"Buddhist" und "Chakra" - zwei kurze Geschichten von Elke Heidenreich
Alle wollen immer glücklich sein. Aber was ist eigentlich Glück? Und wer war schon dauerhaft glücklich? Was ist dieses Leben, diese Reihe von unterschiedlichen Momenten, die manchmal wirken, als hätte irgendein Gott gewürfelt?
Elke Heidenreich erzählt mir mit ihren Aha-Geschichten "Buddhist " und "Chakra", wo das Glück wirklich wohnt. Die zunächst ein wenig komisch anmutenden Szenen aus ihrem Leben, (ihr neues Buch trägt den Titel "Alles kein Zufall") bekommen in den Schlusszeilen jene entscheidende, liebevolle Wendung, mit der sie mich emotional abholt …
Buddhist
Mein Freund ist Hoteldirektor, immer in besten Häusern. Einmal, in Interlaken, bekam er von einem jahrelangen Stammgast ein riesiges, schweres Paket. Das Paket enthielt ein komplettes 12-teiliges Silberbesteck, mit Suppenkelle und Tortengabeln und allem, was dazugehört.
Und einen Brief des Stammgastes, handgeschrieben.»Lieber Herr B.«, schrieb er, »das alles habe ich im Laufe der Jahre in Ihrem Hotel gestohlen. Ich bin gerade dabei, mein ganzes Leben zu ändern, ich werde Buddhist. Das heißt, ich trenne mich sowieso von Dingen, aber auch von Schuld. Darum sende ich Ihnen hier Ihr Besteck zurück, um meine Seele
und mein Gewissen frei zu machen.«
Mein Freund sagt, seitdem stehe er den diebischen Anwandlungen von Hotelgästen viel gelassener gegenüber. »Eines Tages werden sie vielleicht Buddhisten«, denkt er, »dann kommen Salzfässchen, Bademäntel und Handtücher ganz sicher zurück.«