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Endlich keine Ziele mehr haben! – Unsicherheit aushalten in der Coronakrise


von Dominik Schott

Und wie geht es dir? – Diese Frage wird dieser Tage oft gestellt (meistens am Telefon da wir ja kaum jemandem persönlich begegnen). Und selten war sie so aufrichtig gemeint wie jetzt. Die Coronakrise hat weltweit das Leben vieler Menschen schlagartig verändert. Jeder ist anders betroffen aber keiner bleibt außen vor.

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Endlich keine Ziele mehr haben! – Unsicherheit aushalten in der Coronakrise
© isabellwinter/unsplash

Die einen sorgen sich um ihre Gesundheit oder ihre Angehörigen. Angestellte und Eltern müssen ihren Alltag komplett umstellen: Home Office, Kinder betreuen, Urlaub absagen. Viele Selbständige bangen um ihre berufliche Existenz oder stehen vor der Pleite (und wünschen sich sie hätten beizeiten in eine Fabrik für Toilettenpapier investiert – offenbar das krisensicherste Produkt in Deutschland). Und natürlich gibt es auch nicht wenige, die mit innerer Erregung den Ereignissen folgen weil dies der Wandel sein könnte, den sie seit langem erhoffen. So oder so: ein Stresstest für uns als Gesellschaft und Individuen. Mit unklarem Ausgang. Noch ist nicht klar, wie wir uns später an das Jahr 2020 erinnern werden: Händewaschen und Mundschutz? Spielplätze mit Absperrband drumherum? Oder denken wir an Wuhan, Italien, Spanien, New York? Teils aufwühlende Bilder die emotional nach uns greifen und in eigenartigem Kontrast zu unserer Primär-Realität stehen. Denn der mitteleuropäische Alltag ist in der Frühphase der Krise großteils friedlich. Jeder geht auf Abstand, alle sind vernünftig.

Home office: jeder geht auf Abstand, alle sind vernünftig
© escape_from_reality/unsplash


Die Welt steht still, gefühlt ist jeden Tag Sonntag – nur dass die Supermärkte geöffnet haben. In den großen Städten sind die Straßen und Plätze menschenleer, keine Restaurantbesuche mehr, keine Parties, keine Fußballspiele, wenig Verkehr, keine Flugreisen. Schlecht für die Wirtschaft (außer für Amazon und Netflix), gut für die Natur. Die Luft wird besser, in der Lagune von Venedig werden wieder Delphine gesichtet. Was die Fridays for Future Demonstranten gefordert haben tritt unvermittelt ein – nur aus anderem Anlass. Die Sorge vor dem Klimawandel ist offenbar weniger groß wie die Angst vor einer Pandemie (schon das Wort jagt einen Schauer über den Rücken). Sind die strikten Maßnahmen gerechtfertigt? Vieles spricht dafür, zugleich sind noch viele Fragen offen. In ein paar Monaten wissen wir hoffentlich mehr. Frühestens in einem Jahr rechnen Experten mit einen wirksamen Impfstoff. Bis dahin leben wir im Ausnahmezustand. Man rückt nur noch mit dem Partner oder den Kindern zusammen und wer jetzt allein lebt ist sozial isoliert.


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Dominik Umberto Schott (Autor)
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Zugleich waren wir als Menschheit nie so geeint wie jetzt – zumindest mental. Corona ist in allen Köpfen, unsere Gedanken kreisen alle um diesen unsichtbaren Erreger und es fällt schwer, sich mit etwas anderem zu beschäftigen. Dabei macht es uns die Natur gerade leicht, unseren Fokus auf die sinnliche Wirklichkeit zu lenken. Der Frühling zeigt erste Farben, die Bäume knospen und der Himmel war dieser Tage oft von einem klaren Blau das nichts weiß von Infizierung oder Unsicherheit.

Dabei macht es uns die Natur gerade leicht
© dulcineiadias/unsplash


Wie geht es weiter? Was bedeutet das alles für uns? Was werden wir daraus lernen? Noch ist es zu früh für ein Fazit, wir stecken erst mittendrin in dieser eigenartigen Mischung aus Sorge, Ungewissheit, Entschleunigung und Besinnung auf das was wirklich zählt. In China, dem Ursprungsland des neuen Virus, setzt sich das Schriftzeichen für das Wort Krise aus zwei Wörtern zusammen: Gefahr und Chance. Genau das ist eine Krise: eine Phase des Umbruchs die Gefahren aber auch Möglichkeiten birgt. Auf welche Seite es kippt haben wir in der Hand. Lassen wir uns von Angst oder Panik leiten und kaufen Mehlvorräte für zehn Jahre? Oder sehen wir die Chancen? Das heißt nicht, dass wir nun sofort super produktiv (Buch schreiben! Sprachen lernen!) oder als Krisengewinnler unser Business umstellen müssen (Webinare!). Das sind unsere eingeübten Reaktionsmuster. Irgendetwas optimieren. Verständlich. Proaktives Handeln gibt uns ein Gefühl von Kontrolle. Vielleicht hilfreich in dieser Zeit, vielleicht nicht.

Vielleicht hilfreich in dieser Zeit, vielleicht nicht
© www.dominikschott.de

Vielleicht ist dir schon einmal aufgefallen: Es gibt zwei Arten von Spaziergängern. Diejenigen die ein Ziel ansteuern. Und Flaneure die sich treiben lassen. Beides berechtigte und wunderbare Weisen der Welt zu begegnen. Unsere Arbeitswelt wird vom ersten Typus dominiert. In Unternehmen dreht sich alles um Zielerreichung, Messbarkeit, Strategien. Der Megatrend der Selbstoptimierung hat aber auch uns selbst zu kleinen Ich-Unternehmern gemacht. Das Leitbild unserer Gesellschaft ist: mach mehr draus! Wir wollen das Beste aus uns und unserem Leben heraus holen, mehr erleben, mehr konsumieren, gesünder essen, Sport treiben, produktiver sein, nur keine Zeit ‚verschwenden’. Auch hier bremst uns die Krise gerade aus. Die Fußgängerzonen und Fitness-Center haben geschlossen, Flugreisen zu irgendwelchen Selfie-Hot-Spots fallen aus und es darf bezweifelt werden dass sich demnächst viele Menschen dafür interessieren welches Shampoo junge Influencer in die Kamera halten. Corona raubt nicht nur der Influenza sondern auch den Influencern die Aufmerksamkeit (sorry, dieser Abschweifung konnte ich als Flaneur des Schreibens nicht widerstehen).

Corona raubt nicht nur der Influenza sondern auch den Influencern die Aufmerksamkeit
© Pexels/pixabay


Vielleicht kommt die Epoche der eitlen Selbstoptimierung gerade an ihr Ende. Vielleicht lernen wir sogar, dass das Erobern von ständig neuen Geschäfts- oder Urlaubszielen nicht der wahre Lebensinhalt ist. Wer sich in der Tretmühle des Besser-Weiter-Mehr schon lange nicht mehr wohl fühlt hat jetzt die Chance ohne schlechtes Gewissen sein Leben runterzufahren oder die Pausetaste zu drücken. Wir müssen nicht mal selbst drücken, die Pausetaste wurde gerade behördlich angeordnet. Außer zuhause bleiben müssen wir grad gar nix. Wenn die Sorge uns nicht übermannt dürfen wir einfach die Entschleunigung genießen, ja sogar die Ungewissheit.

Wie wäre es mit innehalten und abwarten, was sich aus dem Chaos herausschält? Wir blicken ins Ungewisse und im dichten Nebel hat die Zukunft bis jetzt nur sehr vage Konturen. Wenn das äußere Wachstum zum Erliegen kommt, könnte sich inneres Wachstum entfalten. Die meisten haben plötzlich viel Zeit zum Bücher lesen, Serien gucken – oder Nachdenken. Wie wollen wir leben? Was bricht da gerade weg, das ohnehin keine Stimmigkeit, keine Substanz mehr hatte? Welche vermeintlichen Zwänge entlarven sich gerade als pure Konvention? Wir stehen am Übergang in eine neue Welt. Der Sog zurück in die alte ‚Normalität’ wird stark sein, die Sehnsucht danach, das Leben wieder so weiterzuführen wie vor der Krise. Der Drang, das Neue das noch keine klare Form hat, gleich dingfest zu machen wird ebenso stark sein. Haben wir die Kraft und innere Ruhe, die Lücken auszuhalten, die Leerstellen nicht zu füllen? Ungewissheit stehen zu lassen ohne gleich Eindeutigkeit anzustreben? Einfach mal in die Luft schauen und abwarten, was kommt. Es könnte ja was Gutes sein.

Wer mal Musik entdecken mag: zum Stichwort Pausentaste gibt’s einen Song:




Dominik Umberto Schott

Dominik Umberto Schott
© Dominik Schott
Dominik Umberto Schott arbeitet international als Präsentationstrainer, Vortragsredner und Executive Coach.

Er war nach seiner Gesangs- und Schauspielausbildung mehr als 20 Jahre lang Radio- und TV-Moderator, hat bei Thomas Gottschalk gelernt, stand bereits bei Hunderten großer Events auf der Bühne und ist eine der bekanntesten Stimmen des deutschen Fernsehens. Als Bühnenprofi weiß er, wie man mit Worten bewegt. Privat ist er spirituell und philosophisch interessiert und legt monatlich als DJ im Studio Freitänzer in München auf.

Eine abgewandelte Variante dieses Textes gibt es auch als Podcast zu hören: https://freisprechen.podigee.io/20-neue-episode
Magst Du, was wir bei LEBE-LIEBE-LACHE schreiben? Willst Du uns helfen, Menschen zu erreichen, denen das auch gefallen könnte? Wie? Ganz einfach: "teilen". Wir freuen uns sehr über Deine Wertschätzung.
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