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16 Fragen für den Jahresrückblick: André Eisermann

Wieso, weshalb, warum? Wieder geht ein Jahr zu Ende, in dem wir alle viel erlebt haben. Aber nehmen wir aus unseren Erfahrungen und Erlebnissen auch etwas mit?

Passend zum Jahresrückblick 2016 haben wir 16 Fragen zusammengestellt, in denen sich unsere LEBE-LIEBE-LACHE Autoren und ausgesuchten InterviewpartnerInnen mit dem vergangenen Jahr auseinandersetzen. Und vielleicht lassen auch Sie sich zu Ihrem ganz persönlichen Rückblick inspirieren!

Mit den grandiosen Kinofilmen „Kaspar Hauser“ und „Schlafes Bruder“ feierte André Eisermann große Erfolge, „Schlafes Bruder“ wurde sogar für den Golden Globe nominiert.
Im Rahmen der 66. Bad Hersfelder Festspiele überzeugte er als Zettel/Nick Bottom in Joern Hinkels hoch gelobter Inszenierung SOMMERNACHTS-TRÄUMEREIEN und wurde dafür mit dem Publikumspreis bedacht. Zudem gab André Eisermann im Arthur Miller-Stück HEXENJAGD den „Reverend Parris". Der ausdrucksstarke Darsteller stand außerdem erneut für das ZDF vor der Kamera.

Welche besondere Rolle Johann Wolfgang von Goethe in seinem persönlichen Jahresrückblick spielt, verrät er uns hier...  


André Eisermann close-up
© Eike Thomsen

1. Gab es während des Jahres 2016 ein erstes Mal in Ihrem Leben? Haben Sie etwas das erste Mal gemacht, waren Sie an einem neuen Ort, …?

Nordöstlich von Salzburg liegt der Wallersee. Der See entstand am Ende der letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren. Als ich im vergangenen Jahr die Salzburger Festspiele besuchte, fuhr ich am nächsten Tag ins Salzburger Alpenvorland, um in diesem See baden zu gehen. Er liegt am Salzach-Gletscher, inmitten eines Naturschutzgebietes, dass sich „Wenger Moor“ nennt. Dementsprechend fühlte sich auch die Beschaffenheit des Seebodens an, als ich diesen zum ersten Mal betrat.


2. Welche Erkenntnisse haben Sie gewonnen, die Sie vor einem Jahr noch nicht hatten?

Die Entwicklung der AfD ist besorgniserregend... Auch ich bin entsetzt über den Mord der in Freiburg geschah, bin erschrocken über die Amokfahrt auf einem Berliner Weihnachtsmarkt. Mein tiefes Mitgefühl gilt allen Opfern, den Anghörigen und auch der Schausteller, darunter Familienmitglieder von mir, die auf dem Breitscheidplatz ihre Buden stehen haben. Somit bin auch ich von diesem "Anschlag" persönlich betroffen. Überhaupt schockieren mich alle Anschläge der letzten Zeit...  Aber viel schlimmer, und das hätte ich im letzten Jahr noch garnicht so gedacht, sind die Leute, die unsere Gesellschaft spalten wollen. Diese Sprüche der AFD wie: "Die Toten der Frau Merkel" oder "Das ist Merkels Schuld" sind einfach entsetzlich. Ich hätte nicht gedacht, dass die Menschen, auf die "Meinung" dieser Angstmacher hereinfallen. Frau Merkel hat doch nichts damit zu tun, dass so ein irrer Mensch auf den Weihnachtsmarkt rast oder ein anderer zum Mörder wird. Mit Recht wird der AFD Hetze vorgeworfen. Ich hätte nicht gedacht, dass das in unserem Land nocheinmal möglich ist, was 1933 geschah. Berthold Brecht sagte: "Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem es kroch."  Ich habe mehr Angst vor Leuten wie Björn Höcke und Beatrix von Storch, als vor Geflüchteten, die von anderen in Aleppo bombadiert und pulverisiert werden...
 

3. Welche Erlebnisse im Jahr 2016 zählen zu den drei Schönsten?

Den bereits oben erwähnten Ausflug zum Wallersee, sowie den dazugehörigen Besuch bei den Salzburger Festspielen wo mich die „Jedermann“-Aufführung, im wahrsten Sinne des Wortes, zu Tränen rührte. Auch der Moment, in dem mir während der Proben zu „Hexenjagd“ bei den Bad Hersfeld Festspielen bewusst wurde, einen sehr schweren Sturz mit dem Fahrrad nahezu unbeschadet überlebt zu haben. 


4. Gibt es ein Ereignis, das Ihr Weltbild verändert oder nachhaltig geprägt hat?

Die derzeitige Lage unserer Welt, insbesondere die Politische, gibt kein sehr gutes Bild von sich ab. Mein persönliches „Weltbild“ gleicht eher dem, wie es Johann Wolfgang von Goethe im „Faust“ beschreibt. Goethe hat das Desaster dieser Welt, inspirierend wahrscheinlich aus dem Wort der Bibel, im „Faust“ ganz klar auf den Punkt gebracht. Es hat zu tun mit "jener Kraft, die stets das Böse will und doch das Gute schafft." Mit dem "Geist, der stets verneint! Und das mit Recht; denn alles was entsteht ist wert, daß es zugrunde geht;“ sagt das Teufel; „Drum besser wär's, daß nichts entstünde. So ist denn alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz das Böse nennt, mein eigentliches Element.“. 
Wir Menschen werden doch durch Medien und Propaganda manipuliert - sind sozusagen verführbar - Wie sagte Schiller:  "Der Mensch ist ein nachahmendes Geschöpf, und wer der Vorderste ist, führt die Herde." 
Man darf es den Menschen nicht Mal übel nehmen, im Gegenteil! Denn eigentlich wissen sie gar nicht, was sie tun. Das hatte Jesus Christus gesagt, als man ihn ermordete.
 

André Eisermann
© Eike Thomsen
5. Welche Person haben Sie  kennengelernt, die Ihr Leben besonders bereichert (hat)?

Menschen kennen zu lernen ist ja an und für sich schon sehr bereichernd und durch meinem Beruf lerne ich sehr viele Menschen kennen.  Aber da gab es diese Frau, der ich im Zug begegnet bin. Sie war auf dem Weg zu ihrem Mann, der sich in einem Hospiz befand. Das Gespräch mit ihr über das Leben und den Tod, hatte durchaus etwas, von dem ich sagen könnte, es hat mein Leben bereichert. 


6. Was hätten Sie nicht geglaubt, wenn Ihnen jemand das vor einem Jahr vorausgesagt hätte?

Dass ich in einem Jahr fast all die mühsam abtrainierten Pfunde, wieder drauf haben werde. 


7. Gibt es einen besonderen Geruch, ein außergewöhnliches Geräusch oder einen Geschmack, den Sie wahrgenommen haben?

Ich bin im vergangenen Jahr, während eines Besuches auf Schloß Neuschwanstein in Hohenschwangau bei Füssen, auf den Geschmack von Marillenlikör gekommen. Ein Fruchtsaftlikör aus Aprikosen, der ursprünglich in Österreich hergestellt wird. Dieser Likör hat einen Alkoholgehalt von 30%. Das hatte ich wohl ein wenig unterschätzt und bekam diesen schließlich zu spüren als ich mich bergauf zum Königsschloß befand.


8. Wer oder was war für Sie die größte Überraschung?

Dass Donald Trump in das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde.


9. Wer oder was hat Sie herzlich zum Lachen gebracht? Wann haben Sie das letzte Mal so richtig gelacht?

Ein Ereignis, das sich mitten in der Nacht in einem Hamburger Parkhaus, gemeinsam mit Marianne Rosenberg und einer sehr Pflichtbewussten, deutschen Hausmeisterin, einer maskulinen Hamburger Parkhaus Pförtnerin zugetragen hat. Sie wollte uns in „ihrem“ vollbesetzten Parkhaus partout nicht - für zwei Stunden - auf einem der vielen freien, in der Nacht natürlich völlig unbenutzten „Mutter/Kind“ Parkplätze stehen lassen, laut Vorschrift versteht sich und mit Recht, dass räume ich ein. Doch die Diskussion darüber war filmreif gewesen. 
Engstirnige Personen, die sich durch geistige Unbeweglichkeit auszeichnen, ausgeprägt mit Abneigung gegen Veränderungen der gewohnten Lebensumgebung, werden bei Wikipedia so als „Spießbürger“ bezeichnet.

 
10. Welches Buch, welche Lektüre, welches Werk hat Sie am meisten beeindruckt?

Das Buch „Zwischen zwei Leben“ von Guido Westerwelle. Von einem Tag auf den anderen änderte sich für ihn das ganze Leben. Guido Westerwelle erfuhr, dass er an Leukämie erkrankt ist. Die Offenheit und Ehrlichkeit mit der Herr Westerwelle über diese schweren Stunden, über die Themen seines Lebens und besonders über die Liebe zu seinen Mann Michael schreibt, mit dem er verheiratet war, hat mich tief bewegt.


11. Was hat sich zum Positiven gewendet?

Im Fall von Guido Westerwelle hat sich leider nichts zum positiven gewendet. Er erlag seiner Krankheit am 18. März vergangenen Jahres. Mit ihm ging auch ein Mensch - und vor allem ein Spitzenpolitiker, der sich nicht davor scheute, über sein Privatleben offen zu sprechen - was ja eigentlich niemanden etwas angeht. Selbst in Saudi-Arabien, wo Homosexualität die Todesstrafe droht, sprach er, in seiner Funktion als Außenminister, über Bürgerrechte und Liberalität. „Bevor ich den Löffel abgebe“, sagte Guido Westerwelle in einem seiner letzten Interviews mit dem Stern, „ist Schwulsein eine Selbstverständlichkeit.“ Ich wünschte er hätte Recht behalten.


12. Was haben Sie geschafft, auf welche Leistung sind Sie stolz?

Ich bin eigentlich kein Mensch der auf mich selbst „stolz“ ist. Doch dass ich mir Zeit für Freunde genommen habe, finde ich gut. Dass ich in Bad Hersfeld, (während der Proben mit Dieter Wedel) nicht das Handtuch geworfen habe, obwohl ich vom Fahrrad stürzte und zu dem noch sehr verletzt worden bin, war die richtige Entscheidung. Mit „Stolz“ hat das aber nichts zu tun. Mir ging es ausschließlich darum, dass die anstrengenden Doppelvorstellungen von Sommernachts-Träumereien“ nach Shakespeare und Arthur Millers „Hexenjagd“, wo ich jeweils schöne Rollen zu spielen hatte, anständig und erfolgreich über die Bühne gingen.


13. Was würden Sie so nicht mehr machen?

Gute Miene zum bösen Spiel und ohne Helm Fahrrad fahren.


14. Welches ungewöhnliche Kompliment haben Sie erhalten?

Einige, an die ich mich durchaus gewöhnen könnte. Aber das ungewöhnlichste kam von den vielen Komparsen der Bad Hersfelder Festspiele, die mich in ihre Arme nahmen und „unser Held“ nannten.    


15. Wofür sind Sie  besonders dankbar? 

Dass es mir und meiner Familie gut geht und wir gesund sind. 


16. Was ist Ihnen wichtig geworden, das es vor einem Jahr noch nicht war?

Nein zu sagen. - Ich meine das Nein in der Liebe. Denn „nur so wird ein offenes Ja zum Partner möglich.“, schreibt der Psychotherapeut Peter Schellenbaum an all diejenigen, die Konflikte in einer Liebesbeziehung akzeptieren und bewusst dran arbeiten wollen. Ich lebe ja zur Zeit in keiner solchen Beziehung, doch in diesem Zusammenhang es ist mir wichtig geworden in Zukunft besser hinzugucken anstatt mich in jemanden zu vergucken. 

André Eisermann auf Facebook: https://www.facebook.com/André-Eisermann



André Eisermann
© Eike Thomsen
André Eisermann wurde 1967 in eine weit verzweigte Schaustellerfamilie hineingeboren. Er war selten länger als zwei Wochen an einem Ort, Schulalltag existierte für ihn nicht und er hatte einen großen Traum: Schauspieler zu werden.

1988 begann er seine Schauspielausbildung an der Münchener Otto-Falckenberg-Schule. Er wirkte in verschiedenen Produktionen der Münchener Kammerspiele mit, spielte am Bayerischen Staatsschauspiel und wurde Ensemble-Mitglied am Thalia-Theater in Hamburg.

Bei den Salzburger Festspielen war er der Puck in Shakespeares "Ein Sommernachtstraum". Sein Leinwanddebüt gab André Eisermann 1991 in Peter  Timms Ost-West-Komödie "Go Trabi Go", gefolgt von Martin Weinharts Drama "Durst", gemeinsam mit Jürgen Vogel. Er spielte im ARD "Tatort", in Dieter Wedels ZDF Zweiteiler "Papa und Mama" und erhielt für die Titelrolle in Peter Sehrs "Kaspar Hauser" Auszeichnungen und Preise auf der ganzen Welt. Sein nächster Film "Schlafes Bruder", in dem er die Rolle des Musikers Johannes Elias Alder verkörperte, wurde für den Golden Globe in Hollywood nominiert, wo er dann neben Richard Roundtree, unter der Regie von Percy Adlon, seinen Ersten Film in den USA drehte: "Hawaian Gardens".

Er arbeitete u.a. mit Michael Haneke, Joseph Vilsmaier, Ruth Berghaus, Jürgen Flimm, Paulus Manker, Leander Haußmann und dem unvergessenen George Tabori.

Er übernahm auch den Part des "Pechvogel" in Peter Maffays Rockmärchen "Tabaluga und das verschenkte Glück" und initierte gemeinsam mit Mario Adorf die Nibelungenfestspiele in seiner Heimatstadt Worms.

André Eisermann ist ein leidenschaftlicher Schauspieler, der nicht nur auf renommierten Theatern aufgetreten ist, sondern auch in der Oper und im Musical gesungen, Ballett getanzt, ein Buch geschrieben, und mit Bühnenshows wie "Hommage an das fahrende Volk" und Goethes "Die Leiden des jungen Werther" Ovationen erhalten hat wie ganz wenige seiner Generation.
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