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Mythos Menopause - Mit Frauenpower durch die Jahre des Wandels


Die einen trifft es unvorbereitet, bei anderen pirschen sie sich eher langsam an - aber keine Frau bleibt davon verschont. Die meisten denken aber wohl eher genervt: „Ach Men(n)o, auch das noch!“ Und schon sind wir mittendrin in der Menopause.

Die Wechseljahre können uns heiß und kalt erwischen. Im Rahmen der weiblichen Selbstfürsorge wird es immer wichtiger, dass Frauen sich so gut wie möglich informieren. Ein Facharzt sagte mal zu mir: „Nur eine informierte Patientin ist eine gute Patientin!“ Die meisten Frauen haben keine Ahnung, was der schleichende Mangel der Sexualhormone Progesteron und Östrogen wirklich im Körper auslöst. Jede hatte wohl schon von Hitzewallungen und Zunahme gehört, die Tage bleiben aus - aber ansonsten lagen die Wechseljahre sehr verschwommen im Nebel der Zukunft. Frauenthemen wie Schwangerschaft, Geburt, Stillen oder gar das Klimakterium waren bisher nicht besonders gesellschaftstauglich. Das scheint sich gerade auf vielen Ebenen zu ändern. In Talkshows machen sich starke Frauen für andere Frauen stark, es gibt informative und unterhaltsame Bücher, Podcasts, Social-Media-Communitys der „Heißen Frauen“ - kurz: es gibt sehr viele Möglichkeiten, sich zu informieren. Die gute Nachricht ist also: Es gibt Hilfe, Du bist nicht allein, und es ist noch lange nicht zu spät, um etwas zu verändern!

Die Gynäkologin Dr. Sheila de Liz, die mit ihrem Buch „Woman on Fire“ sehr viel für die heutige Aufklärung in Sachen Menopause getan hat, schreibt, dass noch bis zum sechzigsten Lebensjahr mit der Hormonregulation begonnen werden kann - in individuellen Fällen sogar darüber hinaus. Jede Frau darf, wenn sie möchte, ihren persönlichen Hormoncocktail bekommen, um dem Chaos und den Problemen Einhalt zu gebieten und wieder ein normales Leben zu führen.


Mythos Menopause - Mit Frauenpower durch die Jahre des Wandels
© ycbrphotography/unsplash.com


Gerüchte um Brustkrebsrisiken durch Hormonbehandlungen


Bei vielen Ärzten und auch Patienten in Deutschland halten sich hartnäckig die Gerüchte um Brustkrebsrisiken durch Hormonbehandlungen, obwohl diese inzwischen für die heutigen Präparate mehrfach widerlegt wurden. In der Facharztausbildung der Gynäkologie wird übrigens in keinem Semester ausführlich das Klimakterium behandelt und vor allem männliche Ärzte in Deutschland halten sich mit Hormonbehandlungen sehr zurück. Richtig ist sicher, zuerst alles andere auszuprobieren, bevor mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird.

Richtig ist aber auch, dass laut ICD-10 – dem medizinischen Sammelband der Krankheitserscheinungen - sechsundachtzig Symptome zu diesem Hormonchaos gehören. Neben den häufigsten und bekanntesten wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, Ängsten, Depressionen, Stimmungsschwankungen und Gewichtszunahme sind es vor allem auch Muskel -und Gelenkschmerzen, die vielen Frauen das Leben schwer machen. Auch Müdigkeit und „Gehirnnebel“, Vergesslichkeit, der sogenannte Meno Fog gehört dazu. Sie fühlen sich „nicht mehr wie sie selbst, Sex macht keinen Spaß mehr und alles scheint wie in weite Ferne zu rücken“, berichten Patientinnen.

Hier heißt es also häufig: selbst ist die Frau. Wir fragen Freundinnen, Leidensgenossinnen, Kolleginnen, tauschen uns aus, vernetzen uns, probieren alles, was helfen könnte. Ein aktiver Lebenswandel ist unterstützend wirksam, Sport gehört unabdingbar dazu, um Hitzewallungen in den Griff zu bekommen. Yoga beruhigt, Waldspaziergänge erden. Wir lernen gewaltfreie Kommunikation, positives Denken, und wenn alles nichts mehr hilft, beten wir oder schreien im Wald einen Baum an. Aber das kann doch nicht alles sein?

Gerüchte um Brustkrebsrisiken durch Hormonbehandlungen
© Darina Belonogova/pexels.com


Zusammenhang zwischen körperlichen Schmerzen und dem sich verändernden Hormonhaushalt


Während manche Leidenden mit pflanzlicher Heilkunde wie z.B. Yamswurzel und Mönchspfeffer ihre Beschwerden schnell in den Griff bekommen, warten andere viele Monate oder gar Jahre auf Hilfe durch einen Facharzt. Sind Gelenke und Muskeln betroffen, werden Patientinnen häufig trotz des oft eigenen Verdachts auf hormonelle Zusammenhänge zuerst auf Rheuma untersucht, was wiederum viel Zeit kostet und sich in den meisten Fällen nicht bestätigt.


Mönchspfeffer - Zusammenhang zwischen körperlichen Schmerzen und dem sich verändernden Hormonhaushalt
© Lilian Sandoval/pexels.com

Kaum jemand stellt einen Zusammenhang zwischen körperlichen Schmerzen und dem sich verändernden Hormonhaushalt her.

Die wenigen verantwortungsbewussten Praxen mit hormonellen Behandlungsmöglichkeiten sind überlaufen und nehmen selten neue Patientinnen auf. Private Praxen sind teuer und wir alle wissen, dass es um die Ärzteschaft in Deutschland nicht gut bestellt ist.

Die eigene Beschäftigung mit dem Thema ist sinnvoll, solange sie uns nicht in hypochondrische Abgründe führt. Hier ein Zwicken, da ein Schwitzen, und dazu die schlaflosen Nächte – ohne unterstützende medizinische Fachkraft kommen viele Frauen mental an ihre Grenzen, da diese Symptome auch schwerwiegendere Ursachen haben könnten. Solche können durch die Überprüfung des Hormonstatus meistens schon schnell ausgeschlossen werden.

Besonders wichtig für die Betroffenen ist es, die Zusammenhänge zu verstehen. Dazu gehört eine ungefähre Standortanalyse. Das heißt, zu bestimmen: WO in den Wechseljahren befinden wir uns eigentlich gerade?


Das Menopausen-Navi kennt drei Phasen


Das Menopausen-Navi kennt genau drei Phasen: die Prä-, die Peri- und die Post-Menopause. Die sogenannte Menopause bezeichnet nur einen einzigen Tag in unserem Leben, nämlich den ersten Tag der letzten Periode. Diese lässt sich erst nach einem blutungsfreien Jahr als solche erkennen.

Sie hatten ein Jahr lang keinen Bedarf an Tampons? - Herzlichen Glückwunsch, dann sind sie nun seit einem Jahr post-meno. Och Menno. Die Prä-Menopause beginnt schon oft ab Ende dreißig, mit leichten Symptomen. Der Progesteronspiegel sinkt langsam ab, die Periode wird etwas unregelmäßiger.

Tampon - Das Menopausen-Navi kennt drei Phasen
© Karola G/pexels.com

Die Peri-Menopause folgt direkt danach. Wir können uns das nun vorstellen wie eine Achterbahn mit vielen Loopings. Die Hormone feiern eine wilde Party und wechseln von himmelhochjauchzend zu zu-Tode-betrübt. Die Periode bleibt mal für Monate aus, setzt dann für viele Wochen wieder ein. Bauchschmerzen spielen eine Rolle, auch Kopfschmerzen, Migräne und Gereiztheit. Progesteron und Östrogen verlieren ihre Rollen als Fruchtbarkeitshormone. Da sie sich aber nicht regelmäßig und gleichzeitig zurückbilden, sondern völlig wirr und wild, kommt es zu den Störungen und Schwankungen im Hormonhaushalt.

Spätestens in der Post-Menopause setzen die typischen Hitzewallungen ein. Es kann vermehrt zu Schlafstörungen, Schmerzen, Schwindel oder Depressionen kommen.

Wie bei allem im Leben spielt aber auch für die Vielfalt der individuellen Symptome der Zufallsgenerator eine große Rolle. Anders gesagt: alles kann, nichts muss. Sie können das Pech haben und unter Symptomen leiden – und es gleichzeitig nicht wissen, da niemand Ohrenjucken, ein brennendes Gefühl auf der Zunge, Rückenschmerzen oder häufige Infektanfälligkeit direkt mit der Menopause in Verbindung bringt. Oder Sie schweben durch die Wechseljahre und bemerken keine Veränderung, außer der ausbleibenden Periode. Damit hätten Sie den Jackpot geknackt.


70% aller Scheidungen betreffen Paare in den Wechseljahren


Wenn Sie bis zur späten Peri-Menopause noch nicht gelernt haben, Ihre Gefühle zu regulieren und sich in Gelassenheit zu üben, dann wird es jetzt noch mal höchste Zeit. 70% aller Scheidungen betreffen Paare in den Wechseljahren. Im Schnitt sind Ehepaare 17 Jahre verheiratet, wenn sie sich scheiden lassen.

Zum einen mag das am überbordenden Temperament des meist weiblichen Ehepartners liegen, die Nerven liegen durch Alltag und Stress eh schon blank, die durchschnittlichen 1,7 Kinder pubertieren munter vor sich hin und Mama quält sich durch die Alters-Pubertät. Dann knallen schon mal die Türen und die Sicherungen durch. Zum anderen mag es aber auch daran liegen, dass Frauen, die bis dahin immer sehr für andere da waren, nicht nur einen Wechsel der Hormone, sondern auch einen Wechsel der eigenen Prioritäten erleben möchten:

Sie wollen nicht mehr nur als Mütter, Töchter, Ehefrauen, Arbeiterinnen, Kümmerer, Köchinnen und Putzfrauen gesehen werden. Für viele hilft da nur die Flucht nach vorn. Die Hormone führen also auch häufig zum Wechsel der Partner, Arbeitsstellen, Freundeskreise. Wechseljahre, der Name ist Programm. Das Leben sortiert sich neu.


Sehr viele Scheidungen betreffen Paare in den Wechseljahren
© Anastasia Shuraeva/pexels.com

Es wird wichtiger, was wir selbst wollen, statt weiter das zu erfüllen, was die anderen von uns erwarten. Das Leben ist kurz. Das Alter naht. Die Eierstöcke stellen ihre Aktivität ein und uns damit vor vollende Tatsachen: Jetzt oder nie!

Mach was aus deinem Leben! Wenn Du jetzt noch nicht glücklich bist – dann werde es. Trenne dich von Dingen, Orten und Menschen, die dir nicht guttun. Aber entscheide weise! Doch Weisheit gehört leider vorerst nicht zu den Symptomen der Wechseljahre.

Das kommt dann erst später, wenn das große Hormonchaos bereinigt ist. Dann tritt irgendwann Ruhe auf den Plan. Das Leben geht weiter, es fließt ruhiger dahin, und schlägt weniger Kapriolen.

Der Weg dahin kann allerdings zwischen vier und vierzehn Jahren dauern.

Noch vor rund Hundertzwanzig Jahren hatten Menschen in Europa eine Lebenserwartung von 37 Jahren. Da waren die Wechseljahre kein Thema, weil Frauen es gar nicht bis dahin schafften. Heute leben wir länger und gesünder als jemals zuvor - trotzdem wissen wir noch allgemein zu wenig über den hormonellen Wandel, weil er noch nicht gut erforscht ist und weil so viele Frauenthemen sehr lange tabuisiert wurden. Das führte bei vielen von uns zu Hilflosigkeit und Verunsicherung. Inzwischen gibt es schon Licht am Ende des Tunnels: immer mehr betroffene Frauen zeigen sich mit ihren Geschichten, gehen in die Öffentlichkeit. Das Thema Wechseljahre wird langsam vom Mythos zum Mainstream, und genau da gehört es hin - weil es so viele von uns betrifft.


Quellen:





Katri Dietz


Katri Dietz
© Katri Dietz
ist staatlich geprüfte Rundfunkjournalistin, Autorin und zertifizierte Psychologische Beraterin/ Personal Coach für chronisch kranke Frauen mit dem Schwerpunkt Positive Psychologie.

Bis zu ihrer schweren Erkrankung 2017 mit Polymyositis hat die gebürtige Hannoveranerin als Freie Redakteurin und Presenterin für verschiedene Radiosender Norddeutschlands gearbeitet (z.B. radio ffn, NDR, R.SH)

Katri Dietz nutzt heute die Natur, Reiki, ihre eigenen Erfahrungen mit Traumaheilung sowie ihre fundierte Ausbildung, um anderen chronisch kranken Frauen Mut zu machen und neue Lebensfreude zu vermitteln. Voraussichtlich im September 2024 wird sie auch die Weiterbildung zur Resilienztrainerin erfolgreich abgeschlossen haben.

Im Heyne Verlag hat sie bereits zwei Romane veröffentlicht, Wickelkontakt (2011) und Härtetest (2012). Weitere Romane sind in Planung.

Die 47-jährige ist seit 2005 verheiratet und hat zwei jugendliche Kinder. Zur Familie gehören auch eine Hündin und zwei Katzen aus dem Tierschutz. Die Natur-Coachin lebt und arbeitet in ihrer Wahlheimat Schleswig-Holstein.



Unheilbar und unsichtbar


Polymyositis ist eine seltene rheumatische Autoimmunkrankheit der Muskeln. Katri Dietz möchte mehr Aufmerksamkeit und Verständnis für Menschen mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen schaffen.

Allein zum rheumatischen Formenkreis gehören über 400 Erkrankungen. Rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew, Lupus, Gicht und Vaskulitis sind die bekanntesten.

Direkt zu Homepage von Katri Dietz: www.katri-dietz.de