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Hochsensibel? Na und?


von Jean-Christoph von Oertzen

Es war, als ob sich für einen Moment die Wolken am Himmel aufgetan hätten, ein Lichtstrahl daraus hervor kam und die Worte auf meinem Bildschirm in güldenem Licht erstrahlen ließ.

OK, zumindest fast so.

Auf jeden Fall hat es hat mein Leben förmlich auf den Kopf gestellt, als ich auf den Begriff der Hochsensibilität gestoßen bin. Es war für mich wie eine Erleuchtung. Die Erkenntnis, dass nicht nur ich so empfindsam auf Sinneseindrücke reagiere und mich dadurch oft so fühlte, als ob mein Raumschiff einmal falsch abgebogen wäre, empfand ich als unglaublich erleichternd.

Plötzlich war mir vieles in meinem Leben so klar, wie ein Bergsee an einem Sommermorgen. Plötzlich fühlte ich mich von der Welt doch noch verstanden und verstand mich auch selbst immer besser. Kein Wunder also, dass das Thema für mich in den letzten Jahren so wichtig wurde wie kaum etwas anderes, denn es erklärte so vieles für mich.

Vielleicht hast du sehr ähnliche Erfahrungen gemacht. Die unglaubliche Erleichterung gespürt, als du dich in den Beschreibungen eines Persönlichkeitsmerkmals mit dem Namen “Hochsensibilität” wiedergefunden hast. Es geht den meisten Hochsensiblen so und diese Befreiung ist wirklich wunderbar!

Doch es gab auch immer mal wieder Situationen oder Verhaltensweisen in meinem Leben, die ich mir mit meiner Hochsensibilität nicht so recht erklären konnte.

Zum Beispiel bestimmte Konstellationen in meiner Herkunftsfamilie oder meine Suche nach dem einen Beruf, der mich jeden einzelnen Tag glücklich macht, bis an das Ende meines Lebens. Oder warum mir Freiheit ein so wichtiger Wert ist.

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© doran_erickson/unsplash

Es gab auch Tage, an denen ich meine Hochsensibilität einfach nicht so dominant wahrgenommen habe, sie sich mir nicht so aufgedrängt hat. Und ich muss sagen, dass waren häufig genau die Tage, an denen ich mich besonders glücklich und zufrieden gefühlt habe.

Hochsensibilität ist keine Krankheit. Sie hat viele gute Seiten. Ich liebe zum Beispiel die Tiefe, mit der mich Erlebnisse in der Natur berühren und weiß heute, dass meine Empathie nicht so selbstverständlich ist, wie ich das immer angenommen habe.

Und doch habe ich mir eigentlich am meisten über das Thema Gedanken gemacht, solange ich mich an einigen Auswirkungen meiner Veranlagung stört habe, wie der Erschöpfung nach ereignisreichen Tagen oder dem Nachhallen von negativen Gesprächen mit anderen Menschen.

Das hat mich zu dem Punkt gebracht, dass es mir gar nicht mehr nur um die Hochsensibilität selbst in meinem Leben geht, sondern viel mehr um die Suche nach Glück und innerer Zufriedenheit - mit meiner oder durch meine Hochsensibilität.


Die Suche nach dem Glück

Ich führe ein sehr glückliches Leben. Ich habe eine wunderbare Familie, eine Aufgabe, die ich sehr mag und kann meine Tage sehr oft auch genau so gestalten, wie es mir gut tut. Dafür bin ich sehr dankbar.

Und doch kenne ich auch die Tage, an denen ich mich nicht 100% glücklich fühle. An denen ich mit den Herausforderungen in meinem Leben hadere. Dann suche ich inzwischen nach Lösungen. Nach Lösungen, wie ich mein Leben verändern müsste, damit ich noch glücklicher leben kann.

Glücklich sein ist kein immerwährender Zustand, den man irgendwann erreicht, wenn man alles richtig macht. Man legt nicht irgendeinen Schalter um und dann ist man glücklich bis ans Ende seiner Tage. Es scheint mir vielmehr ein Weg. Ein Weg von einem Glücksmoment zum nächsten.

Es ist wie bei einem Sportler. Er erreicht die Goldmedaille bei einem Wettkampf. Und dann? Dann trainiert er weiter, denn er liebt seinen Sport. Der Platz auf dem Siegertreppchen ist nur die Bestätigung, die Belohnung für seine Anstrengungen. Der eigentliche Sport betreibt er jeden Tag.
Und er beginnt mit dem Training auch nicht erst eine Woche vor dem Wettkampf. Er trainiert regelmäßig, versucht jedes Mal, sich ein klein wenig zu verbessern. Der Blick auf den Wettkampf motiviert ihn, schon klar. Doch nur dieses Ziel, ohne die Liebe zum Prozess, ohne das Bewusstsein für die Notwendigkeit eines Trainings, würde wahrscheinlich bei den wenigsten Menschen als Motivation reichen, um einen Wettkampf zu gewinnen und Spitzenleistung zu erbringen.

Und selbst wenn jemand schon viel erreicht hat, käme kein Sportler heute noch auf die Idee zu sagen, er bräuchte nicht mehr zu trainieren, denn er beherrscht seinen Sport ja bereits ausreichend.

Warum glauben wir dann, wir müssten für unser Glück nichts tun, nur weil wir schon mal glücklich waren in unserem Leben?

Ich bin eher ein analytischer Mensch. Ich durchdringe Themen gerne auch mit meinem Verstand, nicht ausschließlich mit meiner Intuition.

Dafür war die Erkenntnis des Modell “Hochsensibilität” ein wahrer Augenöffner. Es war für mich vielleicht der wichtigste Schlüssel zur Selbsterkenntnis bisher.

Ich habe mich voll in den Beschreibungen wiedererkannt, mich darin selbst erkannt. Das war für mich ein ganz wichtiger erster Schritt, um mich auf die Suche zu machen. Die Suche nach mehr Lösungen und weiteren Antworten.

Ein Modell, wie das der Hochsensibilität, ist immer auch eine Vereinfachung der Realität. Ich bin mehr als hochsensibel, auch wenn die Hochsensibilität einen wichtigen Teil meiner Persönlichkeit ausmacht.

Früher habe ich mich oft einfach überfordert gefühlt. Überfordert mit den Anforderungen meines Alltags und meines Umfelds. Doch ich dachte immer, mit mir stimmt etwas nicht. Ich sei nicht leistungsfähig genug und ich müsste an mir arbeiten, um mithalten zu können. Meine besonderen Stärken habe ich gar nicht als solche wahrgenommen. Wie soll man auch die Lösung für etwas erkennen, was man gar nicht als Problem identifiziert hat?


Balanced Mind Bogenschießen für hochsensible Menschen
Jean-Christoph Alexander von Oertzen (Autor)
Balanced Mind
Bogenschießen für hochsensible Menschen
Eine Voraussetzung für ein hohes Selbst-Wert-Gefühl, ist Selbst-Bewusstsein. Die Voraussetzung für ein gutes Selbstbewusstsein ist eine positive Selbst-Erfahrung. Die in diesem Buch beschriebene Balanced-Mind-Methode - eine aktiven Meditationstechnik - bietet eine tief gehende, positive, körperliche und psychische Selbsterfahrung mit Pfeil und Bogen.

Als archaischen Hilfsmittel dienen sie uns dabei als ein Spiegel unserer Seele. Die Vorgänge in unserem Inneren werden auch in der physischen Welt in maximaler Klarheit deutlich und erfahrbar.

Die Balanced-Mind-Methode ist optimal für die besonderen Bedürfnisse von hochsensiblen Menschen geeignet. Hochsensibilität ist ein Persönlichkeitsmerkmal, dass rund jeden fünften Mensch betrifft.

Dieses Arbeitsbuch erläutertet das Balanced-Mind-Konzept in einer einfach verständlichen Struktur.


Über den Autor
Jean-Christoph Alexander von Oertzen
Ich lebe mit meiner Familie südlich von München und bin seit über 10 Jahren selbst Bogenschütze. Seit rund 5 Jahren ist der Bogensport auch mein Beruf und meine Berufung. Seither durfte ich schon über 1000 Menschen auf ihrem Weg mit Pfeil und Bogen als Trainer begleiten. In meinem Blog unter bogenblog.de schreibe ich regelmäßig über die körperlichen, mentalen und materiellen Aspekte der Balanced-Mind-Methode zum Bogenschießen.

Ich habe mich ja nicht schlecht gefühlt. Ich habe nicht gesehen, dass ich ein Problem gehabt hätte. Also habe ich auch nicht nach Lösungen gesucht. Ich kannte mich und mein Leben ja nur so. Ich hatte gelernt, mit meinen Eigenarten zu leben, hatte selbst Strategien entwickelt um klar zu kommen.

Doch natürlich gab es eben Phasen, in denen ich mich nicht wohl gefühlt habe. In denen ich über meine Grenzen gegangen bin, weil ich gar nicht wusste, dass da meine Grenzen sind. Und ich auch gar nicht akzeptieren hätte können, dass da meine Grenze ist, wenn sie bei anderen vielleicht erst an einem viel späteren Punkt kommt.

Ich dachte auch, dass sei völlig normal. Der Glaubenssatz “man kann nicht immer glücklich sein” war tief in mir verankert und so habe ich das einfach akzeptiert.

Erst das Verständnis, dass es Hochsensibilität gibt, was sie ausmacht und was davon auch bei mir zutrifft, hat mich dazu gebracht, meine Perspektive zu verändern.
Plötzlich konnte ich meine Feinfühligkeit nicht mehr nur als Schwäche, sondern auch als Stärke wahrnehmen. Auf einmal entdeckte ich, dass es anderen Menschen auch so geht. Dass ich durchaus sehr leistungsfähig bin, nur schneller satt bin an Sinneseindrücken als normal sensible Menschen, weil ich diese Eindrücke in meinem Unterbewusstsein intensiver verarbeite.

Auf einmal hatte ich durch diese Erkenntnis eher das Gefühl, meine Fähigkeiten noch gar nicht so richtig im Detail erkannt zu haben, geschweige denn effektiv einzusetzen.

Und wenn all die Menschen, die mir immer gesagt haben “stell dich nicht so an” es einfach nicht besser wussten, wissen sie es vielleicht dann auch nicht besser, wenn sie glauben: “man kann nicht immer glücklich sein”?

Muss man das Leben einfach so akzeptieren, wie es gerade ist und sind die Bemühungen, sich ein Leben zu schaffen, dass man so oft wie möglich liebt und genießt, wirklich Zeitverschwendung?

Ich kann heute sagen, dass die Selbsterkenntnis meiner Hochsensibilität für mich der erste Schritt zu einer Selbstoptimierung war.

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© jonflobrant/unsplash

Höher, weiter, schneller

Vielleicht bist du jetzt bei dem Wort “Selbstoptimierung” ein wenig zusammengezuckt. Denn dieses Wort kann ebenso missverständlich sein wie Hochsensibilität. Hochsensibilität heißt nicht überempfindlich und Selbstoptimierung heißt nicht, dass man vorher nicht gut genug war.

Für mich heißt Selbstoptimierung, dass ich meine Stärken stärke und meine Schwächen zu nehmen weiß. Anstatt mich jeden Tag damit zu quälen, meine Schwächen irgendwie kompensieren zu wollen und keine Kraft mehr zu haben, meine Stärken wirklich zur Geltung zu bringen.

Es geht mir für mich also nicht um höher, weiter und schneller. Sondern um glücklich, entspannt und hilfreich.

Dafür musste ich mich aber zunächst selbst erkennen. Meine eigenen Themen erkennen, um mich selbst anzuerkennen. Hierbei habe ich mir auch immer wieder Unterstützung gesucht. Nicht weil ich ein Problem hatte, dass ich loswerden wollte. Sondern weil ich ein Ziel erreichen wollte: Meine Stärken zu schärfen und ganz zum Erblühen zu bringen.

Manche Menschen scheinen sich Selbstoptimierung und Persönlichkeitsentwicklung so vorzustellen, wie wenn man Zahnschmerzen hat und sie nicht mehr aushält. Dann erst geht man zum Zahnarzt der kräftig bohrt und es noch mehr weh tut, damit es nachher hoffentlich besser ist. So ähnlich hört es sich für mich oft an, wenn ich über meine Arbeit als Coach mit anderen Menschen spreche, die damit bisher wenig Berührung hatten.

Doch für mich ist es viel mehr wie bei dem Sportler, der sich einen Trainer sucht, um sich auf seinen Wettkampf, auf das Erreichen seines Ziels optimal vorzubereiten. Der ihm hilft, das Beste aus sich rausholen zu können und die Phasen des Widerstandes und des Zweifels zu überwinden. Denn natürlich haben die größten Athleten immer auch ein starkes Team hinter sich, selbst wenn sie dann den Wettkampf alleine bestreiten.

So arbeiten Spitzensportler jeden Tag an ihren Stärken, um zu den Legenden zu werden die wir aus den Medien kennen. Und wer sind deine Trainer und deine Mentoren auf dem Weg zu noch mehr Glück und Zufriedenheit?


Du bist wundervoll

Ich bin sicher, du bist wundervoll, genau so wie du gerade bist. Wir schwimmen jeden Tag im Fluss des Lebens und wachsen, entwickeln neue Fähigkeiten, machen neue Erfahrungen und bekommen neue Erkenntnisse.

Dieser Fluss fließt immer zu, denn Stillstand ist in der Natur gleichbedeutend mit Tod.

Selbstoptimierung heißt, sich dem Fluss des Lebens ein wenig mehr hinzugeben, die eigenen Stärken zu erkennen und zur vollen Blüte zu bringen, für ein maximal erfülltes Leben. Denn wir haben nur dieses eine und dürfen es auch voll auskosten.

Die Voraussetzung um deine Stärken weiter zu stärken ist die Erkenntnis, was deine Stärken sind. Die Beschäftigung mit uns selbst, mit unserem Mindset und unseren Perspektiven ist also keine unnütze Zeitverschwendung, sondern der erste Schritt auf einem neuen, spannenden Weg, hin zu uns selbst und dem Leben das wir verdienen. Gute Reise!


Über den Autor - Bio:

Jean-Christoph von Oertzen
© Jean-Christoph von Oertzen
Mein Name ist Jean-Christoph von Oertzen und Menschen kommen auf mich zu, wenn sie ihre Hochsensibilität als Segen leben wollen.

Ich erreiche das nicht nur in meinen Online-Coachings, sondern auch in dem ich Pfeil und Bogen als Coaching Instrumente verwende.

Daraus ist mein Balanced Mind Konzept zum Bogenschießen entstanden, eine meditative Art von Bogenschießen, durch die besonders hochsensible Menschen zu mehr Selbst-Bewusstsein, Selbst-Vertrauen und so zu mehr Freiheit in ihrem Leben gelangen können.

Meine Mission mit dem Podcast "einfach hochsensibel" ist, dass möglichst viele Menschen diese wunderbare Erleichterung spüren, wenn sie feststellen, dass sie "einfach hochsensibel" sind. Jede Woche veröffentliche ich hier Tipps, Tricks und Strategien für den Umgang mit der eigenen Hochsensibilität.

Außerdem unterstütze ich auch andere Coaches, Berater und Trainer dabei, als Experte auf ihrem Gebiet noch sichtbarer zu werden und noch erfolgreicher zu sein, z.B. mit einem WordPress Plugin für eigene Coaching Karten.


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