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Pranayama - Die großen Ziele der Atemarbeit im Yoga, Teil 6


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von Dr. Ralph Skuban


„Was bedeutet das Versiegen des Atems anderes als ihn zu befreien von seinen ruhelosen Gezeiten, so dass er aufsteigen und sich weiten kann, um, frei geworden von jeder Last, das Höchste zu suchen.“

- Khalil Gibran

Im letzten Beitrag ging es uns um Kumbhaka, die Atempause. Wir haben sie den Kulminationspunkt in der Praxis des Yoga genannt und mit der 4:4:6:2-Atmung eine einfache Form vorgestellt, in der man systematisch Atempausen setzt. Die Atempause ist in der Vorstellung des Yoga eine Brücke der Stille:

Sie nimmt ihren Anfang in der Stille des atmenden Körpers: Asana, das Sitzen in einer bequemen Haltung. Das muss nicht auf dem Boden mit gekreuzten Beinen sein, sondern geht gut auch auf einem Stuhl, wenn man sich damit wohler fühlt (Warum nur finden sich in Yogastudios so gut wie nie Stühle oder Hocker? Nicht jeder im Yoga ist 25 Jahre alt, und selbst junge Menschen können häufig nicht bequem mit gekreuzten Beinen am Boden sitzen, wenn ihre Hüften nicht offen genug sind!).

Pranayama - Die großen Ziele der Atemarbeit im Yoga, Teil 6
© Mikhail Nilov/pexels.de


Auf die Stille des atmenden Körpers folgt die Stille des Atems selbst: Kumbhaka. Im Hatha Yoga wird die Atempause willentlich und systematisch aufgebaut. In der höchsten Form aber geschieht sie spontan, ohne Willenskraft. Diese Atemstille wird Kevala genannt: Ein längeres, spontanes Versiegen der Atmung. Patanjali nennt es Chaturtah, „der Vierte“. Gemeint ist der vierte Vorgang beim Atmen. (Die anderen drei sind Einatmung, Ausatmung und die Pause zwischendrin, die entweder natürlich und kurz oder willentlich und verlängert ist).

Schließlich: Die Stille des Geistes oder Chitta vritti nirodha, wie das Yogasutra den Zustand inneren Friedens definiert, den man Yoga nennt. Nichts brauchen wir als physische Wesen mehr als den Atem, nichts bindet uns stärker an den Körper als er. Es ist deshalb nur konsequent, wenn die Yogis in der Stille des Atems die Stille des Geistes und schließlich die Transzendenz des Körpers suchen: Die erfahrungsbasierte Erkenntnis, dass wir mehr sind, als dieser Körper, mehr als der Atem sogar, und mehr noch als die zahllosen Regungen unserer Gefühle und Gedanken.

Dass sind die großen Ziele der Atemarbeit im Yoga. Horizonte machen Sinn, wohin sonst sollten wir streben? Im täglichen Leben jedoch und in einer einfachen Atempraxis kommt es doch auf eher konkrete, grundlegende Dinge an. Und die sind beim Atem, diesem so selbstverständlichen und zugleich vielfach missverstandenen Vorgang, ohnehin komplex genug: Er hat zahlreiche Aspekte, auf die hin man ihn anschauen kann und die in fortwährender Veränderung begriffen sind:

Die Zahl der Atemzüge in der Minute (Respirationsrate), die Größe der Atemzüge (Minutenvolumen), der Ort, an den der Atem fließt (Brust oder Bauch), die Länge der natürlichen oder willentlichen Pausen nach der Ein- oder Ausatmung, das zeitliche Verhältnis zwischen Ein- und Ausatmung (Ratio), die Frage, ob wir durch den Mund (nicht so gut) oder die Nase (besser) ein- oder ausatmen.



Yogis bereichern die Atmung in ihrer Praxis noch um viele weitere Facetten:

Sie setzen Muskelaktionen in der Atempause (Bandhas), um den Atem festzuhalten und den Druck und die Hitze im Inneren zu erhöhen, weil sie darin eine reinigende Kraft sehen. Sie sitzen in speziellen Haltungen, formen ihre Hände zu Mudras, achten sogar auf die Position ihrer Augen und Zunge. Sie chanten innerlich Mantras, wenn Sie im Kumbhaka sind, oder summen bei der Ein- und/oder Ausatmung. Und immer wieder: Das Versiegen der Atmung, wie Khalil Gibran, der Autor des Weltbestsellers Der Prophet, es so schön sagt.

Der „ganze Witz“ an den vielen Facetten, die beim Atmen eine Rolle spielen, liegt darin, dass es bewusst geschieht. Das gilt im Besonderen für die Atempause. Denn in der Tat machen die Menschen (Yogis wie Nicht-Yogis) immer wieder Atempausen ohne jede Bewusstheit, ganz besonders heutzutage, wo man so viel Zeit vor Bildschirmen verbringt. In der Wissenschaft spricht man in diesem Zusammenhang sogar schon von der „E-Mail-Apnoe“: dem unbewussten, spontanen Stoppen der Atmung im Umgang mit modernen Medien, die alles andere als gesund ist. Sie ist nur ein Symptom für die „Zerrüttung des Atems“, wie ich gerne sage. Sie kennzeichnet den modernen Zivilisationsmenschen (den der amerikanische Publizist James Nestor völlig zurecht als den „schlechtesten Atmer im Tierreich“ bezeichnet).


Ralph Skuban: Die Buteyko-Methode: Wie wir unsere Atmung verbessern für mehr Gesundheit und Leistungsfähigkeit im Alltag, Beruf, Yoga und Sport
Ralph Skuban (Autor)

Die Buteyko-Methode

Wie wir unsere Atmung verbessern für mehr Gesundheit und Leistungsfähigkeit im Alltag, Beruf, Yoga und Sport
Der russische Arzt Dr. Konstantin P. Buteyko (1923-2003) zählt zu jenen zu Lebzeiten nicht wahrhaft erkannten genialen Menschen, dessen Zeit offensichtlich erst heute gekommen ist! Der bedeutende Mediziner war vielleicht der tiefschürfendste Atem-Forscher, den der Westen jemals her-vorgebracht hat.
Dr. Buteyko erkannte aufgrund seiner Forschungsergebnisse, welche nachhaltigen Gesundheitsschädigungen durch ein permanent beschleunigtes und intensiviertes Atmen (Chronische Hyperventilation) eintreten. Die Ursachen dafür liegen in einer ungesunden Lebensweise, vor allem im täglichen Stress, dem die meisten Menschen ausgesetzt sind. Wird nun, so sein therapeutischer Ansatz, dieses falsche Atemverhalten korrigiert, treten außergewöhnliche Heilungen selbst lang-jähriger Erkrankungen auf.
Dr. Ralph Skuban, ein ausgewiesener Atem-Forscher und Pranayama-Experte, stellt Buteykos Ansatz in Theorie und Praxis vor. Er bezieht dazu auch die neueste Atem-Forschung mit ein und baut Brücken zu traditionellen Atemtechniken wie zum Beispiel im Yoga.
Die „Buteyko-Methode“ ist nicht nur eine wertvolle Ergänzung zu den bisher existierenden Atemtechniken, sondern ein revolutionärer Ansatz für mehr Gesundheit und Lebensqualität auf allen Ebenen - körperlich, emotional und geistig!


Die Atmung vieler Menschen ist erratisch, beschleunigt, geht häufig in zu großen Atemzügen durch den Mund in die Brust, geräuschvoll und grob. Nachts wird geschnarcht, durch den Mund geatmet und auch hier wieder: Unnatürliche Atempausen bis ins Extreme. Über 30 (dreißig!) Prozent der Menschen in den Industriestaaten, so eine neue Studie, die im renommierten Wissenschaftsmagazin The Lancet veröffentlicht wurde, leidet unter obstruktiver Schlafapnoe, dem regelmäßigen Kollabieren der Atemwege während des Schlafens mit „Kumbhakas“ von bis zu 90 Sekunden, gefolgt von einem schnaubenden, lauten Einatmen. Weltweit trifft dies auf knapp eine Milliarde (!) Menschen zu. Unser Atem ist mithin nicht nur am Tage, sondern auch in der Nacht zerrüttet.


Yogis bereichern die Atmung in ihrer Praxis noch um viele weitere Facetten
© cottonbro/pexels.de


Die Folgen für die Gesundheit sind dramatisch (und es würde den Rahmen dieses kurzen Beitrags bei weitem sprengen, darauf näher einzugehen). Der Atem des modernen Menschen spiegelt die Welt, die er sich geschaffen hat. Daran gibt es nichts zu beschönigen, wie ich finde. Nur wirkliches Hinschauen kann auch zu Verbesserung führen – in der Welt insgesamt, wie auch beim Atmen: Atemgesundheit beginnt deshalb mit Atembewusstheit. Um unser bewusstes Atmen weiter zu verfeinern, möchte ich im Praxisteil eine einfache Atembeobachtung vorstellen. Ich nenne sie Die vier Stationen des Atems. Wenn Du das nächste Mal die 4:4:6:2-Atmung übst (ich habe sie in der letzten Ausgabe behandelt), dann setze diese Praxis davor, das vertieft den Atemprozess.



Morgens und abends jeweils 5 Minuten Atembeobachtung + 10 Minuten 4:4:6:2 – das macht 30 heilsame Minuten am Tag, in denen Du Dich bewusst mit der Kraft verbindest, der Du Dein Leben verdankst. Sie schafft Atembewusstheit, unterstützt Dein Herz und Dein Immunsystem und bringt Sich immer wieder einen Moment zu Dir selbst zurück.

Atme sanft!

Euer Ralph



DR. RALPH SKUBAN

Dr. Ralph Skuban
© www.skuban.de
In der Philosophie des Ostens, in der Mystik überhaupt, fand RALPH SKUBAN die Tiefe des Suchens, um die es ihm geht; die Offenheit und Toleranz, die der institutionalisierten Religion zumeist fehlt, die Weisheit praktischer Psychologie – und dazu die Freude, eine tägliche Praxis in sein Leben zu integrieren. 

In den letzten Jahren begann RALPH SKUBAN Bücher zu schreiben und Seminare zu halten. "Östliche Philosophie ist keine trockene Theorie, sondern es geht ihr um die Frage nach einem guten Leben, nach Sinn und Tiefe, und vor allem um die Suche nach unserer spirituellen Essenz, dem inneren Licht, das eins ist mit dem Höchsten. Die Essenz der Upanischaden und aller mystischen Wege der Menschheit lautet: DAS bist du. Tat Tvam Asi."

Im November 2020 erschien sein neues Buch DIE BUTEYKO-METHODE. WIE WIR UNSERE ATMUNG VERBESSERN FÜR MEHR GESUNDHEIT UND LEISTUNGSFÄHIGKEIT IM ALLTAG, BERUF, YOGA UND SPORT

Direkt zur Website von Dr. Ralph Skuban: www.skuban-akademie.de

Instagramm-Adresse: @ralph_skuban

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