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Wie und warum Kleider Leute machen - Elke Heidenreich im Interview


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„Wir vergessen die Namen, die Geschichten, aber fast nie vergessen wir die Kleider.“ sagt die große Erzählerin Elke Heidenreich über die schönste Nebensache der Welt

Elke Heidenreich kennt sich aus, mit Jacke und Hose, Rock und Hut – vor allem aber mit den Menschen. Gut aussehen wollen alle, aber steckt nicht noch viel mehr dahinter? Warum sind einem die Jugendfotos im Faltenrock so peinlich? Warum kauft man sich etwas, was einem weder passt noch steht? Wenn Elke Heidenreich in ihrem neuen Buch 'Männer in Kamelhaarmänteln' von Kleidern erzählt, dann erzählt sie vom Leben selber: von sich mit sechzehn, von Freundinnen und Freunden, von Liebe und Trennung, erzählt Geschichten, komisch und traurig wie nur sie es kann, in denen jeder sich wiedererkennt: sei‘s in ausgeleierten Jeans, sei’s in der wunderbaren Bluse, die schon keine Farben mehr hat, oder schlimmstenfalls im Kamelhaarmantel.

Auch im nachfolgenden Interview mit der beliebten Autorin geht es darum, wie und warum Kleider Leute machen.

Wie und warum Kleider Leute machen - Elke Heidenreich im Interview
© Foto: ISOLDE OHLBAUM

Elke Heidenreich im LEBE-LIEBE-LACHE Interview mit Annette Maria Böhm


LEBE-LIEBE-LACHE: Kleider machen Leute, lautet ein bekannter deutscher Spruch. Das Outfit sagt vieles über einen Menschen aus – über den Stil, das modische Bewusstsein, Vermögensverhältnisse und Sauberkeit, aber auch über Intelligenz, Körper- und Selbstbewusstsein. Aber welche Faktoren an der Kleidung sind es, die uns etwas über den Charakter eines Menschen verraten? Gibt es das überhaupt?

ELKE HEIDENREICH: Naja, wenn alles besonders aufgedonnert ist oder bewusst schlampig, dann sagt das schon ein bisschen etwas über den Menschen aus. Vielleicht nicht gerade über den Charakter, aber doch über eine gewisse Mentalität.



LEBE-LIEBE-LACHE: Plaudert unsere Kleidung mitunter auch Geheimnisse aus?

ELKE HEIDENREICH: Ja, wenn sich alte Frauen sehr jugendlich kleiden, oder jemand ganz in schwarzem Leder daherkommt, oder wenn man einer einsamen Frau durch zu tiefe Ausschnitte die Sehnsucht geradezu ansieht… dann sagt uns das was!



LEBE-LIEBE-LACHE: Wie wichtig ist Ihnen die Freude an Ihrer Kleidung?

ELKE HEIDENREICH: Über was Neues freut man sich ja immer, das zieht man meist sofort an und fühlt sich wohl. Aber im Grunde fühlt man sich immer dann wohl, wenn die Kleidung zu einem passt, wenn man also sich nicht zu einem Stil zwingt, der der eigene nicht ist. Davon abgesehen muss alles gut sitzen und angenehm zu tragen sein, weshalb diese grässlichen Etiketten hinten am Hals sofort rauszuschneiden sind, immer!



LEBE-LIEBE-LACHE: Die aktuelle Mode ist ja meist ein Trend, der schnelllebig ist und gerne übersehen wird. Das, was wir daraus machen, ist das, was uns einen Auftritt verschafft: unserer eigener Stil. Ein schmaler Grad im Dschungel der Eitelkeiten. Denn häufig entscheiden nur Sekunden über Sympathie und Antipathie. Welcher Ihrer Auftritte ist Ihnen heute noch besonders in Erinnerung?

ELKE HEIDENREICH: Dazu gibt es in meinem Buch „Männer in Kamelhaarmäntel“ gleich mehrere Geschichten, die deutlichste ist vielleicht die, wie ich einmal einen beachteten Vortrag hielt in einem uralten, verschlissenen Kleid. Warum? Steht da drin!


Elke Heidenreich: Männer in Kamelhaarmänteln: Kurze Geschichten über Kleider und Leute
Empfohlen von Lebe-Liebe-Lache.com
Elke Heidenreich (Autor)

Männer in Kamelhaarmänteln
Kurze Geschichten über Kleider und Leute
„Wir vergessen die Namen, die Geschichten, aber fast nie vergessen wir die Kleider.“ – Die große Erzählerin Elke Heidenreich über die schönste Nebensache der Welt

Elke Heidenreich kennt sich aus, mit Jacke und Hose, Rock und Hut – vor allem aber mit den Menschen. Gut aussehen wollen alle, aber steckt nicht noch viel mehr dahinter? Warum sind einem die Jugendfotos im Faltenrock so peinlich? Warum kauft man sich etwas, was einem weder passt noch steht? Wenn Elke Heidenreich von Kleidern erzählt, dann erzählt sie vom Leben selber: von sich mit sechzehn, von Freundinnen und Freunden, von Liebe und Trennung, erzählt Geschichten, komisch und traurig wie nur sie es kann, in denen jeder sich wiedererkennt: sei‘s in ausgeleierten Jeans, sei’s in der wunderbaren Bluse, die schon keine Farben mehr hat, oder schlimmstenfalls im Kamelhaarmantel.



LEBE-LIEBE-LACHE: Zeigen High Heels Wankelmut?

ELKE HEIDENREICH: Nein, Highheels machen schöne lange Beine und schön kaputte Füße.



LEBE-LIEBE-LACHE: Klassische Kamelhaarmäntel werden aus der Wolle der Kamele der Wüste Gobi in der Mongolei hergestellt. Das von dort stammende Kamelhaar gilt als das feinste der Welt und ist daher auch verhältnismäßig hochpreisig. Dafür ist er besonders warm, strapazierfähig und wasserabweisend. Der Kamelhaarmantel ist wie viele Klassiker eine echte Allzweckwaffe ... Warum können Sie Männer in Kamelhaarmänteln nicht leiden?

ELKE HEIDENREICH: Weil mein Vater seinen Kamelhaarmantel mit so umwerfender Eleganz trug, dass ich solche Mäntel heute nicht mehr ohne Wehmut an anderen Männern sehen kann, schon gar nicht diese taillierten, kniekurzen Affenmäntelchen.



LEBE-LIEBE-LACHE: Mir gefällt Ihre Vorliebe für ganz besondere Kleidungsstücke, die Sie wie Kunstwerke sammeln. Die Geschichte über das venezianische Kleid hat es mir ganz besonders angetan. Hängt es nach wie vor am heimischen Paravent?

ELKE HEIDENREICH: Natürlich, es hängt da und staubt ein, und ich hab noch zwei, drei Kleidungsstücke, die ich nie trage, aber oft in die Hand nehme und mich an ihnen freue wie an schönen Bildern.


Elke Heidenreich
© Leonie von Kleist
Elke Heidenreich lebt in Köln. Sie studierte Germanistik und Theaterwissenschaft und arbeitete bei Hörfunk und Fernsehen. Bei Hanser erschienen zuletzt Der Welt den Rücken (2012), Alles kein Zufall (2016) und Männer in Kamelhaarmänteln (2020).
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