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Reinkarnationstherapie in der heutigen Zeit


von Dr. Ruediger Dahlke

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In den mehr als 35 Jahren unserer Arbeit als Reinkarnationstherapeuten konnten wir einen deutlichen Stimmungsumschwung gegenüber diesem Konzept erlebt. Vom Beginn der 80-iger Jahre an hat sich diese Therapieart zusammen mit dem ganzen Bereich der Esoterik enorm verbreitet. Anfang der 90-iger Jahre waren bereits über 800 hauptamtliche Reinkarnationstherapeuten in Deutschland tätig und ungefähr nocheinmal so viele griffen hin und wieder auf diese Therapie zurück (laut Psychologie heute). Diese Zahlen erschienen ähnlich verblüffend wie die einer Ende der 80er Jahre durchgeführten Umfrage zum Thema Reinkarnation. Dabei stellte sich nämlich heraus, dass in einem offiziell christlichen Land wie Deutschland 17% der Erwachsenen fest von der Wiedergeburt überzeugt sind und etwas über 80% sich vorstellen können, schon einmal gelebt zu haben.

Ruediger Dahlke
© Liane Dietrich / WAP Werbeagentur, KL
Zu Beginn des neuen Jahrtausends waren es sicher nicht weniger Menschen, die dieser Thematik zumindest mit großer Offenheit und echtem Interesse begegnten. Die sogenannte spirituelle Szene wird zwar jedes Jahr neuerlich totgesagt, wächst aber trotzdem kontinuierlich weiter. Woher könnte man fragen, kommt dieses große Bedürfnis nach Spiritualität einerseits und nach Reinkarnationstherapie andererseits? Mit scheint der Hauptgrund darin zu liegen, dass zunehmend Menschen sowohl von den etablierten Naturwissenschaften als auch von den großen Religionen beziehungsweise den Amtskirchen enttäuscht sind und Ausschau nach neuen Perspektiven halten.

Diesem Phänomen entsprechend dürfte sich auch eine gewisse Enttäuschung bezüglich der von den Kirchen angebotenen Seelsorge wie auch bezüglich der bei uns offiziell anerkannten Psychotherapien, Analyse und Verhaltenstherapie, breitgemacht haben. Diese Abwendung ist einerseits erstaunlich, denn die Seelsorge der Kirchen erscheint deb Gläubigen völlig umsonst ähnlich wie die beiden anerkannten Therapierichtungen für die Patienten praktisch ebenfalls gratis erscheinen, da sie von Krankenkassen bezahlt werden. Zunehmend mehr Patienten halten sie aber offenbar auch inhaltlich für umsonst und tendieren, obwohl sie diese jeweils selbst bezahlen müssen, zu Alternativen im Bereich spiritueller Therapien und hier besonders zur Reinkarnationstherapie.


Diese um sich greifende Enttäuschung bezüglich der gängigen Psychotherapie-Ansätze spiegelt auch meinen eigenen Weg. Ein seit der Schulzeit vorhandenes Interesse für Psychosomatik ließ mich früh zur Psychoanalyse tendieren, sodaß ich eine eigene Therapie begann und später auch die Doktorarbeit in diesem Bereich machte. Enttäuscht von den dabei zu Tage geförderten Ergebnissen, und auch nicht gerade begeistert von der Effizienz ungezählter Analysestunden suchte ich nach Alternativen. Dass ich in einem in den 70-iger Jahren noch sehr abwegigen Bereich wie der Esoterikszene fündig wurde, hatte verschiedene äußere, aber auch persönliche Gründe.

Während der Gymnasialzeit hatte ich eine eigenartiges Erlebnis, das die Vorstellung eines einzigen Lebens erschütterte. Auf einer Frankreichreise mit Schülern aus drei Klassen erkannte ein Mitschüler plötzlich Gegenden und Kriegsstellungen wieder, die er in diesem Leben nie zuvor gesehen haben konnte. Selbst als er sich einmal mit seiner Vorausbeschreibung irrte, ließ sich recherchieren, dass die von ihm beschriebene Situation zur Zeit des 1.Weltkrieges tatsächlich genau so bestanden hatte. Was wir damals als verblüffende Episode abhakten, blieb mir zumindest immer in Erinnerung.

Später im Studium, als ich bereits meditierte und spirituelle Erfahrungen suchte, erlebte ich dann an ganz unerwarteter Stelle, nämlich im Operationssaal, eine für das normale westliche Weltbild ebenfalls schwer einzuordnende Episode. In der Aufwachphase nach einer Operation sprach ein Maurermeister aus heiterem Himmel für einige Minuten fließend klassisches Latein. Er hatte kein Gymnasium besucht und nie im Leben Latein gehört, ganz abgesehen davon wusste ich aus eigener Erfahrung nur zu gut, dass selbst Leute mit großem Latinum kaum in der Lage sind, fließend Latein zu sprechen. Der ebenfalls anwesende ältere Anästhesist sagte ganz lapidar, dass er mit dem verwendeten Narkosemittel schon einige Male ähnlich unerklärliche Phänomene erlebt hätte.

Als ich später während einer Hypnoseübung eine mir völlig unerklärliche Erfahrung miterlebte, war meine Neugierde endgültig geweckt, in diesem Bereich weiterzuforschen. Eine Versuchsperson, die wir bis ins Babyalter hatten regredieren lassen, zeigte den Babinskireflex, der eigentlich nur Neugeborenen für einige Zeit eigen ist. Nichtmediziner wie die Versuchperson kennen ihn praktisch nicht und können ihn deshalb auch nicht nachahmen. Als noch andere Versuchspersonen ebenfalls mit diesem Phänomen aufwarteten, dehnten wir die Experimente aus und tatsächlich erlebten Versuchspersonen Teile ihrer Geburt wieder in einer Art, die an der Echtheit wenig Zweifel ließ. Was mit dem Hypnose so harmlos begonnen hatte, eigentlich wollten wir ursprünglich nur die Erinnerungszeitspanne Richtung Geburt ausdehnen, um die Psychoanalyse effektiver zu gestalten, ging so schon bald weit über den gesteckten Rahmen hinaus.

Zu dieser Zeit lernte ich Thorwald Dethlefsen kennen, der mit solchen Experimenten schon viel weiter war und Patienten durch die Geburt hindurch bis in die Intrauterinphase und schließlich zur Empfängnis und dann sogar bis in frühere Leben zurückgeführt hatte. Bei ihm erlebte ich dann auch selbst Reinkarnationstherapie und erlernte sie. Sowohl durch meine eigenen Sitzungen als auch durch die Erfahrungen mit meinen Patienten wurde mir das Konzept der Wiedergeburt, ganz abgesehen von seiner theoretischen Überzeugungskraft, bald zu einer täglichen Gewissheit.

Ruediger Dahlke - Portrait
© Omar Borubaev

Inzwischen erleben unsere Patienten regelmäßig ihre eigene Geburt, die Zeit der Schwangerschaft, die Empfängnis und wichtige Erfahrungen in anderen früheren Leben. Anfangs gab es noch die Idee, durch solche Regressionen das alte Konzept der Psychoanalyse effektiver zu gestalten, indem wir nun viel weiter zurückgehen konnten, was bei der Traumasuche als großer Vorteil erschien. Tatsächlich fanden sich nun weit zurückliegende beeindruckende traumatische Erfahrungen. Allerdings tauchten nicht nur einzelne, sondern beliebig viele solcher Ur-sachen auf. Nebenbei ergab sich, dass einige Patienten dadurch Symptome verloren. Das war der Anfang unserer Reinkarnationstherapie im eigentlichen Sinn, und das ist auch etwa der Stand, auf dem die sogenannten Pastlife-Therapien, wie sie in den USA genannt werden, im wesentlichen blieben. Die meisten dieser Richtungen suchen nach zeitlich weit zurückliegenden Schockerlebnissen, die für heutige Probleme verantwortlich bemacht werden.


Das Schatten-Prinzip Die Aussöhnung mit unserer verborgenen Seite - Mit Übungs-CD
Ruediger Dahlke (Autor)
Das Schatten-Prinzip
Die Aussöhnung mit unserer verborgenen Seite - Mit Übungs-CD

Krankheit als Symbol: Ein Handbuch der Psychosomatik. Symptome, Be-Deutung, Einlösung.




Mit der Zeit zeigte sich allerdings, dass die so erreichten Therapieerfolge oft gar nicht dauerhaft waren. Zusätzlich irritierte uns, dass man beliebig weit zurückgehen konnte und die Traumata überhaupt kein Ende nahmen. Es ließ sich auch gar nicht wirklich feststellen, welches in der ganzen Fülle „das entscheidende Schockerlebnis“ war. So entwickelte sich für eine kurze Übergangszeit das Konzept, ein ganz besonders schlimmes Trauma zum sogenanntes Urtrauma zu erklären und gleichsam allein für die Probleme verantwortlich zu machen. Wer suchte, fand aber auch jede Menge fürchterlicher „Urtraumata“.

Darüber hinaus fiel auf, dass die auftauchenden Situationen, je weiter man zurückging, desto ursprünglicher wurden. Zum Schluss waren wir sicher, dass es sich dabei nicht mehr um persönliche Erlebnisse handelte, die ein Patient in einer historischen Zeit erlebt hatte, sondern um Strukturen, die man nach der Jung´schen Terminologie am ehesten dem kollektiven Unbewussten zuordnen würde. Selbst die Akashachronik des Ostens ließ sich eher bemühen als der Gedanke an persönliche frühere Leben. Das beste Lehrbeispiel waren wir Therapeuten selbst, die wir ja nicht nur einmal, sondern immer wieder Therapien durchliefen. Es ergab sich immer klarer, dass nach den anfänglichen sehr persönlichen und einzigartige Erlebnissen allmählich immer mythologischere Bilder aufstiegen, die schließlich in archetypische und damit sehr ursprüngliche Situationen übergingen. Es ließen sich sozusagen sämtliche mythische und religiöse Urthemen durchleben. Besonders erstaunlich erschien uns, dass auch diese allgemeinen, der ganzen Menschheit gehörenden Themen gleichsam mit persönlichem Engagement durchlebt wurden, ganz so, als seien es eigene historische Erfahrungen.

Spätestens ab diesem Punkt wurde uns klar, wie vergleichsweise unwichtig die Frage war, ob es sich bei den Erlebnissen um Inkarnationen im historischen Sinne handelte oder um ursprüngliche Bilder der Menschheitsgeschichte. Solange sie von den Betroffenen mit Emotionen durchlebt wurden, hatten sie den gleichen Wert für die Therapie.

Es zeigte sich auch immer deutlicher, dass alles, was wir mit diesen Reinkarnationstherapiesitzungen zu Tage förderten, Muster waren, individuelle Muster oder eben Urmuster. Wir waren offenbar in der Archetypenwelt gelandet, die C.G. Jung längst beschrieben hatte. So ist schließlich ganz nebenbei auch das Ursachenkonzept mit seiner Vorstellung von einem Urtrauma weggefallen. Die Frage nach der Ursache führte zu keinem Ziel, jedenfalls zu keinem therapeutisch sinnvollen. Daher schien es am sinnvollsten, sie in der Psychotherapie, später dann auch bei der Deutung von Krankheitsbildern ganz wegzulassen. Im medizinischen Bereich war die Begrenztheit des Ursachenkonzeptes sowieso recht offensichtlich.

Fragt man einen Patienten, warum er erkältet sei, wird er etwa mitteilen, dass er sich vor drei Tagen bei einem Bekannten angesteckt habe. Wenn man weiter fragt, warum er sich denn angesteckt habe, führt die Antwort zu seinem Immunsystem, das gerade nicht abwehrstark genug war. Fragt man weiter, landet man bei der Vererbung, denn schließlich hat er sein Abwehrsystem ja zu gleichen Teilen von den Eltern geerbt. Über die Eltern, Großeltern und viele Generationen geht es so zurück bis zu Adam und Eva, wobei die Frage, warum die beiden mit einem so anfälligen Immunsystem ins Leben geschickt wurden, weiterhin ungelöst bleibt. Aus einer wissenschaftlichen Blickrichtung ließe sich ohne Probleme bis zum Urknall zurückfragen, allerdings wiederum ohne Antwort auf die Frage zu finden, warum es plötzlich - am Anfang der Zeiten - geknallt habe. Dieses Vorgehen führt offensichtlich zu keinem sinnvollen Ende, sondern verschiebt das Problem nur immer weiter an den Anfang.

Ruediger Dahlke: mit Hut
© Omar Borubaev


Das ganze Ursachenkonzept, das wir der Medizin so selbstverständlich unterschieben, geht letztlich nicht auf. So war es naheliegend, den Schritt der Jung´schen Psychologie nachzuvollziehen, wo sich das Model der Synchronizität auch praktisch bewährt hatte. Inzwischen wird es zudem von der modernen Naturwissenschaft, vor allem der Atomphysik, unterstützt, die das Ursachenkonzept ebenfalls aufgegeben hat. Bei der Reinkarnationstherapie gehen wir seit Jahren von Sychronizität aus und betrachten sie keinesfalls mehr als eine zeitlich über die Geburt hinaus ausgedehnte Psychoanalyse. Es geht uns darum, die das Leben bestimmenden Muster bewusst zu machen und entwicklungsförderliche Wege zu finden, mit ihnen umzugehen.

Reinkarnationstherapie hat sich so, aus dem Gedankengut der Analyse kommend und bereichert durch Elemente der Jung´schen Psychologie, zu einer neuen Psychotherapieform entwickelt. Die wichtigsten Impulse bekam sie aus den spirituellen Traditionen und deren hermetischer Philosophie, die das Weltbild bestimmt, auf dem wir arbeiten. Im Laufe der Jahre erfuhr sie Erweiterungen wie etwa durch Fasten und den „Verbundenen Atem“. Sie wird heute bei uns in der Regel auch mit klassischer Homöopathie verbunden. Durch die ständige Messung des Hautwiderstandes wurde sie ungleich effektiver als Therapien, die diese Chance übersehen.

Mit dem Ursachen- brach auch das ursprüngliche Schuldkonzept zusammen, was im christlichen Kulturkreis, mit seiner 2000 jährigen Sündenkrämerei, von großem Vorteil für die Patienten ist. Letztlich wäre es sehr erleichternd und sinnvoll, das Schuldkonzept ganz aus Psychologie und Medizin herauszuhalten und wieder sauber zwischen Schuld und Verantwortung zu differenzieren.

Allen Vorurteilen zum Trotz geht es bei der Reinkarnationstherapie auch gerade nicht um die Vergangenheit, sondern sie benutzt die Erfahrungen der Vergangenheit, um wirklich in der Gegenwart anzukommen und das Vergangene loszulassen. Inkarnationen sind nach kurzer Zeit gar nichts besonderes, jedenfalls wenn die Therapie seriös durchgeführt wird. Wird der Hautwiderstand der Patienten während den Sitzungen kontrolliert, kann man nicht den in der „Esoszene“ verbreiteten Egothemen aufsitzen und lauter spektakuläre historisch bekannte Persönlichkeiten erleben. Eigentlich reichte es, ein Geschichtsbuch aufzuschlagen um sich zu überlegen, wie es wirklich war. In den Geschichtsbüchern geht es ähnlich zu, wie in Ego-dominierten Reinkarnationstherapien. Da kommen auch nur Königinnen, Kaiser und eben die ganz Großen vor. Die Anderen, die große Mehrheit der Menschen, existiert kaum. In Wirklichkeit aber bestimmen Bäuerinnen, Tagelöhner, Fischer, Mägde und einfache Soldaten das Bild. Das Ziel der Therapie liegt also keineswegs in spektakulären Geschichten, sondern in der Erkenntnis des eigenen seelischen Musters, das aber kommt vor allem in sehr einfachen Situationen deutlich heraus.

Die Kontrolle des Hautwiderstandes geht auf eine alte Idee von Wilhelm Reich zurück, die erst in unserer Zeit mittels Elektronik realisierbar wurde. Mit dieser Methode kommen auch von „esoterischen Wunschträumen“ beflügelte Patienten sehr schnell auf den Boden der Tatsachen zurück, wo die Dinge dann viel weniger spektakulär, dafür aber seelisch weit wichtiger sind.

Auf der Abbildungsebene der Inkarnationen sieht sich der Patient wie unter einem Vergrößerungsglas und kann - zurückversetzt in der Zeit - klarer erkennen, was ihn behindert - damals wie heute. Wie vielen Richtungen der humanistischen Psychologie geht es auch der Reinkarnationstherapie vor allem um das vielzitierte Hier und Jetzt. An diesem Punkt ergibt sich auch die Nähe zu verschiedenen spirituellen Ansätzen, denn letztlich ist das Ziel identisch. Die Frage ist natürlich immer, wie gelange ich ins Hier und Jetzt?

Entweder ist es die Zukunft etwa mit entsprechenden Ängsten, die uns aus der Gegenwart zieht, oder die Vergangenheit, die uns noch nicht loslässt. Ungelöste seelische Probleme der Vergangenheit werden einen immer wieder einholen. Das Ziel der Reinkarnationstherapie ist, in der Vergangenheit die Muster zu erkennen, die unser Leben bestimmen und auf die wir immer wieder hereinfallen. Das aber ist in den früheren Leben durch das Spiel mit der Zeit viel leichter. So können wir alte Geschichten erleben, als wären sie jetzt, mit all der Emotion und allen Gefühlen, die sie begleiten. Das ist in verschiedener Hinsicht sinnvoll.

Wenn ein Allergiker etwa in „Aggression als Chance“ oder in „Krankheit als Symbol“ nachschlägt, dass sein Problem mit unbewältigter Aggression zu tun hat, er aber gar keine Aggressionen bei sich ausmachen kann, ist es hilfreich, ihm über eine Zeitregression auf die Sprünge zu helfen. Wenn er eine Keule in der Hand hat und damit um sich schlägt, kann er mit diesem Gefühl in die Gegenwart zurückkehren und wird meist problemlos feststellen, dass er genau dieses Gefühl auch hat, wenn er mit seinem Anwalt bezüglich der anstehenden Scheidung telefoniert.

Natürlich könnte man auch während der Geburt schon alle Muster finden, denn in jedem Anfang liegt bereits alles weitere begründet, so wie der Baum bereits im Samenkorn potentiell vorhanden ist. Tatsächlich schauen wir die Geburt wie auch die Empfängnis ausführlich an. Leichter aber wird das Erkennen noch unter dem Vergrößerungsglas früherer Zeiten, gleichgültig, ob es sich dabei um historische Episoden, Projektionen aus dem jetzigen Leben oder Archetypisches handelt.

Hinzu kommt noch der Wiederholungseffekt. Denn wieder und wieder geraten wir in dieselben Probleme, genauso lange, wie sie grundsätzlich ungelöst sind. Der Analphabet wird immer wieder auf das Thema „lesen“ gestoßen, bis er es eben erlöst genau wie ein Nichtschwimmer. So erkennt man plötzlich mit dem enormen Überblick, den einem viele Lebenszyklen vermitteln, dass es immer wieder dieselben Punkte sind, an denen man scheitert.

Durch dieses Erleben wird es ungleich leichter, seinen ganzen Mut zusammenzunehmen, um in der Gegenwart brisante Themen zu bewältigen. Wenn man durch die Zeiten erkennen muss, dass einem durch Aufschieben sowieso nichts erspart bleibt, ist es plötzlich relativ leicht, auch heiße Eisen anzupacken – vor allem wenn klar wird, dass alles (noch) nicht Gelernte solange immer als Aufgabe vor uns bleibt, bis wir es eben lernen.

Hinzu kommt, dass die Reinkarnationstherapie einen unübersehbaren Zuwachs an Lebenserfahrung vermittelt. Wer sich viele Lebenszyklen anschaut, bekommt einen vergleichsweise enorm erweiterten Horizont. Unsere Lebenserfahrung bezieht sich im allgemeinen auf die 30, 40, 50 oder mehr Jahre unseres zurückliegenden Lebens. Sie machen uns zu dem, was wir sind. Wer viele Lebenszyklen überblickt, erfährt eine verblüffende Bewusstseinserweiterung und wird dadurch zu einem anderen und jedenfalls viel bewussteren Menschen.

Er erweitert den Rahmen seiner Identifikation und hört im allgemeinen auf, sich an eine einzige Identifikation zu klammern. Wenn man nur eine Geschichte hat, wird die sehr, sehr wichtig. Wer aber viele Geschichten hat, relativiert deren Wichtigkeit. Die Erfahrung, dass dieses jetzige Leben eines unter vielen ist, dass es bei aller Wichtigkeit, die es im Augenblick hat, Vorläufer hatte und Nachfolger haben wird, kann die Lebenseinstellung grundsätzlich ändern. In der Analogie mag das noch klarer werden. Wer viele Autos besitzt, wird wegen einem kein unangemessenes Theater inszenieren.

Geht man davon aus, dass dieses Leben das einziges ist, wird es natürlich überbebewertet. Die alternativ in östlichen Kulturen geförderte Haltung könnte uns in vieler Hinsicht und bei wichtigen Themen und Problemen helfen. Im Indischen spricht man von Lila, dem kosmischen Spiel, und meint damit das Leben. Dieses Spiel muss gespielt werden, nicht mit einer Haltung, der alles gleichgültig ist, sozusagen „nur“ als Spiel, aber auch nicht mit einer todernsten Haltung, die alles überbewertet, sondern in dem Bewusstsein, dass Lila im Augenblick das wichtigste aller Spiele ist, aber eben eines von vielen.

Die wesentlichste Folge der Reinkarnationstherapie schließlich ist die Zurücknahme der Projektionen. Der Patient kommt meist in der Opferrolle zu uns, es geht ihm schlecht - seelisch oder körperlich. Reinkarnationstherapie lässt sich auch sehr gut bei Menschen anwenden, die körperlich erkrankt sind und über die Krankheitsdeutungsbücher zu uns finden. Die sogenannte Krankheitsbilder-Psychotherapie bedient sich wesentlich des Handwerkszeugs der Reinkarnationstherapie. In der vierwöchigen Therapie schauen sich die Patienten an, wie sie immer wieder in verschiedensten Versionen an ihren Problempunkten zu Opfern werden. Geht man nun immer weiter in der Zeit zurück, wird irgendwann auch eine Umpolung stattfinden, und sie erleben sich plötzlich in der Täterrolle. Diese Erfahrung wird anfangs unangenehm und schockierend sein, mit der Zeit aber führt gerade sie dazu, die Schuldprojektionen zurückzunehmen, weil man erkennt, dass man an beiden Seiten Anteil hat. So entwickelt sich allmählich eine gewisse Distanz zu beiden Rollen und man wird in der Wahl freier.

Über die Umpolung vom Opfer zum Täter landet man automatisch in Schattenbereichen. Da auf Reisen ins Schattenreich der eigenen Unterwelt längere Pausen nicht anzuraten sind, wie übrigens auch die Mythen vieler Völker betonen – man darf sich nicht einmal umschauen, wenn man die Unterwelt der Schatten betritt - , führen wir die Reinkarnationstherapie nur noch an einem Stück, d.h. während eines Monats mit 20 Sitzungen und 40 Stunden durch. Das hat auch den Vorteil, insgesamt viel Zeit zu sparen und nicht in jeder Sitzung wieder von vorne beginnen zu müssen, weil sich der Patient in seiner vertrauten heimischen Umgebung wieder in die alten und von daher bequemen Muster geflüchtet hat.

Durchlebt man die Therapie in dieser Länge, wird man oft bis in archetypische mythologische und religiöse Bilderwelten vordringen, und erkennt nicht nur, dass man Licht- und Schattenseiten in sich trägt, sondern auch, wie man Anteil an der ganzen Menschheit und ihrem Erfahrungs- und Bilderschatz hat. Ganz im Sinne des indischen Gedankens der Akashachronik, die ja bereits alles Wissen über diese Schöpfung enthalten soll, vermittelt einem die Reise durch die eigenen Seelenbilderwelten eine neue und verlässlichere Lebensgrundlage.

Insofern relativiert sich damit dann auch das Reinkarnationsmodell wieder. Das letzte Ziel aller spirituellen Wege und damit auch der Reinkarnationstherapie ist der Zustand der Einheit, wo der Mensch sich eins mit allem fühlt und alles in sich wahrnimmt. Wenn er aber alle Zeiten und Wesen in sich erlebt, wächst er über die Zeit hinaus und diese verliert ihre Bedeutung. Gerade die Spirituelle Philosophie geht ja davon aus, dass Zeit eine Illusion und letztlich nicht existent ist. Nach der indischen Weisheitslehre bauen die beiden großen Täuscher, Raum und Zeit, Maya, die Welt der Erscheinungen, auf. Wirklicher als diese Welt der Erscheinungen und damit des Scheins aber ist die Einheit, das reine Sein oder wie immer dieser letzte Zustand genannt wird. Die Arbeit mit Inkarnationen ist sozusagen eine Art Hilfsmittel, um dem letzen Ziel näher zu kommen. Kurz vor dem Ziel ist allerdings auch das Hilfsmittel der Inkarnationen als Täuschung zu durchschauen.


Ruediger Dahlke: nah
© Niko Formanek
Dr. med. Ruediger Dahlke
ist als Seminarleiter und Referent international tätig.
Er entwickelte die ganzheitliche Psychosomatik von "Krankheit als Weg" bis "Krankheit als Symbol". Seine den ärztlichen Bereich bis in mythische Dimensionen ausdehnenden Bücher liegen in 28 Sprachen vor.
Die Trilogie "Schicksalsgesetze", "Schattenprinzip" und "Lebensprinzipien" vermittelt seine philosophische Basis, die "Peace-Food-Reihe" und "Geheimnis der Lebensenergie" halfen, den veganen Lebensstil zu verbreiten.
In seinem Zentrum TamanGa in Österreich gibt er Fasten(Wander-)Kurse und hat dazu Bücher wie "Bewusst Fasten" und "Fasten-Wandern" geschrieben.Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit ist der "Verbundene Atem".
Heute gibt er vor allem Ausbildungen wie Integrale Medizin, Fasten-Berater, Verbundener Atem. Die Internet-Plattform LebensWandelSchule erleichtert einem inneren Kreis den Zugang zu seinen Ausbildungen und bietet Online-Ausbildungen an.

Information zur Reinkarnationstherapie, Seminaren und Ausbildungen:

Homepage www.dahlke.at

Literatur: Ruediger Dahlke „Aggression als Chance“, „Krankheit als Symbol“ (Bertelsmann)

Gekürztes Hörbuch: Freizeit & Leben / Gesundheit
Krankheit als Chance
Ganzheitliche Wege zur Selbstheilung
Autor: Ruediger Dahlke
Sprecher: Andreas Neumann
Dauer: 1 Std. 00 Min.
Anbieter: Argon Verlag
Erschienen: 25.09.2014
Ruediger Dahlke zeigt, wie wir Krankheit als Chance begreifen können. Anhand von 60 alltäglichen Beschwerden werden die psychosomatischen Zusammenhänge beschrieben und leicht anwendbare Tipps zur Selbsthilfe vermittelt. Die Krankheitsbilder-Deutung hilft uns zu erkennen, was uns fehlt und dies als Lernaufgabe anzunehmen.

Wenn wir uns der seelischen Konflikte und krankmachenden Muster hinter den Symptomen bewusst werden, können wir den tieferen Sinn hinter Krankheitsbildern sehen. Dadurch eröffnet sich uns ein neuer Weg, uns selbst zu finden.


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