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Werte und Bedürfnisse – was uns antreibt


von Dominik Schott


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Stell dir vor, du hättest ein Umfeld in dem du dich in jeder Richtung entfalten und wachsen kannst. Zugleich bist du sicher versorgt mit allem, was du zum Leben brauchst: Nahrung, Wärme, Nähe, Geborgenheit. Wäre das erstrebenswert? Na klar. (Und vielleicht bist du ja sehr nah dran, das in deinem Leben zu realisieren)

Freiheit und Geborgenheit – das wünschen wir uns alle, darin sind wir uns gleich (warum, dazu gleich mehr). Darüber hinaus können wir sehr verschiedene Werte im Leben verfolgen, sehr verschiedene innerste Handlungstreiber haben. Wer sich ihrer bewusst ist, trifft klarere Entscheidungen, weiß, wo seine Stärken und wo seine Grenzen oder Entwicklungszonen liegen. Doch die wenigsten können die Frage nach den ureigenen Werten aus dem Stegreif beantworten bzw. in klare Worte fassen. Zu tief sind diese Kompasseinstellungen schon in frühester Kindheit in uns angelegt worden. Wir spüren wo es uns hinzieht, aber warum? Das ist uns oft ähnlich unbewusst wie dem Fisch das Wasser das ihn als Lebenselement ständig umgibt.

Werte und Bedürfnisse - was uns antreibt
© Free-Photos/pixabay
Welches Verhalten anderer Menschen stört mich am meisten?
© chezbeate/pixabay

Zunächst, was ist mit Werten gemeint? Werte sind immaterielle Ideale. Unser innerer Kompass für das, was wir besonders erstrebenswert und wichtig im Leben erachten – oder eben nicht. Sie sind innere Ausrichtungen bzw. Präferenzen die meist unverhandelbar sind. Dazu gehören abstrakte Begriffe wie Integrität, Respekt, Erfolg, Freiheit, Qualität, Spaß, Veränderung, Empathie und viele mehr. Für uns selbst sind unsere Werte völlig selbstverständlich und wir reagieren oft fassungslos, wenn andere sie gering achten. Unbewusst gehen wir davon aus, dass unsere Werte gleichermaßen für alle gültig und wertvoll sein müssten wie ein universelles Gesetz. Und tatsächlich wird niemand Werte wie Respekt oder Familie völlig ablehnen. Aber nicht jeder erlebt sie als innere Richtschnur. Die eigenen Werte auch bei anderen voraussetzen oder einzufordern, ist eine der häufigsten Ursachen für Konflikte. Wir vermeiden unnötige Auseinandersetzungen oder Enttäuschungen, wenn wir verstehen, dass andere Menschen moralisch oder ethisch andere Prioritäten setzen als wir selbst. Wer herausfinden möchte, welcher einer seiner Kernwerte ist, muss sich nur fragen:

Welches Verhalten anderer Menschen stört mich am meisten?

Das Gegenteil davon ist sehr wahrscheinlich ein für uns wichtiger Wert. Wäre es nicht so, würde uns dieses Verhalten nicht ärgern. Und da zeigt sich, wie verschieden wir sind. Keiner mag Unpünktlichkeit. Aber manche hassen Unpünktlichkeit. Es verletzt einen für sie wichtigen Wert, z.B. Zuverlässigkeit. Hier eine Auflistung von negativen Verhalten – und den möglichen Werten die wir haben, wenn uns dieses Verhalten besonders auf die Palme bringt.


Frag dich bei anderen, was sie am meisten stört und du kennst einen der Schlüssel zu ihrer Persönlichkeit. Das Gegenteil davon ist für diese Person nicht nur wichtig, sondern zentral.


Frag dich bei anderen, was sie am meisten stört und du kennst einen der Schlüssel zu ihrer Persönlichkeit
© youxventures/unsplash


Werte können in drei Kategorien unterteilt werden:


Kategorie 1 heißt: diesen Wert leben wir nicht nur, wir verkörpern ihn. Wir müssen darüber nicht nachdenken, uns nicht bemühen, wir können gar nicht anders. Solche Werte sind meist auch große Stärken (z.B. Kreativität oder Verbindlichkeit). Jedoch können sie als Verhaltensmuster übertrieben werden, dann zeigt dieser Wert seine Schattenseite und wir gehen anderen damit auf die Nerven. Hier eine Liste von Werten und ihren Schatten-Zwillingen:



Daher die Frage an dich:

Welches deiner Verhalten geht anderen auf die Nerven?

Vielleicht wirst du dafür sogar mit Spitznamen belegt (Erbsenzähler, Glucke, Zampano, Wichtigtuer, Heulsuse...)? Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass du eine deiner Stärken übertreibst oder bei einem deiner Kernwerte an andere zu hohe Erwartungen hast, die sie nie erfüllen können.


Souverän präsentieren - Die erste Botschaft bist Du Wie Sie Körpersprache authentisch und wirkungsvoll einsetzen
Dominik Umberto Schott (Autor)
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Mach eine Liste mit deinen 3-4 wichtigsten Werten – nicht mehr, sonst sind es keine Kernwerte mehr. Frage dich, was du ihnen verdankst an Entwicklung im Leben. Frage dich auch, wann und wo sie deinem Glück manchmal im Weg stehen. Nur wenn du deine Werte kennst, kannst du sie bewusster anstreben oder auch mal hinterfragen. Werte helfen vor allem, NEIN zu sagen zu Bedingungen, die uns nicht gut tun – so verlockend ein Angebot auch sein mag.

Aus jedem unserer Kernwerte können wir Bedürfnisse ableiten. Wer Kreativität als Wert hat, braucht die Möglichkeit sich einzubringen, mitzugestalten, ob beruflich oder privat. Wer Respekt braucht, sollte Jobs meiden, in denen es wenig oder keine Anerkennung gibt. Wer Erfolg bzw. Karriere anstrebt, sollte sich Berufe mit entsprechenden Aufstiegsmöglichkeiten suchen usw.

Werte und Bedürfnisse haben große Überschneidungen. Werte sind beständiger als immaterielle Leitmotive fürs ganze Leben. Bedürfnisse können sich situativ ändern. Siehe Kategorie 3: wenn ich meinen Job verliere oder eine Familie gründe, ist mir Sicherheit plötzlich wichtiger als zuvor. Wer gesund ist, nimmt das meist als Selbstverständlichkeit. Wer schwer krank ist, hat nur noch einen Wunsch: wieder gesund werden.


Freiheit oder Geborgenheit – das Schein-Dilemma

Doch einige Grundbedürfnisse haben wir alle – und zwar die beiden eingangs erwähnten: Freiheit und Geborgenheit. Warum? Weil wir so das Leben in den ersten neun Monaten kennen gelernt haben. Wir konnten im Mutterbauch geschützt heranwachsen, unsere Extremitäten ausbilden, Purzelbäume schlagen. Zugleich waren wir maximal geborgen. Die Geräusche der Außenwelt angenehm gedämpft, das Fruchtwasser wohltemperiert, und über die Nabelschnur bekamen wir alle Nährstoffe vorverdaut. Quasi Flatrate in der Uterus-Vollpension. Bis es eines Tages immer enger wurde, dann erfolgte die fristlose Kündigung in Form von Presswehen – und schwupps, da sind wir nun. Und erwarten vom Leben, dass es genau so weiter geht. Wachstum und Sicherheit. Danach sehnen wir uns ein Leben lang.

Freiheit oder Geborgenheit - das Schein-Dilemma
© StockSnap/pixabay


In der Verkaufspsychologie kennt man als drittes Grundbedürfnis neben Sicherheit (Geborgenheit, Beständigkeit) und Stimulanz (Freiheit, Abwechslung, Veränderung) noch die Dominanz. Die ersten beiden sind deshalb grundlegender, weil wir sie bereits als Fötus als Rahmenbedingung erleben, etwas, das wir lebensnotwenig brauchen. Die Dominanz kommt erst etwas später dazu wenn sich das Ego entwickelt. Als Kleinkinder ab 3 Jahren entdecken wir unsere Willenskraft. Darauf basiert Dominanz die wir vor allem im Verhalten und der Interaktion mit anderen befriedigen. Es ist die Selbstbehauptung, Willenskraft, Selbstwirksamkeit.

Dieser Dreiklang aus Freiheit-Geborgenheit-Selbstwirksamkeit ist niemandem fremd, doch hat jeder einen anderen Mix einprogrammiert. Manche haben ein größeres Bedürfnis nach Sicherheit – und würden im Zweifelsfall Freiheiten aufgeben. Andere brauchen viel Freiheit und machen dafür bei der Sicherheit Kompromisse.

Wachsen wir als Kinder in einem liebevollen Elternhaus auf, bekommen wir lange Zeit beides. Wir sind geborgen, sicher, werden versorgt – und dürfen uns gut entwickeln. Ja, wir wachsen sogar physisch jedes Jahr in die Höhe. Bis wir eines Tages ‚erwachsen’ sind, dann tauschen wir die Geborgenheit des Elternhauses gegen mehr Autonomie: Studium, Ausbildung, eigene Wohnung, eigenes Geld, eigene Beziehungen.

Unser Leben lang suchen wir weiter diese Rahmenbedingungen: Freiheit und Geborgenheit. Und erleben das oft als Widerspruch, als Dilemma. Scheinbar geht nicht beides. Entweder die Freiheit des Single-Daseins oder die Geborgenheit der festen Beziehung. Entweder die Selbstbestimmung als Freiberufler oder die Sicherheit des festen Angestelltengehalts. Dabei geht beides. Der Schlüssel ist Eigenverantwortung. Erst wenn wir nicht mehr andere bzw. Umstände für unser Glück oder Unglück verantwortlich machen, können wir die Balance zwischen Freiheit und Geborgenheit so austarieren wie es unserem Wesen gemäß ist. Dazu gehört viel Mut und Ehrlichkeit mit sich und anderen. Das ist einfach - aber sicher nicht leicht.

Manche erwarten, dass ihnen der Partner oder das Leben die geheimsten Wünsche von der Stirn ablesen. Und warten lange. Wer seine Bedürfnisse nicht klar äußert, muss sich nicht wundern, wenn sie ignoriert werden. Also: finde heraus, was dir wirklich, wirklich wichtig ist im Leben. Sprich zu den Menschen, die dir nahe sind darüber – und stehe dazu. Für seine Bedürfnisse muss sich niemand schämen und keiner hat das Recht, sie abzuwerten. Zugleich ist nach seinen Werten zu leben kein Freibrief für Egozentrik. Wahre Werte sind immer im Einklang mit dem großen Ganzen. Wer sie lebt, wer seine Stärken und sein wahres Naturell ohne Überkompensation, aber auch ohne falsche Bescheidenheit zum Ausdruck bringt, dient nicht nur der eigenen Selbstverwirklichung, sondern immer auch der Weiterentwicklung der ganzen Menschheit.

PS: diesen Text gibt es auch als Podcast. Zu hören unter www.dominikschott.com


Dominik Umberto Schott
© Dominik Schott
Dominik Umberto Schott arbeitet international als Präsentationstrainer, Vortragsredner und Executive Coach.

Er war nach seiner Gesangs- und Schauspielausbildung mehr als 20 Jahre lang Radio- und TV-Moderator, hat bei Thomas Gottschalk gelernt, stand bereits bei Hunderten großer Events auf der Bühne und ist eine der bekanntesten Stimmen des deutschen Fernsehens. Als Bühnenprofi weiß er, wie man mit Worten bewegt. Privat ist er spirituell und philosophisch interessiert und legt monatlich als DJ im Studio Freitänzer in München auf.

Podcast und YouTube-Kanal von Dominik Schott:

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