Herbstlich willkommen!
von Katri Dietz
Kalendarisch ist schon Herbst und die Umstellung auf die neue Jahreszeit beginnt.
Nach dem Sommer mit seinem strahlenden „Hier bin ich!“, seinen „Volle Kraft-Voraus“- Rufen, der Sonne, der Fülle und dem endlos scheinenden Himmel, den schier unendlichen Möglichkeiten des Lebens, den langen Abenden mit Freunden und Familien, lädt der Herbst uns sanft ein, wieder zur Ruhe zu kommen. Wir dürfen die Früchte ernten, die wir gesät haben und uns erden. Der Wald duftet anders, satter, schwerer, die ersten Blätter werden gelb und braun und rot, die Abenddämmerung bricht früh herein, der Sonnenaufgang färbt den Nebel golden auf dem Weg zur Arbeit.
Alles wird ruhiger, leiser, das Leben findet wieder häufiger drinnen statt.

© Nataliya Vaitkevich/pexels.com
„Loslassen“ ist eine fast überstrapazierte Metapher dieser Tage, eigentlich sträube ich mich dagegen, sie zu benutzen. Aber beim Anblick der ersten auf den Rasen schwebenden Birkenblätter halte ich inne und denke darüber nach, dass es nicht so verkehrt ist. Wir müssen immer wieder aufs Neue loslassen. Der Herbst ist dafür ein genauso guter Zeitpunkt wie jede andere Jahreszeit – was ich mir aber davon mitnehmen möchte, ist dieses leichte, sanfte Schweben. Ein Blatt hat zuende gelebt, es darf gehen. Für mich bedeutet das nicht, dass jemand sterben muss. Loslassen findet im ganz kleinen Rahmen statt. Ein Blatt bedeutet dem Baum soviel wie mir ein Gedanke, ein Glaubensssatz. Wir sind voll davon, sie wachsen in unserer Seele und unseren Erinnerungen. Wieder und wieder nähren wir sie, und wir sollten achtsam sein, welche Glaubenssätze wir füttern. Glaubenssätze können alte Erziehungsmethoden der sogenannten schwarzen Pädagogik sein, Sprüche, die über Generationen weitergegeben wurden – „Wenn du nicht aufisst, scheint morgen nicht die Sonne!“ „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“, „Nimm dir mal ein Beispiel an…“
Diese Informationen aus unserer Kindheit prägen uns heute meistens mehr als uns bewusst ist. Das ist kein Vorwurf gegen die Eltern meiner Generation oder meine eigenen Eltern. Ich habe auch viele positive Glaubenssätze mitbekommen. Ich war immer geliebt. Aber es ist auch hilfreich, sich Glaubenssätze und innere Werte genauer anzusehen, und dann zu prüfen, welche dieser Sätze noch sinnvoll sind und welche nicht. Dabei sollten die negativen Glaubenssätze möglichst durch positive ersetzt werden. „Ich muss nicht mehr essen, wenn ich satt bin.“ „Ich darf mich ausruhen.“ „ich bin gut so, wie ich bin und muss mich nicht vergleichen.“ Solche Ich-Botschaften stärken das Selbstwertgefühl und nähren die Seele.

© Mitch Kesler/pexels.com
Ich schaue mir meine alten Blätter immer wieder genau an. Dafür hilft mir das Coaching, als Coach wie auch in der Selbsterfahrung bei den Weiterbildungen.
Beim Blick in den Garten, mit einer Tasse Tee in der Hand, frage ich mich, was meine Motivation ist. Was macht mich aus, warum ich verhalte ich mich so, wie ich mich verhalte, was kann ich ändern, was soll so bleiben? Alles unter dem Vorzeichen, dass ich schon genau richtig bin, so wie ich bin. Dann lasse ich sanft los, was nicht mehr zu mir gehört.
Ich gehe nicht hin und reisse dem Baum die Blätter aus – wenn es noch nicht an der Zeit ist, bleiben alle alten Glaubenssätze und Systemstrukturen erhalten. Aber wenn es soweit ist, wie jetzt im beginnenden Herbst, schwebt Altes und Abgestorbenes zu Boden und verwandelt sich dort später in Dünger. Alle Muster, die wir uns angeeignet haben, hatten ihren Sinn und ihren Nutzen. Sie haben uns geholfen, als Kinder und Jugendliche zu überleben und uns später in die Gesellschaft einzufügen. Heute brauchen wir vielleicht neue Muster, neue Werte und Glaubenssätze. Deshalb sitze ich gerne im Garten, auch in der kühlen Jahreszeit, beobachte, fühle, nehme an, was ist. Dann wird es klarer in mir und viel heller, als es draussen ist. Alles ist gut.
Ich ernte die Früchte dieses Jahres und bin dankbar.
Hallo Herbst! Sei willkommen.
Katri Dietz

© Katri Dietz
Bis zu ihrer schweren Erkrankung 2017 mit Polymyositis hat die gebürtige Hannoveranerin als Freie Redakteurin und Presenterin für verschiedene Radiosender Norddeutschlands gearbeitet (z.B. radio ffn, NDR, R.SH)
Katri Dietz nutzt heute die Natur, Reiki, ihre eigenen Erfahrungen mit Traumaheilung sowie ihre fundierte Ausbildung, um anderen chronisch kranken Frauen Mut zu machen und neue Lebensfreude zu vermitteln. Voraussichtlich im September 2024 wird sie auch die Weiterbildung zur Resilienztrainerin erfolgreich abgeschlossen haben.
Im Heyne Verlag hat sie bereits zwei Romane veröffentlicht, Wickelkontakt (2011) und Härtetest (2012). Weitere Romane sind in Planung.
Die 47-jährige ist seit 2005 verheiratet und hat zwei jugendliche Kinder. Zur Familie gehören auch eine Hündin und zwei Katzen aus dem Tierschutz. Die Natur-Coachin lebt und arbeitet in ihrer Wahlheimat Schleswig-Holstein.
Unheilbar und unsichtbar
Polymyositis ist eine seltene rheumatische Autoimmunkrankheit der Muskeln. Katri Dietz möchte mehr Aufmerksamkeit und Verständnis für Menschen mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen schaffen.
Allein zum rheumatischen Formenkreis gehören über 400 Erkrankungen. Rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew, Lupus, Gicht und Vaskulitis sind die bekanntesten.
Direkt zu Homepage von Katri Dietz: www.katri-dietz.de