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Isabel Varell im Interview - Warum es sich lohnt, niemals ganz erwachsen zu werden...



Isabel Varell
strahlt auch mit Mitte 50 eine jugendliche Begeisterungsfähigkeit aus, die ansteckend wirkt. Und das, obwohl sie in ihrem Leben schon so einige Herausforderungen meistern musste. Mutig, ehrlich, fröhlich und manchmal nachdenklich blickt sie in ihrem Buch "Mittlere Reife" auf prägende Lebenssituationen zurück: ihre ersten Versuche als Sängerin, ihre turbulente Beziehung und Ehe mit Drafi Deutscher, von der sie hier erstmals erzählt, ihre Entscheidung, beim Dschungelcamp mitzumachen oder ihr ehrenamtliches Engagement im Hospiz. Es gab Situationen, die sie fast umgeworfen haben, aber immer wieder hat sie es geschafft, aus den Krisen etwas Wertvolles fürs Leben mitzunehmen. So ist es kein Wunder, dass die warmherzige Künstlerin auch im nachfolgenden Interview die Wichtigkeit betont, sich spielerisch auf das Leben einzulassen und niemals ganz erwachsen zu werden.

Isabel Varell im LEBE-LIEBE-LACHE Interview mit Annette Maria Böhm


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Isabel Varell strahlt auch mit Mitte 50
© Max Colin Heydenreich / www.heydenreich.net
LEBE-LIEBE-LACHE: Wie kam es eigentlich zum Buchtitel "Mittlere Reife"?

ISABEL VARELL: Es gibt in einem Schreibprozess ja viele Arbeitstitel. Es stand mal im Raum, das Buch "Spielplatz Leben" zu nennen, weil ich meine Stationen im Leben auch gerne als Spielplätze bezeichne. Dann hat der Verlag aber gemeint, ich solle den Titel  "schlichter halten", damit auch eine Botschaft rüber kommt, die man sofort versteht.
Und eines Morgens bin ich aufgewacht, und hab gedacht mein Buch muss "Mittlere Reife" heißen, weil das Thema sich ja durch mein Leben zieht. Zum Einen eingeredet zu bekommen, dass das was ich bin nicht reicht, und zum Anderen bin ich immer noch in meiner mittleren Reife, oder wieder in der mittleren Reife und hab das Diplom ja auch immer noch nicht in der Tasche. Doch ich komme eigentlich mit diesem nicht "zuende gelernt haben"  in jeder Beziehung ganz gut durchs Leben. ( lacht).

Ich habe den Verlag also angerufen um zu fragen, was sie von dem Titel "Mittlere Reife" halten würden, und bekam ganz schnell ein postives Feedback vom gesamten Verlag, was wohl nicht so häufig passiert.

LEBE-LIEBE-LACHE: Wow! Und ja, genau. Schließlich sind wir ja alle auf der Lebensreise unterwegs . Wenn man den Zen-Weisen genau zuhört, die ja sagen, dass dieser "Beginners Mind" die richtige Haltung fürs Leben darstellt, ist eine "Mittlere Reife" eigentlich der optimale Seinszustand, oder?

ISABEL VARELL: Ich empfinde das ja auch, aber musste das natürlich erst selbst einmal erfahren. Man hatte mir etwas anderes eingeredet...  Es ist halt ein Prozess und eine Lebensaufgabe selber zu merken, dass alles Erlebte einen Wert hat. Und dass man selber wertvoll ist. Das ist aber ein langer Weg, auf diese Reise muss man sich erst einmal einlassen. Und das habe ich für mich auch hinbekommen.

LEBE-LIEBE-LACHE: Wenn man, wie Sie, einen grossen Teil der Kindheit damit verbringen muss "zwischen den Stühlen zu sitzen", braucht es da viel Kraft um seinen eigenen Platz zu finden?

ISABEL VARELL: Ja, auf jeden Fall war das ein Kraftaufwand. Es hat ja auch etwas damit zu tun, dass man nicht ganz authentisch ist. Ich habe auch lange gebraucht, authentisch zu werden. Ist ja klar, dass man zunächst versucht, etwas anderes vorzugeben. Für diesen Teufelskreis gab es damals keine Worte. Diese Anstrengungen endlich liebgehabt zu werden, dieses buhlen im Umfeld und die Verlustängste, weil man immer meint, man reicht nicht. Das kostet wahnsinnig viel Kraft.

LEBE-LIEBE-LACHE: Ich habe beim Lesen Ihres Buches den Eindruck gewonnen, dass Sie, genau wie Ihr guter Freund Hape Kerkeling, schon früh eine Hochsensibilität entwickelt haben. Er hat ja in seinem Buch "Der Junge muss an die frische Luft" im Zusammenhang mit den Traumatisierungen seiner Kindheit eine ganz frühe bewusste Entscheidung getroffen. Nämlich die, sich den positiven und heiteren Seiten des Lebens zuzuwenden. Gab es eine solche bewusste Entscheidung auch in Ihrem Leben ?

ISABEL VARELL: Nein, das war bei mir, glaube ich, ganz unbewusst. Ich habe es jedenfalls nicht bewusst wahrgenommen, muss ich ganz ehrlich sagen. Ich glaube auch, dass ich ganz viel Glück gehabt habe, und der liebe Gott mich mit einem unglaublich grossen Akku ausgestattet hat, bevor ich die "Fabrik" verlassen habe. Es gibt ja in der Natur starke und schwache Geschöpfe - und manche bleiben leider auf der Strecke. Je älter ich werde, desto bewusster wird es mir, dass ich da eine tierische Ressource habe.Dafür bin ich einfach sehr dankbar. Diese Ressource hat auch dafür gesorgt, dass ich eher unbewusst der lachende Clown war. Ich konnte damit leicht Aufmerksamkeit und Sympathien bekommen. Aber ich kann nicht behaupten, das es ein bewußter Prozess war.

Diese Erkenntnis kam auch erst später im Leben... Ich bin ja jetzt 54, werde demnächst 55 und trotzdem ist es noch gar nicht so lange her, dass ich das alles von mir weiss. Dabei hat mir auch das Schreiben des Buches natürlich sehr geholfen. Schon allein, weil ich beim Schreiben diese "Aha-Erlebnisse hatte". Wenn man einem Papier alles erzählt, dann erzählt man es ganz anders als der besten Freundin. Das Papier ist einem zunächst fremd... Damit will ich sagen, dass ich diesen Schreibprozess zunächst einmal für mich selbst machte, und nicht für den Buchmarkt. Doch dann hat mein Lebensgefährte Pit (Anmerkung der Redaktion: Pit Weyrich) immer wieder mitgelesen, und  gesagt: "schreib weiter, das ist gut" .

In der Vergangenheit gab es immer mal Anfragen von Verlagen, die Interesse geäussert haben. Immer so nach dem Motto "Sie müssen gar nicht selbst schreiben". Da habe ich mir aber gedacht: Also Moment mal, jetzt setze ich mich einfach mal hin! Es geht doch nicht, dass ich mein Buch einfach von jemand anderem schreiben lasse, schließlich kann keiner in meiner Sprache sprechen.

Es war dann erst einmal so ein gebremstes Schreiben, weil ich erst dachte, in meinem Buch müsste ich sowas von filtern. Aber das habe ich dann eben nicht getan! Denn während des Schreibens gab es für mich viele dieser wichtigen "Aha-Erlebnisse" und dann auch bald der Entschluss: Da wird jetzt gar nichts mehr gefiltert! Was solls, raus damit! Ich zwinge ja Keinen es zu kaufen. Wen es interessiert, der soll es halt jetzt lesen. Woran sollen wir Menschen denn sonst wachsen? Das tun wir ja nur, wenn wir uns öffnen wie Bücher.

Isabel Varell coole Location
© Max Colin Heydenreich / www.heydenreich.net


LEBE-LIEBE-LACHE: Welche Rolle spielt Yoga in Ihrem Leben?

ISABEL VARELL: Mittlerweile eine ganz Wichtige. Ich habe vor ein paar Jahren mit einer DVD von Ursula Karven angefangen. Ich bekam allerdings Schmerzen in den Handgelenken und mir wurde gesagt, dass ich bestimmt etwas falsch machen würde. Ich sollte lieber mal richtige Yogastunden in einem Studio nehmen. Schließlich habe ich diesen Rat auch befolgt, und seither ist Yoga aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken. Die Schmerzen haben sofort aufgehört, weil ich schnell feststellen konnte, was ich falsch gemacht hatte. Deswegen ist es auch dringend ratsam, Yoga in Kursen zu machen. Zumindest am Anfang für ein halbes Jahr, damit alles in Fleisch und Blut übergeht und man wirklich weiss wie es geht. Yoga macht mir übrigens alleine auch nicht soviel Spaß. Es ist für mich schon viel schöner, wenn ich raus gehe und nicht die Matte einfach irgendwo zwischen Sofa und Fernseher ausrolle. Ich genieße es sehr, in einem Yogastudio zu sein, in dem "diese Stille" wirkt, das ist toll. Ja, Yoga finde ich wirklich eine ganz wichtige Sache um die innere Kraft zu stärken. Deine tiefe Kraft.

LEBE-LIEBE-LACHE: Mögen Sie unseren Leserinnen und Lesern etwas aus der Zeit Ihrer Ehe mit Drafi Deutscher erzählen?

ISABEL VARELL: Auf eine gewisse Art und Weise war es auch hierbei wieder sehr gut, alles für mich aufzuschreiben. Nicht zuletzt, weil ich alle Gefühle inklusive der Liebe noch einmal komplett durchlebt habe.
Um diese Geschichte zu schreiben, habe ich mich geradezu isoliert. Ich habe mich nach Paris begeben und mich dort quasi eingeschlossen. Ich war ganz alleine dort - und es ist echt irre, was das mit einem macht.
Ihren Leserinnen und Lesern möchte ich vermitteln wie heilsam es ist, nach einer Zeit, die sehr wehgetan hat, noch einmal zu verstehen, warum man eine Liebe empfunden hat.

Gerade auch in der Beschreibung unserer schönen Zeit und meiner wachsenenden Erkenntnis der Dinge. Ich wusste, dass die Drogen ihn verändert hatten, aber ich habe meinen inneren Frieden erst über die Jahre gefunden.
Er hatte ja diesen Skandal bei der Trennung wie ihm Wahn iniziiert (Anmerkung der Redaktion: Drafi Deutscher bezichtigte Birgit Schrowange, mit seiner damaligen Frau Isabel Varell eine lesbische Beziehung zu führen). Ich glaube nicht, dass man soetwas ohne Drogen macht. Mag sein, dass er das auch sonst gemacht hätte - die Antwort werde ich nie bekommen. Aber mir geht es mit dem Gedanken sehr viel besser, dass er in diesem Drogenwahn einfach durchgedreht ist.

Sein damaligen Manger Stefan Reich und auch sein Sohn René haben mir übrigens gesagt: "Du bist  ganz schön freundschaftlich mit dem Thema umgegangen". Ich habe ihn halt nicht zitiert, das war mir auch wichtig. Ich finde es gibt gewisse Dinge, die gehen zu weit. Das ist nicht fair. Und ich habe das Ganze auch wirklich nur aufschreiben können, weil er ja selbst seine Schwächen längst öffentlich gemacht hatte.
Sein Drogenkonsum... jeder wusste das einfach von ihm. Er war wie Juhnke, der auch immer öffentlich dazu gestanden hat, dass er ein "Enfant terrible" ist. Ich hätte das alles sonst niemals so gemacht. Auch nicht über seinen Tod hinaus.



Isabel Varell

Isabel Varell:
Da geht noch was!

Isabel Varell:
Habe meine Freundin Hannelore für ein Wochenende nach Paris entführt und ihre Liebestat war es, das Geschenk anzunehmen. Auf den Spuren von Amelie sind wir durch Montmartre geschlendert.

Isabel Varell:
Herzhaft gelacht habe ich, als Horst Pferdinand (Puppenspieler Martin Reinl als blaues Pferd, mir sagte in ARD Sendung "Immer wieder Sonntags" nach unserem Duett, er hätte sich auch mein Buch besorgt. Es sei sehr wertvoll - seitdem würde sein Küchentisch nicht mehr wackeln.
Isabel Varell Portrait


LEBE-LIEBE-LACHE: Ich finde Sie sind sehr sensibel mit dem Thema umgegangen.

ISABEL VARELL: Das Alles zu schreiben, bot mir noch einmal eine gute Möglichkeit, mit dieser Lebensphase abzuschliessen. Ich bin übrigens der Meinung, dass nicht die Länge einer Beziehung darüber entscheidet, wie weit sie einem nachhängt, sondern die Intensität der Beziehung. Oft wird es ja in der Gesellschaft nicht so ernst genommen, wenn man mit jemandem "nur" zwei Jahre zusammen war, das finde ich eigentlich nicht in Ordnung.

Ich hatte noch ein weiteres Kapitel genau über dieses Thema geschrieben. Weil es noch eine andere Liebesgeschichte in meinem Leben gibt, die, obwohl sie ganz kurz war, immer noch in mir nachhallt. Dieses Kapitel ist ein weiteres Plädoyer dafür, dass Zeit und Dauer in diesem Zusammenhang keine Rolle spielen. Die meisten Menschen haben mehr Respekt davor, wenn sie hören, dass ein Paar zwanzig Jahre oder noch länger zusammen war. Da haben sie aber zu wenig Respekt. Leider musste ich dieses Kapitel ausgrenzen, weil es insgesamt zu viel Material für das Buch wurde, und ich die einzelnen Passagen nicht zu sehr gekürzt haben wollte. Und so "parken" bei mir schon zwei Kapitel für ein nächstes Buch irgendwann, hoffentlich. (lacht)

LEBE-LIEBE-LACHE: Ich würde mich freuen! In den Bestsellerlisten tauchen Sie ja mit "Mittlere Reife " bereits auf.

ISABEL VARELL: Ja, ich hätte auch nicht gedacht, dass das so schnell passieren würde. Klar hatte ich mir das erhofft. Aber als das Buch dann auf den Markt kam, hatte ich irgendwie schon ein bisschen Angst. Ich dachte: "Oh Gott, jetzt lesen wildfremde Menschen Dinge, die man eigentlich nur den engsten Freunden erzählt". Aber Hape hatte mir bereits prophezeit, dass ich mich daran gewöhnen würde. Die erste Lesung war für mich schwer. Ich dachte "Was mach ich hier? Ich belästige die Menschen mit meinen persönlichsten Dingen". Aber als ich merkte, wie meine Geschichte die Menschen tief berührte, und wie wichtig es für sie war, dass jemand "die Türen aufmacht", haben mir die Lesungen auch ganz viel Spaß gemacht! Es ist natürlich auch für mich wahnsinnig berührend, wenn Menschen manchmal weinen und so... Wir sind doch ALLE EINS. Wir haben alle Parallelen.

LEBE-LIEBE-LACHE: Genau! Wir alle haben soviele Schittmengen miteinender.

ISABEL VARELL: Es ist einfach wunderbar, was ich durch dieses Buch erleben darf. Ich bekomme gerade soviele Geschenke von Menschen in ihren Reaktionen. Eigentlich muss mir der Verkauf schon völlig wurst sein. Denn ich bin schon so bereichert durch das, was ich jetzt in diesen wenigen Wochen seit der Veröffentlichung schon erlebt habe.


LEBE-LIEBE-LACHE: Gibt es eigentlich ein Kapitel Ihres Lebens, das Sie lieber übersprungen hätten?

ISABEL VARELL: Ja! Es hat sehr weh getan, über die Kindheit zu schreiben. Und dieses Kapitel habe ich auch eher schnell und kurz gefasst. Aber auch hier hat es mir so gut getan, alles einfach mal auszusprechen. Weil... man schämt sich eigentlich auch ein bisschen - obwohl man ja gar nichts dafür kann. Aber es ist diese Scham da, wenn man soetwas jetzt ausplaudert. Weil - Mutter ist Mutter.

LEBE-LIEBE-LACHE: Ja. Mutter ist Mutter.

ISABEL VARELL: ...Das hätte ich auch zu ihren Lebzeiten bestimmt nicht gemacht. Meine Mutter war ja trotz Allem auch ein liebenswerter Mensch. Sie konnte mich ja auch in den Arm nehmen. Aber sie konnte das Andere halt auch. Und das war schlimm... und das hat sie in einer zu extremen Form gemacht.

Es gibt natürlich noch so einige Kammern in meinem inneren Schrank, aber die sind noch verschlossen. Vielleicht mache ich da auch irgendwann einmal das Türchen auf. Das ist alles sehr intim, sehr persönlich. Aber es ist mir zuzutrauen, dass ich irgendwann - mit der Zeit - noch alle möglichen Türchen aufmachen werde.

LEBE-LIEBE-LACHE: Wie wichtig ist Ihnen, auch in diesem Zusammenhang, der Kontakt zu Ihrem inneren Kind?

ISABEL VARELL: Ganz wichtig. Der Kontakt zu unserem inneren Kind ist ja meine absolute Botschaft. Dieser Kontakt, das möchte ich ganz deutlich sagen, darf niemals verloren gehen.  Darum beschreibe ich diese Fähigkeit auch gern wie einen Muskel, der mit der Zeit erschlafft.

Wir alle gehen ins Fitnessstudio und stählern Bauch, Beine und Po - dabei verkümmert aber der Muskel Kind. An diese Stelle tritt dann Vorsicht, Angst und Vernunft. Das ist sehr bedauerlich!

Ich habe aber natürlich gut reden, weil ich ja das wahnsinnige Glück habe, in einem kreativen Beruf arbeiten zu dürfen. Da entsteht der Kontakt zum eigenen inneren Kind ganz intuitiv. Aber ich weiss auch, wie schwierig es für viele andere Menschen sein muss, diesen Kontakt zum inneren Kind zu pflegen. Wenn man zum Beispiel einen Filialleiter im Nacken sitzen hat, und womöglich noch alleierziehend zu Hause zwei hungrige Kinder versorgen muss. Also da ist es bestimmt nicht einfach, das innere Kind auszuleben - wirklich nicht. Aber ich möchte dazu auffordern, es einfach immer wieder zu versuchen!

Mir ist es, wie gesagt, sehr bewusst, dass ich auf der Sonnenseite des Lebens stehe. Auch wenn in meinem Leben nicht alles einfach war, ist in mir wohl in der schwierigen  Teenagerzeit jene Kraft gewachsen, die  es eben braucht, um auf die Bühne zu gehen. Diese Sucht, von irgendwo Aufmerksamkeit zu bekommen, ist ja  bei vielen Leuten, die auf der Bühne stehen, sehr ausgeprägt...

LEBE-LIEBE-LACHE: Sind Sie eine spirituelle Frau?

ISABEL VARELL: Ja, auf jeden Fall. Ich bin jetzt nicht der Mensch, der das Regal mit esoterischen Bücher angefüllt hat. Aber meine Spiritualität erhalte ich mir genauso, wie mein inneres Kind. Wobei: Das Eine ist ja das Andere. Ich glaube, dass wir mit einer sehr ausgeprägten spirituellen Gabe auf die Welt kommen, die uns mit der Zeit aber "wegoperiert" wird. Ich halte mich für einen spirituellen Menschen, ja. Ich glaube, dass es zwischen Himmel und Erde Dinge gibt, die wir nicht so ganz begreifen und verstehen können. Ich glaube auch an den Sinn und an das Karma, an Wellen und Schwingungen, an Gut und Böse. Ja, ich glaube an diese Dinge.

LEBE-LIEBE-LACHE: "Hallo Thomas! Ich bin Isabel, eine der Ehrenamtlichen. Ich wollte Dich besuchen und Dir Gesellschaft leisten." Ihre folgenden Beschreibungen der Begegnung mit einem Todkranken berühren mich zutiefst, vermitteln Sie doch ganz unmittelbar, wie Sie lernten, Ihre eigenen Berührungsängste zu überwinden. Was bedeutet Ihnen die Hospizarbeit?

ISABEL VARELL: Die Hospizarbeit hat mir ganz viel bedeutet und ich weiss auch, dass ich eines Tages wieder an diese Zeit anknüpfen werde. In meinem jetzigen Leben geht es nicht, aber mir bedeutet das ganz viel. Ich hab ja nicht gewusst wieviel in mir steckt, das merkt man erst dann.

Die Menschen dort haben mir gezeigt, dass ich ein Licht sein kann. Und das kann man von sich selber vorher ja gar nicht wissen. Ich habs nicht aus einem selbstlosen Grund heraus gemacht, sondern um selber Hilfe zu finden. Um meine Trauer zu bewältigen. Der Schritt  war damals einfach, denn ich war zu der Zeit in Hamburger Musicalhäusern fest angestellt. Somit hatte ich die Möglichkeit, für die sterbenden Menschen da zu sein. Und auch Bindungen zuzulassen. Das war für mich selbst eine so bereichernde Zeit! Ich bin sehr gern da hingegangen und habe von den Menschen dort ganz viel bekommen. Mindestens soviel wie sie glauben, dass sie von mir bekommen haben.

LEBE-LIEBE-LACHE: Wer sind Sie, wenn Sie mit sich alleine sind?

ISABEL VARELL: Das ist ganz komisch mit mir. Ich kann manchmal ganz gut alleine sein, und manchmal gar nicht. Manchmal bin ich das Kind, das auf die Tür starrt und wartet, dass endlich jemand reinkommt (lacht), und machmal bin ich halt die alte Frau, die im Sessel hängt und sich sagt: "Ach schön, dass Keiner da ist". Ich bin beides.




Isabel Varell
, Jahrgang 1961, ist bekannt als Sängerin, Liedermacherin und Schauspielerin. In ihren Liedern erzählt sie sehr persönlich und authentisch aus ihrem Leben. In der ARD-Serie Rote Rosen spielte sie 2009/2010 die Titelrolle Andrea Weller und sie ist ein beliebter Talkshowgast.

http://www.isabel-varell.de/




Isabel Varell: Mittlere Reife
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Isabel Varell strahlt auch mit Mitte 50 eine jugendliche Begeisterungsfähigkeit und einen Optimismus aus, die ansteckend wirken. Und das, obwohl sie in ihrem Leben schon so einige Herausforderungen meistern musste. Mutig, ehrlich, fröhlich und manchmal nachdenklich blickt sie auf prägende Lebenssituationen zurück




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