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Verletzte Frauen verletzen andere Frauen
...und wie wir unsere Würde bewahren


von Birgit Faschinger-Reitsam


Bevor ich meine weibliche Kraft annehmen, feiern und leben kann, muss ich sie zuerst heilen. Denn meine Weiblichkeit war verletzt und nicht nur durch das Männliche.

Über viele, viele Jahre war ich auf der sicheren Seite, dachte ich. Im Yang-Lager. Ich war stark und unangreifbar. Aber das hatte seinen Preis: Ich war versteckt hinter meinem Panzer.

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So wie Simone:

Es passiert ihr fast täglich, teilweise geschieht es unterschwellig, oft macht es ihr nicht viel aus. Simone ist es gewöhnt, sie ist stark im Einstecken.

Die Rede ist von Sticheleien ihrer Nachbarin, Respektlosigkeiten von Kolleginnen, der eine oder andere Kommentar ihrer Schwiegermutter - Anfeindungen, die sie über sich ergehen ließ, bis eine Kleinigkeit das Fass zum Überlaufen brachte: Es war nur eine Mail, ohne Ansprache und Grußformel, hingeschleudert voller Hass, unterstrichen mit Ausrufezeichen. Verletzend.

Verletzte Frauen verletzen andere Frauen ...und wie wir unsere Würde bewahren
© Dong Nhân/pexels.com


Das war zu viel. Simone wollte das nicht mehr hinnehmen.

Tipp: Statt verletzt zu reagieren, stelle eine Frage: „Kann es sein, dass du mich verletzen willst?“

Autsch – das hat weh getan.

Ob du dich geschnitten hast – oder ob du „geschnitten wurdest“: Einerlei – es tut weh. Blaue Flecken holen wir uns nicht nur, wenn wir vom Fahrrad fallen, sondern auch, wenn wir „unter die Räder kommen“.

Wunden entstehen, wenn wir verletzt werden. Ob körperlich oder seelisch - in unserem Gehirn gibt es ein Areal, dem es ziemlich egal ist, ob die Verletzung „echt“ ist oder nur „eingebildet“. Sobald wir Schmerzen empfinden, übernimmt unser Selbsterhaltungstrieb, der vom Reptiliengehirn gesteuert wird, das Kommando und schaltet um auf Funktionieren. Und das heißt: Notdürftig aber wichtig, um zu überleben.

Tipp: Wenn kleine Kinder sich verletzten, werden sie meist fürsorglich in den Arm genommen und es wird ihnen mit beruhigender Stimme zugeflüstert – „Alles ist gut“. Lege eine Hand auf dein Herz, verbinde dich mit dir, bis du tief seufzen musst – und versichere so deinem Reptiliengehirn, dass du Herrin der Lage bist, statt dich in den Kampf- oder Fluchtmodus zu begeben.

Simone traf eine Wahl: Sie wollte nicht mehr automatisch reagieren und sich damit ihren Tag vermiesen lassen. Ihr wurde klar: Wer Seitenhiebe verteilt, hat selbst Probleme.

Wer Seitenhiebe verteilt, hat selbst Probleme
© Dominika Roseclay/pexels.com


Funktionieren kostet:

Nicht selten kostet es uns unsere Souveränität und Würde. Denn oft genug reagieren wir wie ein waidwundes Tier, das in seinem Schmerz wild um sich beißt. Wichtig zu wissen ist hier: Zeit allein heilt keine Wunden. Im Gegenteil, solange ein Schmerz nicht geheilt ist, laufen wir Gefahr, außer uns zu sein, nicht mit dem Herzen verbunden. Wenn Schmerzen in ferne Bereiche unseres Körpers zurückgedrängt und verkapselt werden, nicht mehr gespürt werden wollen, bleibt oft Verbissenheit zurück, Kritiksucht oder Resignation. Stellt sich dir Frage, ob nicht gerade die Menschen, die es "am wenigsten verdienen", weil sie barsch auftreten, es nötig haben, in den Arm genommen zu werden?

Tipp: Nimm es nicht an. Du musst nicht annehmen, was dir nicht zusagt.

Simone verstand: Sich verletzen zu lassen geht einher mit dem Errichten von Schutzwällen. Verletzlichkeit zuzulassen hingegen bedeutet, bei sich und handlungsfähig zu bleiben. Fragen zu stellen und die Wahl zu haben, etwas nicht anzunehmen und vielleicht sogar Mitgefühl für den anderen zu haben.

Aber was, wenn all die Strategien nicht greifen? Wenn du doch getroffen wirst? Hinterrücks. Unvorbereitet. Mitten ins Herz.


Was ich lernen durfte. Schmerzhaft lernen durfte:

Mutig verließ ich die scheinbar sichere Seite. Ich bewegte mich vorsichtig ins Reich des Yin. Tankte auf. Nährte mich. Erfuhr, wie göttlich es sein kann, Frau zu sein. In der Gesellschaft von Frauen, Schwestern, Gefährtinnen zu wachsen.

Zum Wachsen gehört aber auch, das Erlebte in der "Normalität" zu bewahren und zu leben. Außerhalb von Sisterhood und das kann schmerzhaft sein. So sehr, dass es mir die Kehle zuschnürt und mein Herz krampfen lässt. So sehr, dass ich versucht sein könnte, zurück hinter den Panzer zu schlüpfen. Aber der passt nicht mehr, dazu bin ich zu groß.

Tipp: Wähle bewusst, mehr Zeit mit Gefährtinnen, Schwestern und „erwachsenen“ Frauen zu verbringen.

Ich habe gelernt, dass Hingabe der Schlüssel ist. Aber wie geht das? Wie geht Hingabe, wenn all die Erinnerung an das, was du schon weißt, wie weggeblasen ist? Wenn die Schmerzen schier unerträglich sind?

Und hier beginnt der Weg der Heilung. Dann, wenn ich mich wieder den Schwestern zuwende und ihnen meine Verletzlichkeit zeige. Meine Wunden und meine Offenheit. Ganz. Und. Gar. Wenn ich meine Masken fallen lasse. Wenn ich mich nicht erklären muss, denn ich werde gesehen. Wenn ich weinen, schluchzen, kotzen und schreien kann und weiß, dass keine der Schwestern auf mein Drama einsteigt.

Das ist Heilung und Transformation. Und je mutiger ich bin, umso schmerzloser verläuft dieser Prozess.

Ach ja: Simone ist jetzt eine von uns.

Ich wünsche dir MUT. Und starke Schwestern.

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Birgit Faschinger-Reitsam
© Birgit Faschinger-Reitsam
Birgit Faschinger-Reitsam
:  ist Autorin, Bloggerin und Körpercoach für Frauen, die sich spüren wollen. Neben ihrer Karriere in einer männlich geprägten Businesswelt, fand sie im argentinischen Tango einen willkommenen Ausgleich, bis sie von extremen Fußproblemen ausgebremst wurde. Über die intensive Beschäftigung mit Füßen kam sie zu ihrer Berufung: Körperintelligenz. Darüber, wie Frauen Zugang zu ihrem Körper und mit ihm in Führung gehen können, hat sie mehrere Bücher und über 100 Artikel verfasst. Ihr ganzheitlicher Ansatz überzeugt auch Ärzte verschiedener Fachrichtungen. In Coaching, Onlinekursen und Seminaren zeigt sie, dass „Zu sich stehen“ bei den Füßen beginnt.
So zum Beispiel im Seminar Spurwechsel https://www.draufgaengerin.de/seminar-spurwechsel/


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