Weihnachten 2013
Er steht noch draußen auf der Terasse, und wartet darauf, für die Festtage fröhlich bunt geschmückt und mit strahlenden Lichtern erhellt zu werden: Unser Weihnachtsbaum. Heute darf er also ins Wohnzimmer, dem wichtigen Knoten - und Treffpunkt unserer Familie. Hier wird er sich in friedlicher Eintracht neben unsere lächelnden Buddhafiguren gesellen und zusätzlich zu Weihnachtsengeln und Glitzersternen eine Christbaumkugel mit OM - Zeichen tragen.

Als Zeichen der Liebe und weltweiten Verbundenheit versenden wir sie seit Jahren in alle Himmelsrichtungen. Und während ich diesen Text schreibe, ertönen die Glocken der nahen Kirche, zur Frühmesse einladend.
Weihnachten im Wandel der Zeit: Gestern habe ich bei facebook in verschiedenen Gruppen eine Umfrage gestartet:
Was würde euch fehlen, wenn es Weihnachten nicht gäbe?
"Ehrlich gesagt… rein gar nichts", war die häufige Antwort.
Deutlich seltener gab es Stimmungsbilder wie dieses zu lesen:
"Weihnachten ist das, was jeder Einzelne daraus macht. Wer den Konsumhype mitmacht und FALSCHEN Familienfrieden vortäuscht, ist selber Schuld. Weihnachten ist ein Angebot, uns wieder auf das Wesentliche zu besinnen TATSÄCHLICH Frieden in uns einkehren zu lassen. Es ist wie bei einer geführten Meditation: Wer daran teilnimmt, lässt sich darauf ein, es ist ein Angebot von Außen."
Für mich selbst kann ich es drehen und wenden wie ich will: Um das Bild der romantischen Weihnacht komme ich nicht umhin, sie ist mir über die Jahre ein wichtiges Familien- und Kulturgut geworden. Ich bin, wie viele andere meiner Generation, mit Blockflöte, Kind in der Krippe, Gedichtaufsagen, Marzipankartoffeln und "Stille Nacht" sozialisiert worden und habe diese Traditionen meiner Eltern gern an meinen Sohn weitergeben.
Es sind vor allen Dingen die jährlich wiederkehrenden Rituale und Stunden im Kreise unserer Patchworkfamilie, die mir zur Weihnachtszeit so lieb geworden sind. Meine eigenen Kindheitserinnerungen, die alten Weihnachtslieder und Düfte sind dabei für mich von unschätzbarem Wert und fließen natürlich in mein Weihnachtsgefühl ein.

© flickr Michael Hicks
Der 25. Dezember wurde schon immer als Tag der Wintersonnenwende gefeiert, und zugleich beging man in dieser Zeit verschiedene religiöse Feste: im vorderasiatischen Raum feierte man die Geburt des indischen Lichtgottes Mithras, die Ägypter huldigten mit dem Isiskult der Geburt des Horus, und die Römer hielten Feste zu Ehren des Gottes Saturn sowie seiner Gemahlin Ops am Tag Sol Invictus, am Tag des unbesiegbaren Gottes ab. Dazu kamen heidnische Bräuche der Germanen wie das Mittwinterfest, ein Toten- und Fruchtbarkeitsfest, sowie das Julfest.
Während der Rauhnächte spüre auch ich diesen alten Wurzeln nach. In diesen Tagen räuchere ich alle Räume mit Rosenweihrauch. Das ist meditativ und bringt mich auf eine höhere Schwingungsebene. Die Verstorbenen sind dann häufig viel "näher" bei mir, der Wunsch nach Frieden auf der Welt wird groß.
Klar, wir können nicht die Welt retten, aber daran glauben, daß es manchmal lohnt Nein zu sagen. Immer gibt es Menschen die Nein sagen durch die Macht der Straße, Organisationen oder Einzelpersonen. Und obgleich meist Goliath gewinnt, wissen wir, dass auch viel Gutes geschieht im Verborgenen, oder offen nach Außen getragen.
Freuen wir uns nun auf Weihnachten und besinnliche Stunden. Auf eine Auszeit von schlechten Nachrichten. Auf Zeit für Gespräche und gute Gedanken!
Mein Sohn hat übrigens in diesem Jahr seine erste kleine Wohnung bezogen, wir freuen uns schon auf den Weihnachtsbesuch mit seiner Freundin. Er erklärte mir gestern am Telefon, dass es auch in seiner kleinen Bude, ein Weihnachtsbäumchen geben würde…