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Wie entsteht ein Problem?


Wir glauben häufig, uns schlecht zu fühlen, weil jemand anderes etwas Bestimmtes getan oder gelassen hat. So sind wir beispielsweise traurig, wenn wir erfahren, zu einer Geburtstagsfeier nicht eingeladen zu sein, deren Gastgeber wir zu unseren Freunden zählen. Oder wir sind enttäuscht, wenn unser Partner sein Versprechen uns gegenüber nicht einhält. Wir sind sauer, wenn jemand uns beim Autofahren mit Hupen oder dichtem Auffahren bedrängt, wird werden wütend, wenn uns jemand ungerechtfertigt anschreit.

So haben wir ständig damit zu tun, übellaunigen Menschen aus dem Weg zu gehen, dafür zu sorgen, dass sich unsere Freunde und Partner richtig verhalten und vieles andere mehr. Nur… Haben Sie mal bemerkt, dass das alles nichts nützt? Dass Sie es nie völlig im Griff haben? Dass immer irgendwer irgendwas tut, das Ihnen nicht gefällt? In Ihrer Nähe oder woanders auf dieser Erde?

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Vielleicht geht es ja gar nicht darum, alles in der Außenwelt zu kontrollieren und im Griff zu haben. Schauen wir uns doch mal genauer an, wie es überhaupt zu einem Gefühl von Enttäuschung, Wut oder Traurigkeit kommt, wenn andere Menschen mit im Spiel sind.

Nehmen wir einmal an, Sie haben eine Verabredung mit einer guten Freundin. Sie haben dies schon lange geplant und freuen sich sehr darauf.


Szene Nummer 1


Sie sind in einem Lokal verabredet und kommen ein wenig zu früh, weil Sie sich sehr beeilt haben. Sie sind etwas aus der Puste und fühlen sich unwohl. Sie hoffen, dass Ihre Freundin bald kommt. Doch… Sie kommt nicht. Sie versuchen, Sie über Handy zu erreichen, doch es ist abgestellt. Sie bestellen sich ein Getränk. Es schmeckt fahl und langweilig und Ihnen vergeht mehr und mehr die Lust auf den Abend.

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© Free-Photos/pixabay

Sie warten. Und warten. Und warten. Ihr Magen knurrt. Ihre Freundin ist jetzt schon 40 Minuten überfällig. Sie fragen sich langsam, ob Sie gehen sollen oder einfach etwas zu Essen bestellen. Sie tun weder das Eine noch das Andere. Sie ärgern sich.
Als Ihre Freundin nach 50 Minuten Verspätung auftaucht, sind Sie entnervt und lassen nun Ihre Laune an Ihrer Freundin aus, die keine rechte Entschuldigung für ihr Verhalten hat. Das Treffen beginnt mit einer Missstimmung, die sich noch eine ganze Weile durch den Abend zieht.


Szene Nummer 2


Sie sind in einem Lokal verabredet und kommen ein wenig zu spät, ganz in Sorge, Ihre Freundin könnte schon auf Sie warten. Doch zum Glück ist sie noch nicht da! Sie setzen sich an einen gemütlichen Tisch, die Kellnerin kommt, zündet Ihnen auf Ihre Bitte hin die Kerzen auf Ihrem Tisch an und bringt Ihnen dann Ihr Getränk.


Das Restaurant ist noch ganz leer und die Kellnerin hat etwas Zeit. Sie plauschen ein wenig miteinander. Die Zeit verfliegt. Plötzlich fällt Ihnen ein, dass Sie noch ein wichtiges Telefongespräch zu führen haben, das Ihnen den ganzen Tag über durch die Lappen gegangen ist. Sie greifen zum Handy und erreichen den gewünschten Gesprächspartner.


10 Minuten später ist eine Sache geklärt, die Ihnen wirklich am Herzen lag. Sie seufzen zufrieden und bestellen sich noch ein leckeres Getränk und werfen in Vorfreude schon mal einen Blick auf die Speisekarte. Ihre Freundin kommt, Sie freuen sich und merken nicht einmal, dass diese 50 Minuten Verspätung hat. Es wird ein wunderbarer Abend mit netten Gesprächen und sehr leckerem Essen…

Aus der Szene Nr. 1 entstehen meist Stressgedanken, die so oder ähnlich lauten können:
„Meine Freundin ist unzuverlässig. Sie sollte pünktlich sein.“
„Meine Freundin ist rücksichtslos. Ich will, dass sie Ihr Handy anlässt, wenn wir verabredet sind.“
„Ich möchte meine Zeit nicht mit Warten vergeuden.“
Diese Stressgedanken sind direkt mit unguten Gefühlen und schlechter Laune verbunden. Aus der zweiten Szene entsteht gar kein Stressgedanke, sondern nur Dankbarkeit und Freude.


Wenn wir jemanden, der Szene Nr. 1 erlebt hat, fragen, warum er oder sie so sauer ist, werden wir die Antwort bekommen: „Weil meine Freundin 50 Minuten zu spät gekommen ist, ohne mir Bescheid zu geben!“ Doch… Moment mal, genau das Gleiche hat die Freundin in Szene Nr. 2 auch getan. Wo liegt also der Unterschied?

Der Unterschied liegt allein in meiner persönlichen Reaktion und meinem Denken. In Szene Nr. 1 hat mein Denken und Fühlen dazu geführt, dass mein Unwohlsein sich in allem gespiegelt hat: Ich bin aus der Puste, das Getränk schmeckt mir nicht, das Handy ist ausgeschaltet. Das Gefühl „Alles ist doof“ breitet sich wie eine wabernde Masse aus und legt sich auf den ganzen Abend. In Szene Nr. 2 bleibe ich gefühlsmäßig locker, unbefangen und freudig. Auch das wirkt sich auf alles aus: Die Kellnerin ist nett und plaudert mit mir, mir fällt noch etwas Wichtiges ein, mein Getränk schmeckt mir.

Daraus lerne ich: Das Problem liegt niemals in den Umständen, also in dem, was geschieht. Sondern das Problem entsteht erst durch meine Reaktion auf das Geschehen. Die Verspätung allein bewirkt noch gar nichts. Das Geschehen an sich erzeugt kein Problem. Doch sobald etwas geschieht, hefte ich gedanklich eine Bewertung daran: “Das ist schlecht. Ich bin enttäuscht.” Oder “Das ist gut. Ich freue mich.” Im ersten Fall bewerte ich die Situation als schlecht, im zweiten Fall bin ich sogar erleichtert, dass meine Freundin noch nicht da ist.

Ohne die gedankliche Bewertung gäbe es also kein Problem. Probleme entstehen in unserem Kopf. Spirituelle Traditionen sagen: Nichts außerhalb unserer selbst kann uns Leid zufügen. Allein die Gedanken, Urteile und Bewertungen, die wir an das Geschehen heften, bescheren uns Leid oder Freude. Daraus folgt unmittelbar, dass alles aus einer Betrachtungsweise entsteht und von unserer Perspektive abhängt. Es gibt im Grunde kein “Problem” und keine “Lösung”, außer in unserem Kopf. Wären wir in der Lage, alles, was ist, vorurteilsfrei zu akzeptieren und gleichermaßen zu lieben, hätten wir kein Problem. Das ist im Grunde der Zustand der Erleuchtung. Nun sind die meisten von uns nicht in diesem Zustand (was ich hiermit aber eigentlich nicht bekräftigen möchte, denn wenn wir Erleuchteten Glauben schenken wollen, müssen wir uns einfach nur an diesen Zustand erinnern und sind tatsächlich niemals von ihm entfernt). Aber viele von uns fühlen es offenbar noch nicht.


Vielleicht gibt es ja einen Weg dorthin, einen Weg der Erinnerung. Einer davon ist der Weg, unsere Gedanken, Urteile und Bewertungen zu hinterfragen. Ich selbst bin auf diesen Weg gekommen, als Saturn an meinem AC stand und ich gerichtlich verurteilt wurde. Das stand so sehr im Konflikt zu meiner eigenen Gedanken- und Wahrnehmungswelt und hat mir so viel Leid bereitet, dass ich angefangen habe, Verantwortung für meine Gedanken, Urteile und Bewertungen zu übernehmen.

Unser Denken ist ein sich selbst bestätigender Mechanismus. Unser Verstand denkt etwas, das heißt eigentlich: er nimmt einen Gedanken auf. Denn Gedanken sind noch nicht einmal ein Produkt von uns selbst. Sie sind universell und kommen uns einfach in den Sinn. Wie Vögel, die kurz durch unseren Garten fliegen. Sobald wir einen dieser Vögel festhalten, uns also an einen Gedanken heften, glauben wir diesen Gedanken, wenn wir ihn nicht hinterfragen. Unser Verstand sucht dann automatisch Beweise für die Richtigkeit dieses Gedankens. Seine Aufgabe ist es nämlich, Recht zu haben. Ab diesem Moment können wir nicht anders als die Welt genau so zu sehen wie wir denken. Unsere Wahrnehmung wird von diesem Gedanken, an den wir uns geheftet haben, geprägt. Das ist im übrigen auch der Ursprung von Projektion. Alles, was wir wahrnehmen, wurde in uns zuvor gedacht. Dabei kann das ablehnendes Denken oder Wunschdenken sein – das spielt keine Rolle. Unsere Gedanken sind dazu bestimmt, sich zu realisieren. Sie erschaffen unsere Wirklichkeit.


Wenn wir leiden und ein Problem haben, können wir nun also:


auf der äußeren Symptomebene herumdoktorn und die Freundin für die Verspätung kritisieren. Die meisten von uns tun das. Wir setzen uns damit in den Widerstand zur Realität. Das erzeugt meist nur weiteres Leid, weil wir die Dinge um uns herum nicht kontrollieren können.


Wir alle haben die Erfahrung gemacht, dass wir andere Menschen nur bedingt ändern können, größere gesellschaftliche Systeme noch schwerer (Schulsystem) und universelles Geschehen (Erdbeben) fast gar nicht. Dennoch beschäftigen wir uns pausenlos mit den Umständen und holen uns ständig neue Beulen.


Alternative: Wir hinterfragen unser Denken. Das bedeutet in der Konsequenz nicht, dass uns das Leben und die Umstände egal werden. Wir hören nur auf, alles kontrollieren zu wollen, tun was wir können und überlassen den Rest dem Lauf der Dinge, ohne in uns Widerstand und damit Leid gegen das Geschehen zu erzeugen.

Wer sich dafür interessiert, zu erfahren, wie dieses Hinterfragen funktioniert ist herzlich zu meinem Workshop am 17./18. Januar in Köln eingeladen

Ich wünsche Ihnen in jedem Fall viel Freiheit im Kopf und in Ihrem Denken für das ganze Jahr 2015!




Sabine Bends
© www.astrologie-koeln.de
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