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Aparigraha: die innere Haltung der Anspruchslosigkeit


Eine Kleiderstange ist bereits leergeräumt. " Unnötogen Ballast abwerfen", heißt mein Motto im neuen Jahr. Und siehe da, es klappt bereits ganz gut oder besser gesagt: Es macht sogar richtig Spaß mich von alten "Engergien zu trennen " die von mir selbst wegführen, oder so gar nichts mehr mit mir zu tun haben.Wie zum Beispiel Kleidung, die ich schon seit gefühlten Äonen nicht mehr getragen habe.


Im Yoga heißt meine Aktion "Aparigraha" Sanskrit: अपरिग्रह und gehört zu den Yamas, dem ersten Glied des achtgliedrigen Pfads nach Patanjali. Entscheidend für Aparigraha ist, sich von überholen Erwartungshaltungen zu lösen um so den eigenen Wert klarer zu erkennen.

Aparigraha: die innere Haltung der Anspruchslosigkeit
© flickr THOR geishaboy500
Jenen eigenen Wert zu erkennen, klappt sogar bei Schuhen. Ein ganzer Sack vermeindlicher Lieblingstreter ist bereits zustande gekommen und weitere sollen folgen.

Mein Aktionismus kennt derzeit keine Grenzen. Gestern habe ich mich an mein erstes großes Bücherregal gemacht und großzügig losgelassen. Mehr als die Hälfte meiner Bücher werde ich demnächt "frei lassen". Sie wollen ihr Leben nicht länger in meinen Regalen verbringen und Staub sammeln, sie wollen raus und andere Leben berühren! Deswegen lasse ich bald meine Bücher einfach irgendwo liegen - an einem Sonnentag auf einer Parkbank, in einer S-Bahn Station, auf dem Tisch in meinem Lieblingscafé. Meinen facebook-Freunden sind noch ungefähr 1000 weitere Orte eingefallen um Bücher auzusetzen … was mich zusätzlich beflügelt.



„Wenn es keine Begierde mehr gibt,
die den Verstand verrückt macht,
kann die Liebe wahrhaftig, voll und ganz sein.“

Sai Baba



Yo … plötzlich, wie durch Zauberhand, findet bei mir eine Art Reflexion dessen statt, was und wieviel ich tatsächlich von etwas ( Kleidung, Schuhe, Bücher aber auch Anerkennung Zuwendung, oder sogenanntem Erfolg ) brauche. Wobei: Ich weiß natürlich nicht, wie lange dieser Zustand der neuen Leichtigkeit bei mir anhalten wird, schließlich bin ich ich im konsumorientierten Westen aufgewachsen und konditioniert worden. Aber derzeit genieße ich das Aparigraha - Gefühl ganz bewußt, trägt es doch dazu bei, mich von falschen Erwartungshaltungen zu lösen und meinen eigenen Wert noch deutlicher zu erkennen.

Mal ehrlich: Letztlich haben wir doch alle höchstwahrscheinlich genug. Im Kleiderschrank, im Wohnzimmer, in Küche und Keller und auf dem Dachboden. Warum vergessen wir nur allzuoft, dass zuviel Besitz unfrei macht und uns tonnenschwer belastet? Unser Gier nach mehr, verhindert doch in Wirklichkeit tiefe innere Zufriedenheit und echtes Glück.


Alles was wir benötigen, tragen wir bereits in uns


Ich denke, auch und vor allem in unserer Yoga- Praxis, kann es wertvoll sein, solche neuen Zusammenhänge herzustellen und in die täglichen Übungsabfolgen miteinzubeziehen. Auf der Körper-Seele-Geist Ebene lernen wir dann ganz selbstverständlich, was wirklich wichtig ist und wonach wir uns zutiefst sehnen. Und darüberhinaus kann in solchen Momenten der intensiven Praxis wahre Demut entstehen. Dem Leben und und uns selbst gegenüber.


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