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Wird Marihuana als Medizin wiederentdeckt?


Man hört nicht oft von Uruguay, dem kleinen Land zwischen Argentinien und Brasilien gelegenen. Im Jahr 2013 sorgte das Land jedoch international für Aufsehen: Als eines der ersten Länder der Welt beschloss die damalige Regierung, den Anbau und Konsum von Cannabis zu legalisieren. Doch nicht nur im beschaulichen Uruguay, auch in Nordamerika fand in den letzten Jahren ein Umdenken statt. In den vier US-Bundesstaaten Colorado, Oregon, Washington State und Alaska ist der Konsum von Marihuana sowohl für rekreative als auch für medizinische Zwecke legal. In etwa 20 weiteren Bundesstaaten im Norden und Südwesten des Landes darf Marihuana zumindest zu medizinischen Zwecken konsumiert werden.

Medical Marijuana Van
© jamalfanaian/flickr


Deutschland hat in seiner Gesetzgebung stets einen eher konservativen Standpunkt vertreten. Bisher dürfen weniger als 400 Schmerzpatienten Cannabis auf legalem Wege beziehen. Das Verfahren, um eine solche Sondergenehmigung zu erhalten, ist langwierig und kompliziert. Doch auch hierzulande denken Politiker und Gesundheitsexperten allmählich um. So überraschte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), im November 2015 mit dem Vorschlag, den Anbau von Cannabis staatlich zu regulieren. Hierfür soll gar eine staatliche Cannabis-Agentur geschaffen werden. Die Agentur wird dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte unterstellt sein und soll den Anbau und Vertrieb von medizinischem Hanf kontrollieren. Ziel ist es, mehr Patienten als bisher mit medizinischem Cannabis versorgen zu können.


Welche Vorteile hat medizinisches Marihuana?


Keine Frage: Die Frage, ob es legal sein soll, Cannabis rekreativ zu konsumieren, ist und bleibt kontrovers. Schließlich kann der exzessive, langjährige Konsum abhängig machen und das Gedächtnis beinträchtigen. Jedoch heben immer mehr Studien auch die Vorteile von medizinisch genutztzem Cannabis hervor. Grund genug, einmal die wichtigsten Anwendungsmöglichkeiten zu beleuchten.

  • Grüner Star: Studien haben ergeben, dass Marihuana den Druck im Augapfel senkt und dadurch die Progression der Krankheit verlangsamen kann.
  • Alzheimer: Eine im Jahr 2006 veröffentlichte Studie des kalifornischen Scripps Research Instituts kam zu dem Ergebnis, dass das in Cannabis erhaltene THC das Fortschreiten von Alzheimer verzögern kann.
  • Geburtshilfe: Die schmerzlindernden Eigenschaften von Cannabis sind schon lange bekannt. Vor diesem Hintergrund scheint es nicht allzu verwunderlich, dass Cannabis auch früher schon zur Linderung der Geburtsschmerzen eingesetzt wurde. Schon die Wikinger sollen Cannabis zu diesem Zweck verwendet haben. Heutzutage lobt beispielsweise die Hebamme Ina May Gaskin – eine Pionierin auf dem Gebiet der natürlichen Geburtshilfe – die entspannende Wirkung von Cannabis während der Geburt.

Dies sind nur ein paar der vielen gesundheitlichen Nutzen, die der Konsum von Marihuana bewirken kann. Eine der umfangreichsten Auflistungen der vielen Einsatzmöglichkeiten von medizinischem Cannabis findet sich auf der englischsprachigen Seite Business Insider. Demnach soll Cannabis auch bei so vielfältigen Krankheitserscheinungen wie Multipler Sklerose, epileptischen Anfällen, entzündlichen Darmerkrankungen, Morbus Crohn oder Parkinson positive Auswirkungen haben. Da Cannabis jedoch Jahrzehnte lang kriminalisiert wurde, hat die medizinische Forschung in diesem Punkt noch Nachholbedarf.