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Die eigene Wahrheit finden wir nur in uns selbst


von Manfred Mohr

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Jeder von uns hat Momente, in denen wir eine große Verbindung verspüren zu anderen und auch zur ganzen Schöpfung. Dann fühlen wir uns glücklich und irgendwie geborgen auf dieser Welt. Andererseits gibt es aber genauso viele Augenblicke, in denen wir zweifeln und uns zerrissen und getrennt erleben. Dann fühlen wir uns alleine und verlassen.

Die Kenntnis dieser so unterschiedlichen inneren Zustände ist sicherlich die Hauptantriebsfeder in uns, nach Methoden und Techniken zu suchen, die uns befähigt, immer öfter in Momenten von Glück und Getragensein verweilen zu können. Manche üben sich darum in verschiedensten Formen von Meditation, andere machen Yoga oder pilgern auf dem Jakobsweg.

Jakobsweg AnnetteG/pixabay 33
© AnnetteG/pixabay

Es gibt wohl so viele Wege dieser inneren Suche, wie es Menschen gibt.
Einige nehmen diese Suche dann ganz genau und reisen dann zu Menschen, die offensichtlich genaue Kenntnis dieser Zustände von Freude und Glück besitzen. Um von ihnen zu lernen. Landläufig nennt man solche Persönlichkeiten Gurus. Bärbel war solch ein Mensch, der es genau wissen wollte und lud mich darum ganz zu Beginn unserer Partnerschaft dazu ein, solch einen Heiligen in Indien in seinem Ashram zu besuchen.

Da bekanntlich alles anders kommt, als man denkt, erwies sich der Aufenthalt dort sehr anders als erwartet. Der Guru zeigte sich nur dann und wann den Besuchern und die meiste Zeit verbrachten wir somit damit, auf ihn zu warten. Um nichts zu verpassen, blieben wir also meist in der Nähe seines Anwesens und wussten nicht so recht, was wir mit uns anfangen sollten. Mehr aus Verzweiflung begann Bärbel darum damit, ein Tagebuch der Geschehnisse zu schreiben und schwupps wurde ein Buch daraus. Es heißt „der Skeptiker und der Guru“ und ist eben wieder neu aufgelegt worden. Hier möchte ich euch ein wenig aus dem Nähkästchen über die Hintergründe davon erzählen, sozusagen ein „Making-of“, ein Blick hinter die Kulissen.

Ashram anniespratt/unsplash 3
© anniespratt/unsplash
Zunächst einmal ist das Buch von zwei Ich-Erzählern geschrieben, die uns beide Einblick in ihr Seelenleben schenken. Die erste ist eine Vollblut-Esoterikerin, die den Guru anhimmelt und geradezu vergöttert. Der andere ist ein Skeptiker, der den Guru bereits vorverurteilt hat und nur mitreist, um ihn als Verführer der Seelen zu entlarven. Beide sind erst seit kurzem ein Paar und der Skeptiker reist eigentlich nur mit, um seiner neuen Liebe näher zu kommen. Er ist, wie das übrigens auch bei vielen Seminaren der Fall ist, der „Mitgeschleppte“, der eigentlich nur dabei ist, weil seine Frau das gerne so haben wollte.

Ein Schelm, wer nun Ähnlichkeiten zwischen der Handlung und Bärbel und mir vermutet. Es stimmt, zugegeben, auch wir beide waren gerade erst ein paar Monate liiert und es war unsere erste Reise, auch, um uns kennen zu lernen. Dieser grobe Rahmen war sicherlich ausschlaggebend für die Buchidee. Ich fuhr jedoch gern und freiwillig mit. Auch war ich nicht Vorbild für den der hier beschriebenen Skeptiker und Bärbel nicht die Vollblut-Esoterikerin, wie manche vielleicht vermuten werden. Eher entstammen beide Hauptfiguren Bärbels Fantasie und ihren eigenen Zweifeln und den Erfahrungen, die sie bereits früher bei anderen Gurus machen durfte.

Im Laufe des zweiwöchigen Aufenthaltes in Indien entwickeln beide Hauptdarsteller aber eine eigene Betrachtungsweise dem Guru gegenüber. Und das ist auch bei mir geschehen. Anfangs hatte ich noch wie gesagt bestimmte Vorstellungen, wie das Leben eines Gurus in etwa so aussehen könnte. Und wenn man es dann erlebt, ist man verwundert und damit angehalten, sich eine eigene Sichtweise der Geschehnisse zu machen. Man findet sozusagen seine „eigene Wahrheit“, was den Guru betrifft. Um hier das Buch zu zitieren:


„Keine Wahrheit ist so kraftvoll wie die, die aus dem eigenen Inneren kommt – selbst dann nicht, wenn sie gegen alles ist, was alle anderen sagen.“



Buddha qimono/pixabay 169
© qimono/pixabay

Der Skeptiker muss seine Vorbehalte dem Guru gegenüber langsam aber sicher abbauen, denn auch meine Erfahrung ist dort gewesen, es geschehen einfach viele unerklärliche Zufälle. Zu viele für den skeptischen Verstand. Ich würde es so beschreiben, der Guru ist so sehr mit dem Kosmos verbunden, dass er auf magische Weise jeweils das im Moment für mich Richtige tut oder sagt. Manchmal hatte ich eine Frage in mir und später stellte ich überrascht fest, dass der Guru dann plötzlich etwas einfach so sagte, das mir genau die Antwort darauf gab. Viele der Besucher durften solche Erfahrungen machen.

Diese wie auch andere Fähigkeiten des Gurus entspringen jedoch nicht seinem normalen menschlichen Bewusstsein, sondern eher einer höheren Ebene, einer Art Gesamtbewusstsein, an die er sehr stark angeschlossen ist.  Diese Fähigkeit besitzen wir aber alle mehr oder minder, und dies wird auch der Esoterikerin irgendwann klar. Anstatt den Guru weiterhin anzuhimmeln und nur bei ihm Antworten zu suchen, beginnt sie damit, ihrer eigenen Intuition mehr zu vertrauen und sich von ihr führen und leiten zu lassen.

Dies möchte ich auch aus Kredo und Quintessenz herausstellen. Bärbel hat immer darauf hingewiesen, etwa auch die Bestellungen beim Universum so zu verstehen, dass sie uns vermitteln wollen, wir alle haben die Fähigkeit dazu, selbst Kontakt zur Schöpfung aufzunehmen. Wenn wir etwas wünschen, können wir ebenfalls unserer Intuition folgen, damit sie uns so zur Lieferung führt.

Und wir sollten auch die Bestellung in der Weise aufgeben, wie es uns und unserem Gefühl am besten entspricht. Statt wie bei Vielem immer nur den Guru zu fragen, wie es denn bitteschön richtig gemacht wird, sollten wir hier ebenfalls unserer Intuition und inneren Führung mehr Vertrauen schenken. Denn auch außerhalb des Ashrams, hier bei uns zu Hause gilt: Nimm deine Frage in dein Herz, und das Universum wird dir schon bald darauf eine Antwort schenken.

Noch ein Wort zu Bärbel selbst. In diesem Zusammenhang ist noch einmal wichtig zu erwähnen, dass sie von vielen ebenfalls als eine Art Guru angesehen wurde. Ich selbst entdeckte anfangs ebenfalls gewisse Tendenzen in mir, sie anzuhimmeln. Bärbel reagierte geradezu allergisch darauf. Sie wollte immer als Mensch gesehen werden, als eine wie du oder ich.

Wie sie selbst im ersten Buch „Bestellungen beim Universum“ beschreibt, war sie selbst eine große Skeptikerin und begann überhaupt nur mit dem Bestellen, weil eine recht fanatische Bekannte sie unbedingt zum Erstellen einer Wunschliste überreden wollte. Sie selbst war dann am meisten überrascht davon, dass es funktionierte. Sie kam zum Bestellen darum eher wie die Jungfrau zum Kinde. Also wie jemand, der anfangs so gar nicht an die Sache glauben konnte. Diese Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit machte sie ganz und gar aus.

Und ihr für mich größtes Vermächtnis ist zufällig(?) bereits auf der ersten Seite ihres ersten Buches Bestellungen beim Universum aufgeführt. Dort steht: „Was du kannst, das lebst du. Und was du nicht kannst, das lehrst du.“ Jeder Lehrer hört sich bei jedem seiner Worte immer selbst zu. Um es selbst immer besser zu lernen.

Der Skeptiker und der Guru Auf dem Weg zur eigenen Wahrheit
Bärbel Mohr (Autor)
Der Skeptiker und der Guru
Auf dem Weg zur eigenen Wahrheit


Manfred Mohr
© Manfred Mohr
Manfred Mohr
ist Autor und Seminarleiter. Er war mit der im Oktober 2010 verstorbenen Bärbel Mohr verheiratet und führt ihr geistiges Erbe weiter. Anfang 2017 ist ihr drittes Buch wieder neu aufgelegt worden: „Der Skeptiker und der Guru“.

www.manfredmohr.de
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