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Yoga-eine ganzheitliche Lebensphilosophie?



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Wir alle lesen immer wieder so viel über Yoga, bekommen die verschiedensten Sichtweisen von unterschiedlichen Yogalehrern präsentiert und bilden so, beeinflusst durch diese Informationen und Sichtweisen unsere eigene Meinung darüber, was Yoga für uns ist und wie wir Yoga praktizieren wollen.

von René Hug


Wenn man ein Mensch ist, der offen für die Meinung anderer ist, kann das sehr inspirierend sein und durchaus eine für sich bereichernde Erfahrung ergeben und uns unter Umständen sogar auf unserem Lebensweg weiterbringen. Aber oft sind wir auch ganz schnell mit unserem Urteil über etwas zur Hand und denken, was ist das denn schon wieder für ein "Schrott", der hier zum Besten gegeben wird, oder warum muss man denn schon wieder zum x-ten Mal über ein Thema schreiben, das doch nun wirklich schon in der Vergangenheit genügend besprochen wurde.


René Hug
© www.reneyoga.ch
Also... wie komme nun ausgerechnet ich auch noch dazu, über den Sinn, den Zweck und das Wesen des Yoga zu schreiben!? Und was gibt mir überhaupt das Recht und die Kompetenz dazu, solch eine Beurteilung darüber abzugeben!?

Das, was ich jetzt hier schreibe ist natürlich meine eigene Meinung zu diesem Thema. Eine Meinung zum Einen basierend auf dem, was ich selber als Schüler in verschiedenen Yogastunden erlebt habe, zum Anderen basierend auf dem, was ich in jahrelanger Aus- und Weiterbildung von anderen Lehrern gelernt habe - manche davon waren ziemlich weise Männer und Frauen, die mich viele wichtige Dinge über Yoga gelehrt haben, und andere waren, na ja sagen wir mal weniger weise, die mich aber durchaus auch etwas gelehrt haben, nämlich dass das gerade ziemlicher Schrott ist, den sie zum Besten geben. Und dann ist da noch mein eigenes Bauchgefühl, meine eigene Inspiration, auf das ich mich immer verlassen kann und das mir sagt, was richtig und falsch ist.

Auch ich bin jemand, der früher einmal sowohl in Fitness- als auch in fremden Yogastudios Yoga unterrichtet hat, der in seinem Werdegang zum Yogalehrer nationale und internationale Ausbildungen in verschiedenen Teilen dieser Welt absolviert hat, an Workshops teilgenommen, Retreats geleitet und intensiv sowohl mit verschiedenen Yoga- und Meditationslehrern als auch sogenannten "Spiritualitätsexperten" zusammen arbeitete.

Es ist unbestritten, dass die körperliche Arbeit im Yoga, also das Ausführen der Asanas (Positionen), bei regelmässiger Praxis Beweglichkeit und Kraft fördert. Nach dem Ausführen so mancher anspruchsvollen Position wird man auch den einen oder anderen Muskel spüren, von dem man vielleicht gar nicht wusste, dass man ihn überhaupt hat.

Und natürlich wird man dabei auch ins Schwitzen kommen und so manchen Schweisstropfen auf der Matte vergiessen und dem Körper wird so einiges abverlangt, besonders im Anfangsstadium, wenn man die Belastung noch nicht gewöhnt ist. Es erfordert eine gewisse Geduld des Übenden sich selbst gegenüber, um den Fortschritt, den man mit der Zeit unweigerlich macht, auch zu erkennen. An dieser Stelle sei aber auch erwähnt, dass dieser anfängliche Schweiss und die verbesserte Beweglichkeit erst der Anfang eines Weges ist, der wenn er konsequent und seriös weiter verfolgt wird, zu einer lebenslangen Reise werden kann. Dieser Weg führt weit über die verbesserte Beweglichkeit und Kraft hinaus und benötigt viel Geduld des Praktizierenden und auch ein erhebliches Mass an Selbstdisziplin.

Yin Restorative Yogatherapie Quelle des Daseins
René Hug (Autor)
Yin Restorative Yogatherapie
Quelle des Daseins


Yoga besteht nicht "nur" aus Schweiss, Beweglichkeit und verbesserter Fitness, es beinhaltet noch viel mehr. Und genau das ist der Punkt; viele Yoga Praktizierende sind auch heute noch der Meinung, dass der Schweiss "in Strömen fliessen" muss, damit sie das Gefühl bekommen, sie hätten etwas für sich getan, ja oft wird es auch als "trainieren" bezeichnet. Asanas werden schnell kraftvoll und ohne grosse Pausen aneinander gereiht, mit wenig bis gar kein Blick und Verständnis für die genaue und achtsame Ausführung und das, was hinter den Asanas noch auf sie wartet.

Es besteht die allgemeine Auffassung, je mehr man ins Schwitzen gerät desto besser. Daraus folgert man dann, kein Schweiss gleich kein gutes Training gewesen. Mit der Zeit kann das eigentlich nur zu Verletzungen und Langzeitschäden führen. Sie missverstehen Yoga als eine Sportart im klassischen Sinn, als ob man eine Disziplin ausübt und dabei am Besten gleich auch noch mit dem Nachbarn auf der Yogamatte nebenan im Wettkampf steht, wer von beiden die grössere Beweglichkeit hat und die Asana besser, oder sollen wir sagen extremer ausführen kann?!

Leider musste man in der Vergangenheit immer wieder feststellen, dass bei solchen Menschen die folgenden Erkenntnisse entweder gar nicht erst entstanden sind, beziehungsweise wieder verloren gingen. Nämlich, dass Yoga auch eine medizinisch-therapeutische Wirkung auf den Praktizierenden haben kann, wenn die Asanas langsam, mit Konzentration, Bedacht und Genauigkeit ausgeführt wurden, wenn man nämlich genau darauf achtet, dass Fussstellungen und Kopfhaltungen behutsam und genau ausgeführt werden - was mit der Zeit auch sehr anstrengend sein kann, womit wir auch hier wieder beim Schweiss wären.

Gleichzeitig hat aber diese Art der Asana Ausführung einen wohltuenden Einfluss auf den Körper und führt zur Linderung einer ganzen Reihe von Beschwerden. Vor allem bei chronischen und psychosomatischen Beschwerden erzielt hier die indische Lehre des Yoga oft erstaunliche Erfolge. Dazu zählen Rückenschmerzen und Migräne, aber auch depressive Verstimmungen und Schlafstörungen.


René Hug
© www.reneyoga.ch

Leider haben immer noch viele Menschen Hemmungen mit Yoga zu beginnen, weil sie das Gefühl haben, nicht gelenkig genug dafür zu sein. Besonders Männer mit ihren im Allgemeinen ausgeprägten Ego und Konkurrenzdenken sind für diese Meinung sehr anfällig. Dabei ist dieses "nicht gelenkig genug zu sein" gerade der beste Grund, um mit Yoga anzufangen. Ausserdem sollte man endlich einmal anerkennen, dass jeder Mensch individuelle körperliche Stärken und Schwächen hat, für die er absolut nichts kann.

Leider ist das den wenigsten wirklich bewusst. So sollte bei der Yoga Praxis immer darauf geachtet werden, seine eigenen Schwachstellen zu erspüren, sie wahrzunehmen und an ihnen zu arbeiten, oder um es umgangssprachlich auszudrücken, diese Schwächen zu trainieren, und sie so abzubauen und ganz nebenbei den Körper wieder in Einklang mit dem Geist zu bringen. Zum Glück gibt es sie noch, die Yogastunden in denen bewusst und mit Achtsamkeit mit dem Körper gearbeitet wird, in denen der Teilnehmer wieder lernt bewusst zu Atmen und auf seinen Körper zu hören.

Auch die Feinmotorik spielt im Yoga eine nicht zu unterschätzende Rolle, wobei man damit die Bewegungsabläufe der Hand-Fingerkoordination, aber auch Fuß-, Zehen-, Gesichts-, Augen- und Mundmotorik bezeichnet.

Und so kommen wir langsam zu dem, was Yoga ursprünglich einmal war und auch heute immer noch ist. Nämlich ein ganzheitlicher Ansatz zur Erkennung seiner selbst und seines innersten Befindens gepaart mit der Verbesserung des körperlichen Zustands eines Menschen. Die Ausführung der Asanas, zusammen mit bewusster Atmung & Meditation, geübter Selbstdisziplin und Konzentration auf unser Inneres, unsere Gefühle und Empfindungen, während wir Yoga praktizieren, unter Beachtung der erwähnten Feinmotorik bilden diese Aspekte ein ganzheitliches Bild von dem, was Yoga wirklich ist und den Sinn und Zweck, den es in unserem Leben erfüllen soll.

DAS wäre doch mal ein schöner Ansatz, den man in der einen oder anderen Yogastunde machen könnte, wenn man über Yoga spricht, denkt und es praktiziert.


René Hug
© www.reneyoga.ch
Ich möchte noch einmal auf meine persönlichen Erfahrungen zurückkommen. Es gab in der Vergangenheit einige Yogastunden, an denen ich teilgenommen habe, da lief zum Beispiel keine Musik, da gab es keinen Lehrer, der witzige Sprüche machte oder gross über den Ursprung oder den Sinn und Zweck des Yoga philosophierte. Es waren dann auch meistens nur ein paar wenige Asanas mit ganz einfachen Übergängen zu anderen Positionen, die sich immer wiederholten. Man achtete auf die Fussstellung, legte Wert auf eine sehr genaue Körperarbeit, konzentrierte sich auf die Atmung und entspannte bewusst die Gesichtsmuskulatur beim praktizieren. Es wurde während der Stunde nur das Nötigste gesagt und man sprach sehr wenig, meist nur ein paar liebevolle Hinweise auf die Atmung. Und nein, es floss kein Schweiss. Jedoch fühlte ich mich frisch und aufgeladen und nicht übermüdet und die Muskeln brannten nicht! Solche Yogastunden waren sehr energetisch und die Praxis war verbunden mit einer sehr starken Hingabe und einer Tiefe zum Loslassen von all dem, was einen gerade so bewegte. Der Teilnehmer war ganz im Jetzt und konnte einfach nur mal "Sein". Selbst die Mantras am Anfang und Ende der Stunde wurden ganz bewusst passend zum "Thema" der Yoga Praxis gewählt und gaben ihr somit ein rundes Gefühl.

Wenn jemand nun Yoga nur als schweisstreibende Sportart sieht, oder nur als Meditationsübung, so darf er das natürlich. Jedoch sollte er aber nicht beleidigt sein oder es als falsch betrachten, wenn ein anderer mit folgenden Worten dagegen argumentiert:

„Yoga ist eine ganzheitliche Lebensphilosophie“


In so manchen Yogastunden wäre dieser Gedanke kaum vorstellbar und würde wahrscheinlich sogar als "Nicht-Yoga" bezeichnet werden. Ich persönlich bin der Meinung, so wie man lebt, so praktiziert man auch Yoga. Ob das noch etwas mit dem ursprünglichen Gedanken und Sinn und Zweck von Yoga zu tun hat, ist dann wiederum eine andere Frage.

Egal wie viele Stunden jemand schon in einem Yogastudio verbracht hat, egal wie viele 'Retreats', 'Immersions' und Ausbildungen besucht wurden, das wichtigste dabei ist doch, dass man sich dabei gut fühlt und die eigene Praxis etwas bringt und einem hilft persönlich Fortschritt zu machen.

In diesem Artikel habe ich viel über meine persönlichen Erfahrungen geschrieben und daher ist es mir durchaus bewusst, dass ein Anderer auch wieder mit anderen Erfahrungen aufwarten kann und diese den meinen gegenüber stellen wird.

Die Kommentare und die Kritik, die nach dem Lesen dieses Artikels zwangsläufig aufkommen und auch geäussert werden sollen, werden sicherlich berechtigt sein. Jedoch, wenn jeder mit sich selbst ehrlich umgeht und auch nur ein Mindestmass an Selbstreflektion übt, wird der ein oder andere wahrscheinlich feststellen, schon einmal ganz ähnliche Erfahrungen wie ich gemacht, oder vielleicht über den ein oder anderen von mir geäusserten Punkt bereits nachgedacht zu haben.

Du mein lieber Leser, mach du dir jetzt einmal Gedanken, was ist eigentlich Yoga für dich und was möchtest du mit deiner Yoga Praxis für dich erreichen?

In diesem Sinne: Lokah Samastah Sukhino Bhavantu

Euer René



René Hug
© www.reneyoga.ch
René Hug
unterrichtet seit über 10 Jahren einen Stil, der durch Yin & Yang Yoga und Yin Yoga geprägt ist. Durch das Praktizieren dieser Stile erlangte er innere Ruhe und Gelassenheit, wodurch er einen tieferen Bezug zum Yoga fand.

Die allgemein gelehrte Achtsamkeit, sowie Meditations- und Atemtechnik ist teil seines Unterrichts, wobei dabei auch viele Elemente inspiriert durch seine eigene tägliche Yoga Praxis einfliessen.

Um sein Wissen über den menschlichen Körper und seine Funktionen zu vertiefen und zu erweitern besuchte René Hug regelmässige Yogatherapie Workshops bei der „International Yoga Alliance“.

Durch die ständige persönliche Weiterbildung, mittlerweile mehr als 1000 Stunden (RYS Yoga Alliance), und den Wissensaustausch mit den dort zertifizierten international anerkannten Yin Yoga Lehrern hält sich René auf dem aktuellsten Wissensstand. Dadurch kann er noch spezifischer auf die Bedürfnisse seiner Klienten eingehen.
Zudem gehört er der „International Yoga Alliance“, der „Yoga Alliance Europe“ sowie dem „Schweizerischen Yogaverband” an.

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