Stand:

Dorothee Röhrig im Interview: Woran Frauenfreundschaften zerbrechen und wie wir daran wachsen


Kaum ein Mensch ist Frauen wichtiger als die beste Freundin: Sie ist Vertraute und Beraterin, Kummerkasten und Komplizin. Umso schmerzlicher empfinden wir es, wenn die Freundschaft schleichend oder unerwartet in die Brüche geht. Wie kann es sein, dass uns die vermeintliche Soul Sister plötzlich fremd wird oder verrät?

Dorothee Röhrig hat in ihrem neuen Buch "Aus und vorbei" viele Fallgeschichten über gescheiterte Frauenfreundschaften gesammelt und die Expertise von Psychologen eingeholt. Im nachfolgenden Interview geht es darum anzuerkennen, was an der Freundschaft gut war und dass zur Weiterentwicklung auch das Loslassen gehört…


Dorothee Röhrig im Interview: Woran Frauenfreundschaften zerbrechen und wie wir daran wachsen
© Christian Schoppe

Dorothee Röhrig im Interview mit Annette Maria Böhm


LEBE-LIEBE-LACHE: Wie wichtig ist uns Frauen der (unterschwellige) Wunsch nach Übereinstimmung?

DOROTHEE RÖHRIG: Zu wichtig. Wir sind harmoniesüchtig, besonders mit unseren besten Freundinnen. Aus Angst, sie zu verlieren, scheuen wir Konflikte. Die gibt es aber in jeder Freundschaft.Statt uns ehrlich mit der anderen auseinander zu setzen und Frust oder Verletzungen offen anzusprechen, schweigen wir und agieren oft hintenrum. Dann kann es zum Bruch kommen. Also: weniger Harmoniesucht, mehr Konfliktbereitschaft!



LEBE-LIEBE-LACHE: Welche Rolle können Machtkämpfe bei Frauenfreundschaften spielen?

DOROTHEE RÖHRIG: Auch sie können ein Grund dafür sein, dass Freundschaften zerbrechen. Machtkämpfe zwischen befreundeten Frauen gibt es selbstverständlich im Job, aber nicht nur. Sie können sogar entstehen, wenn zum Beispiel ein Kind nur Bio-Obst bekommt und das Kind der Freundin Gummibärchen essen darf. Wer setzt sich durch? Darum geht es bei Frauen genauso wie bei Männern, nur weniger offensichtlich.


Aus und vorbei Woran Frauenfreundschaften zerbrechen und wie wir daran wachsen - Mit zahlreichen Erfahrungsberichten
Dorothee Röhrig (Autor)
Aus und vorbei
Woran Frauenfreundschaften zerbrechen und wie wir daran wachsen - Mit zahlreichen Erfahrungsberichten



LEBE-LIEBE-LACHE: Warum fühlen sich viele Frauen in ihren Freundschaften ausgenutzt?

DOROTHEE RÖHRIG: Weil es uns immer noch an Selbstbewusstsein mangelt. Wenn ich mich ausgenutzt fühle, bin ich doch das Opfer, die Unterlegene, und kann nichts dafür. Diese Rolle nehmen wir nur zu gern an, manchmal ist es bequemer zu jammern als etwas dagegen zu unternehmen. Besser ist es, Verantwortung für sich zu übernehmen und mit der Freundin darüber zu reden. Dazu gehört allerdings Mut.


Lebe-Liebe-Lache
Essentials
Dorothee Röhrig
Dorothee Röhrig
Wie lautet Dein Lebensmotto?
Wozu statt Warum
Welche war Deine letzte Liebestat?
Meinem Mann zuzuhören.
Worüber hast Du zuletzt herzlich gelacht?
Als ich beim Blinde-Kuh-Spiel von meinen Enkeln gefangen wurde.


LEBE-LIEBE-LACHE: Wie können wir lernen den eigenen Anteil am Scheitern einer Freundschaft wahrzunehmen?

DOROTHEE RÖHRIG: Durch Nachdenken. Das bedeutet nicht, ewig zu grübeln, aber mich bewusst meinem eigenen Verhalten als Freundin zu stellen. War ich immer loyal? Habe ich heimlich gelästert? Habe ich immer zu ihr gestanden, wenn sie mich brauchte? Den eigenen Anteil am Bruch einer Freundschaft zu erkennen ist wichtig.
Nur dann kann es die Chance für einen Neuanfang geben.



LEBE-LIEBE-LACHE: Manche Menschen begleiten uns nur für einen gewissen Teil unseres Lebensweges. Wie können wir lernen darin das Gute zu sehen?

DOROTHEE RÖHRIG: Zunächst einmal: Freundschaften sind ihrem Wesen nach freiwillig. Sie müssen nicht für immer halten. Wir dürfen aus einer Freundschaft herauswachsen, wenn sie nicht mehr passt. Statt sich mit Schuldgefühlen oder feindlichen Gedanken zu belasten, kann man der ehemaligen Freundin mit Dankbarkeit begegnen.
Für die schönen gemeinsamen Zeiten, für alles, was wir durch sie hatten und erfahren haben. Leben ist Veränderung. Das ist das Gute. Und wie toll, wenn uns eine beste Freundin eine Zeit lang inspiriert und begleitet hat!


Dorothee Röhrig
© Sebastian Fuchs
Dorothee Röhrig
studierte Germanistik und war viele Jahre lang in gehobenen Positionen für verschiedene Frauen- und Publikumszeitschriften tätig.

Sie war Gründungsmitglied und von 2009 bis 2015 Chefredakteurin bzw. Herausgeberin der Zeitschrift »Emotion«. Ihr erstes Buch "Die fünf magischen Momente" erschien 2016. Dorothee Röhrig ist Mutter einer Tochter und lebt mit ihrem Mann in Hamburg.