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Bestsellerautor Stefan Maiwald im Interview über Glück, Triest und den perfekten Espresso.


Wenn der Alltag zum Hamsterrad wird, reicht ein gewöhnlicher Urlaub oft nicht mehr aus. Was wir dann brauchen, ist eine „Anderszeit“ – ein mutiger Ausbruch aus der Komfortzone, um das Staunen wiederzulernen. Bestsellerautor Stefan Maiwald hat genau das getan: Er hat sein geliebtes Grado verlassen, um in der vibrierenden Kaffeemetropole Triest nach den wahren Glücksprinzipien des Lebens zu suchen.

Sein neues Buch „Espresso unter den Sternen“, erschienen im Goldegg Verlag, ist weit mehr als eine Liebeserklärung an Italien; es ist eine Einladung, die eigene Neugier neu zu entfachen und den Mut zu finden, anderen Menschen und Geschichten wieder mit offenem Herzen zu begegnen. Zwischen prachtvollen Palästen, skurrilen Begegnungen und der ewigen Suche nach dem „göttlichen Schuss“ aus der Siebträgermaschine hat Stefan Maiwald Antworten gefunden, die so herrlich leicht und doch tiefgründig sind wie ein lauer Sommerabend an der Adria.


Bestsellerautor Stefan Maiwald im Interview über Glück, Triest und den perfekten Espresso.
© Stefan Maiwald/Silvia Hauff

Im Interview mit Annette Maria Böhm berichtet Stefan Maiwald über seinen Umzug, die Magie kleiner Rituale und darüber, warum das Glück oft nur einen Espresso weit entfernt liegt.


LEBE-LIEBE-LACHE: Sie schreiben, dass wir mehr als nur eine Pause brauchen. Was unterscheidet die „Anderszeit“ ganz konkret von einem herkömmlichen Erholungsurlaub?

STEFAN MAIWALD: Machen wir uns nichts vor: Auch in unserem Urlaub verfolgen wir doch eine Agenda. Und selbst, wenn die Agenda nur lautet: möglichst viel Strand, Sport und Spaghetti. Urlaub folgt festen Regeln, auch wenn die ja Spaß machen können. Aber ob man wirklich was Neues über sich erfährt und sich die wichtigen Fragen stellt – das bezweifle ich. Aus der Psychologie weiß man, dass sich im Urlaub Sinnkrisen und Beziehungsprobleme eher verschärfen. Ein Zeichen, dass Urlaube nicht immer ideal für die Selbstfindung sind.

Eine Anderszeit ist ganz einfach das normale Leben – aber woanders. Das kann ja auch an schönen Orten sein, dagegen spricht nichts.



LEBE-LIEBE-LACHE: Warum fällt es uns oft so schwer, unsere „kuschelige Komfortzone“ zu verlassen, selbst wenn wir spüren, dass uns die Leidenschaft im Alltag abhandenkommt?

STEFAN MAIWALD: Das ist ja nur menschlich. Wir suchen immer den Weg des geringsten Widerstandes – und ich bin da definitiv der Erste. Man versucht, alles im Rahmen seiner Möglichkeiten zu regeln. Aber manchmal muss man eben den Rahmen sprengen, den Himmel größer machen. Muss nichts Dramatisches sein – von Grado nach Triest sind es ja nur fünfzig Kilometer. Aber es ist eben doch eine andere Welt.



LEBE-LIEBE-LACHE: Welches Glücksprinzip aus der beschaulichen Inselwelt Grados hat in der Großstadt Triest eher versagt – und welches hat sich als universell erwiesen?

STEFAN MAIWALD: Das morgendliche Ritual des Kaffees ist – gerade in Triest, der Kaffeehauptstadt Italiens – etwas absolut Wunderbares. Ich glaube, in ganz Italien kommt man damit durch und kann sich seine Anderszeit gut gestalten. Was nicht so recht funktioniert hat: Triest mag keine Nudeln, es ist verrückt. Dabei ist ein Teller Spaghetti doch eine Glücksgarantie! Da musste ich mir in meiner kleinen Küche selbst helfen.



Stefan Maiwald: Espresso unter Sternen: Eine Reise in Sachen Glück
Stefan Maiwald (Autor)

Espresso unter Sternen

Eine Reise in Sachen Glück
Ein Buch wie ein italienischer Sommerabend: warm, voller Leben und Geschichten, die zum Nachdenken und Lachen einladen.

Wenn der Alltag zum Hamsterrad wird, brauchen wir mehr als nur eine Pause. Wir brauchen eine Anderszeit. Zeit, um Unbekanntes zu erkunden, verborgene Leidenschaften erneut zu entfachen und anderen Menschen wieder mal ganz offen zu begegnen.

Ein Abenteuer zwischen Espresso, Grandezza und der Sehnsucht nach mehr

Bestsellerautor Stefan Maiwald verlässt seine kuschelige Komfortzone und zieht von der Insel Grado in die vibrierende Großstadt Triest. Mit einem Augenzwinkern begibt er sich auf die Sinnsuche in Italien: Gelten die Glücksprinzipien aus seinem sandigen Wohlfühltempel auch an fremden Orten?

Zwischen Piazzas und Palästen stolpert Maiwald in skurrile Begegnungen – von schwarzgebrannten Bademeistern mit Faible für die DDR bis zu Espresso-Enthusiasten auf der Suche nach dem göttlichen Schuss aus der Siebträgermaschine. Triest wird zur Bühne für eine humorvolle Selbstfindung und die Suche nach Geschichten.

Auszeit und Glück neu denken

Maiwald nimmt nicht nur eine Pause, er erfindet sie neu: die Anderszeit. Sie bringt Überraschungen und den Mut, aus dem Alltag auszubrechen. Für alle, die neue Perspektiven und etwas mehr Leidenschaft im Leben suchen.



LEBE-LIEBE-LACHE: Inwiefern hat die besondere „Grandezza“ dieser Stadt Ihren Blick auf das eigene Leben und Ihre Schreibweise verändert?

STEFAN MAIWALD: Also, diese Grandezza macht schon was mit dir. Gibt dir einerseits Selbstbewusstsein, andererseits wird dir klar: Spiel dich nicht so auf, du bist nur einer von vielen. Beides ist hilfreich, gerade für einen Schriftsteller. Wenn du glaubst, du hast die Welt erobert, musst du dich nur in Triest umschauen: Joyce, Svevo, Magris, Susanna Tamaro, der aktuelle Literaturnobelpreisträger László Krasznahorkai lebt auch dort – das ist schon ein Pfund. Andererseits. Du fühlst dich doch auch ein bisschen unter Gleichen. Triest inspiriert und motiviert. Diese Ballung kann ja kein Zufall sein.



LEBE-LIEBE-LACHE: Welche Ihrer Begegnungen – vom Bademeister bis zum Espresso-Enthusiasten – hat Ihnen die wichtigste Lektion über das Glück gelehrt, die in keinem Ratgeber steht?

STEFAN MAIWALD: Eindeutig Fabio! Fabio kam jeden Abend in mein Stammlokal. 75 Jahre alt, ziemlich groß, sicher um die 190 Zentimeter, volles weißes Haar, ein echter signore. Er ist trotz seiner Erscheinung und trotz seines Charismas nicht der Gute-Laune-Bär, der mit skilehrerhafter Fröhlichkeit das ganze Lokal mitreißt. Er hat ein freundliches Wort für alle, und dann bleibt er für sich. Setzt sich an keinen der Stammtische. Und alle lassen ihn auch allein. Er bestellt einen Espresso, liest die Tageszeitung vom Morgen. Ab und zu kommen Bekannte vorbei, grüßen und wechseln ein paar Worte mit ihm, und das war’s dann. Um dich hier zugehörig zu fühlen, reicht es, wenn du einfach du bist und da bist. Du kannst einfach du selbst sein. Dann bist du überall willkommen. Diese Lektion schätze ich sehr.



LEBE-LIEBE-LACHE: Wie schafft man es, die „innere Schutzmauer“ einzureißen und sich auf die Geschichten fremder Menschen wirklich einzulassen?

STEFAN MAIWALD: Immer wieder versuchen! Immer wieder mehr zuhören als selbst reden. Jeder Mensch hat spannende Geschichten zu erzählen.



LEBE-LIEBE-LACHE: Der „göttliche Schuss“: Ist die Suche nach dem perfekten Espresso in Wahrheit eine Metapher für die Suche nach den perfekten Momenten im Leben?

STEFAN MAIWALD: Genau, das ist ja überhaupt die italienische Stärke: das Glück in den kleinen, nahen Momenten zu finden. Keiner hat hier den Plan, wo er in fünf Jahren stehen will. Aber jeder beschäftigt sich mit dem heutigen Abendessen. In der WhatsApp-Gruppe unserer Familie geht es ab 11 Uhr vormittags diesbezüglich rund.



LEBE-LIEBE-LACHE: Muss man erst über sich selbst lachen können, bevor man im Leben eine echte Neuausrichtung findet?

STEFAN MAIWALD: Oha, gute Frage: Grundsätzlich sollte man immer über sich selbst lachen können. Das nimmt dem Dasein ein wenig die Schwere. Wir alle sind halt in den meisten Dingen nicht besonders gut. Ich kann weder die Heizung noch das Auto reparieren, ich kann keinen Bücherschrank zusammenzimmern und weiß nicht, wozu die vielen Knöpfe an der Waschmaschine da sind. Und so geht es doch uns allen. Und den Sinn des Ganzen begreift ohnehin keiner von uns. Wir stolpern alle ziemlich unfähig durch die Welt. Aber lasst uns dieses Stolpern doch zelebrieren – als staunenden Spaziergang.



LEBE-LIEBE-LACHE: Lässt sich der Zustand einer „Anderszeit“ auch im eigenen Wohnzimmer herbeiführen, ohne gleich umzuziehen?

STEFAN MAIWALD: Schwierig, aber nicht unmöglich. Meine Frau und ich haben seit ein paar Monaten einmal pro Woche einen Spieleabend, die Töchter sind oft dabei. Das gute alte Gesellschaftsspiel! Der Fernseher bleibt aus, Handy bleibt unangetastet. Das gibt ganz neue Gesprächsthemen, versprochen. Außerdem ist es wortwörtlich ein wunderbares Abschalten.



LEBE-LIEBE-LACHE: Was wäre der erste, kleinste Schritt, den unsere Leser morgen gehen können, um ihre eigene „Anderszeit“ zu beginnen?

STEFAN MAIWALD: Flaniert doch mal durch euren eigenen Ort, wie Reisende. Ohne Schrittzähler. Bleibt vor interessanten Gebäuden stehen, schaut im Park genauer hin. Geht zu Fuß zur Arbeit, auch wenn die Arbeitsstelle ein paar Kilometer entfernt ist. Das ist schon viel Anderszeit, versprochen.



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© Stefan Maiwald/Silvia Hauff
Stefan Maiwald
lebt inzwischen dort, wo andere Urlaub machen: in Italien. Wenn er nicht gerade Espresso testet oder am Meer spazieren geht, schreibt er historische Romane, humorvolle Sachbücher und kulinarische Reiseführer.

Seine Werke landen regelmäßig auf den Bestsellerlisten, sein Blog „postausitalien.com“ wurde auf der Frankfurter Buchmesse als bester Travel Blog ausgezeichnet und sein Podcast „Radio Adria“ bringt das italienische Lebensgefühl direkt in die Ohren Tausender Zuhörer:innen. Außerdem schreibt er für Feinschmecker und Merian, während seine Kolumnen im Golf Magazin und in der Kleinen Zeitung erscheinen – eine bunte Mischung aus Genuss, Reisen und guter Laune.

Direkt zur Homepage: www.postausitalien.com
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