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von der Nähe.


von Bruno Schulz

Die Nähe, in Worttrennung Nä-He, ist ein Singularetantum. Singularetantum ist Latein und setzt sich zusammen aus singularis für „im Singular stehend“ und tantum für „nur“. Demnach ist ein Singularetantum also ein Substantiv, das nur in der Einzahl vorkommt. Da es neben der Nähe noch weitere Worte gibt, die nur in der Einzahl vorkommen, gibt es für das Singularetantum selbst tatsächlich eine Mehrzahl, also einen Plural. Komisch. Und der heißt Singulariatantum. Aber das nur ganz nebenbei. Als kleine Randnotiz.

Nähe findet als Vokabel seine Wurzeln im mittelhochdeutschen „næhe“ und im althochdeutschen „nâhî“. Die Existenz ist seit dem 9. Jahrhundert belegt. Die Nähe gibt es als Begriff demnach schon ganz schön lange.

Geht man nach den Wörterbüchern, steht Nähe für eine kurze räumliche Distanz. Nähe steht zudem für eine Zeit, die von einem bestimmten Punkt aus in nicht allzu ferner Zukunft liegt. Oder man kennt sie auch aus dem historischen Schiffbau, wo große, flach gebaute Fähren mit geringem Tiefgang “Nähe“ hießen. Boote und Zeit lassen wir mal außen vor, ich interessiere mich hier für eine Definition der engen persönlichen oder sozialen Verbundenheit.

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Lässt sich Nähe mit enzyklopädischem Wissen wirklich greifen? Fehlt da nicht das Magische? Das Magnetische? Das sehnsüchtig Faszinierende? Das Leidenschaftliche, Zärtliche, Liebevolle, Spürende? Das Dufteinsaugende? Das Glühende, sich Anziehende? Das Wunderbare, Sinnliche, Elektrisierende? Aufregend und beruhigend zugleich. Sturm und Stille. Glück und Melancholie. Bittersüss. Zuneigung. Zauber. Nähe ist Verständnis ohne Wort und Zeichen. Nähe ist spürbarer Raum. In Nähe wird Liebe stofflich. Sie ist besonders und verbindend. Unsichtbar und offensichtlich zugleich. Zart und leicht und doch felsenfest. Nähe tut nur dann weh, wenn sie nicht da ist. Nähe lebt im Moment und ist nie beliebig. Nie in Vielzahl, nie Plural. Nähe ist ein Singularetantum. Einzigartig im allerwahrsten, allerbesten Sinne des Wortes.

Ernst Ferstl hat gesagt, “die Sehnsucht nach Nähe bringt Liebe ins Leben und Leben in die Liebe“. Wunderbar.

Zurück zu den Büchern. Da steht etwas von Distanz. Wenn auch kurz. Distanz? Ich finde, Nähe ist genau das Gegenteil davon.



Bruno Schulz
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Die BRIGITTE schreibt: “Bruno Schulz ist zweiundfünfzig Jahre alt und Vater eines Sohnes. Er hat Innenarchitektur studiert und einiges Geisteswissenschaftliche. Nach einigen Stationen in Deutschland, Europa, in Asien und in Afrika arbeitet er als Designer, Texter und Moderator. Mit seiner Agentur schulzundtebbe (www.schulzundtebbe.de) entwickelt und pflegt er Marken. Er liebt und lebt das Storytelling und schreibt immer und leidenschaftlich, ob Essays, Short Stories oder Reiseberichte. Oft geht es dabei um die Liebe, das Leben, Genuß und Kultur. Und um Frauen, natürlich.

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