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Gib dein Bestes und erwarte nichts - Über das Wollen und Loslassen


von Dominik Schott

Mit Anfang zwanzig war ich hoffnungslos verliebt in eine Frau, die mir klar zu verstehen gab, dass ich für sie nicht mehr war, als ein netter Bekannter. Wie konnte das sein? Mein Gefühl trog doch nicht. Sie war die Richtige, wir waren füreinander bestimmt, da war ich mir absolut sicher. Irgendwann würde sie es auch erkennen, ich musste nur Geduld haben. Also suchte ich immer wieder ihre Nähe, nicht aufdringlich, aber beharrlich. Es war schmerzhaft, mir eine liebevolle Abweisung nach der anderen einzufangen, aber ich war überzeugt: mit Ausdauer komme ich ans Ziel.

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Gib dein Bestes und erwarte nichts - Über das Wollen und Loslassen
© pexels.de

Heute kommt mir das töricht vor. Zumal ich nun weiß, ich war nicht in sie verliebt, sondern in das Verliebtsein. Und in das Bild, das ich mir von ihr (und uns) gemacht hatte. Aber diesen Glaubenssatz haben viele uns mit der Muttermilch aufgesogen: Wenn du nur alles gibst, kannst du auch alles schaffen. Fleiß und Ausdauer bis hin zu Hartnäckigkeit waren Leittugenden der Nachkriegsgeneration - und prägen uns bis heute. Die Leistungsgesellschaft belohnt harten Einsatz. Wenn nicht mit Geld, dann mit Applaus vom Balkon. Wir können alles erreichen, wenn wir es wirklich wollen, und nur fest daran glauben – so die eher amerikanische Variante dieses Denkens. Aber ist das wirklich so?

Gerne übersehen wir drei Faktoren. Der erste ist Talent. Mit Fleiß können wir aus einem angeborenen Talent eine große Stärke formen. Aber ohne Talent bleiben wir im Mittelmaß stecken. Wer regelmäßig ein Instrument übt, wird nach einigen Jahren ein gewisses Können erlangen. Aber nur auf dem Nährboden eines großen Talents wächst herausragende Könnerschaft. Bei Talent denken wir vor allem an künstlerische Tätigkeiten oder Sport. Aber auch Mathematik, Sprachen, Psychologie, Verkauf uvm. sind Neigungsfächer, in denen wir ohne natürliche Veranlagung nie das Spitzenfeld erreichen. Doch auch Fleiß gekoppelt mit Talent ist noch kein Erfolgsgarant.


Der zweite übersehene Faktor ist die ungleiche Startposition
© Gabriela Pereira/pexels.de
Der zweite übersehene Faktor ist die ungleiche Startposition. In welchem Land oder Elternhaus wir zur Welt kommen, kann darüber entscheiden, ob unsere Anlagen gefördert werden oder verkümmern. Was nutzt ein großes Talent für Klavier, wenn man in bitterer Armut aufwächst und keinen Zugang zu so einem Instrument hat? In unserem reichen Land sind es weniger materielle Dinge, die fehlen. Privilegierte Kinder profitieren von Sprachkompetenz, Nachhilfe, finanziellem Rückhalt, guten Schulen und Ausbildungen, Auslandssemstern, Kontakten der Eltern, usw.



Doch selbst Fleiß, Talent und Privilegiertheit führen noch nicht zwangsläufig zu einer Ausnahmekarriere.

Die unterschätzte Zutat in jedem vermeintlichen Erfolgsrezept ist: Glück. Oder Schicksal. Menschen schreiben ihren Erfolg gern der eigenen Leistung zu und blenden aus, an welchen Stellen sie einfach Fortune oder kein Pech hatten. Wer ein Restaurant eröffnet, hat vor allem sein Konzept im Blick und rechnet sich aus, was in dieser Lage an Umsatz zu holen sein müsste . Was keiner bedenkt: Wenn zur gleichen Zeit eine Straße weiter ein weiteres Restaurant mit ähnlicher Zielgruppe eröffnet, halbiert sich der potentielle Umsatz.

Das war dann Pech und wir hatten keinen Einfluss darauf. Die Welt ist voller großer Talente, die Fleiß hatten – aber kein Glück. Waren wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort und haben die richtigen Menschen getroffen? Und waren andere, noch talentiertere oder fleißigere nicht zur selben Zeit am selben Ort, sodass wir eine Chance hatten? Als junger TV-Moderator war ich für eine neue Quizshow im Gespräch. Es sah gut aus für mich, ich durchlief erfolgreich alle Castings. Bei der entscheidenden letzten Probesendung hatte ich nur noch einen Mitbewerber. Ich war gut – aber der andere war als Typ einfach geeigneter. Sein Name war Jörg Pilawa. Wäre er nicht angetreten damals, hätte ich die Sendung bekommen. Pech. Oder Schicksal? Egal. Es hat nicht sollen sein.

Aber wie finde ich heraus, was sein soll und was nicht? Welches meiner Ziele ist auch im Rahmen meiner Möglichkeiten oder für mich vorgesehen (falls ich an Fügung glaube) und ich muss mich nur danach strecken? Und welche Ziele bleiben Wunschträume, oder gar Irrtümer? Welche Hindernisse sind dazu da, mich meine wahre Stärke oder mein Durchhaltevermögen erkennen zu lassen? Und welche sind Hinweise des Lebens, dass ich auf dem Holzweg bin? Wann sollte ich weiterkämpfen? Wann meine Grenzen akzeptieren?


Wann sollte ich weiterkämpfen? Wann meine Grenzen akzeptieren?
© Anthony Shkraba/pexels.de

Als meine damals Angebetete sich auch nach zwei Jahren weigerte, sich in mich zu verlieben, dämmerte mir allmählich, dass ich das Liebesglück offenbar auch mit Ausdauer nicht erzwingen kann. Sie und ich waren zur gleichen Zeit im gleichen Universum geboren, lebten in der selben Stadt, verkehrten in den gleichen Kreisen, liefen uns also über den Weg und ich warb einfallsreich um sie. Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Und doch.... es sollte nicht sein. Mein Ziel war ein Liebesirrtum. Ein Fehlschuss von Amor. Falsch gewünscht. Das würde ich heute hoffentlich früher merken.


Manche Karrieren haben langen Anlauf

Bei beruflichen Zielen ist das schwieriger zu erkennen. Manche Karrieren haben langen Anlauf, manche Siege werden erst nach vielen Etappen errungen. Dann hatte im Nachhinein recht, wer lange durchgehalten hat. Und wer mit der gleichen Ausdauer keine Früchte erntet, steht als Narr da. Gib alles! Wie oft habe ich das schon gehört wenn es um Karriereziele oder Hindernisse im Leben ging? Es klingt so einfach. Aber wann habe ich ‚alles’ gegeben? Und ist es wirklich immer richtig, weiter zu machen? Ist es nicht oft klüger, loszulassen?


Ist es nicht oft klüger, loszulassen?
© Andrea Piacquadio/pexels.de


Was ist der Unterschied zwischen "seine Grenzen erkennen" und "aufgeben"? Aufgeben ist kein Loslassen. Aufgeben ist traurig. Denn es vergleicht das Wunschbild von gestern mit dem mageren Ergebnis von heute - und resigniert. Dann waren die Erwartungen zu groß. Oder die Kraft zu klein. Besser als Aufgeben ist Loslassen. Das ist ein nach vorne gerichtetes Akzeptieren des Unabänderlichen. Dann kann ich die Strategie ändern, oder meine Energie auf lohnendere Ziele lenken. Ein fataler Gedanke an dieser Stelle: aber dann war alle bisherige Mühe umsonst. Das sollten wir nicht denken. Wo wir Energie reinstecken, kommt auch was raus. Allerdings nicht immer das Gewünschte. Das sollten wir akzeptieren. Deshalb ist mein Motto: Gib alles – und erwarte nichts.

Das löst allerdings nicht den nagenden Zweifel der Nebelebene: Stimmt die Richtung? Wie kann ich unterwegs sicher sein, nicht einem Phantom nachzujagen? Darauf kenne ich keine Antwort. Ich kann mein Gefühl oder meine Intuition befragen. Fühlt es sich richtig an? Aber das Gefühl kann trügen und mir eine fixe Idee als Eingebung verkaufen. In der Rückschau kann ich milde darauf blicken und sagen: jeder Umweg war richtig und vielleicht sogar nötig, denn er brachte mich genau dorthin, wo ich heute bin. Das söhnt mich mit meinem Schicksal aus, denn dann gibt es keine Fehler. Allenfalls kleine Kurskorrekturen. So gesehen ist es einfach. Das was du tun musst, wirst du erkennen, wenn es vor dir steht, weil es dann vor dir steht. Wenn es nicht vor dir steht, steht es nicht an.

Das was du tun musst, wirst du erkennen, wenn es vor dir steht, weil es dann vor dir steht
© Andrea Piacquadio/pexels.de


Achte auf den Rückenwind

Ein weitere Ansatz: achte auf den Rückenwind. Wenn wir auf dem richtigen Weg sind, sollten wir es daran merken, dass wir gut vorankommen. Wenn sich etwas über einen längeren Zeitraum nicht mehr leicht, freudig und fließend anfühlt, dann ist es vermutlich erzwungen und wir handeln nicht in Übereinstimmung mit unserem inneren Plan. Wer weiß, wessen Vision wir dann folgen – aber vermutlich nicht unserer Ureigenen. Manchmal investieren wir viel Energie in winzige, mühsam erkämpfte Fortschritte. Ein andermal fangen wir etwas Neues an und es flutscht von Anfang an. Wir bekommen sofort positive Rückmeldung. Es scheint verlockend, nur die leichten Wege zu gehen. Aber weichen wir dann nicht den Herausforderungen aus, an denen wir wachsen? Hier brauchen wir Vertrauen: das Universum macht keine Fehler. Wenn wir unseren Lebenslektionen ausweichen, werden sie uns einholen. Und sich wieder und wieder in den Weg stellen, bis wir sie annehmen. Wenn wir dagegen ankämpfen, kommt die Lektion das nächste Mal nur als dickerer Brocken. Denn alles, wogegen wir anrennen, machen wir stärker, oder?


Dominik Umberto Schott: Souverän präsentieren - Die erste Botschaft bist Du: Wie Sie Körpersprache authentisch und wirkungsvoll einsetzen
Dominik Umberto Schott (Autor)
Souverän präsentieren - Die erste Botschaft bist Du
Wie Sie Körpersprache authentisch und wirkungsvoll einsetzen
Dieses Buch liefert Ihnen hilfreiche Tipps, mit denen Sie Ihre Wirkung beim Präsentieren verbessern.

Wenn Präsentationen gelingen, liegt es meist nicht nur am Inhalt, sondern auch am authentischen Vortragsstil und einer natürlichen Körpersprache des Redners. Viele haben jedoch Schwierigkeiten, ihr Lampenfieber bei Präsentationen am Rednerpult zu überwinden und Kontakt mit dem Publikum aufzunehmen. Dabei ist gerade in der mündlichen Kommunikation die Person entscheidend. Wie souveränes Präsentieren gelingt, vermittelt Ihnen Dominik Umberto Schott Schritt für Schritt in diesem Buch. Er stellt Ihnen die wichtigsten Stellschrauben vor, die Ihren Worten mehr Wirkung verleihen, und zeigt an konkreten Beispielen, wie Sie die Dramaturgie eines Redeaufbaus nutzen. Zudem lernen Sie, wie Sie Ihre Körpersprache und Storytelling natürlich einsetzen, um einen glaubhaften Auftritt hinzulegen.

Schott vermittelt Ihnen umfangreiche Kompetenzen.

Der Autor klärt in seinem Buch „Souverän präsentieren“ zunächst grundlegende Fragen wie:

  • Was ist eine Präsentation?

  • Woraus besteht sie?

  • Wie wirken Inhalt, Struktur und Vortragsweise zusammen?

Anschließend widmet er sich dem großen Themenkomplex der Authentizität. Erfahren Sie, wie Sie Ihre Außenwirkung verbessern und erarbeiten Sie sich mit diesem Buch die folgenden Kernkompetenzen des Präsentierens:


Die dicksten Mauern können wir nicht durchbrechen. Die können wir nur „durchschmelzen“. Wenn wir uns weich und durchlässig machen, finden wir wie fließendes Wasser immer einen Weg. Und wenn es grad nicht weiter geht, braucht es vielleicht ein Innehalten. Ungewissheit hinnehmen. Mal längere Zeit Leere zulassen. Nicht gleich den nächsten Schritt planen. Wer gleich weiterrennt, ohne das Ziel zu kennen, übersieht leicht die richtige Abzweigung. Momentan ist bei vielen die Lok vom Gleis genommen. Größerer Umbau. Baustelle betreten auf eigene Gefahr. Jetzt ist eine gute Zeit in sich hineinzuspüren: Stimmt die Richtung noch? Wer oder was gehört weiter in mein Leben? Was darf gehen? Welche Zukunft lade ich über meine Gedanken und Gefühle in mein Leben ein?


Dominik Umberto Schott
© Dominik Umberto Schott
Dominik Umberto Schott 
arbeitet international als Präsentationstrainer, Vortragsredner und Executive Coach.

Er war nach seiner Gesangs- und Schauspielausbildung mehr als 20 Jahre lang Radio- und TV-Moderator, hat bei Thomas Gottschalk gelernt, stand bereits bei Hunderten großer Events auf der Bühne und ist eine der bekanntesten Stimmen des deutschen Fernsehens. Als Bühnenprofi weiß er, wie man mit Worten bewegt. Privat ist er spirituell und philosophisch interessiert und legt monatlich als DJ im Studio Freitänzer in München auf.


Podcast und YouTube-Kanal von Dominik Schott:




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