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So war Sissi wirklich: Kurioses Verhalten und extravagante Wünsche



Die ikonische Kaiserin Elisabeth von Österreich, besser bekannt als „Sissi“, ist durch die legendären Filme mit Romy Schneider in den 1950er Jahren tief im kollektiven Gedächtnis verankert. Doch hinter dem romantisierten Bild der jungen Monarchin verbirgt sich eine komplexe und facettenreiche Persönlichkeit, die weit über die Darstellung in den Filmen hinausgeht. Sissis Leben war geprägt von exzentrischen Verhaltensweisen, ungewöhnlichen Vorlieben und einem unstillbaren Drang nach Freiheit.



Ein Leben voller Widersprüche


Kaiserin Elisabeth wurde am 24. Dezember 1837 als Tochter von Herzog Max Joseph in Bayern und seiner Frau Ludovika geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie auf Schloss Possenhofen am Starnberger See, wo sie eine unbeschwerte und naturverbundene Erziehung genoss. Diese frühen Jahre prägten Sissis lebenslange Abneigung gegen das strenge Hofleben in Wien, das sie später nur schwer ertragen konnte. Trotz ihrer Pflichten als Kaiserin führte Sissi ein Leben voller Widersprüche: Auf der einen Seite stand sie im Rampenlicht des kaiserlichen Hofes, auf der anderen Seite suchte sie stets nach Möglichkeiten, diesem zu entfliehen.


Brigitte Hamann: Elisabeth: Kaiserin wider Willen: Das große Sisi-Buch - Eine fundamentale Biographie. Neue Zürcher Zeitung
Brigitte Hamann (Autor)

Elisabeth

Kaiserin wider Willen
Elisabeth, Kaiserin von Österreich, Königin von Ungarn, war eine der gebildetsten und interessantesten Frauen ihrer Zeit. Häufig entfloh sie der verhaßten Wiener »Kerkerburg«, weil sie nicht bereit war, sich von den Menschen »immer anglotzen zu lassen«. Statt dessen war sie monatelang auf Reisen, lernte Sprachen und trieb – im Rittersaal auf der Hofburg – Sport. Schon vor dem Attentat, das 1898 ihr Leben beendete, war sie zur Legende geworden.

Brigitte Hamann schildert in dieser bereits zum Standardwerk gewordenen Biographie die Kaiserin, wie sie wirklich war - das übliche süße Sisi-Klischee wird man in diesem Buch vergeblich suchen. Für diese Neuausgabe hat sie neu zugängliche Quellen erforscht und neue wissenschaftliche Erkenntnisse eingearbeitet.


»Eine fundamentale Biografie.« Neue Zürcher Zeitung

  • Mit über 100 Abbildungen



Die Flucht vor der Hofetikette


Eines der auffälligsten Merkmale von Sissis Persönlichkeit war ihr unermüdlicher Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit. Die rigiden Regeln des Wiener Hofes waren ihr von Anfang an zuwider, und sie tat alles in ihrer Macht stehende, um ihnen zu entkommen. Sie reiste so oft es ging ins Ausland – vorzugsweise ans Mittelmeer –, um der starren Etikette zu entfliehen und ein Stück persönlicher Freiheit zu erleben. Diese Reisen führten sie unter anderem nach Madeira, Korfu und England. Während ihrer Aufenthalte entwickelte sie eine große Leidenschaft für das Reiten und machte Jagdausflüge durch die schottischen Highlands.

Die Flucht vor der Hofetikette
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Der Schönheitskult der Kaiserin


Elisabeths Schönheitsideal war legendär. Ihr makelloses Aussehen war das Ergebnis eines strengen Regimes aus Diäten, sportlicher Betätigung und Schönheitspflege. Der Wunsch, ihre jugendliche Erscheinung zu bewahren, war so groß, dass Sissi regelrechte Marathons an körperlichem Training absolvierte – lange Spaziergänge gehörten ebenso dazu wie exzessives Reiten oder Turnübungen im privaten Gymnastikraum ihres Palastes. Berühmt-berüchtigt waren auch ihre aufwändigen Haarpflegerituale: Stundenlang ließ sich die Kaiserin die Haare kämmen und wusch diese mit einer speziellen Mixtur aus Cognac und Eiern.


Der Schönheitskult der Kaiserin
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Die Besessenheit von Schlankheit


Ihre Besessenheit von ihrer Figur nahm oft extreme Züge an. Um ihr Gewicht konstant niedrig zu halten – es soll zwischen 45 bis 50 Kilogramm gelegen haben –, unterzog sich Sissi strengen Diätvorgaben: Häufig beschränkte sie ihre Nahrungsaufnahme auf rohe Eier oder trank ausschließlich frisch gepresste Orangensäfte gemischt mit Alkohol. Historiker vermuten sogar anorektische Tendenzen bei der Monarchin; einige Quellen berichten davon, dass Sissi sich regelmäßig erbrach oder künstlich zum Hungern anhielt.


Das schwierige Verhältnis zur Familie


Neben ihrem Schönheitswahn trug auch das gespannte Verhältnis zur eigenen Familie maßgeblich zu Sissis eigenwilligem Verhalten bei. Die Ehe mit Kaiser Franz Joseph verlief alles andere als glücklich: Die beiden hatten unterschiedliche Interessen und Vorstellungen vom Leben; zudem litt Elisabeth unter dem enormen Druck am Wiener Hof sowie der Überwachung durch Schwiegermutter Erzherzogin Sophie – was nicht selten zu Konflikten führte.

Neben ihrem Schönheitswahn trug auch das gespannte Verhältnis zur eigenen Familie maßgeblich zu Sissis eigenwilligem Verhalten bei
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Ihren vier Kindern gegenüber zeigte sich Sissi emotional distanziert; besonders unterkühlt war ihr Verhältnis zur ältesten Tochter Sophie sowie Kronprinz Rudolf (den einzig geliebten Sohn bezeichnete sie als ihren "Schatten"). Der frühe Tod Sophies im Kindesalter hinterließ tiefe Spuren bei der Kaiserin – genauso wie Rudolfs Selbstmord im Jahr 1889; ab jenem Zeitpunkt zog sich Elisabeth noch weiter aus dem öffentlichen Leben zurück.


Die Suche nach spirituellem Trost


In späteren Jahren suchte Elisabeth zunehmend spirituellen Trost jenseits konventioneller Glaubensvorstellungen – inspiriert durch Philosophen wie Heinrich Heine oder Friedrich Nietzsche begann die gebildete Frau Gedichte zu schreiben (veröffentlicht allerdings erst posthum). Einige dieser Werke offenbaren melancholisch-depressive Gedankenwelten gepaart mit mystischen Elementen sowie Naturbetrachtungen. die Themenbereiche reichten dabei vom ewigen Kreis des Lebens über Vergänglichkeit bis hin zum Tod selbst.

Auch Esoterik spielte letztlich eine Rolle im Denken dieser außergewöhnlichen Frau: Sie interessierte sich für Astrologie sowie alternative Heilmethoden. Manchmal ließ sie sogar Hellseherinnen vor ihrem Königinnenthron Platz nehmen!


Ermordung einer Legende


Am 10. September 1898 ereilte "Sissi" schließlich jenes tragische Schicksal, welches symbolisch betrachtet, zugleich ihre so zahlreichen Fluchtversuche beendete. Während eines Aufenthaltes Genf - getarnt mit einem Bürgerlichem Namen - wurde sie von Attentäter Luigi Lucheni heimtückisch mit einem Dolchstoß getötet.