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Können Videospiele das Wohlbefinden steigern?


Das Image von Videospielen ist im Wandel: Inzwischen spielt sie fast jeder – vom Grundschüler bis zum Rentner. Zahlreiche Studien versuchen inzwischen, die Effekte von Videospielen zu ergründen: Können die Games unser Wohlbefinden steigern? Uns vielleicht sogar heilen oder glücklich machen? Unser Artikel sucht nach Antworten.


Games gegen Depressionen


Ein mögliches Einsatzgebiet von Videospielen, mit dem Ziel, das Wohlbefinden zu steigern, könnte die Psychotherapie sein: Wissenschaftler versuchen schon seit einiger Zeit herauszufinden, ob sich mit Videospielen Depressionen bekämpfen lassen. So liefert eine Studie der University of California zumindest Indizien für den Erfolg einer Therapie mittels Spiele: Die Wissenschaftler Subuhi Khan und Jorge Pena ließen 160 Probanden wiederholt sechs kurze Minispiele spielen, wodurch die Probanden ein „Gefühl der Kontrolle über ihre Krankheit“ bekamen, so der Bericht in der Computer Bild. Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen Forscher aus Neuseeland, die das Fantasy-Spiel SPARX entwickelten. In diesem Game bekämpft man mit einer selbst gewählten Spielfigur negative Gefühle. Untersucht wurde im Rahmen der Studie, ob und inwieweit sich die Gesundheit von 168 Teenagern zwischen 12 und 19 Jahren verbesserte. Die Jugendlichen wurden dafür in zwei Gruppen aufgeteilt: Während in der Gruppe der Spieler zum Studienende 44 Prozent komplett frei von Depressionen waren, wurde dieser Zustand in der Vergleichsgruppe nur bei 26 Prozent der Probanden erreicht.

Diese Ergebnisse klingen vielversprechend. Doch damit Games tatsächlich zur Therapie der Volkskrankheit „Depression“ eingesetzt werden können, sind umfassendere Studien und letztlich auch eine breitere, idealerweise kostenlose Verfügbarkeit spezieller Spiele notwendig. Mögliche Bezugsquellen hält das Internet längst bereit: So werden klassische Videospiele in Hülle und Fülle kostenlos auf speziellen Websites oder in App-Stores auch für mobile Geräte angeboten. SPARX ist bisher leider nur in Neuseeland verfügbar. Dementsprechend wichtig ist es zu erforschen, ob auch ganz normale Puzzle-, Fantasy- und Strategiespiele einen ähnlichen Effekt erzielen wie das speziell gegen Depressionen entwickelte Game SPARX.


Spielen gegen das Vergessen: Helfen Videogames gegen Demenz?


Die Forschung beschäftigt sich noch mit einem anderen Bereich, in dem Videospiele eventuell von Nutzen sein können: die Demenzvorbeugung und -therapie. Die Erinnerung an gemeinsame Erlebnisse ist elementar wichtig für das persönliche Glück und das Wohlbefinden in Familien, Partnerschaften und Freundschaften. Können Videospiele helfen, Demenz vorzubeugen? Laut dem Wissenschaftler Dr. Daniel Glaser vom Londoner King’s College ist dies möglich: Glaser zufolge können Videospiele ebenso einer Demenz entgegenwirken wie Puzzles oder Sudoku. Das legt eine Studie des King’s College aus dem Jahr 2015 nahe: Demnach sollen bei Über-60-Jährigen schon 10 Minuten Computerspielen eine Verbesserung der Hirnkapazität bewirken.

Neue Virtual-Reality-Techniken könnten diesen Effekt bei Demenzkranken sogar noch verstärken und aktiv Erinnerungen wecken: Ein Projekt in Krefeld hat mit virtuellen Bildern bereits erste Erfolge erzielt. Friedhelm Caspers, Chefarzt der Klinik für Akutgeriatrie und Frührehabilitation, berichtet von den Ergebnissen virtueller „Zeitreisen“: „Wir stellen fest, dass die Menschen danach lange Zeit aktiver sind im Alltagsleben. Es geht ihnen sichtlich besser; sie bewegen sich mehr und bauen Kommunikation zu anderen auf.“

Auch wenn längst noch nicht alle Fragen zum Nutzen von Videospielen beantwortet sind, machen die Forschungsergebnisse der letzten Jahre zumindest Hoffnung, dass Games zukünftig gezielt für Therapiezwecke eingesetzt werden können.