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Wege zur Hingabe des Herzens: Das Elysium aus Leib und Seele singen


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von Volker Knapp-Diederichs


Annäherungen an das Phänomen Diana Ankudinova

Vor einiger Zeit stieß ich im Netz auf eine junge russische Sängerin, die etwas tief in mir berührte. Ihr Name: Diana Ankudinova. Im Portal YouTube finden sich ungefähr ein Dutzend Video-Clips, die Cover-Versionen in englischer oder französischer Sprache oder russische Lieder von ihr vorstellen. Einige ihrer erfolgreichsten Interpretationen, wie z. B. »Wicked Game« von Chris Isaak oder »Derniere Danse« von Indila, präsentierte sie bereits mit 15 oder 16 Jahren. Heute, 2021, ist Diana Ankudinova 18 Jahre alt.


Diana Ankudinova

Die englische Version von Wikipedia stellt biografische Hintergründe zu Verfügung. Diana wurde offenbar durch ihre leibliche Mutter missbraucht und schwer traumatisiert, lebte daran anschließend in einem Waisenhaus. Mit ca. 4 Jahren kam sie per Adoption in eine liebevolle Familie, wo sie von da an aufwuchs. Details sind in Wikipedia nachlesbar. Eines erscheint mir naheliegend: Das Singen, das sie mit 4 ½ Jahren begann, könnte ein Stück Selbstheilung ihrer geschundenen Seele widerspiegeln. Die frühen Traumata und die Geborgenheit in einer liebevollen Adoptivfamilie könnten die emotionale Präsenz erklären, die Zuhörer und Zuschauerin bei ihren Auftritten in den Bann zieht.

Ich war vom ersten Augenblick an fasziniert. Die Wirkungen, die ihr Gesang auslöste, waren von ungewöhnlicher Intensität: Wenn ich einen ihrer Videoclips anschaute, trieb es mir Tränen tiefen Berührtseins in die Augen. Ich kannte nur 2–3 Gesangskünstler, bei denen ich punktuell vergleichbare emotionale Reaktionen erfahren hatte: Beim Opern-Tenor Luciano Pavarotti oder bei einigen Auftritten der belgischen Sängerin Lara Fabian. Doch diese stellte Diana Ankudinova in meinem subjektiven Empfinden deutlich in den Schatten. Was hatte es mit dieser Magie auf sich?



Can’t Help Falling in Love

Exemplarisch für die nachfolgenden Betrachtungen soll ihre Interpretation des bekannten Elvis Presley Songs »Can’t Help Falling in Love« sein.


Interessanterweise benutzt Diana Ankudinova nur die ersten 3 Zeilen des ganzen Songs und wiederholt nur den Refrain mehrere Male: »Wise men say only fools rush in, but I can’t help falling in love with you«.

Den Song stellte Diana Ankudinova innerhalb eines russischen Talentwettbewerbs vor, bei dem die Jury gleichzeitig Teilnehmer des Wettbewerbs sind. Während der Vorführung schwenkt die Kamera mehrmals in ihre Gesichter.


Hier zeigen sich 3 typische Reaktionen auf Ankudinovas Gesang, die ich im Folgenden genauer betrachten werde:

Wohlgemerkt, es handelt sich hier um Reaktionen von professionellen Sängerinnen und Sängern, die gleichzeitig Konkurrenten innerhalb dieses Wettbewerbs waren (den Diana Ankudinova am Ende auch deutlich auch gewann).

Die Botschaft, welche die Interpretation von Diana Ankudinova ausdrückt, adressiert an die bedingungslose Hingabe an die Liebe. Eine Hingabe, in der keinerlei Ambivalenz, keine Zweifel, keine Haltegriffe und auch keine »Fallangst« bestehen bleiben. Eine Hingabe, die all dies hinweggefegt in ungehemmter, machtvoller Ausdrucksbewegung, die in Gesang, Körpersprache und Gestik, in ihrer ganzen Präsenz und unerschöpflichen Kraft aufscheinen. Im Grunde handelt es sich um den ganzheitlichen, ungebremsten und vollständigen Selbstausdruck im Hier und Jetzt der Präsentation, Hingabe an die eigenen Potentiale und Ressourcen aus den Tiefenschichten der Persönlichkeit.

Ihre Interpretation dieses Elvis-Presley-Songs präsentierte Diana im September 2021. Es handelt sich also um das erste Video, in der sie nach der Corona-Krise eine neue Coverversion vorgestellte und das innerhalb weniger Tage viral auf Youtube ging. Durch die textliche Verkürzung, die Tonlage, den Rhythmus und Dramaturgie ändert sich der Charakter des ursprünglichen romantischen Liebeslieds »Can’t Help Falling in Love« in den einer Inszenierung, die das ganze Spektrum vom lauen Lüftchen bis zu einem Orkan atemloser emotionaler Intensität umfasst.


Ich wollte mehr darüber erfahren, verstehen, wann und wie Gesangskunst derartig intensive Gefühlsreaktionen auslösen kann

Hinweise fanden sich gleich »nebenan«, bei Youtube nämlich. Hier gibt es nicht nur Aufzeichnungenvon Dianas Auftritten, sondern auch Hunderte von sogenannten »Reaction-Videos«.
Hierbei handelt es sich um Videoclips, in denen eine musikalische Darbietung mimisch und verbal von einem oder mehreren Zuschauern begleitet und kommentiert wird. Die Kommentatoren präsentieren sich entweder als Fachleute, als Gesangslehrer, Opernsängerin, »vocal coach«, Musikerin etc., oder es zeigen sich musikaffine Zeitgenossen, die so die große weite (Social-Media-)Welt beglücken möchten.

Diana Ankudinova - Portrait
© (Diana Ankudinova)
Die »Reaktionäre« auf Diana Ankudinova, und es wurden Dutzende, die ich mir im Laufe der Zeit anschaute, reagierten enthusiastisch bis euphorisch auf die junge Sängerin. In den Kommentaren stimmten sie darin überein, dass es sich bei Diana Ankudinova um eine hochtalentierte Künstlerin mit unverwechselbarer Stimme und beeindruckender Bühnenpräsenz handelt. Vom Fachpublikum wurden meist die Einzigartigkeit und Schönheit der Stimmlage (»Contralto«), ihre reife Gesangstechnik und ihre stimmliche Bandbreite hervorgehoben.

Ich wollte die Faszination und die emotionalen Muster verstehen, die von dieser Künstlerin ausging. Meine Aufmerksamkeit galt daher nicht der fachlich-musikalischen Analyse, sondern den energetisch-emotionalen Reaktionen. Dabei fanden zwei typische Elemente, die am häufigsten auftraten, meine Aufmerksamkeit:


Beide Muster sprechen für spezifische emotionale Erfahrungen, die über das durchschnittliche Erleben von Musik weit hinausgehen.


Hier ein paar Aussagen, die Kommentatoren machten, nachdem sie ihre Sprache wiedergefunden hatten:



Auffällig erschienen mir die vegetativ-energetischen Reaktionen, allem voran der häufig genannten »Gänsehaut«

Zunächst die biologische Definition:

»Bei Kälte (Zittern), Angst oder Erregung kommt es zu einer vom vegetativen Nervensystem gesteuerten Kontraktion des Haarbalgmuskels (lat. Musculus arrector pili), so dass sich der Haarfollikel über die Hautoberfläche erhebt und sich das Haar aufrichtet (medizinischer Fachbegriff Piloerektion). Dies dient der Einschließung von mehr Luft zwischen den Haaren. An generell unbehaarten Hautflächen, wie Fußsohlen und Handflächen, kann keine Gänsehaut entstehen. Regionen mit selbst nur minimaler bzw. stark rudimentärer Behaarung dagegen zeigen bei entsprechenden Bedingungen durchaus diese sehr eindeutige Reaktion.

Gänsehaut tritt auf, wenn man von einem positiven Moment oder einem emotionalen Erlebnis berührt ist, wie zum Beispiel einem Musikstück oder einer jubelnden Menschenmenge.«


Musik als Auslöser für ein »emotionales Erlebnis«, Musik, die sprachlos macht, das waren doch vielversprechende erste Hinweise. Wie ließen sich die vegetativen Reaktionen im Zusammenwirken erklären? Was hatte Musik damit zu tun und vor allem: Unter welchen Voraussetzungen löste Gesang diese Wirkungen aus? Denn beileibe nicht jedes Lied zog sie nach sich.
Im Gegenteil, vermutlich traf man auf dieses Phänomen das eher selten.

Eine andere Frage, die sich mir stellte: Ließ sich jeder Mensch davon berühren, gab es individuelle Unterschiede? Konnte jemand gänzlich unberührt, emotional und vegetativ, bleiben?

Die zweite Frage ließ sich leicht und schnell beantworten. Sie war direkt aus dem Spektrum der »reaction video«-Protagonisten abzuleiten: Es gab eine Minderheit, die cool und nüchternanalytisch ihre Kommentare zur Gesangstechnik, Komposition und Choreographie abgaben, dabei keinerlei emotionale Reaktion zeigten. Wobei ich den Eindruck gewann, dass ihre distanzierte Haltung mit ihrer Persönlichkeitsstruktur zusammenhing. Ähnliche Wirkungen beobachtete ich bei Personen aus meinem sozialen Umfeld, die ich bat, sich ein Video von Diana Ankudinova anzuschauen. Diejenigen unter ihnen, die ich als rational-analytisch kenne, reagierten kritisch, monierten z. B. das übertriebene »Pathos« ihres Gesangsstils.

Schwieriger zu beantworten blieb die Frage nach dem Zusammenwirken von Musik und vegetativer Reaktion. Welcher Vorgang löste Tränen tiefer Berührung, Fassungslosigkeit, Trance und Gänsehaut aus? Was geschah bio-energetisch und bio-emotional, in den Interaktionen zwischen Zuschauer und Künstler? Was wirkte in der Videokonserve eines Live-Auftritts? Gab es etwas, was Künstler wie Diana Ankudinova oder Luciano Pavarotti von anderen unterschied, die durch ihren Gesang weniger intensive oder keine bio-emotionalen Reaktionen auslösten?



Die Fenster der Herzenergie

Eine typische Geste, die sich durch alle Liebeslieder zieht, die sind die geöffneten, in den Raum greifenden oder ausgebreiteten Arme. Arme und Hände zeigen nicht Habachtstellung, Abwehr oder Schutzbedürfnis, sondern greifen hinein in den Raum, die Handflächen geöffnet. Sie stellen körpersprachlich eine Botschaft des »Sich-Öffnens« dar.

Für die gegensätzliche Geste dieser in den Raum greifenden, offenen Arme und Hände stehen vor der Brust verschränkte Arme, zur Faust geballten Hände. Könnte man in solcher Körperhaltung ein Liebeslied präsentieren? Das wäre unglaubwürdig, unpassend. Probieren Sie es selbst aus: Ballen Sie einmal Ihre Fäuste und verschränken dabei Ihre Hände vor der Brust. Dabei sprechen Sie die romantischsten Liebesworte aus, die Sie sich vorstellen können. Fühlt sich das glaubwürdig an?

Dies gilt auch, wenn die Sängerin das Mikrophon in der linken Hand hält, wie dies bei Diana Ankudinova häufig der Fall ist (was mit dem Wettbewerbsrahmen oder den technischen Vorgaben der Vorführung in Zusammenhang stehen dürfte). In diesen Fällen orientiere ich mich an der Körpersprache, die sich in dem Arm ausdrückt, der sich frei bewegt.

Für den Tenor Luciano Pavarotti waren die bewegten, nach außen ausgebreiteten Arme nicht nur während des Gesangvortrags markant. Er war berühmt für seine weit geöffneten Arme am Ende seines Vortrags, während er ein weißes Tuch in der Hand hielt und sich dabei strahlend dem Applaus hingab.

Bei der Recherche zu diesem Artikel stieß ich übrigens auf die Tatsache, dass er, was die Dauer des Beifalls angeht, 1988 einen Weltrekord einstellte, indem Pavarotti erst nach sage und schreibe 154 Vorhängen und 67 Minuten (!) ununterbrochenem Applaus die Bühne verließ. Auch ein bemerkenswertes Beispiel dafür, welche Verzückung ein Gesangskünstler auslösen kann.

Was öffnet sich hier, was ist die Quelle dieser Ausdrucksbewegung von des »Sich-Öffnens«?
Es ist der Energiefluss und die Hingabe des Herzens, die sich in der Ausdrucksbewegung der Arme, der Augen und des Mundes abbilden. Sie repräsentieren den Strom der Herzenergie zur Peripherie und über die Körpergrenzen hinaus in den Raum. Dieser fundamentale Energiefluss begegnet und berührt andere Menschen, deren eigenes Herz, das resoniert und sich verbindet.

Es handelt sich um den Energiefluss, der sich in jeder zärtlichen Berührung ausdrückt, z. B. innerhalb der Mutter-Kind-Beziehung oder in der Umarmung zweier Liebender. Bei einem Gesangsauftritt, sei er live oder Aufzeichnung, gilt er nicht einer Person, sondern strahlt, einem unsichtbaren Licht vergleichbar, in den Raum auf das Publikum. Dem Tenor Luciano Pavarotti wurde von vielen, die ihn live erlebten, kolportiert, dass der Zuschauer den Eindruck hatte, er sänge nur für ihn. Was in meinen Augen ein deutlicher Hinweis auf die Intensität des Herzkontaktes, den Pavarotti während seiner Auftritte herzustellen in der Lage war.

Die Hände repräsentierten das zentrale Organ der Berührung und des direkten Kontakts mit unserer Umwelt. Mithilfe unserer Hände »begreifen« wir die Welt, mithilfe des Mundes verleiben wir sie uns ein, was sich anschaulich im Babyalter beobachten lässt. In den späteren Entwicklungsphasen trennen sich diese Funktionen, der Akt des »Begreifens« verlagert sich auf die abstrakte Ebene der Verstandesfunktionen. Verbindet sich der Fluss des Herzens mit der Berührung eines anderen Menschen, in der liebevollen Berührung zwischen Mutter und Kind oder der Berührung von Liebenden, dann nähert sich der Erwachsene wieder dieser frühkindlichen Berührungsqualität, in dem Herz, Mund und Berührung zur Einheit zurückfinden. Die Resonanz des im Brustkorb schwingenden Lebendigkeit, die sich von hier stimmlich ausdrückt, spielt gerade in Liebesliedern eine entscheidende Rolle und kann dem sog. »Brustregister« oder »Bruststimme« zugeordnet werden.


Der erste, fundamentale Energiefluss

Der erste, fundamentale Energiefluss führt also vom Herzen durch die Arme bis in die Hände und Fingerspitzen und darüber hinaus, ist körpersprachlich mit der Geste eines sich Öffnens, des Ausgreifens, des »Hin-zur-Welt« assoziiert.

Auf dem Hintergrund der seinsorientierten Körpererfahrung lässt sich dieses Modell erweitern und spezifizieren. Es existieren 4 »Kontaktorgane«, ich bezeichne sie auch gern metaphorisch als »energetische Fenster«, mithilfe derer ein Mensch in bio-emotionalen Kontakt mit einem anderen Organismus treten kann: Augen, Mund, Hände und Genitalien. Für alle 4 gilt, dass sie mit dem energetischen Zentrum, dem Sitz der Seele, dem menschlichen Herzen mehr oder weniger spürbar oder sogar bewusst verbunden sind. Das bedeutet, es existieren substanzielle bio-emotionale Verbindungen zwischen dem Herzen und den Augen, zwischen dem Herzen und den Händen, zwischen dem Herzen und dem Mund und zwischen dem Herzen und den Genitalien.

Bei allen handelt es sich um energetische Zentren, erogen, erregbar, vital. Gleichzeitig bilden sie authentisch den inneren Gefühlszustand eines Menschen ab. Betrachten wir diese Funktionen im Einzelnen.

Die Augen stellen bekanntlich den »Spiegel der Seele« dar, der »augenblickliche« oder chronische Gefühlszustand lässt sich ebenso leicht in den Augen ablesen, wie generell der Erregungszustand eines Menschen. Im Grunde lässt sich jedes Gefühl in den Augen ablesen. Die Varianzbreite des Augenausdrucks steht in Abhängigkeit von der bio-emotionalen Vitalität eines Menschen und findet sich typischerweise bei Kindern am deutlichsten ausgeprägt. Das »Strahlen« der Augen zeigt sich bei Kindern und später bei Liebenden in seiner ganzen Intensität und Lebendigkeit.

Im Prozess der Persönlichkeitsentwicklung kann sich eine bestimmte bio-emotionale Ausdrucksbewegung chronifizieren. Zum Beispiel findet sich in hysteroiden Persönlichkeitsstrukturen ein chronischer Ausdruck von Sehnsucht in den Augen, welche der betreffenden Person nicht bewusst ist, aber von anderen Menschen als erotische Botschaft missinterpretiert werden kann. Manche chronisch-unbewusste körpersprachliche Botschaft zieht kommunikative Missverständnisse nach sich, nicht nur in den Augen, z. B. chronische Angst oder chronische Wut, die sich in den Augen abbildet.



Auch der Mund sendet ein weites Spektrum von bio-emotionalen Signalen aus

Zusammengepresste Lippen zeigen Zurückhaltung, zusammengebissene Zähne zurückgehaltene Wut, nach unten gezogene Unterlippe vermittelt Distanz, geöffnete Lippen, über die die Zunge streicht, vermitteln erotische Signale, ein Zittern und Zucken emotionale Erregung usw. Das Küssen, die Überlagerung der Münder zweier Liebender, gilt als Geste von Zuneigung und Liebe. Es repräsentiert den substanziellen Energiefluss vom Herzen zum Mund.

Hinzu tritt das weite Spektrum bio-emotionaler Ausdrucksbewegungen der menschlichen Stimme, die über den Mund den Weg in die Außenwelt findet. Sprache und Gesang repräsentieren ein einzigartiges individuelles Abbild der Persönlichkeit. Wie es Milliarden von Menschen auf dieser Welt gibt, so existieren Milliarden unterschiedlicher Stimmen auf diesem Planeten. Jede dieser Stimmen ist einzigartig.

Über das energetische Fenster des Munds tritt die Stimme mit der Lebensumwelt und der sozialen Welt in Kontakt. Ist die Stimme deutlich und klar? Oder klingt sie undeutlich nuschelnd, als ob derjenige, der spricht, nicht so richtig von dem, was er sagt (oder möglicherweise auch von sich selbst) überzeugt ist? Zeigt sich emotionale Präsenz, ein Beteiligtsein in der Stimme, die durch den Mund in die Außenwelt dringt, oder wirkt sie gefühllos und mechanisch? Ist sie voller Zugewandtheit und Mitgefühl oder verführerisch, abgegrenzt und kühl?

Betrachten wir die Stimme eines Gesangskünstlers, so spielen Kriterien wie Klarheit, das Element des Raumfüllenden, der Präsenz und nicht zuletzt der emotionalen Qualität eine besondere Rolle bei dem, was sich aus dem geöffneten Mund nach außen bewegt. Gesangsterminologisch und topisch möchte ich das energetische Fenster »Mund« unter dem Begriff »Kopfstimme« zusammenfassen. Kommt das, was der Künstler ausdrückt, aus dem Herzen, erlebt er das mit, was er in seinem Lied erzählt? Das gilt für alles, was wir über unsere Stimme kommunizieren:
Nur das, was mich selbst bewegt, vermag auch den anderen zu bewegen.

Die Genitalien als Kontaktorgan werden als »Ausdrucks-Fenster« der Herzenergie in unserer Kultur verzerrt oder abgespalten wahrgenommen.

Nur eine Anmerkung dazu: Die Termini »Liebe machen« oder »Liebesakt« illustrieren diese Verzerrung anschaulich. Sie verweisen einerseits auf die einseitige sexuell-genitale Konnotation von Liebe und andererseits auf die Ebene einer vom Kopf gesteuerten Tätigkeit im Gegensatz zum Lieben als Hingabe und Seinserfahrung.


Das betrifft auch die Nicht-Wahrnehmung des Beckens als energetisches Zentrum und als Resonanzkörper. Wenn wir uns den menschlichen Körper als Resonanzraum vorstellen, dann lassen sich die hohen Töne dem Kopf (»Kopfstimme«), die mittleren Tönen dem Brustbereich (»Bruststimme«) und die tiefen Töne dem Becken zuordnen (»Beckenstimme«).

»Beckenstimme«? Googelt man danach, findet man – von einer Ausnahme abgesehen – ausschließlich Hinweise zum Schlaginstrument »Becken«. Diesen Sonderfall repräsentiert Iris Hammermeister, eine Gesangslehrerin, die gleichzeitig über einen trauma- und systemtherapeutischen Hintergrund verfügt und einen eigenen Ansatz zur »Befreiung der Stimme« verfolgt.

Sie stellt fest:

»Meine Erfahrung ist, dass alle Veränderungen, die im Stimmapparat geschehen, auch parallel im unteren Beckenboden passieren oder umgekehrt. So kann man von parallelen Organen sprechen, wie beispielsweise Mund und Muttermund, Mundraum und Gebärmutter, Innenohr und Eierstock, Stimmlippen und Schamlippen, Kehlkopf und Vagina,…

Es ist kein Zufall, dass es diese Verbindung zwischen dem Kehlkopf und dem unteren Beckenboden gibt. Diese Verbindung besteht auch bei Männern in einer anderen Art.

Das bedeutet, dass die Stimme mit unserem Ursprung, mit unserem göttlichen Funken, mit unserer Lebensenergie, mit unserem Schöpfungsraum verbunden ist. Es ist auch kein Zufall, dass das weibliche Geschlechtsorgan so viele Parallelen zum Stimmapparat aufweist und das kollektive verletzte Weibliche im Schoßraum der Frauen verborgen liegt. Ich habe mich viel mit der Mutterwunde auseinandergesetzt und bin zum Ergebnis gekommen, dass das Singen mütterlich ist, was uns wieder mit dem Gottesweiblichen verbindet, denn der Klang ist weiblich und der Ursprung des Universums.«
Quelle und weitere Informationen: www.irishammermeister.de

Das sind Erkenntnisse, welche die Faszination verstehen helfen, die von einer weiblichen Stimme ausgehen kann, die tief aus dem Becken kommt, sich im Gesang spiegelt. Auf das männliche Unbewusste dürfte mit dieser Tonlage eine urtümliche (mütterlich-archaische und gottesweiblich-archaische) und erotisch-archaische Wirkung einhergehen.

Eine Besonderheit der Stimme von Diana Ankudinova besteht darin, dass sie das gesamte Spektrum, von der tiefen Beckenstimme bis zur Kopfstimme beherrscht. Ihre Beckenstimme repräsentiert den kraftvollsten und intensivsten Anteil, eine für Frauen seltene Tonlage (»Contralto«).

Halten wir fest: Bei musikalischen Gesangsdarbietungen, die emotional ergreifen, spielt der freie Energiefluss durch die Augen, Mund, Armen und Becken eine entscheidende Rolle. Die Intensität dessen, wie präsent und frei sich energetische Lebendigkeit zeigt, verdient besondere Aufmerksamkeit. Die Quelle der Energie, die durch die Kanäle fließt und sich über die energetischen »Fenster« mit einem anderen Organismus verbindet, liegt im Herzen.

Die Hingabe an und der Ausdruck der dem Herzen entströmenden Energie erzeugt jene Präsenz, die ich als organismische Wahrheit von Liebe bezeichne, also jenen Selbstanteil, der im Grund unserer der Seele verborgen ist und berührt werden will. Die authentische Präsenz der Herzenergie, die in einem Menschen aufscheint, resoniert mit einem oder mehreren anderen Herzen. Präsenz erwächst aus der Hingabe an die Wahrheit des Herzens (»Hand auf’s Herz«).



Der Energiefluss zwischen Sängerin und Publikum

Musik verfügt über spezielle Potentiale, da sie auf nonverbaler, einer Schwingungs- und Stimmungsebene dem menschlichen Gefühls- und Seelenleben nah ist und intensiven Ausdruck verleihen kann. Das gilt insbesondere für die menschliche Stimme, die der Herzenergie nicht nur physisch, sondern auch seelisch nahe ist. Dazu Diana Ankudinova:

»Ich werde oft gefragt, wie ich mit 17 Jahren so intensiv Lieder fühlen und leben kann. Wie ich das schaffe ... ein echter Künstler fühlt einen Song mit ganzem Herzen - wenn er wirklich ein guter Sänger ist. Es geht nicht nur darum, den Mund zu öffnen und die Stimmbänder zu bearbeiten ... oder professionell zu singen. Die Fähigkeit zu fühlen, hängt nicht vom Alter im Pass ab – es ist das Alter der Seele, das zählt.«

Interviewszene einer Konzertaufnahme mit Diana Ankudinova vom 19.04.2019, veröffentlicht auf Youtube am 13.05.21, Übersetzung von mir (Volker Knapp-Diederichs)

Weise Worte einer 17-jährigen jungen Frau, die in Kontakt mit ihrer organismischen Wahrheit zu stehen scheint. Dass sie einen Song mit dem ganzen Herzen fühlt, zeigt sich in mehreren ihrer Videos, in denen sie sich mit Tränen in den Augen nach der Gesangsvorführung vom Publikum abwendet. Diese Fähigkeit, sich ihren Gefühlen hinzugeben, erzeugt jene Präsenz ihrer Auftritte, die den Kontakt zwischen ihrem eigenen und den dafür offenen Herzen der Zuhörer ermöglicht.
Die tiefen Gefühle, denen die Sängerin in sich Raum lässt, verbinden sich mit den Gefühlen des Publikums, bringen diese in Resonanz. Die Gesangskünstlerin berührt, sie berührt Herz und Seele, jedoch auch die ggf. vorhandenen Blockaden und Abwehrmuster.

Sind alle 4 »energetischen Fenster« mit dem Herzen eines Künstlers energetisch verbunden und ist dieser so frei und hingegeben, sich in dieser Verbindung in und zu sich selbst zu zeigen, dann scheint Hingabe im Herzen nicht nur im Künstler selbst auf, sondern berührt auch die Hingabefähigkeit des Zuhörers.



Energetische Dramaturgie

Im nächsten Schritt möchte ich die Aufmerksamkeit auf die »energetische Dramaturgie« richten, die in Diana Ankudinovas Interpretation von »Can’t Help Falling in Love« zum Ausdruck kommt.

Das Lied beginnt in Stille, mit sanftem minimalistischen Piano. Diana beginnt in ihrer tiefen Stimmlage in Molltönen ihre Interpretation, wirkt in sich gekehrt, die Augen lange geschlossen, nur von einem Scheinwerfer angestrahlt im Halbdunkel, der Körper unbewegt. Dann wechselt sie in höhere Tonregister, singt dieselben Zeilen sanft und nahezu zärtlich, ihre Augen verlebendigen sich, öffnen sich, auch in den linken Arm kommt Leben. Die schwermütige Zurückhaltung dieser Einleitungsphase steigert sich in ein Crescendo im hohen Tonbereich, wo sie einer Opernsängerin ähnlich in hohen Tonlagen textfrei improvisiert. Der Höhepunkt der emotionalen Präsenz ist erreicht, als sie mit ungebändigter Ausdruckskraft in ihr Contralto-Register zurückfällt und den Refrain »I can’t Help falling in Love« mehrmals mit einer Intensität wiederholt, die ich emotional als machtvolle Welle erlebt habe, der man sich hingeben, aber nicht widerstehen kann.
Sie gleicht dem Archetypus einer weiblichen Gottheit, die mit überirdischer Präsenz und Leidenschaft ihre Wahrheit verkündet.

Diana Ankudinova hat aus dem romantischen Liebeslied von Elvis eine Arie gezaubert. Alles, was eine Frau über ihre Hingabe an die Liebe in einem Lied ausdrücken kann, findet sich in dieser Performance: Zartheit, Leidenschaft und grenzenlose Kraft, eine inbrünstige Liebeserklärung an das Leben, eine Hymne an die göttliche Weiblichkeit. Sie drückt weibliche Hingabe und Leidenschaft an die Liebe nicht nur künstlerisch aus, sie lebt weibliche Hingabe und Leidenschaft in diesem Augenblick.

Die Beziehung von Gefühl und Emotion setzt Diana eindrucksvoll um: Das nach innen gerichtete, nur im Inneren präsente Gefühl der Einleitungsphase geht sukzessive über in die Hingabe an die Emotion, den nach außen gerichteten Gefühlsausdruck, reflektiert in Tonlage, Stimmintensität und Körpersprache in der letzten Phase des Vortrags. Diana Ankudinova ist eine Meisterin der »Entregungs-Erregungskurve«.

Diana Ankudinova ist eine Meisterin der Entregungs-Erregungskurve
© Volker Knapp-Diederichs


Die Entregung entspricht dabei der ruhigen, nach innen und in sich gekehrten Gefühlsphase zu Beginn des Liedes, die Erregung der nach außen gerichteten, sich steigernden Ausdrucksbewegungen und Emotionen, die mit dem letzten Ton ihren Höhepunkt erreichen und verklingen. Beides, aufsteigende Erregungsphase und absteigende Entregungsphase stellen grundlegende Polaritäten dar, Pulsationen, die allen lebendigen Prozessen zu eigen sind: Tag und Nacht, Wachsein und Schlafen, Bewegung und Stille usw.

Diana Ankudinova präsentiert sich nicht nur in diesem Song als eine Meisterin des Entregung-Erregungs-Zyklus, energetisch betrachtet umfassen die meisten ihrer Performances, die ich bisher sehen konnte, das gesamte Spektrum von Entspannung und Trance bis zu orgastischen Ich-Auflösung.

Dianas stimmliche Brillanz, die Fähigkeit, mit Leichtigkeit das ganze Spektrum stimmlicher Ausdrucksmöglichkeiten zu bedienen, von den leisen bis zu den machtvollen, von den tiefsten bis zu den höchsten Tönen und darüber hinaus zu tänzeln, bildet zudem einen wesentlichen Teil ihrer künstlerischen Klaviatur ab.



Augenfällig auch die weibliche Süße

Augenfällig auch die weibliche Süße, die sie dabei ausstrahlt. Sie bildet einen eindrucksvollen Kontrast zu der ungebremsten Kraft, die in ihrem Gesang ertönt, sobald sie im Contralto den ganzen Körper als Resonanzraum inklusive ihrer erotisierenden »Beckenstimme« nutzt.

Diana Ankudinova kann sich emotional dem vorgetragenen Lied vollkommen hingeben. Dies wird sichtbar, nachdem sie den Elvis-Song zu Ende gesungen hat und enthusiastischer Beifall aufbraust: Sie wendet sich vom Publikum ab, wischt sich eine oder mehrere Tränen aus den Augen; mit einer konzentrierten Geste, wie sie Frauen zu eigen ist, die ihr Augen-Make-up möglichst wenig in Mitleidenschaft ziehen möchten. Sind die Tränen echt oder handelt es sich hier um eine effektheischende Geste? Da es noch weitere Aufnahmen von Auftritten Dianas gibt, in denen ihre Tränen deutlich zu erkennen sind, gehe ich davon aus, dass sie auch in diesem Fall authentisch sind. Für mich spricht vieles dafür, nicht zuletzt die Persönlichkeit, die in ihrer Körpersprache aufscheint, dass ihr emotionales Erleben zu bedeutenden Teilen ein Mitfühlen und Miterleben reflektiert.

Außergewöhnlich ist, dass von Tonlage und Körpersprache Becken und Herz miteinander verbunden wirken. Dazu entströmt eine schier unbegrenzte Intensität ihrem Herzen, sie »lebt« ihre Lieder authentisch. Genau das spiegelt sich auch in ihren außergewöhnlichen stimmlichen Potentialen, über die sie zweifelsfrei verfügt. Ich vertrete nicht wie viele Kommentatoren die Auffassung, dass allein die technischen Kapazitäten ihrer Stimmanatomie und ihre außergewöhnliche Gesangstechnik dafür verantwortlich sind, dass man als Zuschauer mit Fassungs- oder Sprachlosigkeit reagiert, sich hypnotisiert, in einem Trancezustand findet oder einfach verzaubert ist. Was hinzukommt, ist Dianas Ankudinovas umfängliche seelisch-emotionale Hingabe an die Lieder, die sie singt. Sie erlebt die Lieder, die sie präsentiert und geht dabei völlig im Hier und Jetzt auf. Wir haben hier also einen Menschen vor uns, bei dem Präsenz und Bühnenpräsenz miteinander verschmelzen.

Es sind die authentische Präsenz des Herzens und die Präsenz der Authentizität der Herzenergie, die Hingabe, die darin aufscheint und, da es sich meist um Lieder der Liebe handelt, die darin erlebten Leidenschaften und Emotionen, die eine Liebende erfassen. Sie spielt nicht, sondern sie drückt Emotionen aus, die sie in ihrer Seele schöpft und sie tut dies in einer ungehemmten, hingegebenen Weise. Sie drückt das aus, was in allen Menschen gleichermaßen vorhanden ist: die Gefühle wie Schmerz, Sehnsucht, Zorn, Leidenschaft, Verzweiflung, Liebe usw.



So crazy

Kommentatoren benutzen oft den Begriff »it was so crazy«. Die Wahrheit ist, dass das, was sie erleben, eigentlich normal ist, denn die Art und Weise, wie unsere Kultur Gefühle kanalisiert und zurückhält, stellt das eigentlich Verrückte dar, das, was die Welt verrückt macht und verrückt hält.
Diana und jede große Gesangskunst konfrontiert uns mit der Wahrheit und der Macht der Gefühle. Sie bieten die Chance, die Beziehung zu den Gefühlen neu zu justieren, sei es auch nur in diesem einen seligen Augenblick des Zuhörens. Sie lädt ein, ein Stück inneren Wahrheit und Wahrhaftigkeit wiederzuentdecken.

In der Präsenz von Körpersprache und Stimme von Diana Ankudinova scheinen jene archetypischen Qualitäten auf, die ich als »transpersonalen Herzcode« bezeichne. Gemeint sind damit jene Anteile des Selbst, die über die individuelle Persönlichkeit hinausgehen (»personaler Herzcode«). Unter dem »Herzcode« verstehe ich die über Zeit- und Raumgrenzen hinweg emittierten personalen oder transpersonalen Informationen, die sich mit anderen Herzen verbinden können.
Subjektiv wird Dianas Reichtum an »transpersonalen Herzcode-Informationen« von den Kommentatoren als »schamanistisch«, »archaisch« oder »tribalistisch« interpretiert und spiegelt sich in der mehrstimmigen Qualität ihrer Gesangskunst.

Auf diesem Hintergrund kann sie als archetypische Göttinnengestalt, als archaische Gestalt weiblicher Schönheit, Hingabe und Kraft erscheinen, als die spirituelle und organismische Wahrhaftigkeit des Weiblichen, die Teil des kollektiven Unbewussten repräsentieren. In ihrem strahlenden Lächeln am Ende des Vortrags scheint nochmals jene weibliche Süße auf, die nicht nur den männlichen Zuschauer verzaubern dürfte.



Can’t Help falling in Love

Das Video von »Can’t Help falling in Love« hat innerhalb weniger Tage viele Dutzend der erwähnten »Reaction-Videos« erzeugt, die eines gemeinsam haben: Die absolute Begeisterung über Dianas Präsentation, aber auch Sprachlosigkeit, wenn es darum ging, die eigene Fassungslosigkeit dem Publikum zu erklären.

Noch ein paar ergänzende Bemerkungen zu den »Reaktoren«: Sie sitzen häufig da mit offenstehendem Mund, hochgezogenen Augenbrauen, weit geöffneten Augen, verstummt, suchen nach Worten oder geben den Versuch auf. Manche erwachsen nur langsam aus ihrer Trance und beenden ihr Video dann ohne weitere Kommentierung.

Was daran liegt, dass es offenbar keine Begriffe auf der technisch-musikalischen Ebene gibt, die ausreichen, um die Wirkung von Diana auf die Zuhörerinnen begreiflich zu machen, was sich manifestiert in Formulierungen wie »nicht von dieser Welt«, »das gibt es nicht, das kann keine menschlichen Stimme sein« usw. Kurzum, den »Reactors« gehen die Termini aus, es ist amüsant zu sehen, wie manch Dampfplauderer unter ihnen um Worte ringt, denn die Reaktionen bleiben meist in der Sprachlosigkeit stecken, nur Mimik und Gestik überwintern. Diese zeigen Verzückung, Anbetung, in jedem Fall tiefe Berührung und Begeisterung. Häufige Worte lauteten »My God« oder »mesmerizing«.

»My God« bleibt, wenn der Verstand, seine Worte und Erklärungen nicht mehr greifen. Es geschieht im Augenblick der Ekstase, der Verzückung, der emotionalen Erschütterung. Die Anrufung Gottes erwacht reflexartig, wenn jenseits aller Gedankenkonstrukte und Analysen, jenseits von Attitüde und Eitelkeit, nur die spirituelle Dimension bleibt.

Mit der in der englischen Sprache häufig benutzten Begrifflichkeit »mesmerizing« (übersetzt: »hypnotisierend«) hat es eine besondere Bewandtnis.


Denn das Wort geht zurück auf den deutschen Arzt und Energetiker Franz Anton Mesmer (1733 – 1815), über den ich an anderer Stelle formulierte:

Auf dem Höhepunkt seiner Popularität war er berühmt wie ein König oder Kaiser. Die Bibliographie des »animalischen Magnetismus«, erschienen im Jahr 1800, zählte über 1.000 Titel. Doch mit jedem Jahr wuchs das Nichtwissen über das Wesen, die Essenz seiner Entdeckung. Als er 1815 starb, war er vergessen. Schüler praktizierten seine Methode, bis zur Unkenntlichkeit verzerrt, überall auf der Welt.
»To mesmerise« ging in den englischen Wortschatz ein und wird bis in die heutige Zeit als Urform der Hypnose dargestellt. Doch Franz Anton Mesmer (1733—1815) ging es um etwas anderes, nämlich um eine ganzheitliche Heilungsmethode. Sein Fokus war die Bewegung der Lebensenergie im menschlichen Organismus und in der Natur, seine Methode ihre körpertherapeutische Beeinflussung. Franz Anton Mesmer war der erste ganzheitliche Körpertherapeut der neueren Zeit.
a.a.O., S. 1

Mesmer steht also symbolisch für eine andere, energetische Betrachtung der Naturvorgänge, die das naturwissenschaftlich-analytische Modell, in ähnlicher Weise wie Wilhelm Reich (1897 – 1957) um eine ganzheitliche Dimension erweiterte. Der »animalische Magnetismus« von Mesmer, ebenso der »Orgon«-Begriff von Reich, bilden die westlichen Gegenstücke für den Lebensenergiebegriff anderer Kulturen, wie z. B. Prana, Ki, Chi, Mana, Wakan usw., in denen das Göttliche aufscheint. Sie öffnen damit das Tor zur geistigen Welt, zum Elysium, und genau das beschreibt das Phänomen Diana Ankudinova und ihre Gesangskunst: Sie öffnet das Tor zum Elysium.


Franz Anton Mesmer (1733—1815)
© Volker Knapp-Diederichs

Viele Menschen, die Diana erleben, verlieren im wahrsten Sinne für einige selige Augenblicke ihren Verstand, geraten sichtbar in einen Trancezustand.

Insbesondere, wenn man es gewohnt ist, mit dem Verstand neuen Erfahrungen zu begegnen, scheint die emotionale Intensität von Ankudinovas Gesangskunst die Ressourcen des jeweiligen Zuschauers zu überfordern. Dies löst eine Art »Schreckstarre« aus. Auf einer tieferen Ebene verweist dieser Prozess auf jene Dimension, in der der Denkapparat und das Fließband der Gedankenproduktion für einige Momente zur Ruhe finden. Augenblicke innerer »Gedankenlosigkeit«, wie sie durch Meditation, ähnliche Herangehensweisen und in Trancezuständen angesteuert werden, erfrischen nicht nur das Gehirn, sondern »erleichtern« die Selbst- und Weltwahrnehmung von dem Zwang, für alles Analysen, Begriffe und Urteile parat zu haben. Nur Staunen, Verzückung und Versunkenheit bleiben.

Die Gesangskunst Diana Ankudinovas kann schlussendlich als diese wundervolle »Erleichterung « erlebt werden, die nicht nur eine rapide wachsende Fangemeinde nach sich zieht, sondern auch ein Agens der Faszination ausmacht, die sie ausstrahlt und bewirkt.




Volker Knapp-Diederichs
Volker Knapp-Diederichs
© Volker Knapp-Diederichs

Volker Knapp-Diederichs arbeitet seit fast 40 Jahren auf dem Gebiet der Körpertherapie.
Ausgebildet u.a. in der Orgontherapie Wilhelm Reichs, vertritt er inzwischen seine eigene Methode, die »Seinsorientierte Körpererfahrung«, welche Körpertherapie und Spiritualität verbindet. Er ist heute hauptsächlich als Supervisor und Autor tätig.

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