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Film - Das Ende ist mein Anfang


eine Liebeserklärung an das Leben

Einfühlsame Film- Adaption von Regisseur Jo Baier, der Lebenserinnerungen des "Spiegel"-Korrespondenten Tiziano Terzani mit Bruno Ganz, der sich auf das "letzte große Abenteuer" Tod vorbereitet.


Das Ende ist mein Anfang (Universum-Film s. auch Constantin Film) ist ein Kino-Film über das Sterben, der Kraft zum Leben gibt, denn das Einzige, was wirklich zählt, ist das Jetzt. So geht man nach dem Tod des großen alten Mannes nicht deprimiert aus dem Kino, sondern mit dem Wissen, etwas verändern, den eigenen Weg gehen zu können. Jo Baier, der hier die Enttäuschung über "Henri 4" vergessen lässt, inszeniert ohne Rückblenden und Ausflüge nach Asien die Geschichte eines faszinierenden Zeitgenossen, was der atmosphärischen Intensität dient, für die er einige interessante biografische und politische Fakten opfert.


Es lebe die anspruchsvolle Film-Kultur


Journalist und Buchautor Tiziano Terzani ruft seinen Sohn aus New York zu sich, um ihm von seiner Kindheit und Jugend zu erzählen, von seiner Tätigkeit als Asienkorrespondent und der Reise zu sich selbst aufgrund einer Krebserkrankung, die ihn in die Einsamkeit des Himalaya und einen Kosmos spiritueller Erfahrungen führte. In langen und sehr emotionalen Vater-Sohn-Gesprächen festigt sich die Bindung, werden alte Spannungen aufgelöst, Tabu-Themen wie die Auseinandersetzung mit dem Tod angegangen.



Film-Trailer - Das Ende ist mein Anfang - Regisseur Jo Baier


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© youtu.be/WMWUXMxOcgc


Grundlage für das Film-Drama war das von Folco Terzani herausgegebene Titelgebende Buch, dessen Dialoge und Monologe, die Diskrepanz zwischen lebendigem Geist und verfallenden Körper von Bruno Ganz in einer schauspielerischen "Tour de Force" fulminant wiedergegeben werden. In der Kultivierung von Werten wie Freiheit, Familie und eigenständiges Denken liegt eine fast "altmodische" Zeitlosigkeit.

Als eine große Inspiration nennt Bruno Ganz (Kino & TV), der sieben Wochen lang manchmal bis zu acht Stunden täglich den Text lernte, den Originalschauplatz, das Haus der Terzanis in der Toskana, das eine ganz persönliche Annäherung (Sommer) an die Figur ermöglichte. Neben Ganz brillieren die Schauspieler Erika Pluhar (Kino & TV) als Terzanis fürsorgliche Gattin und Elio Germano als Folco (Darstellerpreis beim Filmfestival in Cannes 2010 für "La nostra vita"). Baier drückt in diesem sensiblen Kammerspiel gekonnt die Gefühlsknöpfe, sodass die Tränen wie auf Kommando fließen, etwas stark unterstrichen von einem äußerst suggestiven Score.

Die Kamera (vergl. Constantin Film) von Judith Kaufmann (Film-Musik von Ludovico Einaudi) kontrastiert in sanftem Sommer-Licht beim leisen Abschied die Individualität des Einzelnen mit der Wucht der Landschaft, vor deren eternellen Kulisse die Menschen bei dieser letzten Reise klein und manchmal wie Spielfiguren wirken, sie illustriert mit ihren Bildern nicht den Text, sondern fügt ihm etwas hinzu, spielt beim Thema Vergänglichkeit mit Dämmerung und Lichtstimmungen. Filmische Realität und Wirklichkeit, die Filmkritiken sind des Lobes voll, vermischen sich zu einer Hymne auf das Leben, wie das Sterben eine bewusste Entscheidung.


Filmkritiken - DVDs


In einer der schönsten Szenen (s.auch Film Chocolate) aus DAS ENDE IST MEIN ANFANG steigen Vater und Sohn ein letztes Mal auf einen Berg. Der Sohn lässt den Vater auf dem Gipfel ein paar Minuten allein, intuitiv spürend, welche meditative Kraft die Einsamkeit freisetzt. Das Bild fasst zusammen, was diese ebenso zärtliche wie konflikthafte Vater-Sohn-Beziehung ausmacht.

Im gemeinsamen Einssein mit der Natur sind sie doch selbstständige Menschen, so wie der Vater sich das immer von seinem Sohn gewünscht hatte – und ihn paradoxerweise dazu antreiben wollte: dass er ganz er selbst wird und ein eigenständiges Leben führt, ohne fremde Wünsche zu erfüllen. Nicht einmal die seines geliebten Vaters.


Brilliante Schauspieler …brillianter Film! Absoluter Tiefgang, mit oder gerade wegen innerer Gelöstheit und heiterer Neugier… Ein Zitat aus dem Buch: "Die wahre Entscheidung ist die, du selbst zu sein. Wenn du dich an den Gedanken gewöhnst oder bestimmte Übungen in der Richtung machst, wenn du darüber nachdenkst - nachdenkst! - dann wirst du erkennen, dass jedes Verlangen eine Form von Sklaverei ist. Denn je heftiger du verlangst, desto mehr begrenzt du dich."

Wer anspruchsvolle DVDs (Film Chocolate) liebt, sollte diesen Film (s. Filmfestival) als Highlight in der Rubrik "Kultur" hinzufügen.