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Dr. Ralph Skuban: "Wir müssen das Innehalten als Praxis kultivieren."


Immer mehr Menschen interessieren sich dafür, tiefer in den Yoga einzutauchen, der so viel mehr zu bieten hat, als reine Körperarbeit: Atem, Meditation, Selbsterforschung, die Suche nach Sinn und Erfüllung im Leben – Nahrung für Geist, Gefühle und Seele – all das kann uns die lebenspraktische Philosophie des Ostens geben. Patanjalis Yogasutra gilt als das wichtigste Grundlagenwerk des Yoga. Es wird viel und gerne in der Yogaszene zitiert.

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Die Interpretation von Dr. Ralph Skuban besticht durch eine unglaubliche Klarheit, Warmherzigkeit und Intelligenz. Er zeigt zudem wunderbar Parallelen zur christlichen Religion auf und bildet so immer wieder neue Brücken zu unserer westlichen Tradition und Kultur.

Dr. Ralph Skuban im LEBE-LIEBE-LACHE Interview mit Annette Maria Böhm



Dr. Ralph Skuban
© www.skuban.de


LEBE-LIEBE-LACHE: Welche Rolle spielt die Yoga-Philosophie in Deinem Leben ?

DR. RALPH SKUBAN: Da muss ich zuerst sagen, was ich unter Philosophie verstehe: Etwas sehr Praktisches nämlich, denn der Yoga-Philosophie geht es um das konkrete Leben. Und zu ihr gehört auch die Praxis: Etwas für deinen Körper zu tun, sich um ihn zu kümmern und ihn zu pflegen, das Atmen, das Meditieren und Studieren. Das alles macht für mich die Philosophie des Yoga aus.

In meinen Büchern liegt der Schwerpunkt auch niemals allein auf dem Philosophischen, worunter viele ja eher Denkübungen verstehen. Genau das ist es aber nicht. Yogaphilosophie versucht das Leben zu verstehen – woher wir kommen, warum wir hier sind und wohin wir gehen. Und sie hat Vorschläge und Methoden entwickelt, sich einer Antwort auf diese Fragen anzunähern – ganz individuell. Und in dieser Weise war und ist sie mir sehr hilfreich. Sie kann aber auch eine Herausforderung sein, weil manche Dinge darin zuweilen sehr radikal und irritierend sein können. Aber auch das ist bereichnernd, weil uns das in einen inneren Diskusr zwingt.

LEBE-LIEBE-LACHE:
Wie können wir echte Lebensfreude entwickeln, die unabhängig ist von äußeren Bedingungen ?

DR. RALPH SKUBAN
: Ich glaube, dass uns als physische Wesen mit einem Körper aus Fleisch und Blut – der Nahrung, Obdach, Fürsorge braucht, der auch angewiesen ist auf emotionale Zuwendung –, dass uns also als Wesen in der Welt, eine totale Unabhängigkeit von äußeren Bedingungen kaum gelingen kann. Jedes Wesen will frei sein von Schmerz und Mangel. Es ist mehr eine relative Angelegenheit als eine absolute, meine ich. Allerdings, auch für absolute Ungebundenheit gibt es Beispiele: dass Menschen in grauenvollen Situationen, sogar in Folterhaft, glückselige innere Erfahrungen gemacht haben. Aber würden sie deshalb nicht jederzeit angenehme äußere Bedingungen vorziehen? Lebensfreude in dauerndem äußerem Kampf ist sicher unendlich schwer zu erreichen.

LEBE-LIEBE-LACHE:
Sind Gebote für unser Leben überhaupt noch zeitgemäß?

DR. RALPH SKUBAN:
Das kommt wohl auf die Gebote an. Würden wir alle so reif uns spirituell entwickelt sein, dass wir niemals zum Schaden anderer Wesen wirken würden, ganz frei von egoistischen Interessen, dann bräuchte es wohl keine Gebote mehr. Aber sind die Menschen schon so weit? Wohl kaum. Dass wir Gesetze und Ethik brauchen – das würde wohl Laotse, der Autor des Tao Te King, modern gewendet, sagen – zeigt nur, dass wir den Himmel schon verloren haben. Aber stellen wir uns heute mal eine Welt ohne Gesetze, ganz ohne Ethik vor: Das Chaos wäre noch größer, als es heute schon ist. Und was die Gebote des Yoga anlangt: Sie erscheinen mir als vernünftige Empfehlungen, ein gutes Leben zu leben.

LEBE-LIEBE-LACHE:
Stets sanftmütig zu denken und zu handeln ist mitunter eine Herausforderung. Wie kann es uns gelingen rechtzeitig innezuhalten um möglicherweise Schaden abzuwenden?

DR. RALPH SKUBAN
: Die Antwort liegt schon in Deiner Frage: Es ist das Innehalten. Ich würde noch ergänzen: das regelmäßige Innehalten im Rahmen einer meditativen Praxis. Wir müssen immer wieder ein paar Schritte zurücktreten, das Erlebte in einem größeren Kontext betrachten, anschauen, darüber nachdenken und meditieren. Wir müssen das Innehalten (also das Nach-innen-schauen) als Praxis kultivieren, nur so können wir Achtsamkeit, Bewusstheit und Sorgfalt in unseren Alltag integrieren.

Dr. Ralph Skuban

Dr. Ralph Skuban:
Ich atme ein und ich atme aus.

Dr. Ralph Skuban:
Ich habe mich unsterblich verliebt und gerade ein wunderschönes Geburtstagsgeschenk für meine zukünftige Frau erstanden.

Dr. Ralph Skuban:
Über einen unanständigen Witz, den ich hier auf keinen Fall erzählen werde!
Dr. Ralph Skuban - Portrait


LEBE-LIEBE-LACHE: Wie definiert die Yoga-Philosphie Gewalt?

DR. RALPH SKUBAN:
Das ist dem Prinzip nach sehr einfach, doch viel weniger leicht in der konkreten Umsetzung: Jeder Verstoß gegen das Prinzip von Ahimsa ist Gewalt. Ahimsa meint wörtlich das „Nicht-Verletzen“. Das bezieht sich auf Gedanken, Worte und Handlungen, die auf uns selbst und vor allem auf andere Wesen gerichtet sind. Diese Aussage befreit uns aber nicht vom Problem der Reichweite, das heißt: Welche Wesen kann ich darin einschließen und wie weit kann, soll oder darf ich damit gehen?

Patanjali, der Autor des Yogasutra, sagt, dass Ahimsa (und einige andere Regeln) unabhängig von Ort, Zeit, Status und Situation gelten müssten, sie seien ein Mahavratam oder „großes Bekenntnis“, also besonders bedeutsam, was aber in totaler Radikalität kaum gelebt werden kann – sogar beim Atmen töten wir andere Organismen; auch Vegetarier und Verganer leben vom Leben anderer Wesen. Ich denke, der entscheidende Punkt in dieser Frage ist: Ist das Leiden, das unser Denken, Sprechen und Handeln in der Verwirklichung unseres Habenwollens (Raga) und Nichthabenwollens (Dvesha) bei anderen Menschen, Tieren und in der Natur verursachen, notwendig und zu rechtfertigen? Wenn wir alles Denken, Reden und Tun im Blick auf die Konsequenzen hin abklopfen würden, die es auf andere Wesen hat, wären wir sehr nahe am großen Bekenntnis von Ahmisa, mit dem im Yoga eigentlich alles anfängt.

LEBE-LIEBE-LACHE:
Nie lügen - geht das eigentlich ?

DR. RALPH SKUBAN:
Ich mag ein indisches Sprichwort, das lautet: Eine Lüge ist dann keine Lüge, wenn sie niemandem schadet und jemandem nützt. Darüber nachzudenken lohnt sich wirklich! Es gibt Situationen, in welchen die so genannte Wahrheit große Verletzungen anrichtet, die niemandem helfen, vielleicht außer Schmerz nichts bewirken. Entscheindend ist vor allem: Kann derjenige, dem ich die Wahrheit sage, sie auch verstehen, verkraften und integrieren? Wäre vielleicht eine kleine „Lüge“ manchmal nicht wahrhaftiger? Schergen eines totalitären Systems würde ich jederzeit mit gutem Gewissen belügen, wenn ich damit einem anderen Leid ersparen könnte … „Nie lügen – geht das eigentlich?“ fragst Du. Ich würde die Frage ein wenig umformulieren: „Nie lügen – ist das richtig?“

LEBE-LIEBE-LACHE:
Wie können wir lernen unsere Begierden zu erkennen und das persönliche Wertesystem auf unseren inneren Reichtum lenken ?

DR. RALPH SKUBAN:
Meistens lernen wir das über den Schmerz, denke ich. Solange unsere Begierden befriedigt werden und wir keine spürbaren Nachteile oder Nebenwirkungen in ihrer Erfüllung erfahren, erleben wir sie ja nicht als Problem, sondern freuen uns eben an ihrer Erfüllung. Die Schwierigkeiten beginnen dann, wenn unsere Wünsche nicht erfüllt werden (was irgendwann immer passiert). Oder wenn wir eines Tages merken, dass alle Wünsche erfüllt sind, wir aber vielleicht immer noch eine Leere in unseren Herzen verspüren. Das ist oft der Punkt, an welchem Menschen sich nach innen wenden.

LEBE-LIEBE-LACHE:
Welche Rolle spielt Dankbarkeit in Deinem Leben?

DR. RALPH SKUBAN:
Sie ist ganz sicher unglaublich wichtig. Und ich denke, ich sollte daran arbeiten, noch viel mehr davon zu kultivieren.

LEBE-LIEBE-LACHE:
Warum ist es hilfreich unsere Sinneswahrnehmungen bewusst zu  kontollieren ?

DR. RALPH SKUBAN:
Unsere Wahrnehmungen können wir gar nicht kontrollieren. Was wir aber tun können, ist, uns nicht zu sehr darin zu verstricken, nicht zu sehr zu bewerten, zu greifen oder abzulehnen, nicht alles ganz und gar durch unseren mentalen Raster von „Mag ich“ (Raga) und „Mag ich nicht“ (Dvesha) zu sehen, mit anderen Worten: die Dinge mit weniger Anhaftung zu erleben, weniger zu urteilen und zu verurteilen – letztlich mit dem Ziel, sie so zu sehen, wie sie sind, nicht wie wir denken, dass sie sind oder sein sollten. Die Selbsterforschung (Svadhyaya) und Meditation (Dhyana) ist im Yoga der Weg dahin.


Ralph Skuban
© www.skuban.de


LEBE-LIEBE-LACHE: Bindet unser Wunsch Dinge anzusammeln, den Geist ?

DR. RALPH SKUBAN:
Natürlich. Wir binden unseren Geist immer an irgendetwas: An unseren Partner, unsere Familie, unseren Status, unser Hab und Gut und so weiter und so fort. Wenn wir uns auf Dinge, also Besitz, fokussieren, binden wir den Geist eben daran und unsere Energien werden dem folgen, um zu erreichen und zu erlangen, was wir haben wollen. Es ist sicher eine sehr individuelle Sache, an welchem Punkt, bei welcher Intensität wir diese Bindung als angenehm oder belastend empfinden.

Im Blick auf den Menschen als ganze Spezies lässt sich wohl sagen, dass er seinen Geist viel zu stark an Dinge geheftet hat, und er entreißt alles, was er haben will, der Natur. Dabei hat er schlimme Verwundungen angerichtet und wir alle zahlen irgendwann einen hohen Preis dafür. Viele tun das ja schon jetzt: Der Reichtum der Welt erreicht nur eine Minderheit. Dafür hungern andere und die Natur und die Tiere werden ausgebeutet und misshandelt. Ein schlimmer Verstoß gegen Ahimsa!

LEBE-LIEBE-LACHE:
Das Glück im Inneren. Hast Du es bereits für Dich gefunden ?

DR. RALPH SKUBAN:
Es gibt Momente großen Glücks, die einfach so fließen, grundlos sozusagen: Beim intensiven Pranayama, in der Meditation, manchmal einfach so, wenn ich über eine grüne Wiese laufe oder Auto fahre … ich wundere mich oft darüber. Aber umgekehrt kann dasselbe passieren: Da taucht dann Schmerz auf oder Trauer, ebenfalls „ohne Grund“ … Es sind Energien, die sich ihren Weg bahnen und, so meine und hoffe ich, über die Zeit meinen Geist reinigen. Tapas! Nicht immer so leicht …

Aber das absolute Glück, das niemals abreißt, egal was draußen um mich herum passiert: Nein, soweit bin ich noch nicht … ich kann nicht gelassen und fröhlich sein, wenn ich sehe, wieviel Leid es auf der Welt gibt. Und wenn im ganz persönlichen Bereich mal etwas schief läuft: ja, dann tut das weh, das ist so. Ich bin halt nur ein ganz normaler Mensch. Und, da bin ich mir ganz sicher, auch alle Weisen und Mystiker erlebten das. Aber sie waren zugleich im Innersten mit etwas Höchstem verbunden, ob sie es Brahman, Gott, Tao oder anders nannten. Und immer wieder wandten sie sich dem zu.

Das Glück in der Welt ist eine relative Sache – und leider immer auch vergänglich … Das heißt aber nicht, dass wir es nicht immerwieder neu suchen und anstreben sollten. Diese Welt ist eine Schule. Und die Suche nach Glück gehört dazu.



DR. RALPH SKUBAN
wurde 1965 in der Nähe von München geboren. Eigentlich wollte er Berufsmusiker werden, doch wie so oft schrieb das Leben eine andere Geschichte. Mit Anfang 20 bereits übernahm er die Verantwortung, im Rahmen eines Familienbetriebes eine Pflege-Einrichtung für Demenzkranke zu leiten, eine Tätigkeit, die er bis Ende 2013 über 25 Jahre lang ausübte.

Parallel zu seiner Berufstätigkeit studierte RALPH SKUBAN an der Hochschule für Politik in München (HfP) und promovierte 2004 mit Auszeichnung über Europäische Sozialpolitik („summa cum laude“).

Schon immer schwang sein Herz für die Philosophie, die ja auch einen der Schwerpunkte der Politikwissenschaft bildet.

"Das westliche philosophische Menschenbild baut vor allem auf der Behauptung der menschlichen Vorrangstellung in der Welt auf, die zugleich die Grundlage für die Ethik abgibt. Der oft traurige Zustand der Welt zeugt von dieser mentalen Fehlausrichtung, die tief in das Denken der Menschen eingegraben ist.

Mir wurde klar, dass die abendländische Philosophie keine Antworten auf die großen Fragen des Lebens gibt: Wer bin ich? Wo komme ich her? Was mache ich hier? Wo werde ich hingehen, wenn ich sterbe? Warum existiert Leiden?"

In der Philosophie des Ostens, in der Mystik überhaupt, fand RALPH SKUBAN die Tiefe des Suchens, um die es ihm geht; die Offenheit und Toleranz, die der institutionalisierten Religion zumeist fehlt, die Weisheit praktischer Psychologie – und dazu die Freude, eine tägliche Praxis in sein Leben zu integrieren.

In den letzten Jahren begann RALPH SKUBAN Bücher zu schreiben und Seminare zu halten. "Östliche Philosophie ist keine trockene Theorie, sondern es geht ihr um die Frage nach einem guten Leben, nach Sinn und Tiefe, und vor allem um die Suche nach unserer spirituellen Essenz, dem inneren Licht, das eins ist mit dem Höchsten. Die Essenz der Upanischaden und aller mystischen Wege der Menschheit lautet: DAS bist du. Tat Tvam Asi."


Mehr von und über RALPH SKUBAN gibts hier: www.skuban.de




Dr. Ralph Skuban: Patanjalis Yogasutra
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Dr. Ralph Skuban
Patanjalis Yogasutra
Der Königsweg zu einem weisen Leben

- Das Grundlagenwerk zum Yogasutra -

Yoga heißt Verbindung oder Einheit und ist ein Wort für Weg und Ziel zugleich: Als Ziel steht es für den Bewusstseinszustand des Zu-Sich-Selbst-Gekommen-Seins, für den es viele Namen gibt: Befreiung, Nirvana, Himmelreich, Selbstverwirklichung, innerer Friede, Stille, Erleuchtung – und viele andere noch.

Als Weg bezeichnet Yoga die Vielfalt der Methoden, welche diesem großen Ziel dienen.


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Das Yogasutra gibt uns, frei von Dogmen und ohne den erhobenen Zeigefinger der Moral, in liebenswerter Anerkennung des Menschen und seiner Schwächen das Rüstzeug an die Hand, den höchsten Berg zu erklimmen, den es gibt: Uns selbst.
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