinnland fliegen die bekannten Stationen und die hellen Nächte nur so an uns vorbei. Im Ferienhaus angekommen, haben wir zwei Wochen Zeit, die Eindrücke zu verarbeiten, uns von der Fahrt zu erholen und den finnischen Sommer zu genießen.

Sicher habe ich nur ein paar unserer Erlebnisse geschildert und nicht jedes Detail. Ich hoffe, es ist dennoch ein Eindruck entstanden, wie so eine Tour zum nördlichsten Ende des europäischen Festlands aussehen kann. Diese Fahrt war für mich viel mehr als ein Roadtrip: sie war eine Reise in eine magische Welt, die mein Herz berührt und mir einige der kostbarsten Augenblicke meines Lebens geschenkt hat. In diesen hellen Nächten war ich wunderbar geborgen.




Katri Dietz


Katri Dietz
© Katri Dietz
ist staatlich geprüfte Rundfunkjournalistin, Autorin und zertifizierte Psychologische Beraterin/ Personal Coach für chronisch kranke Frauen mit dem Schwerpunkt Positive Psychologie.

Bis zu ihrer schweren Erkrankung 2017 mit Polymyositis hat die gebürtige Hannoveranerin als Freie Redakteurin und Presenterin für verschiedene Radiosender Norddeutschlands gearbeitet (z.B. radio ffn, NDR, R.SH)

Katri Dietz nutzt heute die Natur, Reiki, ihre eigenen Erfahrungen mit Traumaheilung sowie ihre fundierte Ausbildung, um anderen chronisch kranken Frauen Mut zu machen und neue Lebensfreude zu vermitteln. Voraussichtlich im September 2024 wird sie auch die Weiterbildung zur Resilienztrainerin erfolgreich abgeschlossen haben.

Im Heyne Verlag hat sie bereits zwei Romane veröffentlicht, Wickelkontakt (2011) und Härtetest (2012). Weitere Romane sind in Planung.

Die 47-jährige ist seit 2005 verheiratet und hat zwei jugendliche Kinder. Zur Familie gehören auch eine Hündin und zwei Katzen aus dem Tierschutz. Die Natur-Coachin lebt und arbeitet in ihrer Wahlheimat Schleswig-Holstein.



Unheilbar und unsichtbar


Polymyositis ist eine seltene rheumatische Autoimmunkrankheit der Muskeln. Katri Dietz möchte mehr Aufmerksamkeit und Verständnis für Menschen mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen schaffen.

Allein zum rheumatischen Formenkreis gehören über 400 Erkrankungen. Rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew, Lupus, Gicht und Vaskulitis sind die bekanntesten.

Direkt zu Homepage von Katri Dietz: www.katri-dietz.de



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