Interview René Hug:"In der Yin Yoga Praxis schaut man ganz intensiv in sich hinein"


Sind Yin und Yang ins uns einmal ausbalanciert, besagt die chinesische Philosophie, ist der Mensch entspannt und glücklich. In Anlehnung an diese alte taoistische Lehre verfeinerte der Schweizer Yoga-Lehrer René Hug den Stil des Yin Yoga.

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Seine betont sanfte Yoga Praxis stärkt dabei das ,Yin‘, also die entspannende Kraft in unserem Körper, und stellt das innere Gleichgewicht eines Menschen wieder her. Unser Alltag ist immer noch viel zu stark vom Yang, dem starken Gegenpol des Yin, geprägt, also von Stress, Hektik und Druck, was uns auf Dauer krank machen kann .

René Hug im Lebe-Liebe-Lache Interview mit Annette Maria Böhm

Lebe-Liebe-Lache:
Warum fühlen wir uns am Ende einer Yin Yogastunde nicht nur intensiv gedehnt, sondern meist auch tief entspannt und "wundersam" ruhig ?


René Hug - Lotus
© www.reneyoga.ch
René Hug:
In der Yin Yoga Praxis schaut man ganz intensiv in sich hinein, oder anders gesagt, man gibt sich selbst und seinen Emotionen hin, wobei man auch viel über sich selbst lernen kann. Durch das lange Halten der Asanas, was für viele Teilnehmer einer Yin Yoga Stunde durchaus zu einer körperlichen Herausforderung werden kann, lehrt uns diese Praxis zum Beispiel gewisse Situationen einfach einmal auszuhalten und nicht wehleidig zu sein. Da die Reize beim langen Halten stärker werden geht bei so manchem Teilnehmer das "Kopfkino" los und man erfährt plötzlich verschiedene Emotionen wie Wut, Ärger, Trauer, Verzweiflung, aber auch Erinnerungen an schöne Erlebnisse mit schönen Bildern und Erfahrungen aus der Vergangenheit, die uns gelehrt haben Ruhe zu bewahren.

Genau dieser Teil des Yin Yoga lehrt uns bestimmte Situationen unseres Lebens besser auszuhalten und mit ihnen besser umzugehen, so dass wir weniger schnell aus dem emotionalen Gleichgewicht gebracht werden.

Ein grosser Teil des Yin Yoga besteht auch darin, nicht immer unbedingt selbst aktiv zu sein und etwas verändern zu wollen, sondern die Dinge auch einfach einmal geschehen zu lassen und quasi als passiver Beobachter dabei zu sein. Dadurch erfahren wir eine Entleerung des Gedankenapparats und lernen, die Dinge, die wir nicht ändern können, so sein zu lassen wie sie sind und uns zu entspannen. Das ist der Grund, warum wir nach der Yin Yoga Praxis dann gelassen, ausgeglichen, entspannt und so „wundersam“ ruhig sind.

Lebe-Liebe-Lache:
Was hat Yin Yoga mit der Traditionellen Chinesischen Medizin zu tun ?

René Hug:
Yin Yoga ist von der Basis der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) abgeleitet. Jedoch hat Yin Yoga auch verschiedene Einflüsse aus dem indischen Yoga übernommen und mit dem chinesischen Taoismus und Erkenntnissen westlicher Wissenschaft verbunden. Die Haltungen wurden aus dem traditionellen Hatha Yoga abgeleitet. Sie wurden zu Unterscheidungszwecken allerdings umbenannt und finden meist im Sitzen oder Liegen statt. Yoga und TCM gehen von der gleichen Grundannahme aus: Der Mensch hat neben seinem physischen Körper auch einen oder mehrere Energiekörper, die von einem Netz feinstofflicher Energieleitbahnen durchzogen sind (Nadis oder Meridiane genannt). In diesen Kanälen pulsiert die Lebensenergie, von den Indern Prana und von den Chinesen Chi genannt.

Nach der taoistischen Philosophie und der TCM fehlt in unseren Energiekörpern oft das universelle Gleichgewicht. Yin und Yang sind sich ergänzende Kräfte. Während Yin - Merkmale kühl, nass, langsam, weiblich und ruhig sind, sind Yang - Merkmale warm, trocken, schnell, maskulin, extrovertiert - also genau das Gegenteil. Man könnte auch sagen, dass der hektische Alltag unseres westlichen Lebensstils die Yang - Seite unseres Lebens repräsentiert und unser Leben normalerweise durch das von uns geführte Leben sehr Yang-lastig ist und man mit einer Yin Yoga Praxis die Yin - Seite wieder stärkt und so den Ausgleich dazu schaffen kann.

Lebe-Liebe-Lache:
Unser Bindegewebe erfährt während der Asanas offensichlich eine Straffung und Neubelebung. Wirkt sich das auch auf unsere Faszien, die ja häufig in Zusammenhang mit Rückenschmerzen gebracht werden, postiv aus ?


René Hug - Mudra
© www.reneyoga.ch
René Hug:
Die Ergebnisse der modernen Faszienforschung zeigen, dass Bindegewebe – wie lange angenommen – nicht einfach Füllmaterial ist, sondern für unser Wohlbefinden eine wichtige Rolle spielt. Neueste Erkenntnisse zeigen, dass die Meridiane in den Faszien verlaufen und deren Harmonisierung durch die langen passiven Dehnungen, wie sie im Yin Yoga geschehen, eine ausgleichende und heilende Wirkung haben.

Durch das sanfte langgehaltene Ausharren in den Haltungen, können aufgrund eines Bewegungsmangels entstandene Degenerierungen und Fixationen - die geradezu eine Epidemie in unserer sogenannten "weiterentwickelten" Kultur mit ihren an die Computer "geschweissten" sitzenden Menschen darstellen - wieder aufgelöst werden.

Robert Schleip, ein moderner Faszienforscher und Rolfingtherapeut, bezeichnet Yin Yoga aus seinem heutigen Verständnis heraus als den klügsten und gewebefreundlichsten Ansatz aller Yogastile.

Lebe-Liebe-Lache:
Können wir durch Yin Yoga eigentlich auch unser Hormonsystem regulieren ?

René Hug:
Das Hormonsystem steuert und regelt über die Hormone unterschiedliche Stoffwechselvorgänge und Organfunktionen im Körper eines Menschen. Daher würde ich allen Menschen Yin Yoga empfehlen, die Stress haben, eine Menge Hektik im Alltag aushalten oder permanent Aktiv sein müssen. Denn auf die Dauer wirbelt dieser Lebensstil den Hormonhaushalt gehörig durcheinander, was einen unmittelbaren Einfluss auf diese Stoffwechselvorgänge und die Organe hat. Deshalb macht Stress auf die Dauer depressiv und krank! Yin Yoga hilft, Stress, Hektik und Überaktivität abzubauen und damit den Hormonhaushalt wieder zu regulieren.

Lebe-Liebe-Lache:
Warum ist Yin-Yoga auch für Männer empfehlenswert ?

René Hug: Den Männern würde allgemein Yoga gut tun, egal in welcher Form! (lacht)
Man sagt ja den Männern stets nach, dass sie nicht Yoga praktizieren, weil sie sich immer wieder Messen müssen und nach Leistung streben und Yoga in der allgemeinen Meinung der Gesellschaft dieses Leistungsstreben nicht bedient. Und dies ist tatsächlich auch so. Es geht nicht darum, sich untereinander zu messen oder bestimmte Leistungsziele zu erreichen. Beim Yin Yoga geht es um etwas viel Wichtigeres, nämlich den Prozess der persönlichen Entwicklung zu fördern bis hin zur Selbstheilung, falls nötig, und nebenbei die Beweglichkeit zu verbessern und eventuell bestehende Muskel- und Bänderverkürzungen wieder aufzuhaben. Meine Erfahrung bis jetzt hat mir gezeigt, dass Yin Yoga der perfekte Ausgleich zu jeglichem Training sein kann, dass viele Männer für sich in Anspruch nehmen.

Lebe-Liebe-Lache:
Du wirkst auf mich einfach immerzu tiefenentspannt. Was kann dich eigentlich aus der Ruhe bringen ?

René Hug:
Interessante Frage... Ich denke durch die jahrelange Praxis, durch das lange mich selbst beobachten, halten und auszuhalten, kann ich mit sehr vielen Situationen gelassener umgehen, denke ich und daher kann mich nichts so schnell aus dem Gleichgewicht bringen - bis zu einem gewissen Grad natürlich. Auch ich bin nur ein Mensch und arbeite immer noch an mir. Jedoch bei Menschen oder auch Tieren, die mir sehr nahe stehen und wo es um Emotionen, Gefühle und grosse Besorgnis geht, da kommt es schon mal vor, dass ich sagen wir mal etwas unruhiger werde.



René Hug

René Hug:
Dankbar sein für das, was man hat und was man noch geschenkt bekommt.

René Hug:
Organisation eines Spendenprojekts, das in meinem Yoga Studio statt gefunden hat und wieder statt finden wird.

René Hug:
Ich lache sehr oft und das auch aus meinem Herzen. Öfters kommen mir auch die Tränen, weil das Lachen so stark ist. Daher gibt es bei mir kein „zuletzt“ sondern eher, wann kommt das Nächste...
René Hug


Lebe-Liebe-Lache:
Durch deine Begeisterung und Hingabe zum Yin Yoga hast du einen ganz eigenen Unterichtsstil entwickelt. Erzähl doch mal !

René Hug:
Ich hatte das Glück und Privileg von sehr vielen verschiedenen sehr guten Yogalehrern lernen zu dürfen. Jeder hat seinen eigenen Stil gehabt, der mich auf die ein oder andere Art und Weise inspiriert hat und von jedem habe ich etwas anderes lernen und mitnehmen dürfen. Während meiner persönlichen Yogapraxis und beim Unterrichten meiner Schüler kamen mir neue Ideen und sagen wir mal persönliche Inspirationen zum Auf- und Ausbau meines persönlichen Yogastils, den ich heute unterrichte. Vieles habe ich zu Anfang auch nur in meiner persönlichen Yoga Praxis oder in Privatstunden erst einmal "ausprobiert", bevor ich es im Gruppenunterricht eingesetzt habe, wie z.B. Yoga mit heissen Steinen zu kombinieren, oder Stimmgabeln, Klangschalen und andere Hilfsmittel beim Yoga einzusetzen. Es gibt auch die Möglichkeit, einfach nur die eigene Stimme als Hilfsmittel zu nutzen oder den Teilnehmern die Augen zu verbinden, so dass sie quasi "blind" sind und dadurch gezwungen werden, ihre Sinne nach innen zu richten und auf ihre innere Stimme zu hören.

Durch die Resonanz der jeweiligen Yogis und Teilnehmer wurde ich ermutigt, meinen eigenen Stil mehr und mehr weiterzuentwickeln - übrigens er wächst immer noch und ich denke, dass dies auch immer so sein wird. Je mehr ich lerne im Leben, desto mehr wächst und verändert sich mein Unterrichtsstil. Ich hoffe, dass das nie aufhört. (lacht)


René Hug - Klang
© www.reneyoga.ch


Lebe-Liebe-Lache:
Inwiefern formt unsere Präsenz auf der Yogamatte unser gesamtes Leben ?

René Hug:
So wie ich mich auf der Yogamatte verhalte, d.h. so wie ich mich selber wahrnehme und mich selbst behandle, so achtsam, wie ich mir selbst gegenüber bin, genau so werde ich mich auch meinen Mitmenschen gegenüber verhalten - jemand hat einmal gesagt "Liebe deinen Nächsten so wie dich selbst". Kannst du dich selbst nicht lieben, dann kannst du deinen Mitmenschen genauso wenig lieben; behandelst du dich selbst schlecht, dann machst du das höchstwahrscheinlich auch mit deinem Mitmenschen so. Aber... um dich selbst gut zu behandeln, musst du dich erst einmal kennen und wissen, was du brauchst und was dir gut tut - und genau da kommt Yin Yoga ins Spiel.

Lebe-Liebe-Lache:
Erklärst du unseren Lesern die Bedeutung des Mantras  "Lokah Samastah Sukhino Bhavantu" ?

René Hug:
Es ist ein Mangala Mantra, also ein Mantra des Wohlwollens, ein Glücksmantra, ein Segensmantra. Mit einem Mangala Mantra wünscht man Frieden und Wohlergehen für alle Anwesenden und für alle Menschen auf der ganzen Welt - was mir persönlich, wie auch vielen Anderen wahrscheinlich, ein grosses Anliegen ist!

Übersetzt wird es mit folgenden Worten:

"Mögen alle Wesen überall glücklich und frei sein, und mögen meine Gedanken, Worte und Taten ihren Beitrag zu diesem Glück und dieser Freiheit aller leisten."

Ich beende meine Yogastunde immer mit diesen Worten, oder wenn ich etwas Persönliches und Wichtiges sage oder schreibe, quasi als beendendes Grusswort.


Mehr von und über René Hug finden Sie unter : http://reneyoga.ch/
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